"Ich verbinde mit diesem Buch die Hoffnung, dass die Worte darin ein weite­rer Schritt auf dem Weg sind, der Wahrheit die Ehre zu geben und damit die Macht zu entmachten. Hinter den Stand kann nun keiner mehr zurück. Das ist enorm wichtig. Ich bin sicher, dass der "Unheilige Berg" nun die Gespräche auf eine neue Ebene heben wird. Er ist ein Meilenstein in der Debatte."

Pater Godehard Brüntrup SJ

 

 

"Ich glaube, dass Sie ein wichtiges Buch geschrieben haben, gerade auch weil es an manchen Stellen "unbequem" ist."
Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

 

 

"Herausgekommen ist eine genaue und atemberaubende Analyse von Strukturen und „Kulturen“, die den Missbrauch ermöglicht haben. Ein wichtiges, hochaktuelles und spannend zu lesendes Buch!"

Claudia Igney, Vielfalt e. V.

 

 

„Es gibt nur wenige, so wie Ebba Hagenberg-Miliu, die sich dem Thema stellen und langfristig dran bleiben. Mögen aus solchen Büchern einmal Bestseller werden!"
Norbert Denef, Vorsitzender von netzwerkB

 

 

„Dieses Buch ist ein Baustein für das Projekt einer ge­samtgesellschaftlichen Aufarbeitung der Gewalt gegen Kinder und des Missbrauchs von Kindern."

Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tischs

 

 

"Das vorliegende Buch ist ein Meilenstein der Aufklärung über die Miss­brauchsfälle am Aloisiuskolleg. Ohne die Betroffenen, die darin sprechen, ist die weitere Aufarbeitung nicht möglich. "

Heiko Schnitzler, Geschäftsführer des Eckigen Tischs

 

 

 

"Das Buch vermittelt im Unterschied zu den wissenschaftlichen Studien über den Missbrauch am Aloisiuskolleg die Ich-Perspektive der Betroffenen. Es wird bei uns im Haus eine gewichtige Rolle spielen. Es gibt keinen Schlussstrich. Für mich ist es eine Wunde, dass sich nur der frühere AKO-Rektor Pater Theo Schneider als Autor verweigert hat."

Pater Johannes Siebner SJ, AKO-Rektor

 

 

 

"Herzlichen Glückwunsch zu der Herausgeber-Leistung und auch der Gesamtleistung der  Jahre seit 2010."

Pater Klaus Mertes SJ

 

 

 

 

“Das Buch ist die erste Tat einer wirklich gerechten Aufarbei-

tung. Erstmals werden Missbrauchsopfer, die Politik und die Institution, an der sich die Taten abspielten, an einem Ort zusammengeführt, der für jeden zugänglich ist: in einem Buch für jedermann.”

Simon Kolter, 15, Chefredakteur der Schülerzeitung des Aloisiuskollegs

 

 

 

"Der "Unheilige Berg" ist ein Pionierwerk, das detailliert  Machtmissbrauch an einer deutschen Schule beschreibt."

Anselm Neft, Schriftsteller

 

 

 

„Ich finde, dass es ein großartiges Buch geworden ist.
Besonders die "Breite" der Autorinnen und Autoren beeindruckt mich und zeigt, wie gut Sie als Interviewpartnerin angenommen worden sind und in welchem Umfang Ihre journalistische Arbeit anerkannt ist."

Professor Arnfried Bintig

 

 

 

"In "Unheiliger Berg" wird der Machtmiss-brauch am Ako aus allen Perspektiven analysiert: von Betroffenen und Angehörigen, Mitschülern, Vertretern von Schule, Internat und Orden, von Politik, Justiz und Opferschutz."

Bettina Köhl, General-Anzeiger Bonn

 

 

 

"Ein hervorragendes Buch hat die Bonner Kollegin Ebba Hagenberg-Miliu da herausgegeben: Da kann man viel darüber lernen, wie im Jesuitenorden mit dem Thema umgegangen wurde und wird."

Christoph Fleischmann, Journalist

 

 

 


"... Wie sehr die Opfer auch Jahre nach dem Missbrauch noch lei-

den, hat gerade erst ein neu erschienenes Buch mit dem Titel „Unheiliger Berg“ eindrücklich dar-

gelegt."

Walter Bau, WAZ

 

 

 

 

"Das Ergreifende auf 288 Seiten sind die Darstellungen ehemaliger Opfer und ihrer Angehörigen. Ihre Scham vor Entdeckung auf der einen Seite und die perfide Vorgehensweise insbesondere des ehemaligen Schulleiters, um sich seinen Opfern anzunähern."

Philipp Königs, Bonner Rundschau

Aktuell

 

 

Theater Regensburg

„Gegen die Sprach-losigkeit“

 

Podiumsdiskussion zu sexualisierter Gewalt in Institutionen (anlässlich der Inszenierung von Thomas Melles „Bilder von uns“)

11. Mai 2017, 19.20 Uhr, Theater am Haidplatz, Regensburg

Mit Charlotte Koppenhöfer, Ebba Hagenberg-Miliu und Alexander J. Probst

 

Nach einer langen Phase des Schweigens, des Wegschauens und des Nicht-für-möglich-Haltens ist sexualisierte Gewalt zu einem Thema der Öffentlichkeit geworden. Das Canisius-Kolleg in Berlin, das Aloisiuskolleg in Bonn, die Odenwaldschule oder die Regensburger Domspatzen: Sie alle stehen stellvertretend und besonders prominent für eine Welle der Aufdeckung sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Jungen in Institutionen. Viele Betroffene haben oft erst nach vielen Jahrzehnten den Mut und die Sprache gefunden, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Aus Gerüchten und Mutmaßungen, aus Verdächtigungen und Zweifeln sind Gewissheiten geworden, aus Einzelfällen wurde ein ganzes Geflecht von anhaltendem Missbrauch in Institutionen.

 

Der Autor Thomas Melle beschreibt in dem Theaterstück „Bilder von uns“ die Auswirkungen eines systematischen und jahrzehntelang währenden Missbrauchs. Er wirft einen schonungslosen Blick auf vier grundverschiedene Charaktere, die sehr individuell um die Deutungshoheit über die eigene Biographie ringen.

 

Zusammen mit der Regisseurin Charlotte Koppenhöfer, Ebba Hagenberg-Miliu (als Journalistin begleitet sie die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals am Bonner Aloisiuskolleg seit 2010 für den General-Anzeiger Bonn, Herausgeberin des Buches „Unheiliger Berg“), Alexander J. Probst (ehemaliger Domspatz, Autor des Buches „Von der Kirche missbraucht“) u.a. wollen wir die Mechanismen von institutionellen Missbrauchssystemen beleuchten. Was verhindert die Aufklärung und braucht es rechtliche Änderungen? Welche Mechanismen werden bei der Aufarbeitung sichtbar? Welche Präventions- und Schutzmaßnahmen sind notwendig?

(Foto: Ebba Hagenberg-Miliu)

 

http://www.theater-regensburg.de/spielplan/details/gegen-die-sprachlosigkeit/

http://www.regensburg-digital.de/fuer-opfer-gibt-es-kein-wir/26042017/

 

 

 

 

 

School of Film and Television, Los Angeles,

und Akademie für Internationale Bildung, Bonn

 Kurzfilm "Fall From Grace"

 ("Der Sündenfall")

 von Morgan Hinshaw

 Studentin der jesuitischen Loyola Marymount University Los Angeles

Password to view: badgodesberg

 

 

 

 

29, September 2016

Nachrichtenagentur epd-zentral

Missbrauchsopfer fordern mehr Aufklärung von Jesuiten

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Kurz vor der Generalkongregation der Jesuiten fordern Missbrauchsbetroffene des Bonner Aloisiuskollegs den Orden auf, die Verantwortlichen in ihren Reihen endlich zur Rechenschaft zu ziehen. "Eine nennenswerte Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten für die Missbräuche im Orden hat noch nicht begonnen", kritisiert der Eckige Tisch, der Verein der Missbrauchsopfer an dem Bonner Jesuitenkolleg, am Freitag in Bonn und Berlin.

 

"Vielmehr erhalten bis zum heutigen Tag einzelne Ordensmitglieder, die Missbrauch in ihrem Verantwortungsbereich wissentlich zugelassen haben, von der Ordensleitung Rückendeckung", hieß es. Bei der 36. Generalkongregation der Jesuiten, die am Sonntag in Rom beginnt, wählt der Orden einen neuen Generaloberen.

Der von den Jesuiten selbst in Auftrag gegebene Aufklärungsbericht der Kölner Rechtsprofessorin Julia Zinsmeister habe 2011 allein 55 Berichte von namentlich bekannten Personen aufgelistet, die Grenzverletzungen nur am Aloisiuskolleg erlebt oder wahrgenommen hätten. Bis heute seien noch weitere Berichte hinzugekommen

 

"Hieraus geht ein eindeutiges Tat- und Verhaltensmuster hervor: dass nämlich am Aloisiuskolleg ein inzwischen verstorbener Täter sein pädophiles Himmelreich unterhielt und auch nicht entfernt wurde, nachdem bekannt war, was er trieb", kritisierte Heiko Schnitzler, Vorsitzender des Eckigen Tisches. Der Orden scheine zur Aufarbeitung selbst nicht in der Lage zu sein. ham

 

http://www.epd.de/zentralredaktion/epd-zentralredaktion/missbrauchsopfer-fordern-mehr-aufkl%C3%A4rung-von-jesuiten

 

 

 

8. September 2016

General-Anzeiger Bonn


Stella Rheni kann gemietet werden
Das Aloisiuskolleg bietet Teile seiner Internatsvilla für Events und Tagungen an. Veranstaltungen im Kuppelsaal

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

BAD GODESBERG. Das Aloisiuskolleg (Ako) vermietet seit Kurzem Teile seiner Internatsvilla Stella Rheni für Galas, Hochzeiten, Tagungen und Events. Eine Brühler Agentur preist den 1926 vom Jesuitenorden gekauften Prachtbau als „brandneue Top Location“ mit herrschaftlichem Park, als Event-Areal ohne Auflagen an. Die Stella Rheni, der „Stern des Rheins“, war Ende des 19. Jahrhunderts im neoklassizistischen Stil als Sommersitz der Fabrikantenfamilie von der Heydt auf der Wacholderhöhe Godesbergs errichtet worden. Von zwei vorgelagerten Terrassen bietet sich der Blick aufs Siebengebirge. Dann ging der Komplex an den Jesuitenorden. Seit 1927 wird die Stella Rheni vom Ako als Internatsgebäude besonders für Unter- und Mittelstufenschüler genutzt. Im Park baute der Orden damals auch das neue Schulhaus mit Wirtschaftsräumen sowie Sportanlagen.

 

Ende der 1960er Jahre wurde die Stella Rheni von der damaligen Kollegspitze saniert und mit teilweise gespendeten Kunstwerken und Antiquitäten ausgestattet. Im Kuppelsaal finden heute Konzerte, Lesungen und Diskussionsveranstaltungen der Schule statt. In der Immobilie, die seit 2006 unter Denkmalschutz steht, können nun ein 25 Meter hoher Kuppelsaal mit Mosaikfliesen, Marmorsäulen und Stuckdecken sowie weitere Räume angemietet werden. „Es gibt so viele Ecken und Winkel im Park und in der Villa. Alles in einer vielfältigen und kreativen Art individuell nutzbar“, und zwar „ohne Auflagen“, heißt es auf der entsprechenden Homepage.

 

Die Stella Rheni war 2011 von der Ako-Aufklärungskommission als Ort vielfachen Schülermissbrauchs durch einen früheren, 2010 verstorbenen Kollegsleiter ermittelt worden.

 

Ein Grund für die jetzige Vermietung dürfte wie in allen Internatsschulen die abnehmende Zahl an Internatsschülern sein. Aktuell sind im Jungen- und Mädcheninternat 75 Schüler gemeldet. 2014 wies Ako-Rektor Pater Johannes Siebner im schuleigenen Newsletter auf „die schwierige finanzielle Situation des Kollegs“ hin. Die Ursachen lägen in den Folgen aus dem Wechsel von G 9 nach G 8, einem „Rückgang der Belegungszahlen im Internat“ sowie „in einer erheblichen Schuldenlast aus den Bautätigkeiten der 2000er Jahre und in strukturellen Problemen der Haushaltsführung der Vergangenheit“.

 

   http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Stella-Rheni-kann-gemietet-werden-article3352953.html

 

Erste Kommentare in den sozialen Medien:
Eckiger Tisch: Unsere Mitglieder haben am eigenen Leib die sadistischen und sexuellen Übergriffe hinter diesen Fenstern und im Keller erlebt. Wer möchte so etwas mieten? Möglich wurden diese durch die Verantwortungslosigkeit der #Jesuiten als Orden. Wo ist die Verantwortung für die Geschichte heute?

 

"Soweit ich das sehe, ist der Ruf eines Jesuitenkollegs überhaupt nicht kaputtzukriegen" (Pater Ludger Stüper, SJ, 1979.

 

Während Villabajo noch schrubbt, wird in Villariba schon gefeiert!

 

Warum dreht sich mir bei den Worten "ohne Auflagen" und "viele Ecken" der Magen um? Ein Hoch auf die Kollegsleitung, auf ihre Sensibilität gegenüber den Betroffenen des Missbrauchs in diesem Haus.

 

Interessant! Gibt es irgendwo Bilder von innen? Ich könnte so eine Location gut für größere Seminare und Conventions gebrauchen.auchs in diesem Haus!

 

Tolle Vorstellung, auf dem Rasen anlässlich verschiedenster events zu flanieren, wo früher die Jungen nackt fotografiert wurden, und an genau der Stelle Hochzeiten zu feiern, wo nur so schleppend eine Aufarbeitung der damaligen schlimmen Ereignisse vonstatten ging...

 

 

 

 

17. August 2016

General-Anzeiger Bonn und Nachrichtenagentur epd:

 

Abschied am Aloisiuskolleg in Bad Godesberg

Internatsleiter Christopher Haep geht

17.08.2016 BAD GODESBERG. Der 41-Jährige Internatsleiter Christopher Haep führte die Einrichtung durch Krisenjahre, als Missbrauchsvorwürfe gegen frühere Patres laut wurden. Jetzt baut er die Abteilung Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat Hamburg auf.

Christopher Haep, langjähriger Internatsleiter des Aloisiuskollegs (Ako), hat das Jesuitenkolleg verlassen: Der 41-Jährige baut die Abteilung Schule und Hochschule im Erzbischöflichen Generalvikariat Hamburg auf. „Nach 14 Jahren überaus engagierter Erziehertätigkeit im Internat, davon die vergangenen zehn Jahre als Internatsleiter, sagen wir von Herzen Dank und wünschen ihm Glück und Gottes Segen für die neue Aufgabe“, so Rektor Pater Johannes Siebner. Bei der Verabschiedung im September will er Haep würdigen. Melanie Weingartz folge Haep kommissarisch, bis die Stelle neu besetzt sei.

„Ich sehe mit großer Dankbarkeit auf die Zeit am Ako zurück, trotz aller Herausforderungen der letzten Jahre“, sagt Haep. „Alle, die mich kennen, wissen, dass ich fürs Kolleg und insbesondere für das Internat und die Arbeit mit den Schülern gebrannt habe – eine Zeit, die ich nicht missen möchte.“ Der promovierte Pädagoge strukturierte das Internat neu und baute dessen Mädchenabteilung auf. Seit 2002 war er im Vorstand der Schulstiftung. Er leistete Schultheaterarbeit auf hohem Niveau. 2014 wählte ihn der Verband Katholischer Internate zum Vorsitzenden.

Der promovierte Pädagoge hat die Mädchenabteilung des Internats aufgebaut

Haep führte gerade das Internat durch Krisenjahre. Ako und Ako-pro-Seminar waren seit 2004 mit Missbrauchsbeschuldigungen konfrontiert. Haep, selbst Ako-Schüler bis 1995, steuerte, nachdem Rektor Pater Theo Schneider 2010 kurzfristig zurücktrat, bis Mitte 2011 die Aufklärung und schuf einen Präventionsleitfaden.

Im 2014 erschienenen Buch „Unheiliger Berg“ ging Haep mit seinen Förderern Pater Schneider und Pater Ludger Stüper hart ins Gericht. Haep gab dort auch für sich selbst „eine Blindheit durch Verstrickung in Beziehungen, eine Blindheit sehenden Auges“ zu. Weiteren Handlungsbedarf sah er unter anderem in der Aufklärung der „nicht unbeträchtlich vielen Suizide von Schülern in den letzten 25 Jahren“.

„Das Ako ist in Sachen Aufarbeitung große Schritte vorangekommen“, erklärt er heute. Nicht zuletzt die jüngste Erklärung der Kollegsgemeinschaft zeige das (der GA berichtete). „Allerdings sehe ich diesen Aufarbeitungsprozess noch nicht als abgeschlossen an. Mit der Dialogrunde zwischen Betroffenen und Kolleg existiert ein gutes Instrument des Austauschs.“

Der Betroffenenverein Eckiger Tisch Bonn stimmt zu, aber erinnert: „Die Suizide und das zum Teil lebenslang prägende pädagogische Versagen von Haeps Vorgängern Schneider und Stüper sind auch jenseits des sexuellen Missbrauchs bis heute nicht aufgearbeitet“, so Heiko Schnitzler. Haep bleibe für die Betroffenen ein wichtiger Zeitzeuge. „Er hat die übergriffige Willkürherrschaft in auch verantwortlichen Positionen persönlich miterlebt.“

Betroffenenverein Eckiger Tisch würdigt Haep als wichtigen Zeitzeugen

Rektor Pater Siebner erklärt auf Anfrage, dass der Ako-Aufklärungsbericht von Julia Zinsmeister von 2011 eine „signifikante Häufung‘“ von Suiziden nicht bestätigt habe. Er selbst komme in der Aufarbeitung an Grenzen dessen, was er tun dürfe. Er signalisiere gerne weiter Ansprechbarkeit. Er sei den Gerüchten durchaus nachgegangen und habe mit älteren Kollegen gesprochen. „Nach meiner Kenntnis hat es zu keinem Zeitpunkt polizeiliche Ermittlungen gegeben, die einen Bezug zum Ako hergestellt haben“, so Siebner.

Entscheidend sei, hier Persönlichkeitsrechte zu schützen. „Für mich und für uns als Kolleg bleiben folgende Fragen: Sind wir über die Jahre stets wach genug gewesen? Und: Sind wir heute hinreichend aufmerksam? Wie begleiten wir Kinder, Jugendliche und übrigens auch Mitarbeiter in Not?“ (Ebba Hagenberg-Miliu

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Internatsleiter-Christopher-Haep-geht-article3333371.html

https://www.domradio.de/themen/bist%C3%BCmer/2016-08-17/ehemaliger-aloisius-internatsleiter-prozess-noch-nicht-beendet

 

 

 

 

 

Bildergebnis für epd

27. Juni 2016

Nachrichtenagentur epd:

Eckiger Tisch Bonn kritisiert neuen Missbrauchs-Zwischenbericht der Jesuiten

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Bonn (epd). Der Sprecher des Opfervereins Eckiger Tisch Bonn, Heiko Schnitzler, kritisiert den von Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle vorgelegten Zwischenbericht zur Missbrauchsaufklärung an deutschen Jesuitenschulen. "Erneut ist eine Chance auf Klarheit vertan", sagte Schnitzler dem epd, der im Kiechle-Bericht unter anderem Angaben zu Opfer- und Tatzahlen kritisiert. Kiechle beschreibt in dem Ende Mai veröffentlichten Zwischenbericht auf der Ordenshomepage den Stand der Missbrauchsaufklärung an den fünf deutschen Ordensschulen Aloisiuskolleg (Bonn), Mauritius-Gymnasium (Büren), Canisius-Kolleg (Berlin), Sankt-Ansgar-Schule (Hamburg) und Kolleg St. Blasien.

 

Dem Zwischenbericht zufolge sollen sich etwa beim Bonner Aloisiuskolleg seit 2010 bis heute 34 Betroffene gemeldet haben. Im Vergleich dazu lägen jedoch allein schon die Betroffenenzahlen höher, die 2011 im vom Orden selbst in Auftrag gegebenen Aufklärungsbericht von Julia Zinsmeister erfasst worden seien, sagt Schnitzler. Die Rechtsprofessorin Zinsmeister habe 58 Opfer und direkte Zeugen angegeben. Auch habe 2013 der vom Kolleg veranlasste Bericht des Psychologischen Psychotherapeuten Arnfried Bintig weitere Fälle im Ako-pro-Seminar, der Nachmittagseinrichtung des Kollegs, beschrieben, sagte Schnitzler.

 

Auch die Täterzahlen des neuen Zwischenberichts beurteilt Schnitzler als irritierend. Zum Bonner Aloisiuskolleg führe der jüngste Zwischenbericht von Kiechle nur fünf Taten eines unter Pseudonym "Julius" genannten Paters und 15 von "Georg" auf. Die anderen Ako-Täter seien nach Ordenszählung "fast alle nur einmal genannt" worden. Der Zinsmeister-Aufklärungsbericht von 2011 habe dagegen allein für "Georg" schon 31 Meldungen über auch strafrechtlich relevanten Missbrauch beschrieben, betont Schnitzler. Unter anderem bei einem "Pater Ludwig" seien bei Zinsmeister vier Gewaltfälle verzeichnet, bei einem "Herbert" sechs, bei "Harald" vom Ako-pro-Seminar schon vor dem Bintig-Bericht drei schwere Beschuldigungen.

 

Der Sprecher der Betroffenengruppe Eckiger Tisch Bonn begrüßt jedoch, dass sich auch sechs Jahre nach Beginn des Skandals noch weiter Betroffene bei den vom Orden für Missbrauch Beauftragten meldeten, und zwar bei Rechtsanwältin Katja Rabat seit 2011 noch 17 Personen und beim Therapeuten Marek Spitczok von Brisinski seit 2014 noch 23. Auch beim Eckigen Tisch Bonn sprächen nach den früheren Aufklärungsberichten von 2011 und 2013 bis heute weitere Betroffene vor, sagt Schnitzler. Ob sie den Weg zum Orden und den "Anerkennungszahlungen" weitergingen, bleibe ihre Entscheidung.

 

Laut dem Zwischenbericht haben die Jesuiten bislang an 118 Betroffene, darunter 32 Opfer des Bonner Aloisiuskollegs, im Schnitt 4.991 Euro vergeben, also für Opfer aller Jesuiteneinrichtungen zusammen 589.000 Euro. Zusätzlich wurden bundesweit Therapiekosten von 132.000 Euro erstattet, für Beauftragte, Anwälte und für Sachkosten 729.000 Euro.

 

http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-west/schwerpunktartikel/eckiger-tisch-bonn-kritisiert-neuen-missbrauchs-zw

 

 

 

 

27. Juni 2016   

General-Anzeiger Bonn

Jesuiten zahlten an 32 Ako-Betroffene

Missbrauch an Schulen: Jesuitenorden gibt Zwischenbericht mit irritierenden Fakten heraus

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

BONN. Der Jesuitenorden hat auf Anregung des Betroffenenvereins Eckiger Tisch Bonn einen neuen Zwischenbericht zur Missbrauchsaufklärung an seinen fünf Schulen vorgelegt. Der solle einerseits die Öffentlichkeit informieren. Zum anderen solle er „den Austausch unter Betroffenen und deren Gespräch mit dem Orden oder den Vertretern einzelner Institutionen auf Augenhöhe“ erleichtern, schreibt Provinzial Pater Stefan Kiechle auf der Ordenshomepage. Im Fall des Aloisiuskollegs (Ako) bezieht er sich offensichtlich auf laufende Gespräche zwischen einer Ako-Kommission unter Rektor Pater Johannes Siebner und dem Verein der Betroffenen des Ako und des ehemaligen Ako-pro-Seminars.

Wirklich neu am Bericht ist zweierlei: Zum Einen, dass sich auch sechs Jahre nach Beginn des Skandals noch weiter Betroffene bei den vom Orden für Missbrauch Beauftragten melden: bei Rechtsanwältin Katja Rabat seit 2011 noch 17 Personen und beim Therapeuten Marek Spitczok von Brisinski seit 2014 noch 23. Die Zahlen sind nicht nach Schulen aufgeschlüsselt. Aus rechtlichen Gründen dürfe der Orden auch nicht Mehrfachnennungen ermitteln, schreibt Kiechle, er gehe aber davon aus, „dass die meisten identisch mit den bei uns Gemeldeten sind.“ Er vermutet also: Personen, die sich aktuell den Beauftragten anvertrauten, hätten das größtenteils zuvor schon direkt beim Orden getan.

Neu im Bericht ist auch, dass der Orden bislang an 118 Betroffene, darunter 32 Ako-Opfer, „Anerkennungszahlungen“ von im Schnitt 4991 Euro vergeben hat, also für Opfer aller Jesuiteneinrichtungen 589 000 Euro. Zusätzlich habe man bundesweit Therapiekosten von 132 000 Euro erstattet.

Auch die weiteren vom Provinzial aufgeführten Opferzahlen werfen Fragen auf. Aufs Ako bezogen hätten sich seit 2010 bis heute 34 Betroffene gemeldet, so Kiechle. Dabei sind schon die Betroffenenzahlen höher, die 2011 im vom Orden selbst in Auftrag gegebenen Aufklärungsbericht von Julia Zinsmeister und dann 2013 im vom Ako veranlassten Bericht Professor Arnfried Bintigs erfasst wurden: Zinsmeister zählte damals allein 58 Opfer und direkte Zeugen auf. Bintig beschrieb die von zahlreichen weiteren Interviewten geschilderten möglichen sexuellen Handlungen an Kindern und Jugendlichen im Ako-pro-Seminar.

Ebenso sind die im Zwischenbericht vermeldeten Täterzahlen rätselhaft: Zum Ako führt Kiechle nur fünf Taten eines unter Pseudonym „Julius“ genannten Paters und 15 des „Georg“ benannten Ex-Schulleiters Pater Ludger Stüper auf. Die anderen Ako-Täter seien nach Ordenszählung „fast alle nur einmal genannt“ worden. Was erstaunt, denn allein ein Blick in den Zinsmeister-Bericht von 2011 offenbart allein für Pater Stüper 31 Meldungen über auch strafrechtlich relevanten Missbrauch. Unter anderem bei einem „Pater Ludwig“ sind bei Zinsmeister vier Gewaltfälle verzeichnet, bei einem „Herbert“ sechs, bei „Harald“ vom Ako-pro-Seminar schon vor dem Bintig-Bericht drei schwere Beschuldigungen.

„Der Bericht des scheidenden Provinzials beinhaltet weiterhin Nebelkerzen. Erneut ist eine Chance auf Klarheit vertan“, kommentiert Heiko Schnitzler vom Eckigen Tisch Bonn die vorgelegten Zahlen des Ordens. Ohnehin sei jeder Betroffene einer zu viel. „Allerdings müssen wir leider mindestens von einer zehnfachen Dunkelziffer plus X ausgehen.“

Beim General-Anzeiger und dem Eckigen Tisch Bonn melden sich nach den Aufklärungsberichten und nach dem Buch „Unheiliger Berg“ von 2014 bis heute weitere möglicherweise Betroffene. Ob sie den Weg zum Orden und den „Anerkennungszahlungen“ weitergehen, bleibt ihre Entscheidung.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Jesuiten-zahlten-an-32-Ako-Betroffene-Geld-article3291925.html

 

 

 

 

 

 

27. April 2016:

Ein überfälliger Schritt: Aloisiuskolleg entfernt Stüper-Denkmal

Aloisiuskolleg entfernt Heiligen-Statue

Entscheidung aus Respekt vor den Betroffenen. Die Jeremias-Statue vor der Kollegskirche sah dem verstorbenen Missbruachtäter täuschend ähnlich

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

BONN. Das Aloisiuskolleg hat eine seit Jahren heiß umstrittene Statue vom Eingang der Kirche des Aloisiuskollegs (Ako) entfernt. Offiziell war sie als Statue des Heiligen Jeremias ausgewiesen. Inoffiziell wurde sie als „Stüper-Denkmal“ gehandelt. “Der Respekt vor den zahlreichen Betroffenen von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch und ihr Schutz haben mich nach langem Abwägen zu dieser Entscheidung kommen lassen“, schreibt  Ako-Rektor  Pater Johannes Siebner an die Mitarbeiterschaft, Eltern und seine Jesuitenbrüder. Die Säule, auf der die Statue stand, solle vorerst „eine Leerstelle in unserem Prozess der Aufarbeitung markieren.“ Die Ähnlichkeit der Figur mit dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter Pater Ludger Stüper sei „offensichtlich und unbestritten“, so Siebner. Es sei bekannt, „dass Pater Stüper mit dieser Ähnlichkeit kokettiert hat.“

 

Stüper lebte und arbeitete von 1968 bis 2009 im Kolleg, als Lehrer, Internatsleiter, dann als Schulleiter, zuletzt als Internatserzieher und -helfer. Die Ako-Aufklärungskommission von Julia Zinsmeister ordnete 2011 seine ihr von 35 Berichterstattern geschilderte Handlungen als vielfachen sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen, u.a. als erzwungenen Oralverkehr ein. Bis heute melden sich weitere Opfer. Gegen Stüper wurde bis zum Tod von der Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt. In den achtziger Jahren hatte er die Kollegskirche bauen und die Statue davorstellen lassen. Während Jeremias ikonographisch meist à la Michelangelo mit Wallebart und vollem Haar ausgeführt wird, hatte sich hier offensichtlich nach alter Tradition der Stifter selbst verewigt.

 

Er habe Stüper in den achtziger Jahren auf die „auffällig ähnlichen Züge“ angesprochen, schrieb 2012 Jesuitenpater Georg Roers, heute Erzbischöflicher Kunstbeauftragter in Berlin. „Die Antwort war ein zufriedenes Grinsen. Er galt als unumschränkter Herrscher. Niemand hatte den Mut, ihm jemals die Maske vom Gesicht zu reißen.“ Ako-Rektor Siebner schreibt heute: Ausschlaggebend sei die Aussage auch von Fachleuten gewesen, die Statue in so zentraler Lage sei ein Trigger, ein Schlüsselreiz, der bei nicht wenigen Altschülern erhebliche Gefühle und Erinnerungen bis zur Retraumatisierung auslöse. Nach dem Zinsmeister-Bericht und dem Buch „Unheiliger Berg“ 2013 sei klar: „Diese Statue repräsentiert Pater Stüper in einer Weise, die nicht angemessen bzw. erträglich ist.“

 

Das sieht auch der Vorstand des Eckigen Tischs Bonn. „Dass der Stein des Anstoßes nun entfernt wurde, ist ein erstes sichtbares Zeichen, dass das Ako bereit ist, unser Anliegen anzunehmen“, schreibt der Verein Geschädigter. Man sehe diesen Akt „als Bestätigung des von uns eingeschlagenen Weges des Dialogs mit Eltern, Schülern, Lehrern, Erziehern und der Kollegsleitung. Man bedaure jedoch, dass man sich am Ako nach 2010 sechs Jahre lang mit dem „Abbild eines Serientäters als Heiligenbild in der Kollegsmitte nicht ausreichend unwohl gefühlt“ habe. „Stüper wäre auch nach den Gesetzen seiner Zeit ein Straftäter gewesen.“ Noch heute litten Menschen unter seinen Taten. „Es ist noch viel Dialog nötig“.

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Gymnasium-l%C3%A4sst-Heiligenstatue-entfernen-article3241515.html

 

 

 

 

26. April 2016

Filmnachgespräch "Spotlight" im Cinexx in Hachenberghttp://www.ww-kurier.de/images/wwkurierlogo.png

 

"Eine Stadt erblüht, wenn ihre großen Institutionen zusammenarbeiten“, sagt Bostons Bischof im Oscar-prämierten US-Film „Spotlight“.  Nein, "eine Zeitung funktioniert am besten, wenn sie alleine arbeitet,“ antwortet ihm der neue Chefredakteur des Boston Globe. Und treibt sein Reporter-Team an, Missbrauchsskandal im katholischen Boston kompromisslos aufzudecken.

 

Es sei diese klare Pflicht gemäß Verfassung, die Pressefreiheit auch im lokalen Bereich ohne Wenn und Aber wahrzunehmen, die die Bonner Journalistin und Buchautorin („Unheilger Berg“) Ebba Hagenberg-Miliu im spannenden Filmnachgespräch im Hachenburger Cinexx auch sofort herausstrich. Es sei der Appell, gegen alle Widerstände jenen Menschen zuzuhören, die keine Macht und keine Stimme hätten. Wenngleich für investigativen Journalismus in der aktuell angespannten Lage deutscher Printmedien leider immer weniger Geld da sei. Und es seien die erschreckenden Parallelen zwischen der Missbrauchsaufdeckung in Boston ab 2004 und Deutschland ab 2010, die sie selbst erneut mit Schmerz und Wut über die vergangenen sechs Journalistenjahre erfüllten, sagte Hagenberg-Miliu. Sie glaube aber auch, im Fall der Berichterstattung über das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten etwas erreicht zu haben: Der Betroffenenverein Eckiger Tisch Bonn und das Kolleg arbeiteten sich, begleitet von Artikeln, Millimeter für Millimeter in der Aufarbeitung weiter nach vorne.

 

In der vom Missbrauchsexperten Jörg Jägers (Adelante, Bonn) sensibel moderierten Diskussion gerieten dann vor allem Johannes Heibel, Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen in Siershahn, und Stephan Schnelle, Pressesprecher des Bistums Limburg, aneinander. Beide stimmten Hagenberg-Miliu zu, dass die Presse eine wichtige Funktion in der Aufklärung von Missbrauch auch in Deutschland wahrgenommen habe. Heibel als Vertreter der Opferhilfe konfrontierte den Sprecher des Bistums Limburg aber auch mit mehreren Missbrauchsfällen in einigen Bistümern, in denen er seit 2010 keine Besserung der Aufklärung von katholischer Seite her finde. Im Gegenteil, es werde weiter vertuscht, so Heibel. Dem widersprach Stephan Schnelle und erklärte, es habe in den vergangenen Jahren ein spürbarerer Perspektivwechsel stattgefunden, bei dem die Opfer auch in der Perspektive der Katholischen Kirche mehr im Vordergrund gerückt worden seien. Schnelle argumentierte auch mit Aktivitäten der Katholischen Kirche im Bereich Präventionsarbeit.

 

Eva Schäfer, Sozialpädagogin und Therapeutin beim DRK-Kinderschutzdienst Westerwald, berichtete von ihrer ganz praktischen Arbeit mit missbrauchten Kindern. Beim Kinderschutzdienst Hachenburg sei sie zwar bisher noch nicht mit einem Fall von Missbrauch durch einen Geistlichen wie im Film „Spotlight“ in Berührung gekommen, aber die Arbeit mit von Missbrauch in anderen Institutionen und Vereinen Betroffenen sei ja vergleichbar. Schäfer betonte aber auch, dass die Therapie betroffener Kindern und Jugendlicher sicher dann doch noch erfolgreicher sein könne als die Erwachsener, die sich wie in „Spotlight“ zum ersten Mal als Opfer outeten.

 

In der zum Teil erregten Publikumsdiskussion sprangen einige Redner Stephan Schnelle, dem Vertreter des Bistums Limburg, bei, indem sie von den professionellen Angeboten katholischer Kinder- und Jugendarbeit im Bistum sprachen. Johannes Heibel brachte sofort Gegenbeispiele ins Spiel. Andere Zuhörer zeigten ihre gerade noch einmal durch „Spotlight“ neu entzündete Empörung über den Missbrauchsskandal auch in Deutschland und dankten der Presse und dem Opferschutz für ihre Arbeit. Wieder andere kritisierten, dass viel zu wenig über Missbrauch in Familien geredet werde, der doch prozentual am meisten zu beklagen sei. Die Journalistin Hagenberg-Miliu erwiderte, dass erst der 2010 in Deutschland ausgebrochene Skandal über Missbrauch besonders in katholischen Schulen hierzulande endlich das Tabu gebrochen habe, dieses Thema in den Fokus zu nehmen. Seit 2010 werde damit endlich auch über Missbrauch in Familie, Freundeskreis oder Vereinen offen berichtet. 

 

http://www.ww-kurier.de/artikel/46732-oscargewinner--spotlight--im-hachenburger-kino

http://www.waeller-journal.de/index.php/aus-den-gemeinden/67-region-westerwald/7158-oscargewinner-spotlight-im-hachenburger-kino-cinexx

 

 

 

 

 

 

 

22. März 2016

"Spotlight"-Film-Nachgespräch am 26. April im Hachenburger Cinexx-Kino. Ich bin als Journalistin, Themenbereich Missbrauch, geladen.

 

„Spotlight“ im Hachenburger Kino cinexx – mit anschließendem Filmgespräch

"Spotlight", Kino cinexx, 57627 Hachenburg, Nisterstraße 4,

 

26. April 2016, 19 Uhr

 

Im März wurde der US-Spielfilm „Spotlight“ von Tom McCarthy in Los Angeles schon mit dem Oscar als bester Film 2016 ausgezeichnet. Jetzt kommt das packende Drama über die Aufdeckung von Missbrauch im US-amerikanischen Boston ins Hachenburger Kino cinexx. Und das bietet nach der Vorstellung am 26. April ein Filmgespräch mit Experten, die darüber berichten, wie hierzulande die Aufklärung deutscher Missbrauchsfälle seit 2010 verlief.

 

„Spotlight“ arbeitet mit hervorragenden Schauspielern sachlich und zugleich packend das 2001 noch nicht vorstellbare Ausmaß des Missbrauchs katholischer Priester in Boston und Umgebung auf. Das mutige Journalistenteam „Spotlight“ des Boston Globe wird vom neuen Chefredakteur auf die Missbrauchsvorwürfe gegen einen Priester angesetzt. Schnell wird deutlich, dass insgesamt 87 Priester Kinder Gewalt angetan haben müssen. Alle Fälle waren im Zusammenspiel von Kirche, Justiz und katholischem Milieu Bostons vertuscht worden. Der Film setzt jedoch nicht auf Effekthascherei. Nicht der Täter rückt ins Zentrum. Es ist die Not der Betroffenen, die in vielen Facetten beleuchtet wird, ohne jemanden zur Schau zu stellen. Es ist das System Katholische Kirche, das über den Bischof hinaus für den Missbrauch verantwortlich zeichnen muss. Und das erst mutige Bürger, das erst beherzte Journalisten ans Tageslicht bringen.

 

Wie ab 2010 deutsche Missbrauchsfälle aufgedeckt wurden und welche Rolle dabei die hiesige Presse spielte, darüber diskutieren im Filmgespräch in spannender Besetzung:

 

Karin Leicher: Sie erläutert für den Veranstalter cinexx, wie es dazu kam, den Film Spotlight in Hachenburg zu zeigen.

 

Stephan Schnelle: Pressesprecher des Bistums Limburg, wird aufzeigen, was die Katholische Kirche aus dem Missbrauchsskandal gelernt hat und welche
Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

 

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu: Sie ist einer der kompetentesten Journalistinnen Deutschlands zum sexuellen Missbrauch in katho-lischen Einrichtungen. Seit 2010 schreibt sie darüber im General-Anzeiger Bonn und überregional für die Nachrichtenagentur epd. In ihrem Buch „Unheiliger Berg“ legen sie und Mitautoren ein System der Vertuschung und des Wegschauens in einer katholischen Internatsschule schonungslos offen. Sie kann vor dem Hintergrund der Bostoner Geschehnisse hautnah berichten, welche Verant-wortung Presse im kleingliedrigen deutschen Umfeld übernimmt.

 

Johannes Heibel: Vorsitzender der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen e.V. aus Siershahn, ist seit 1991 mit dem Thema sexuellen Missbrauchs in und außerhalb der Kirche in nahezu allen Facetten vertraut. Er gehört zu den wenigen Experten, die gerade den Zusammenhang zwischen Institutionen und Behörden, Kirche und Staat im Umgang mit dem Thema sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige aus jahrzehntelanger Erfahrung kennt und daher weiß, wie leicht es bisher auch bei uns Tätern gemacht wird, ihre Verbrechen erneut zu begehen.

 

Eva Schäfer: Sozialpädagogin und Therapeutin vom Kinderschutzdienst Hachenburg, wird auf die Schwierigkeiten eingehen, die Opfer mit sich selbst nach einem Missbrauch erleben, wie auch mit dem Umfeld, dass die Folgen dieser Gewalt häufig nicht nachvollziehen kann. Als Therapeutin bringt sie auch ihre Kompetenz im Umgang mit Opfern ein, die von sexuellem Missbrauch betroffen sind.

 

Moderation: Jörg Jaegers, Therapeut, Mainz; "Adelante", Bonn.

http://cinexx.de/kino/events/event11522/city113/b89/

http://cinexx.de/kino/home/city113

"Spotlight"-Filmdiskussion am 26. April 2016 in Hachenburg
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3. März 2016

Stück über Missbrauch am Aloisiuskolleg im Rennen um Dramatikerpreis

 

Thomas Melles an der Bonner Werkstattbühne uraufgeführtes Theaterstück „Bilder von uns“ ist für den Mülheimer Dramatikerpreis 2016 nominiert. Damit spielt das Stück über Missbrauch am Bonner Aloisiuskolleg auch auf dieser begehrten Theaterbühne mit. Der Preis wird am Ende der 41. Mülheimer Theatertage NRW vergeben, die vom 07. bis 28. Mai 2016 stattfinden.

Herzliche Gratulation schon einmal!

http://www.focus.de/kultur/kunst/theater-wer-bekommt-den-muelheimer-dramatikerpreis_id_5327933.html

 

 

 

 

2. März 2016

Ich schrieb gerne diese Nachricht auf epd:

Missbrauchsopfer: Medien müssen am Thema Missbrauch dranbleiben

Nach der Oscar-Vergabe an den Film "Spotlight" über die Aufdeckung von Missbrauchsskandalen durch US-Medien, fordern Missbrauchsbetroffene des Bonner Aloisiuskollegs von deutschen Journalisten mehr Mut, an dem Thema "dranzubleiben". "Wir haben in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck, die Medienlandschaft hat das Thema und dessen historische Aufarbeitung aus den Augen verloren", erklärte am Montag der Eckige Tisch Bonn, der Missbrauchsopfer des Bonner Aloisiuskollegs vertritt. Der als bester Film ausgezeichnete Streifen "Spotlight" handelt von den Journalisten der Tageszeitung "The Boston Globe", die den Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufgedeckt haben.

 

Inzwischen hätten sich die Kirchen mit dem durch die Medien bislang nicht überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht, erklärte der Eckige Tisch. Dass das nicht funktioniere, zeige leuchtturmhaft die jüngste WDR- und NDR-Berichterstattung über Missbrauchsvorwürfe im Bistum Hildesheim. "Auch der Jesuitenorden hat noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten deutschen Orden vorgelegt", kritisierte Heiko Schnitzler vom Eckigen Tisch.

 

"Die Meinungshoheit zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung darf nicht einseitig den Kirchen überlassen werden", betonte Schnitzler. "Das passiert aber, wenn man nur über den Skandal, die Taten, berichtet und nicht am Thema dranbleibt." So wie am Bonner Aloisiuskolleg gebe es vielerorts Betroffene, die Skandale und Ungeheuerlichkeiten aus der Zeit vor, während und nach den Übergriffen zu berichten wüssten. Viele ihrer Geschichten seien aber noch nicht öffentlich erzählt worden.

 

http://www.epd.de/zentralredaktion/epd-zentralredaktion/missbrauchsopfer-medien-m%C3%BCssen-am-thema-missbrauch-dranbleiben

 

 

 

 

1. März 2016

Der Deutsche Journalisten Verband (DJV) beirichtet im Zusammenhang mit dem Film "Spotlight" über das Buch "Unheiliger Berg":

 Bildergebnis für djv nrw

 

„…Der Film „Spotlight“, der jetzt in Deutschland in die Kinos kommt, arbeitet ein Problem auf, das in ähnlicher Weise auch aus Einrichtungen der katholischen Kirche in Deutschland bekannt ist. So etwa aus dem von Jesuiten betriebenen Alosius-Kolleg in Bonn, wie die Publizistin Ebba Hagenberg-Miliu in dem von ihr herausgegebenen Buch „Unheiliger Berg“ gezeigt hat…“

http://www.djv.de/startseite/service/blogs-und-intranet/freienblog/detail/article/spotlight-feel-good-film-fuer-journalisten.html

 

 

 

 

 

1. März 2016

Der WDR berichtet über die Forderung des Eckigen Tischs nach "Mehr Oscar bei der Aufklärung"

 

Bildergebnis für wdr 1

 

 

http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/oskar-und-ako-100.html

 

 

 

 

 

29. Februar 2016

Pressemeldung des Eckigen Tischs Bonn:

Oscar für den US-Spielfim "Spotlight"

(Ich sage: Danke, Eckiger Tisch!)

 

http://wp.production.patheos.com/blogs/monkeymind/files/2015/11/Spotlight.jpg

 

Nach ‪#‎Oscar für ‪#‎Spotlight:
Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Berlin/Bonn, 29.02.2016. Anlässlich der Verleihung des Academy Awards „bester Film“ an SPOTLIGHT fordert der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. die deutschen Medien zu Mut bei der Berichterstattung und Recherche über die historischen (und aktuellen?) Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

 

Man habe, so die Betroffenen, in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck gewonnen, die Medienlandschaft habe das Thema und dessen historische Aufarbeitung in der Breite aus den Augen verloren. Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere, zeige leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.

 

Der Jesuitenorden z.B. habe noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten (deutschen) Orden vorgelegt. Omnipräsente Protagonisten fänden in den Medien statt, die Komplizen der Täter hätten sich im Orden eingerichtet und würden mittelbar und unmittelbar gedeckt – bis heute.

 

So wie am ‪#‎Aloisiuskolleg gäbe es überall vor Ort Betroffene, die „oscarreife“ Skandale und Ungeheuerlichkeiten vor, während und vor allem nach den eigentlichen Missbrauchstaten zu berichten wüssten und die noch nicht öffentlich erzählt wurden. Das sei aber wichtig, damit der systemische Aspekt und Hintergründe von Missbrauch in der Gesellschaft diskutiert werden können. Die Meinungshoheit z.B. zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung, dürfe nicht einseitig den Kirchen überlassen werden. Das passiere aber, wenn man nur über dem Skandal (Missbrauchstaten) berichte und nicht am Thema dranbleibe.

 

Bei der Beschäftigung mit der 40 jährigen Missbrauchsgeschichte des Bonner Aloisiuskollegs habe man nur wenige standhafte Journalistinnen und Journalisten kennengelernt, die das Thema auch lokal und entgegen vieler Widerstände bis heute beleuchten. Das wünschen sich die Missbrauchsbetroffenen von der deutschen Presse, der sie vertrauen: Bringen Sie Licht in die deutsche Missbrauchsgeschichte. Fragen Sie die Betroffenen vor Ort, die kennen die dunklen Stellen!

Aloisiuskolleg ‪#‎Hildesheim ‪#‎Bonn ‪#‎Missbrauch ‪#‎katholisch ‪#‎Jesuiten ‪#‎Medien ‪#‎Presse ‪#‎Journalismus ‪#‎Ako

 

 

 

 

 

 

25. Februar 2016

Premiere des Spielfilms "Spotlight".

 

SPOTLIGHT Trailer German Deutsch (2016) - YouTube

http://www.spiegel.de/kultur/kino/spotlight-von-tom-mccarthy-die-unbestechlichen-a-1078838.html

http://wp.production.patheos.com/blogs/monkeymind/files/2015/11/Spotlight.jpg

 

Hut ab vor den Bostoner Kollegen (und den für den Film Verantwortlichen)!

Ich denke an diese sechs Jahre seit Januar 2010 zurück, als sich die ersten Betroffenen am Aloisiuskolleg mir mit Schmerzen anvertrauten und wir in der Redaktion des General-Anzeigers Bonn entscheiden mussten:

Sind die Aussagen glaubwürdig? Welche Lawine wird es auslösen, wenn wir sie morgen als Erste bringen?

Was passiert, wenn ich dann auch über die Nachrichtenagentur epd überregional berichte?

"Spotlight" lässt alles wieder so nah sein. Und wir waren nicht in Boston, sondern in einer kleinen rheinischen Stadt.

 

Mir schreibt jmd. aus dem näheren Umkreis der Betroffenengruppe Eckiger Tisch:

„Gestern habe ich "Spotlight" angeschaut. Im Zentrum steht
ein Team von Journalisten, das die Bostoner Missbrauchsfälle, ihre
Dimension und ihre systematische Vertuschung durch die Kirche erstmals aufgedeckt hat. Dabei wird deutlich, wie kontingent und
voraussetzungsreich es war, dass diese Aufdeckung überhaupt stattfand - dazu brauchte es eine Zeitung, die sich entschließt, den ersten wenigen Hinweisen engagiert nachzugehen, die sich nicht einschüchtern lässt, die ihren Journalisten Zeit und Rücken-deckung gibt.
Ich habe jedenfalls an Sie gedacht. Was wäre gewesen, wenn Sie Ihren Intuitionen nicht gefolgt wären in Sachen Stüper, Schneider und v.a. ehemaliger Ako-pro-Leiter? Wenn Sie sich hätten einschüchtern lassen? Wenn Sie Zweifel gehabt hätten an den Opfern? Und andersherum: Hätte noch mehr geschehen können, wenn Sie in einem ganzen Team, mit mehr Zeit/Geld Ihrer Vorgesetzten recherchieren hätten können, so wie es die Bostoner Journalisten konnten? Lauter Fragen, die mich beschäftigen seitdem.
Herzliche Grüße.“

 

Der Mainzer Therapeut Jörg Jägers fügt hinzu:

" In Deutschland fehlt eine Aufdeckungskultur wie sie in Amerika üblich ist. Es fehlen Kirchenmänner wie Thomas Doyle, Mathew Fox und andere, die auch mit der Bereitschaft zu existentiellen Konsequenzen der Kirche und der Gesellschaft die Stirn bieten. Ihr Buch ist ein seltenes Beispiel, wie es anders laufen kann, wie auch die Filme von Eva Müller."

 

"Unheiliger-Berg"-Mitautor Anselm Neft schreibt auf facebook:

"Den Film und den Kommentar des Briefeschreibers finde ich stark. Der Unterschied zur deutschen Situation, wie ich sie kennengelernt habe: Hier haben die Opfer(gruppen) eine zentralere Rolle gespielt. Und die JournalistInnen hatten nicht die Möglichkeit, als vom Chef motiviertes Team zu arbeiten, sondern mussten sich gegen erhebliche Widerstände mit dem Thema befassen. Ich wage zu behaupten: Ein Film über Bonn/Ako/Eckiger Tisch/Hagenberg-Miliu hätte genauso viel Potenzial."

 

 

 

 

 

13. Februar 2016

Bonner Theaterzeitung Februar 2016 , S. 3:

 

 

 

5. Februar 2016:

Die neusten Links zum Theaterstück:

 

http://www.dw.com/en/german-play-about-sex-abuse-at-school-stirs-up-real-life-memories/a-19010042

 

https://unheiligemacht.wordpress.com/2016/01/23/bilder-von-uns-theaterstueck-von-thomas-melle/

 

https://www.publik-forum.de/Publik-Forum-02-2016/bilder-von-uns#

 

http://www.wdr5.de/sendungen/scala/services/servicebuehne/service-buehne-premieren-126.html

 

http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-1/

 

http://www.kultur-kino-bildung.de/glueck-ist-eine-option/

 

http://www.christundwelt.de/themen/detail/artikel/gute-stuecke-zum-boesen-spiel/

 

http://news.ge/en/news/story/167734-german-play-about-sex-abuse-at-school-stirs-up-real-life-memories

 

https://lumi.do/topic/Aloisiuskolleg/

 

https://www.choices.de/ein-kampf-um-die-deutung-der-vergangenheit

 

http://www.germerica.com/2016/01/29/german-play-about-sex-abuse-at-school-stirs-up-real-life-memories/

 

http://www.bishop-accountability.org/AbuseTracker/?p

 

 

 

3. Februar 2016

Nachtrag zum Theaternachgespräch des Evangelischen Forums und Katholischen Bildungswerks in der Werkstattbühne Bonn am 27. Januar:

 

Bildungswerk-Leiter Dr. Johannes Sabel sagte, auch er als Vertreter der Katholischen Kirche müsse angesichts der im Stück von Thomas Melle gezeigten Folgen von Missbrauch, so schwer es ihm falle, den Kernsatz wiederholen: „Es gibt keine Erlösung“. Das Stück konzentriere sich lobenswerterweise ganz auf die Perspektive der Opfer, die ansonsten oft zu kurz komme. „Sie waren Kinder in einer katholischen Schule, aber sie haben da die Hölle erlebt.“ Der Riss, der durch die Taten in ihnen entstanden sei, könne nicht einfach heilen, so Sabel. „Aber natürlich gibt es die Erlösungsverheißung des Glaubens. Das Geheimnis der Erlösung kann für manchen auch Erniedrigung sein.“ 

 

Andererseits vertrat im Gespräch eine Besucherin vehement die Auffassung, die Fakten über Missbrauch am Bonner Aloisiuskolleg, auf die das Stück von Thomas Melle aufbaue, entsprächen nicht der Realität bzw. den Erkenntnissen der Aufklärungskommission. Warum das Theater Bonn ein solches Stück mit Steuergeldern inszeniere? Ich antwortete der Frau, dass genau diese Zinsmeister-Aufklärungskommission eben mit ihr diese Aufführung gesehen habe und versichere, alle Fakten entsprächen exakt ihren Erkenntnissen (siehe Eintrag unten).

 

 

3. Februar 2016:

Die Malerin Heike Vennemann-Bundschuh schrieb nach Besuch einer Theaterauführung von „Bilder von uns“ in Bonn:

 

„ Das Theater war wieder ausverkauft. Dennoch hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Habe ich selten erlebt. Das Stück von Thomas Melle war beeindruckend, fesselnd und ging mir wie vielen anderen (insbesondere tatsächlich Männern!) an die Nieren. Das letzte Drittel war richtig schwere Kost. Mal sehen, ob das Stück auf Tournee durch die deutsche Theaterlandschaft geht. Hauptsache ist, dass das Thema in der Diskussion bleibt. Gerade in dieser komprimierten Theaterversion wurde nochmals deutlich, wie viel da noch zu klären wäre (u. a. die Rolle des Ex-Rektors Pater Theo Schneider). "Es gibt keine Erlösung" und "Ich bin nicht verjährt" sind für mich die Kernsätze im Stück, die noch immer in meinem Kopf kreisen. Das Bild des projizierten Selbstmordes ist in meinem virtuellen Gedächtnis festgebrannt. Der Schauspieler Benjamin Berger traf mitten ins Herz.

Ich glaube, dass ein solches Stück durch Ihre unermüdliche journalistische Arbeit am Thema erst möglich geworden ist, Frau Hagenberg-Miliu. Ihre akribische Recherche für Ihr Buch „Unheiliger Berg“ hat im Stück einiges vorgegeben (etwa dass der Täterpater nur kopfpädophil sei, den „Brief der 500“, die Originalaussagen von Betroffenen usw.). Ich wünsche Ihnen weiterhin guten Mut bei der Arbeit an diesem wichtigen Thema.

 

 

 

 

2. Februar 2016

General-Anzeiger Bonn, Feuilleton, "Die Hintergründe von "Bilder von uns"" von Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

 

 

Ebba Hagenberg-Miliu (Foto: Cynthia Rühmekorf)

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29. Januar 2016

Die Zinsmeister-Kommission über Melles Theaterstück:

 Bildergebnis für julia zinsmeister Foto. General-Anzeiger Bonn

Die 2010 und 2011 im Auftrag der Jesuiten tätige Unabhängige Aufklärungskommission „schwerer Grenzverletzungen zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen am Aloisiuskolleg Bonn – Bad Godesberg“ war am 27. Januar 2016 in der zweiten Vorstellung des Theaterstücks „Bilder von uns“ von Thomas Melle. Es sei ein „sehr bewegender Abend“ gewesen, meinten Professor Dr. jur. Julia Zinsmeister, Rechtsanwältin Petra Ladenburger und Diplom Pädagogin Inge Mitlacher.

Sie als Kommission hätten bis zur Herausgabe ihres Abschlussberichts im Frühjahr 2011 in Bonn den notwendigen sachlichen Blick auf die Vorfälle haben müssen. Das Buch „Unheiliger Berg“ habe im nächsten Schritt die Dokumentation und die Analysen geliefert. Und das Theaterstück finde nun einen neuen Zugang durch die Kunst, der gleichzeitig Distanz schaffe und neue Erkenntnisse fördere, sagte Zinsmeister. Die in das Stück eingegangenen Fakten über Missbruach am AKO stimmten mit ihrem Aufklärungsbericht von 2011 überein.

Es werde im Stück erneut klar, warum die Opfer so lange nicht gesprochen hätten, warum das besonders betroffenen Männern schwerfalle und wie „das System“ weiter wirke. Melle habe nachgezeichnet, dass sich gerade die Einflussreichen unter den AKO-Betroffenen bis heute nicht geoutet hätten, so Zinsmeister. Das Stück zeige: Jeder damals habe etwas gewusst, aber kaum jemand sage etwas, weil sonst die Schamgrenze überschritten werde und man sich selbst erniedrige, so Mitlacher. Ein wichtiges Theaterstück, resümierte Julia Zinsmeister.

Gleichzeitig lobte sie die weiteren Dialogbemühungen von Seiten des Aloisiuskollegs und der Betroffenengruppe Eckiger Tisch. Dahin zu kommen, dass das AKO jetzt in seiner aktuellen Erklärung die Unterzeichner des "Briefs der 500" von 2010 öffentlich auffordere, sich ebenfalls öffentlich auch zu den Betroffenen zu bekennen, sei ein großer Fortschritt im Aufarbeitungsprozess. Der "Brief der 500" ist auch wichtiges Element in Melles Theaterstück.

 

 

 

 

29. Januar 2016:

Der Kollege Christoph Fleischmann analysiert den Skandal im Bistum Hildesheim bzw. um den Canisius-Beschuldigten:

http://www.heise.de/tp/artikel/47/47249/1.html

 

 

 

 

 

 

 

22.Januar 2016

Uraufführung des Theaterstücks "Bilder von uns" Im Theater Bonn:

Thomas Melles Stück ist Fiktion. Es erzählt Geschichten des Machtmissbrauchs an Schwächeren da weiter, wo sich die Täter längst davongemacht haben und die Opfer sich nun von innen her zerfressen. Und das kann überall handeln: bei den Regensburger Domspatzen, in Schulen, Kindergärten, Familien, auf der Kölner Domplatte, überall da, wo Menschen Menschen Gewalt antun. Ursprünglich habe er deutlicher vom Faktischen des Skandals an seiner eigenen Schule, dem Bonner Aloisiuskolleg (Ako), abweichen wollen, erklärte Melle im Interview mit mir (s.u.). Aber dann habe er sich gesagt: „Warum eigentlich? Es ist doch alles genau der richtige Rahmen für den Kampf, den ich beschreiben will.“ Und wirklich: In der Story dieser fiktiven Beispielschule ist fürs Stück alles da, was der Dramatiker braucht. Und Melle hat zugegriffen, sei es aus den eigenen Ako-Erinnerungen, sei es aus den Aufklärungsberichten oder den im Buch „Unheiliger Berg“ dokumentierten Texten der Opfer.

 

Ich war gestern mit drei Betroffenen, die auch in meinem Buch "Unheiliger Berg" schrieben, in der Uraufführung eines brillanten Stücks. Melle hat das sich (gegenseitig) Zerfressen der Opfer in atemberaubenden Dialogen und einer schlüssigen Szenenfolge auf den Punkt gebracht. Die ganze Tragik von Menschen, die, ob sie es wollen oder nicht, auch nach Jahrzehnten noch von der Willkür der Täter schwer gezeichnet sind und dann plötzlich selbst Schuld auf sich laden, kommt verdichtet auf die Bühne. Alice Buddeberg hat mit sensibler Hand präzise inszeniert. Die karge Bühne reichte völlig aus, denn die bildreiche und gleichzeitig pointierte Sprache Melles füllte den Saal. Die Schauspieler waren durch die Bank überzeugend. Die drei Betroffenen erkannten in den Rollen schmunzelnd die Palette der so typischen Ako-Mitschüler wieder.

 

Es war für mich, es war besonders für die drei Betroffenen ein denkwürdiger Abend, vor dem sie sicher auch Ängste hatten. Doch Melle hat sie an keiner Stelle bloßgestellt. Er hat ihre im "Unheiligen Berg" formulierte Leidensgeschichte zitiert, hat sie weitergesponnen und ein neues, ein eigenes Drama daraus entwickelt. Aber er hat immer den Respekt vor den Menschen behalten. Dafür bin ich Thomas Melle sehr dankbar. Möge das Stück die Diskussion um die Folgen jeglichen Machtmissbrauchs in neue Bahnen lenken. Mögen wir weiter dabei kommen, nicht immer nur die Täter, sondern die Opfer und die Aufgabe der Prävention in den Blick zu nehmen. Oder wie es ein Protagonist bei Melle ebenso wie im "Unheiligen Berg" sagt: "Ich bin nicht verjährt."

 

 

 

21. Januar 2016

Weitere Links zur Uraufführung des Thomas-Melle-Stücks "Bilder von uns" im Theater Bonn:

 

https://www.facebook.com/Theater.Bonn/?fref=ts

 

http://www.theater-bonn.de/news/aktuell/aktuell/news/urauffuehrung-bilder-von-uns/

WDR-Lokalzeit aus Bonn Sendung vom 20.01.2016

 

 

 

 

20. Januar 2016

 Bild in Originalgröße anzeigen

 

 

 

 

 

Jetzt gibt`s auch ein Kurzvideo des Theaters Bonn zum Melle-Stück:

http://www.theater-bonn.de/spielplan/programm/monatspielplan/event/bilder-von-uns/vc/Veranstaltung/va/show/

 

 

 

 

20. Januar 2016

 

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Domradio übernimmt mein epd-Interview mit Thomas Melle:

Theater Bonn zeigt Stück zum Missbrauch am Aloisius-Kolleg "Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren"

 

Das Theater Bonn zeigt am Donnerstag die Uraufführung des Stücks "Bilder von uns". Der Berliner Dramatiker Thomas Melle verarbeitet darin die Missbrauchsfälle am Bonner Aloisiuskolleg. 

"Die Hintergründe im Stück sind den realen Ereignissen sehr ähnlich", sagte der 40-jährige Melle, der selbst Schüler am Aloisiuskolleg war, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es sei aber weder eine Fortführung der Arbeit der Betroffenenverbände noch eine Verteidigung oder Anklage der Täter, sondern eine "ästhetische Auseinandersetzung".

"Das Stück verhandelt fiktive Konflikte, die gleichwohl typisch für die Kämpfe in der Wirklichkeit sein mögen", sagte Melle.

 

Melle will nicht richten, sondern erhellen

 

Laut Aufklärungsberichten werfen 60 Betroffene 18 Jesuiten und fünf weltlichen Mitarbeitern des Kollegs sexuelle Übergriffe und Missbrauch vor, die von den 50er bis in die 2000er Jahre hinein stattgefunden haben sollen. "Ich war vor Ort, verstehe die Konflikte genau, die Abneigung, die Verteidigung, den Hass, den Stolz, alles. Und eben auch die Ambivalenz", sagte Melle. Es sei aber nicht seine Aufgabe zu richten, sondern "das Ganze mit den oft genug undurchsichtigen Mitteln der Kunst zu erhellen, eine eigene, komplexe Perspektive auf das Geschehen zu werfen".

Die Hauptfigur im Theaterstück, ein 40-jähriger Manager, wurde wie viele Kollegsschüler einst nackt von einem Pater fotografiert. "Das ganze System, in dem man aufwuchs, steht infrage, und der Kampf um die eigene Identität und Biografie setzt ein", sagte Melle, der mit seinen Romanen "Sickster" und "3.000 Euro" zweimal für den deutschen Buchpreis nominiert wurde.

 

Jeder geht anders mit dem Erlebten um

 

Wenn 40-Jährige erkennen, dass sie als Kinder von ihrem Erzieher nackt fotografiert wurden, löse das bei dem einen sehr viel aus, bei dem anderen gar nichts, sagte Melle. Dritte würden sich ein paar Wochen lang an den Kopf fassen und es dann verdrängen. "Ein Vierter dagegen ist schon längst zerbrochen", sagte der Dramatiker. Das liege auch daran, dass sich der Blick anderer Menschen auf die Opfer ändere. "Deshalb ist es ja auch so mutig von den Betroffenen, wenn sie zu reden beginnen."

Die Täter spielten in dem Stück kaum eine Rolle, sagte der Schriftsteller. Sie würden nur immer schuldiger, da sie sich nicht äußerten. "Wie schweigende, tote Götter hängen sie über der Szenerie und haben sich eigentlich schon aus dem Staub gemacht", erklärte Melle. Die Opfer müssten alles unter sich und mit sich selbst ausmachen.

Zum aktuellen Aufarbeitungsstand von realen Missbrauchsfällen an Schulen sagte der ehemalige Aloisiuskollegschüler, die betroffenen Institutionen könnten nur dann wieder funktionieren, "wenn sie offensiv damit umgehen, es nicht nur abarbeiten, um es wegzukriegen, sondern wirklich verarbeiten". Die Einrichtungen müssten "den Schandfleck in das eigene Selbstbild integrieren", sagte Melle. "Nur so geht es."

 

(epd-west, Ebba Hagenberg-Miliu)

 

http://www.domradio.de/themen/kultur/2016-01-20/theater-bonn-zeigt-stueck-zum-missbrauch-am-aloisius-kolleg

 

 

 

 

20. Januar 2016

Der Express und das Portal Theaterkompass kündigen die Melle-Uraufführung an:

 

http://www.express.de/bonn/premiere-ako-missbrauch-geht-in-bonn-auf-die-buehne-23420070

 

http://www.theaterkompass.de/news-einzelansicht+M5752f5d82e6.html

 

 

 

 

 

19. Januar 2016

 

Bildergebnis für wdr 3

 

"Ein fettes Theaterstück"

WDR 3 Mosaik - das Kulturmagazin:

Bericht über das Stück "Bilder von uns" von Thomas Melle ab 21. Januar 2016 im Theater Bonn und den Ausgangspunkt, den Missbrauchsskandal am Bonner Aloisiuskolleg:

http://www.wdr3.de/buehne/bilder-von-uns-106.html

 

 

 

 

 

18. Januar 2016

Kommentar des Blogs "Talking about sexual trauma" zur Erklärung des Aloisiuskollegs vom 13. 01.16:

Revolution! Die Opfer werden. . .

. . . nicht weiter ausgestoßen von der Institution, in der sie sexueller Gewalt ausgesetzt wurden. Das ist mindestens deutschlandweite eine Premiere. Das Aloisius-Kolleg in Bonn, schwerst kontaminierte Elite-Schule in Bonn mit Internat, erklärt, sechs Jahre nachdem dort die bisher intensivste bundesweite Auseinandersetzung mit sexuellem Missbrauch ausgelöst wurde: „Die Betroffenen sind bleibend Teil der Kollegsgemeinschaft; sie haben hier einen Platz und eine Anlaufstelle, wenn sie das wollen. Es gibt kein „Abhaken“ der Geschichte.

http://www.aloisiuskolleg.de

Man entschuldigt sich sogar ausdrücklich für den „Brief der 500“ von 2010, in dem 500 Altschüler und Eltern die Kollegleitung ihrer Solidarität versichert („Die Werte und Erziehungsideale des Aloisiuskollegs als katholische Schule und Internat, geführt durch den Jesuitenorden, sind und bleiben für uns durch die Ereignisse unberührt“).

Das Beste, was ich bezüglich Solidarität bisher erlebt hatte, waren Familien, in denen sich zumindest ein großer Teil der Mitglieder hinter den oder die Betroffene/n gestellt hat, und damit gegen den Täter (Vater, Ernährer, Ehemann, Bruder, Mutter, Ex-Frau. . . ). Aber diese sind die Ausnahme, meist werden Betroffene ausgegrenzt.

Was diese Erklärung bedeutet? Einen zivilisatorischen Fortschritt. In den allermeisten Gesellschaften werden Opfer von Gewalt (seien es Mafia-Opfer, Atombombenopfer, Überlebende von Konzentrationslagern oder eben sexueller Gewalt) nur schweigend geduldet, und ausgestoßen, wenn sie Rechenschaft fordern sollten. Natürlich bemäntelt man diesen Rauswurf unter vielerlei Vorwänden (es gab z.B. Leute, die nach dem 2. Weltkrieg behaupteten, Rentenzahlungen würden bei geschädigten ehemaligen Soldaten das posttraumatische Syndrom erst auslösen. Heute heißt es gerne, Geld helfe doch eh nicht wirklich). Aber letztlich ist Überforderung und damit Kaltstellen die übliche Reaktion (früher auch gerne verbrennen, einsperren, psychiatrisieren). Hilflosigkeit eben.

In der Erklärung der Schule heißt es hingegen: „Wir danken ausdrücklich all den Betroffenen, die zur Aufar-beitung beigetragen haben und beitragen und ermutigen alle Zeitzeugen, die zur Aufarbeitung beitragen können, dies auch zu tun.“

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/opfer-haben-hier-eine-anlaufstelle-article1802149.html

Ich vermute mal: Da konnten einige der Betroffenen („Opfer“) in zäher Arbeit zeigen, dass sie auch nur Menschen sind und den „anderen“ sehr ähnlich. Also hinter die ganzen Projektionen ziemlich vieler Menschen kommen (zusammengesetzt aus Ängsten, Bequemlichkeit und Überforderung), die aus Menschen Opfer machen.

Jetzt müssen den Worten noch Taten folgen.

https://talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com/2016/01/18/revolution-die-opfer-werden/

 

 

 

 

 

 

16. Januar 2016

  

General-Anzeiger Bonn

 

Interview mit Thomas Melle
Bühnenstück "Bilder von uns" behandelt Missbrauch am Aloisiuskolleg


Am Donnerstag, 21. Januar, lädt das Theater Bonn zur Uraufführung des Stücks "Bilder von uns". Thomas Melle nimmt den Missbrauch an seiner Schule Aloisiuskolleg (Ako) zum Ausgangspunkt.

Mit dem Autor sprach Ebba Hagenberg-Miliu.

Das Thema Missbrauch gilt als "abgefrühstückt" ...
Thomas Melle: Wenn die Medien verstummt sind, setzt die Kunst zu sprechen an. Erst mit genügend Abstand zum Geschehen kann man versuchen, den Komplex in ein Theaterstück zu übersetzen, das ihm noch einmal andere Dimensionen abgewinnt. Und "abgefrühstückt" ist das Thema nicht, solange es Machtstrukturen gibt, die ausgenutzt werden.

Ihr Stück erinnert an Fälle am Bad Godesberger Aloisiuskolleg?
Melle: Ich erzähle eine alternative Geschichte des Skandals. Der Ausschnitt, den ich wähle, beschränkt sich auf das Hochkochen der Tatsachen und die sofort anspringende Deutungsmaschine samt Kollaps. Auch Zuschauer, denen der faktische Hintergrund fremd ist, werden mit den Fragestellungen viel anfangen können. Es geht um eine Neubewertung der Vergangenheit, um den Kampf um eigene und kollektive Biografien.

Sind nicht auch Parallelen zum Ako-Haupttäter der letzten Jahrzehnte da?
Melle: Unbedingt. Und doch ist es kein Schlüsselstück, sondern Fiktion. Die Figuren teilen nur den biografischen Hintergrund miteinander, der wiederum motiviert ist von den tatsächlichen Ereignissen. Ursprünglich wollte ich viel deutlicher vom Faktischen abweichen, aber irgendwann fragte ich mich: Warum eigentlich? Es ist doch alles genau der richtige Rahmen für den Kampf, den ich beschreiben will, die richtige Wirrnis, die richtige Bestürzung.

Bei Ihnen geht der Kampf weiter?
Melle: Mit den flirrendsten Positionen, von Schuldzuweisungen bis zu Abwehrmechanismen, von Hysterisierungstendenzen bis zu Totschweigeversuchen. Jeder, der auf dieser Schule war, muss seine Vergangenheit neu betrachten. In was für einem System ist man eigentlich aufgewachsen? Diese Umdeutung hat ein fast schon lebensbedrohliches Konfliktpotenzial, wenn man es genau bedenkt.

Ist das Nackt-Fotografieren von Kindern überhaupt Missbrauch? Stichwort Edathy.
Melle: Mein Statement dazu ist mein Stück. Als Autor finde ich diese graduelle Verfehlung sogar interessant: Es sind Bilder, und auch die harmlosen werden von denen, die ins Pornografische gehen, kontaminiert. Wo beginnt der Übergriff? Ab wann werden Leben womöglich traumatisiert? Das ist auch von Mensch zu Mensch verschieden: Was dem einen ein Witz, ist dem anderen ein Trauma. Für den Dramatiker ist das erst einmal ein guter, schillernder Stoff.

Sie ziehen Parallelen zur griechischen Tragödie?
Melle: Der Einzelne findet sich in einem Schuldzusammenhang wieder, für den er nichts kann, und opfert sich und die Seinen symbolisch oder gar real. Und lädt so wieder Schuld auf sich.

Wie spielt Ihr persönlicher Hintergrund als ehemaliger Ako-Schüler ins Stück hinein?
Melle: Ich war vor Ort, kenne die Zusammenhänge, habe Erinnerungen angezapft, dann aber wieder, um des Textes willen, so getan, als wäre ich nicht dabei gewesen. Ich weiß genau, worum es geht, gerade ich, der ich, trotz aller Verachtung, dieser Schule auch viel verdanke.

Und wie beurteilen Sie den Stand der realen Aufarbeitung der Ako-Fälle?
Melle: Ich weiß nicht, wie dieses Problem zu lösen ist. Was wäre die adäquate Form? Wann wäre die Aufarbeitung zu Ende? Ich wundere mich über die Kleingeistigkeit, die offenbar wurde, gerade bei Menschen, die ich sehr schätzte.

Wie beurteilen Sie die Lage nach der aktuellen Ako-Erklärung?
Melle: Die Schule macht meiner Meinung nach einen großen Fehler: Sie integriert den Schandfleck nicht in ihr Selbstbild, tut meist nur das Nötigste, versucht, aus Gründen der PR - hier ganz weltliches Unternehmen - das Geschehene zu "managen". Dann wieder folgen unverhältnismäßig emotionale Beichten, die durch Kniefall mit allem abschließen wollen. Doch die Vergangenheit ist gegenwärtig. Die Schule müsste diesen Komplex deshalb aktiv in ihre Identität aufnehmen, um ihn tatsächlich zu verarbeiten - und so irgendwann womöglich wieder die Wahrhaftigkeit auf ihrer Seite zu wissen.


Zur Person
Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, Absolvent des Aloisiuskollegs, schreibt Romane und Theaterstücke. Seine Romane "Sickster" und "3000 Euro" wurden für den deutschen Buchpreis nominiert. Für das Theater Bonn übersetzte er in der letzten Spielzeit William Shakespeares "Königsdramen", die Alice Buddeberg in der Halle Beuel als zweiteiliges Theaterspektakel in Szene setzte.


Die Inszenierung
"Bilder von uns" kommt in der Regie von Alice Buddeberg als Uraufführung am Donnerstag, 21. Januar, auf die Werkstattbühne des Bonner Theaters. Es spielen Benjamin Grüter, Hajo Tuschy, Holger Kraft, Benjamin Berger, Johanna Falckner, Mareike Hein und Lydia Stäubli. Weitere Aufführungen am 27. Januar, 2., 11., 13. und 19. Februar, 20 Uhr. Karten in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/kultur/buehnenstueck-bilder-von-uns-behandelt-missbrauch-am-aloisiuskolleg-article1803485.html#plx441984411

 

Leider sind die Bausteine zum Stück ja sehr real:

http://unheiliger-berg.jimdo.com/leseproben/kindernacktfotos/

 

 

 

 

14. Januar 2016

 

 

"Opfer haben hier eine Anlaufstelle"

 

Aloisiuskolleg veröffentlicht Erklärung zum Missbrauch

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle am jesuitischen Aloisiuskolleg (Ako) und dem ihm vormals angeschlossenen Ako-pro-Seminar ist gestern mit einer öffentlichen Erklärung der Kollegsgemeinschaft einen Schritt vorangekommen. Und das genau eine Woche vor der Uraufführung des Thomas Melle-Stücks "Bilder von uns" am Bonner Theater, das die realen Ako-Fälle zum Ausgangspunkt wählen wird.


 

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6. Januar 2016:         „Ein Kampf um die Deutung der Vergangenheit“

 

21. Januar 2016.

Uraufführung am Theater Bonn: Ein Manager wird mit Bildern aus seiner Jugend konfrontiert, die auf einen sexuellen Missbrauch am Internat hindeuten. Autor Thomas Melle befasst sich in „Bilder von uns“ mit der Problematik einer folgenreichen Umdeutung der eigenen Vergangenheit.

Hier ein Vorab-Interview.

 

https://www.choices.de/ein-kampf-um-die-deutung-der-vergangenheit

 

 

 

 

 

 

 

6. Januar 2016

Das Jahr beginnt ernüchternd:

In den Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg bzw. im Bistum Hildesheim (siehe unten: 27. November, 2. Dezember 2015) wird nun doch nicht weiter ermittelt.

Der hier wie dort Beschuldigte kann also unbeschwert weiter leben. Von seinen Opfern lässt sich das nicht sagen.

 

Hier die Stellungnahme von Matthias Katsch, Sprecher ECKIGER TISCH, Berlin, Mitglied des Betroffenenrats beim Unabhängigen Beauftragten für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM),

zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft Berlin, im Fall Riedel keine Ermittlungen einzuleiten:

 

"Wir bedauern diese Entscheidung, weder gegen den Serien-Misbrauchstäter Peter R. noch gegen die Verantwortlichen des Bistums Ermittlungen einzuleiten bzw. wieder aufzunehme. Wir werden dies rechtlich überprüfen lassen, um gegebenenfalls dagegen vorzugehen.
Es ist unverständlich, dass in Deutschland gegen einen Mann, dem Kindesmissbrauch in dreistelliger Zahl vorgeworfen wird, nicht einmal Ermittlungen eingeleitet werden, obwohl es Hinweise auf weitere Taten gibt.

Zugleich ist die Entscheidung, gegen die Veantwortlichen des Bistums keine Ermittlungen einzuleiten, symptomatisch für das Versagen der deutschen Justiz im Umgang mit institutionellem Kindesmissbrauch, insbesondere wenn es um die Kirchen geht.

Bei jedem Verdacht auf Steuerhinterziehung wären die Geschäftsräume des verdächtigen Unternehmens bereits durchsucht worden. In Deutschland ist kein einziger Fall bekannt, wo gegen einen Bischof, einen Provinzial oder sonstigen Vorgesetzten von Missbrauchstätern in Einrichtungen der katholischen Kirche ermittelt worden wäre.

Obwohl die Umstände in dem vorliegenden Fall aus unserer Sicht hinreichend Grund geben für den Verdacht der Begünstigung von Straftaten und der Strafvereitelung mindestens durch Unterlassen, überlässt man wieder einmal der Kirche selbst, ihr eigenes Versagen aufzuklären.

Da offenbar die Justiz nicht willens oder nicht in der Lage ist, für Aufklärung zu sorgen und Verantwortliche zu ermitteln, fordern wir die Einrichtung einer unabhängigen Ermittlung- und Untersuchungskommission für die Vorgänge im Bistum Hildesheim.

Wir fordern außerdem den Landtag in Niedersachsen auf, sich zu befassen, und die Einsetzung eines eigenen Ermittlers zu prüfen."

 

 

 

 

 

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18. Dezember 2015

Unser Thema inspiriert Schriftsteller.

Die Theaterproben haben begonnen:

 

Es ist mir eine Freude, auf das neuste Theaterstück von Thomas Melle hinzuweisen. Das Theater Bonn wird  „Bilder von uns“ am 21. Januar 2016 uraufführen.

Melle ist Ex-Schüler des Bonner Aloisiuskollegs. Er machte u.a. mit vielbesprochenen Romanen und zuletzt mit einem fulminanten Shakespeare-Projekt am Bonner Theater von sich reden.

Das Theater Bonn schreibt zum neuen Stück: „Mit BILDER VON UNS inszeniert Hausregisseurin Alice Buddeberg ihre siebte Arbeit in Bonn, der Stadt, die 2010 mit den Missbrauchsvorfällen am Bonner Aloisiuskolleg in die Schlagzeilen geriet.“

Demnächst an dieser Stelle mehr.

 

BILDER VON UNS

 

21.   Jan

20:00 H

 

27 Jan

20:00 H

Werkstattbühne

Uraufführung
von Thomas Melle

Ich werde mich Gott nicht stellen.

Jesko Drescher ist zufrieden. Noch nicht mal 40 Jahre alt, hat er es bereits zum erfolgreichen Manager eines großen Unternehmens gebracht. Ein Mann, der weiß, was er will, und der sein Ziel stets geradlinig verfolgt; eine Karriere, makellos, die keine Wünsche offen lässt. Bis er eines Tages mit der Post einen Umschlag erhält, braun und ohne Absender. Darin: Fotos von ihm selbst als kleinem Jungen. Nackt. Erpressung? Doch warum? Auch aufs Handy werden ihm die Fotos geschickt. Drescher erinnert sich dunkel, Szenen seiner Schulzeit auf dem Eliteinternat, Fotoshooting im Umkleideraum, im Park. Harmlose Vorfälle, an denen er nichts Anstößiges finden will. Und dennoch lassen ihn die Bilder nicht mehr los. Wer steckt dahinter? Ist er denn ein Opfer? Seine Jugend geprägt von Selbstbetrug und Verdrängung? Wieso hält er die Bilder selbst vor seiner Frau geheim? Er macht sich auf die Suche nach dem anonymen Absender und bringt langsam einen Stein ins Rollen, der einen bundesweiten Skandal um Missbrauch auslöst. Und plötzlich findet sich Drescher in einem Kampf um die eigene Biografie wieder, um Recht und Unrecht und die Deutungshoheit an der eigenen Vergangenheit, dem eigenen Leben.

Thomas Melle, 1975 in Bonn geboren, ist Autor mehrerer Romane und Theaterstücke. Seine Romane SICKSTER und 3000 EURO wurden für den deutschen Buchpreis nominiert. Für das Theater Bonn übersetzte er in der letzten Spielzeit William Shakespeares KÖNIGSDRAMEN, die Alice Buddeberg in der Halle Beuel als zweiteiliges Theaterspektakel in Szene setzte. Mit BILDER VON UNS inszeniert Hausregisseurin Alice Buddeberg ihre siebte Arbeit in Bonn, der Stadt, die 2010 mit den Missbrauchsvorfällen am Bonner Aloisiuskolleg in die Schlagzeilen geriet.

Besetzung

Jesko Benjamin Grüter
MalteHajo Tuschy
JohannesHolger Kraft
KonstantinBenjamin Berger
KatjaJohanna Falckner
BettinaMareike Hein
SandraLydia Stäubli

Regie: Alice Buddeberg
Bühne: Cora Saller
Kostüme: Emilia Schmucker
Musik: Stefan Paul Goetsch
Licht: Lothar Krüger
Dramaturgie: Johanna Vater

Regieassistenz: Silvana Mammone
Inspizienz: Maurice Höchst
Soufflage: Miklos Horváth

bilder von uns - Gesamt - Theater Bonn

 

Shakespeare-Projekt in Bonn: Thomas Melle hat acht ...

Thomas Melle: Bonner Schriftsteller hat es zum zweiten Mal ...

 

 

 

 

 

14. Dezember 2015

Die langjährige Bonner Schulausschussvorsitzende Dorothee Paß-Weingartz ist zurückgetreten. Die Bonner Schulpolitik, die Jugendhilfe und die Stadt verdanken dieser engagierten Politikerin sehr viel. Trat sie doch immer unerschrocken gerade für die Benachteiligten in unserer Stadt ein.

 

Paß-Weingartz ist sich nie zu schade gewesen, sich dem Leid der Missbrauchsopfer an Bonner Schulen direkt auszusetzen. Sie stellte sich mit einem mutigen Beitrag über die Rolle der Bonner Lokalpolitik und der Verwaltung im Buch "Unheiliger Berg" auch der eigenen Verantwortung.

 

Paß-Weingartz war es zu verdanken, dass ich mein Buch dann mit Mitautoren am Erscheinungstag in den Fraktionsräumen der Bonner Grünen vorstellen konnte. Damit durften auch die Opfer ins Bonner Rathaus. Herzlichen Dank nochmals!

 

So äußert sich der Eckige Tisch Aloisiuskolleg zum Rücktritt:

Foto: Hans Weingartz

Zum Rücktritt von Frau Dorothee ‪#‎PaßWeingartz‬
Der ECKIGE TISCH BONN - Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. bedauert den Rücktritt der Jugend- und Schulpolitikerin Dorothee Paß-Weingartz. Sie hat in unseren Augen Verdienste im Nachgang des Bekanntwerdens der Kindesmissbräuche am Aloisiuskolleg und anderer Schulen erworben:
So bestand sie z.B. in den Ausschüssen darauf, dass die Stadt im Sinne ihrer Bürger die Pflicht habe, eine lückenlose Aufklärung und Aufarbeitung der 40 Jahre Missbrauchsfälle in Ako und Ako-pro-Seminar einzufordern. Im Zusammenhang damit handelte sie sich öffentliche Diffamierungsvorwürfe nicht nur des damaligen kommissarischen Ako-Rektors ein. Sie hat Betroffene persönlich angehört und darauf gedrungen, dass neben Vertretern des Aloisiuskollegs und der Deutsche Provinz der Jesuiten (SJ - Gesellschaft Jesu) auch ein Betroffenensprecher in einer Ausschusssitzung das Wort bekam. Das war auch 2010 und danach, gerade in einer Stadt wie Bonn, nicht selbstverständlich.
Sie scheute sich nicht, im Skandal um die Abrechnungspraxis des ehemaligen Leiters des Ako-pro-Seminars sowie um die erstaunliche Zuschussgewährung der Stadt an diese Bildungseinrichtung immer wieder Aufklärung einzufordern. Sie stellte der Bonner Kinder- und Jugendpolitik – und damit auch sich selbst - die Frage (nachzulesen in ihrem Beitrag im Buch „Unheiliger Berg“): Wie konnte es dazu kommen, dass ein des Betrugs und Kindesmissbrauchs Beschuldigter zuvor über Jahre als Mitglied des Jugendhilfeausschusses Entscheidungen der Bonner Jugendpolitik mittreffen konnte? Sie ließ nicht locker, auch die Schulaufsichtsrolle der Bezirksregierung offen anzusprechen.

Die Geschädigten des Aloisiuskollegs hoffen, dass künftige Schul- und Jugendpolitiker sich nicht im sicheren Fahrwasser wiegen: Allein die Aufklärung der jahrzehntelangen Missbräuche und des Betrugs an den Bonner Schulen hilft derartige Vorfälle zu verhindern. Diese Aufklärung (gerade beim Ako Pro) ist in der Stadt Bonn, anders als die betroffenen Schulen das vermutlich gerne hätten, noch nicht abgeschlossen. Hoffentlich gibt es Nachfolgerinnen und Nachfolger in der Politik, die den Mut dafür aufbringen, wie Paß-Weingartz weiter nachzuhaken

Eckiger Tisch Bonn- Verein Geschädigter des ... - Facebook

Doro Pass-Weingartz

 

 

 

 

 

2. Dezember 2015

Wer miterleben möchte, wie noch 2015 die Aufarbeitung von Missbrauch erschreckend misslingen kann, der schaue sich diese NDR-Aufzeichnung der gestrigen Pressekonferenz in Sachen Bistum Hildesheim / Canisius-Kolleg Berlin an (siehe Artikel unten).

Mein ausdrücklicher Dank geht hier an den NDR-Kollegen Florian Breitmeier für seine Nachfragen.

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/hannover_weser-leinegebiet/Die-PK-des-Bistum-Hildesheim-in-voller-Laenge,pressekonferenz340.html

 




2. Dezember 2015

General-Anzeiger Bonn, Politik, S. 5:

Mein nachgeschobener Artikel zur Causa Hildesheim:

 

Bistum Hildesheim weist Vorwürfe zurück

Bischof Norbert Trelle begrüßt neuerliche Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Von Ebba Hagenberg-Miliu

HILDESHEIM.  Das Bistum Hildesheim hat gestern Vorwürfe der ARD zurückgewiesen, einen möglichen Missbrauchsskandal vertuscht zu haben. „Angesichts des tatsächlichen Ablaufs der Geschehnisse sind die Vorwürfe in keiner Weise haltbar“, erklärte der stellvertretende Generalvikar Weihbischof Heinz-Günter Bongartz bei einer Pressekonferenz. Bischof Norbert Trelle, dem die Betroffenengruppe Eckiger Tisch wegen des Falls den Rücktritt nahegelegt hatte, äußerte, das Bistum setze sich selbstverständlich für die vollständige Aufklärung der Vorwürfe im Fall Pater R. ein. „Wir würden es begrüßen, wenn angesichts der jüngsten Entwicklung die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufnehmen würde.“

Wie berichtet, hatte die am Montagabend ausgestrahlte ARD-Dokumentation „Richter Gottes“ behauptet, das Bistum habe den 2010 angezeigten Missbrauch eines jungen Mädchens zu spät an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Täter soll Pfarrer Peter R. gewesen sein, dem Anfang 2010 Vergehen an 100 Schülern am jesuitischen Canisius-Kolleg in Berlin zur Last gelegt wurden. Das Bistum habe die Behörden auch nicht über diese Fälle informiert, so die ARD.

Ihm sei es unverständlich, wie derartige Behauptungen erhoben werden könnten, betonte Weihbischof Bongartz. Das im März 2010 stattgefundene Gespräch der 14-Jährigen mit dem Bistum habe „keine eindeutigen Hinweise auf sexuellen Missbrauch“ ergeben. Da sich das Mädchen eher verschlossen gezeigt habe, sei es ermutigt worden, mit Personen seines Vertrauens zu sprechen. „Damit wollten wir helfen, dass sich das Mädchen gegebenenfalls öffnen kann. Ein solches Vorgehen wird von vielen Opferverbänden ausdrücklich empfohlen“, erklärte der Weihbischof. Nachdem die Erziehungsberechtigten im November 2010 eindeutige Vorwürfe erhoben hätten, habe das Bistum unmittelbar die Missbrauchsanzeige zur Ermittlung an die Staatsanwaltschaft abgegeben „Die Kirche hat nicht im Geheimen ermittelt. Das nach Abschluss des staatsanwaltschaftlichen Verfahrens durchgeführte kirchenrechtliche Strafverfahren ist als zusätzliche disziplinarische Maßnahme zu verstehen.“

 

Darauf die Reaktion des Eckigen Tischs Berlin:

Eckiger Tisch | Das Blog für Geschädigte an deutschen ...

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30. November 2015

Heute 22.45 Uhr in der ARD: "Richter Gottes" von Eva Müller in der Sendereihe "Die Story im Ersten".

Mein Artikel dazu im General-Anzeiger Bonn, S. 2, Politik:

"Richter Gottes"

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Meine Berichterstattung bei der Nachrichtenagentur epd:

Opfergruppe: Bischof Trelle soll wegen ... - Epd

 

WDR-Autorin Eva Müller antwortete mir außerdem:

Sie sehe das Nebeneinander von staatlichen und Kirchengerichten als für sie „nicht tolerierbar“ an. „Wenn sich zwei parallele Strafrechtssysteme mit dem gleichen Gegenstand befassen, muss das zu massiven Problemen führen.“ Die Evangelische Kirche habe das Thema inzwischen wenigstens angepackt. Nach einem heftigen Fall 2013 könnten die Disziplinarverfahren dort jetzt zumindest unter bestimmten Bedingungen öffentlich sein. „Da ist zumindest der Gedanke da, dass das Hauptproblem in einem Kirchengerichtsprozess die fehlende Öffentlichkeit ist“, sagte Müller.

 

 

 

Und hier das Video der ARD-Dokumentation:

Video "Die Story im Ersten: Richter Gottes. Die geheimen Prozesse der Kirche" | Reportage / Dokumentation | ARD ...

 


 

 

 

 

 

27. November 2015

Heike Vennemann-Bundschuh, Missbrauch

Ich weise hier gerne auf die WDR-Dokumentation über Kirchengerichtsprozesse der Kollegin Eva Müller (zuvor: "Gott hat hohe Nebenkosten") hin, die am Montag, 30. November 2015, 22.45 Uhr in der ARD läuft. Es gibt Neues zum Missbrauch am jesuitischen Canisius-Kolleg in Berlin. Am Montag an dieser Stelle mehr! http://bit.ly/1P3JM4H

 

 

 

 

 

 

 

12. November 2015, 19 Uhr:

Lesung Jörg Jägers bei der Bonner Beratungsstelle Adelante 

Das Buch „Unheiliger Berg“ ist Grundlage für ein neues Buch geworden, das Anfang 2016 erscheinen wird. Es heißt „Warum schweigen die Opfer der Katholischen Kirche“. Sein Autor ist der Mainzer Trauma-Experte Jörg Jägers. Jägers las daraus am 12. November 2015 bei der Bonner Beratungsstelle Adelante, zu deren Therapeuten-Team er gehört.

 

Er untersuche in seinem Buch anhand von Fällen besonders des jesuitischen Bonner Aloisiuskollegs, warum Missbrauchsopfer gerade aus kirchlichen Institutionen über Jahre, ja Jahrzehnte schwiegen, erläuterte Jägers im bis auf den letzten Platz gefüllten Begegnungsraum von Adelante. Er hinterfrage zweitens die spezifische Gewalt bei beschuldigten Priestern. Und er arbeite drittens die neuerliche schwere Verletzung bei Missbrauch in Institutionen heraus: wenn Opfer durch Beschönigungen der Taten dann sogar noch nach Jahrzehnten diskriminiert und neu traumatisiert würden, so Jägers.

 

Als besonders perfides Beispiel arbeitete Jägers hier die Hinterhältigkeit des „Entschuldigungs“briefs von Pater Ludger Stüper an AKO-Opfer „Werner Permanent“ heraus. Stüper sei in seinem Handeln sogar noch vom damaligen AKO-Rektor und der damaligen Missbrauchsbeauftragten unterstützt worden. Bei Vergehen an Kindern sei erst einmal natürlich das Delikt selbst strafbar. Aber die beiden danach folgenden Phasen, die nicht weniger belastend für die Betroffenen seien, könnten leider derzeit noch nicht bestraft werden: erst einmal das bewusste Vertuschen des Missbrauchs und dann die Instrumentalisierung des Opfers für die Reputation der kirchlichen Institution. Alles das sei vielfach in den Betroffenenberichten des Buchs „Unheiliger Berg“ nachzuzeichnen.

 

Jägers nahm sich in dieser Lesung besonders Kapitel des „Unheiligen Bergs“ von „Werner Perment“, Wilfried Ponsens, „Bei den Frischlingen“ und „Komm unter meine Dusche“ vor. Er zeichnete in ihnen aus seiner Sicht des Psychotherapeuten ein erschreckendes Bild der Scham, Schande und Schmach, ja sogar der Schuldgefühle der Kinder und Jugendlichen nach, die bis ins weite Mannesalter reichten. Die traumatischen Erlebnisse aller im „Unheiligen Berg“ schreibenden Betroffenen hätten einen Riss im Selbstverständnis dieser werdenden Männer verursacht, der seiner Meinung nach nicht ohne therapeutische Behandlung zu heilen sei. Jägers erläuterte, dass diese Männer als Kinder von Tätern auf Schock abgerichtet worden seien, so dass sie auch Jahrzehnte danach wieder zu Opfern durch Diskriminierung, durch erneuten Verweis aus der Kollegsgemeinschaft geworden seien.

 

Mit Blick auf „Unheiliger Berg“-Beiträge von Ebba Hagenberg-Miliu, Anselm Neft, Pater Georg Roers, Jürgen Repschläger, Pater Klaus Mertes und Christopher Haep arbeitete Jägers den besonderen Eliteanspruch des AKO über viele Jahrzehnte heraus. Seiner Meinung nach werde dieser gefährliche "Imagekult“ aber auch heute vom Kolleg weiter betrieben. Bei Erscheinen des Buchs Anfang 2016 werden Jägers Argumente zu werten sein. Die Veranstaltung endete in einer bewegten Diskussion auch mit  mir und Johannes Heibel, einem Mitautoren im „Unheiligen Berg“.


Beratungsstelle Adelante e.V.

 

 

 

 

 

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22. September, 19 Uhr:

Lesung bei der Bonner Beratungsstelle Adelante


"Wenn Kindern die Haut abgezogen wird."

Ort: Adelante. Unterstützung von Menschen mit traumatischen Erfahrungen e.V., Rochusstr.110, 53123 Bonn

im Rahmen einer neuen Adelante-Buchlesungsreihe.

Beratungsstelle Adelante e.V.

 

Jede Lesung ist anders. Weil das jeweilige Publikum die Diskussion  bestimmt. Weil ich jedem Publikum auch gerne dieses Recht lasse. Weil Teilnehmer unbedingt ihr Anliegen loswerden wollen. Weil sie sich keinen gemütlichen Abend gönnen, sondern einen mit furchtbarem Thema vorgezogen haben. Weil Betroffenen, Angehörigen, selbst in der Erziehung Tätigen etc. Teilthemen auf den Nägeln brennen. Oder weil sich hier auch in der Aufarbeitung Engagierte untereinander austauschen wollen.

 

Der von Heike Thiemann sehr gut moderierte Abend in der Beratungsstelle Adelante war einer, der weiterführte. Einerseits, weil die zahlreich anwesenden Therapeuten die Buchtexte sofort in den Kontext Machtmissbrauch in anderen Institutionen und in Familien einbetteten. Und damit dem Buch „Unheiliger Berg“ attestierten, selbst weit über das Beispiel Jesuitenkolleg hinausgehende Aufarbeitung von Missbrauch zu leisten. Andererseits, weil eine ganze Reihe Zuhörer genau das aus ihrer Warte Betroffener?, Angehöriger? bestätigten.

Foto: Gisela Mengelberg

Es waren ehemalige AKO-Schüler da, die im Detail über die unmenschlichen Separierungsmethoden des inzwischen verstorbenen AKO-Schulleiters, über das Schicksal der aussortierten Schüler berichteten. Ein Ex-Schüler sorgte sich: Das Kolleg habe sich immer noch nicht davon verabschiedet, einen Elitestatus zu beanspruchen. Hart kritisiert wurde, dass der Orden die jeweils Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehe. Ich berichtete über den Stand der wichtigen Gespräche zwischen Kolleg und Eckigem Tisch.

 

Der Abend ging mir aber auch unter die Haut, weil sich hier plötzlich Opfer outeten. Eine in einer anderen Institution betroffene Frau berichtete vom nochmals entwürdigenden Akt, eine Entschädigungszahlung zu beantragen. Eine andere erzählte vom dramatischen Beziehungsgeflecht in Familien: weil die Mutter die Tochter in der Kindheit nicht vor Missbrauch schützte.

 

Ich glaube nicht, dass es mit dem Thema Aufarbeitung von Missbrauch jetzt aber endlich mal Schluss sein sollte. Dass Gras darüber zu wachsen habe. Ich wünsche der Lesereihe von Adelante weiterhin viel Erfolg. Ihr Titel heißt: "Nichts ist vorbei". Am 27. Oktober, 19 Uhr, liest als nächster Johannes Heibel, Mitautor auch im "Unheiligen Berg".  


Vielen Dank auch an Unsere Buchhandlung am Paulusplatz für den reich bestückten Büchertisch. Die Graphik zum Buch (oben) stammt von Heike Vennemann-Bundschuh.





15. September, 19 Uhr:

Lesung beim Zentrum für Wandlung, Mainz

„Wenn Kindern die Haut abgezogen wird“

So hatte ich meine Lesung am 15. September in Mainz im „Zentrum für Wandlung“ betitelt. Also mit dem unerträglichen Zitat eines am Aloisiuskolleg (AKO) Betroffenen, der sich auch nach Jahrzehnten noch „wie zugenarbt“ empfindet und sagt: „Meine Haut passt mir auch heute noch nicht.“

Zentrums-Chef Jörg Jägers, der ja auch in der Bonner Beratungsstelle Adelante mitarbeitet, führte sensibel durch die Veranstaltung.

 

Ich beleuchtete Machtmissbrauch in Institutionen.

„Was ist gerade an einigen der bekanntesten Schulen Deutschlands passiert?

Wo steht heute, 2015, die Aufarbeitung? Fünf Jahre nach Ausbruch des Skandals 2010. Gab es Fortschritt?

Was haben wir gelernt? 

Was können wir gegen Machtmissbrauch in Schulen und Internaten oder etwa KIndergärten wie unlängst hier in Mainz  tun?

Das Buch „Unheiliger Berg“ hat einige Antworten gefunden.

Lassen Sie uns darüber reden“, führte ich ein.

 

Einem hochinteressierten (Fach-)Publikum aus Juristen, Psychologen, Therapeuten, AKO-Ehemaligen, möglicherweise selbst Betroffenen, deren Angehörigen und anderen, die einfach mit Tränen in den Augen da saßen, las ich einige kurze Passagen aus Betroffenen-Texten im „Unheiligen Berg“, und zwar ausdrücklich aus Texten der jüngeren Männer. Dann zitierte ich u. a. aus Winfried Ponsens, Pater Siebners und Pater Mertes Text und aus dem von Anselm Neft. Ich erläuterte den heutigen Stand.

Ebba Hagenberg-Miliu im Zentrum für Wandlung, Mainz

(Foto: Jörg Jägers)

Und spätestens da brach die Diskussion los. Sofort im Fokus war die Frage, warum bei Missbrauch nicht jegliche Verjährung abgeschafft wird. Und warum gerade "Eliteschulen" Orte wurden, wo Missbrauch der Boden bereitet war. Teile des Publikums waren bestens über die AKO-Fälle informiert. Ich wurde mit Fragen bombardiert, etwa: Warum Pater Mertes in seinem Text mit dem Begriff Mitwisser arbeite und damit seine Mitschüler, die damaligen Kinder, begrifflich gleichstelle mit den verantwortlichen Erwachsenen, die immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen worden seien? Warum es im September 2015 offensichtlich immer noch keine wirkliche Einigung zwischen dem Kolleg und dem Betroffenenverein Eckiger Tisch über das weitere Vorgehen gebe? Warum der nagelneue AKO-Imagefilm, den Leute gesehen hatten, noch nicht einmal in einem Halbsatz antippe, dass das Kolleg sich auch der jüngeren, nicht nur erfreulichen Kollegsgeschichte stellt? Zuhörer bedauerten, dass Aussagen, die Internatsleiter Christopher Haep 2014 in Beiträgen im "Unheiligen Berg" über den Machtmissbrauch am AKO gemacht hatte, in seinem 2015 herausgegebenen Buch "Grundfragen der Internatsprädagogik" fehlten.   etc.

 

Die nächste Lesung findet am Dienstag, 22. September, 19 Uhr, bei der Bonner Beratungsstelle Adelante, Rochusstraße 110, statt. Meiner Einladung wollen drei der Mit-Autoren folgen. Ich freue mich darüber. 

 

Die Graphik zum Buch (oben) stammt von Heike Vennemann-Bundschuh.

zentrum fuer wandlung

 


 

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Logo: evangelische Thomas-Kirchengemeinde

11. August 2015


Bei der Bad Godesberger Podiumsdiskussion mit den drei Bonner OB-Kandidaten unter dem Motto "Suchet der Stadt Bestes" am 11. August 2015 in der evangelischen Pauluskirche befragte ich als Moderatorin den

CDU-Kandidaten (und stellvertretenden Schulpflegschaftsvorsitzenden  des Aloisiuskollegs)
Ashok-Alexander Sridharan,

wie er den Stand der Missbrauchs-Aufarbeitung am AKO sehe.
Sridharan antwortete, er glaube, dass das AKO viel für die Prävention getan habe und derzeit sicher die vor Missbrauch am besten gefeite Schule sei. Andererseits habe das Kolleg in puncto Aufarbeitung noch weiter viel zu tun. Das Leid der Betroffenen sei immer noch groß. Das AKO müsse weiter Gespräche mit ihnen führen.

Ich appellierte vor 500 Besuchern der übervollen Kirche an Sridharan, dazu beizutragen, dass die Betroffenen endlich auf Einladung des AKO im Kolleg öffentlich ihr Anliegen vorbringen können.

Foto: Ronald Friese

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/themen/ob-wahl/Verkehr-Baeder-und-die-City-interessieren-article1698629.html

 

 

 

 



3. August 2015: AKO-Imagefilm erscheint online

 

Der Jesuitenorden hat ein neues Image-Video für das Bonner Aloisiuskolleg online gestellt. 8 Minuten 23 Sekunden lang gibt es darin nicht den leisesten Hinweis darauf, dass der Orden / das AKO zur Anzeige gebrachte Vorgänge am AKO immer noch aufzuarbeiten haben. Mehrfach werden sogar Räumlichkeiten der Internatsvilla Stella Rheni gezeigt, in der ein Großteil der möglichen Taten stattfand. Zur Erinnerung: Die letzte zur Anzeige gebrachte mögliche Tat geschah noch 2005. Die Verfahren wurden erst mit dem Tod des möglichen Täters im Juli 2010 eingestellt.

https://vimeo.com/134221195

jesuiten.org: jesuiten.org: Home

 

 

 

 

 

 

 

Expertenteam für Ratsuchende: Gisela Mengelberg (v.l.), Sylvia Dachsel, Corinna Wild, Jörg Jaegers und Heike Thiemann.
Foto: HAGENBERG-MILIU

 

"Es ist nicht immer leicht zu erkennen, inwieweit das Wohlergehen eines Kindes gefährdet ist oder was zu tun ist, um es effektiv zu schützen", sagt Jörg Jaegers von der Bonner Beratungsstelle Adelante. Wurde diesem Kind wirklich Leid angetan? Der Therapeut, der in Mainz die Praxis "Zentrum für Wandlung" betreibt, hört erst einmal genau zu.

 

"Um persönliche Antworten bieten zu können, beraten wir ausschließlich im direkten Gespräch", erläutert Kollegin Heike Thiemann. Und zwar können nicht nur möglicherweise Betroffene, sondern auch Menschen, die in der öffentlichen oder freien Jugendhilfe tätig sind und unsicher sind, ob in einem konkreten Fall eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, bei den Experten vorsprechen. "Wir überlegen dann gemeinsam, was der nächste Schritt sein kann." Adelante bedeutet vorwärts. "Wir sind ein Team von fachlich fundiert ausgebildeten Experten, die über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen verfügen", sagt Gisela Mengelberg. Der Weg raus aus den Folgen traumatisierender Ereignisse oder Lebensabschnitte sei für alle Kollegen "gelebte Wirklichkeit".

20 Mitarbeiter sind nach dem Start in der Südstadt in den neuen Räumen in Duisdorf ehrenamtlich tätig. Im Hauptberuf sind sie Psychologen, Therapeuten, Heilpraktiker, Ärzte und Pädagogen. "Unser Engagement wurde 2010 mit der Missbrauchswelle angestoßen. Wir haben uns dann 2011 entschlossen, als Experten bei der Aufarbeitung nicht hintenan zu stehen", berichtet Jaegers. Er habe sich im Verlauf des Skandals besonders entrüstet, "wie enttäuschend sich die kirchlichen Würdenträger über die unsäglichen Brutalitäten äußerten, die ihre Glaubensbrüder auf dem Gewissen haben". Man wolle helfen, dass die Opfer bald aus ihrer tragischen Situation herauswachsen könnten.

 

Das könne eine langwierige Therapie nötig machen, zu der man im Ernstfall rate. Genauso wichtig sei es aber, die den Missbrauch begünstigenden Rahmenbedingungen herauszuarbeiten. "Den bundesweit eingerichteten Runden Tisch gegen Missbrauch sehen wir als einen Anfang an, dass ein Erwachen in der Gesellschaft stattfindet", so Jaeger. Drei bis vier Hilfesuchenden pro Tag stünden die Kollegen Rede und Antwort, so Thiemann. Und Mengelberg berichtet von der erfolgreich gelaufenen ersten Fortbildung für die städtischen Integrationslotsen. "Für die ist es enorm wichtig, zu verstehen, wie extrem die einreisenden Flüchtlinge unter einem Trauma leiden können."

 

Traumatisierte Menschen akzeptierten die Mechanismen der Verdrängung oft fälschlicherweise als unveränderbare Charaktereigenschaften, unter denen sie litten und wegen derer sie sich minderwertig fühlten, erläutert Jaegers.

Kontakt

 

Adelante, Rochusstraße 110, Tel. 02 28/909 768 55. Offene Beratung: Montag 19-21 Uhr, Mittwoch 9-11 Uhr, Freitag 15-17 Uhr.


Erste Hilfe nach möglichem Missbrauch - General-Anzeiger ...




 

20. April 2015, Stadthalle, Bonn-Bad Godesberg

Lesung: Verantwortungsvoller Journalismus


Auf Einladung des Bonner Montag-Clubs sprach ich über die journalistische Verantwortung bei der Berichterstattung über Katastrophen: wenn Schüler missbraucht werden, wenn Germanwings-Maschinen in den Alpen zerschellen. Denn wie man beim aktuellen Fall sieht: In der Diskussion um die Rolle der Medien heißt es ganz schnell wieder: „Lügenpresse“.

Ebba Hagenberg-Miliu

Foto: Ingrid Gerber

Ich las Teile aus meinem „Unheiliger Berg“-Kapitel: „Warum Reporter den Mund für die Stummen aufmachen müssen.“ Es wurde ein äußerst anregender Abend mit einer lebhaften Diskussion. Die mit den großen Erwartungen an die Medien begann, dann aber bald zum Leid der Betroffenen und zur bleibenden Verantwortung von Kolleg und Orden wechselte. Ich danke Professor Gernot Lucas herzlich, dass er mir auch bei dieser Veranstaltung zur Seite stand und bewegend Zeugnis für die Opfer ablegte! Plötzlich bekannte sich auch ein anderer Zuhörer als betroffen, schilderte seine Geschichte. Eltern ehemaliger Schüler berichteten von ihren Beobachtungen, Fragen, Ängsten. Ich sah Zuhörer, die weinten. Trauben von Teilnehmern standen danach noch beisammen. Ich danke der Montag-Club-Vorsitzenden Hannelore Fuchs sehr für ihre Einladung!.

 

Teilnehmer schrieben mir danach: Es erschrecke sie sehr, wie offensichtlich „unbelehrbar sich viele Eltern und Schüler zeigten, denen der gute Ruf durch Verschweigen wichtiger war als die Hilfe für die Opfer und das Vorbeugen durch Veröffentlichung, damit so etwas nie mehr vorkommt.“ Sie dankten für die  „sensible journalistische Arbeit und den Mut und die Kraft, Anfeindungen in Kauf zu nehmen.“ Besonders das Outing der Betroffenen habe sie berührt.

 

Ein Nachtrag: Wegen Bauarbeiten hatte die Volkshochschule, der geplante Lesungsort, kurzfristig eine neue Räumlichkeit suchen müssen. Die Katholische Kirche Bad Godesberg lehnte laut VHS ab. In der Stadthalle war der "Unheilige Berg" dann willkommen.

Montag-Club für politische und gesellschaftliche Kontakte








http://www.preis-der-arbeit.de/typo3temp/pics/495fd0eb93.jpg


Publik-Forum 3/2015, S. 33f

Das speckige Sofa des Paters

Sexuelle Gewalt in Schulen und Kinderheimen erregt nach wie vor die Gemüter. Doch wie kann ihr Einhalt
geboten werden? Erfahrungen aus
dem Aloisiuskolleg in Bonn

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Der Mann ist Anfang sechzig. Gutsituiert. Mit Familie. Und doch kann er nicht anders, als sich nach über fünfzig Jahren endlich seinen Gespenstern zu stellen. »Ich habe mich, meine Kindheit und meinen Glauben auf einem speckigen Sofa im Zimmer eines Paters im Bonner Aloi­siuskolleg verloren«, schreibt der Mann in dem Sammelband »Unheiliger Berg«. Dann erzählt er von seinen schrecklichen Erfahrungen aus seiner Kindheit am Jesuitenkolleg: »Er zwingt mich unter sich, seine Handgriffe tun weh, ich weiß überhaupt nicht, wie mir geschieht. Ich verliere die Orientierung und versuche nur, diese grauenhaften Augenblicke zu überleben. Abends das Sperma, morgens der Leib Christi. Die befleckte Hand von gestern Abend reicht mir am nächsten Morgen in der Frühmesse die Hostie. Ich kann dies alles nicht verstehen und werde, so bald es geht – also gleich nach dem Abitur –, aus der Kirche austreten.«

 

Das Aloisiuskolleg sah sich als Kaderschmiede, das seinem früheren Anspruch nach auf Bonns »Heiligem Berg« liegt. Die Thomas de Maizières, Till Brönners, Flo­rian Henckell von Donnersmarcks habe man hervorgebracht. Und dann wurde vor fünf Jahren plötzlich auch diesem Kolleg samt Internat im Zusammenhang mit dem bundesweiten Missbrauchsskandal strukturell bedingter Machtmissbrauch über sechs Jahrzehnte nachgewiesen, also bis in die 2000er-Jahre hinein.

 

Aufklärungsberichte listeten 60 Betroffene und 23 Beschuldigte auf. Die Dunkelziffer war vielfach höher. Es ging und geht um all die Spielarten von Machtmissbrauch: um sexuellen Missbrauch, ums Nackt-Fotografieren, um körperliche und psychische Gewalt. Es ging und geht um strafrechtlich relevante Handlungen an Kindern und Jugendlichen. All diese Fälle, deren furchtbare Kontinuität, die Fragen nach dem Schicksal der Betroffenen, nach dem Stand der Aufarbeitung und nach der Verantwortlichkeit erhitzen bis heute – nicht nur im Aloisiuskolleg – die Gemüter.

Wie kann sexualisierter Gewalt in Institutionen die Stirn geboten werden? Recherchen, Erfahrungen, Gespräche, öffentliche Diskussionen haben folgende Aspekte in den Vordergrund gerückt, die für eine nachhaltige Aufarbeitung zentral sind:

 

Augenhöhe:Opfer von Machtmissbrauch in Institutionen leiden auch nach Jahrzehnten vielfach darunter, nicht hinreichend angehört zu werden. Viele Betroffene an Schulen vermissen auch fünf Jahre nach dem Skandal den wirklichen Dialog mit den Verantwortlichen. Solange etwa der Jesuitenorden abwartet, dass gesprächsbereite Betroffene des Aloisiuskollegs auf ihn zugehen (der Orden begründet seine Zurückhaltung vor dem ersten Schritt damit, nicht erneut traumatisieren zu wollen), so lange werden sich beide Seiten in ängst­lichem Schweigen und unterdrückter oder offener Wut weiter hochschaukeln. Nach dem Erscheinen des Buches »Unheiliger Berg« sind Heiko Schnitzler, der Sprecher der Betroffenengruppe Eckiger Tisch Bonn, und der heutige Kollegsrektor und Jesuitenpater Johannes Siebner, beides Mitautoren, einander zumindest nähergekommen: Man verhandelt miteinander.

 

Glaubwürdigkeit: Das Perfide am Kindesmissbrauch durch Geistliche ist die besondere Fallhöhe. Denn der Täter ist ja jener Mann, der im Gottesdienst den »Leib Christi« in Gestalt der Hostie austeilt und zugleich seine Schutzbefohlenen christlich erziehen soll. Papst Franziskus sprach im Blick darauf von abscheulichen satanischen Messen. Satanisch seien dabei nicht nur die Verbrechen, satanisch sei der nachträgliche Umgang der Verantwortlichen, Beteiligten und Zeugen mit dem Geschehen: das Verschweigen, das Verdrängen, das Abhaken. Solange sich nicht alle – Ehemalige, Mitarbeiter, Eltern und Schüler – gemeinsam mit den Opfern dem schmerzhaften Aufarbeitungsprozess stellen, wird es keinen reinigenden Neuaufbruch geben.

 

Strukturelle Änderungen: Gerade Institutionen mit elitären, ja oftmals pathogenen Strukturen brauchen systematische Kontrollmechanismen, Risikoanalysen und Präventionskonzepte. Verbindliche Fortbildungen, Supervisionen, Evaluationen und Feedback-Systeme baut das Aloisiuskolleg inzwischen auf. Der Blick von außen muss immer möglich sein, eine Schule wie das Aloisiuskolleg darf sich nicht einigeln. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben, zwischen Nähe und Distanz müssen gewahrt bleiben. Vertreter des Eckigen Tischs kritisieren, dass man auch hier den kirchlichen Träger letztlich zum Handeln tragen müsse.

 

Gerechtigkeit: Viele Betroffene verkraften es nicht, dass die Täter meist nicht mehr juristisch belangt werden können. Daher sollte der Gesetzgeber die Verjährungsfristen beim Missbrauch endlich abschaffen. Immerhin ist kürzlich die strafrechtliche Regelung für das Fotografieren nackter Kinder verschärft worden. Auch das Problem der angemessenen Entschädigung ist noch ungelöst. Es werden aktuell nach einem schmerzhaften Entblößungsprozess jeweils 5000 Euro an die Opfer gezahlt. Nach Meinung der Betroffenen muss die kirchliche »Anerkennung des Leids« taktvoller und individueller erfolgen.

 

Solidarität:Es geht betroffenen Ex-Schülern des Aloisiuskollegs darum, als gleichberechtigter Teil der Schulgeschichte anerkannt und nicht als Nestbeschmutzer beschimpft zu werden. Sie wollen als Diskussionspartner ernst genommen werden. So fordern sie eine Art Mahnmal auf dem Friedhofsgelände des Kollegs, auf dem Patres begraben liegen, die des sexuellen Missbrauchs verdächtigt wurden. Aber auch den Prominenten unter den Ex-Schülern stünde es gut an, endlich Stellung zum Schicksal ihrer Klassenkameraden zu nehmen. Dies hat bislang nur Bundesinnenminister Thomas de Maizière getan.

 

Verantwortung: Missbrauchsfälle in Institutionen werfen die Frage nach der Aufsicht auf: Warum ließ der Jesuitenorden sechs Jahrzehnte lang den Machtmissbrauch in seinen Einrichtungen zu? Nur hin und wieder wurde mal ein Pater in eine andere Jugendeinrichtung versetzt – ausgerechnet. Zu fragen ist auch, warum die Schulaufsicht der Länder Privatschulen ohne diesbezügliche Kontrollen einfach gewähren lässt. Hier ist der Gesetzgeber gefordert.

 

Achtsamkeit:Wie schützen wir Schüler vor sexueller Gewalt? Kinder müssen schon in der Familie stark gemacht werden, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Sie müssen lernen, Nein zu sagen. An Schulen und Internaten braucht es mehr sexualpädagogische Projekte. Die noch viel wichtigere Aufgabe der Erwachsenen aber ist es, Abläufe und Vorgänge an ihren Schulen immer wieder zu hinterfragen, also nicht einfach zu sagen: ›Das ist aber eine wunderbare Schule, dafür bezahle ich sehr viel Geld, also muss alles super sein.‹ Gerade die Eltern dürfen ihre Verantwortung auf keinen Fall an die Institution abgeben – auch nicht an die Kirche.

 

Bei der Präsentation des Buches »Unheiliger Berg« hat der Mann, der Opfer auf der Couch des Paters wurde, sogar öffentlich aus seinem Text gelesen. Die Stimme ist ihm gebrochen. Aber er wollte, er musste da durch. Sein Leid und das der vielen anderen Missbrauchsopfer an Schulen sollte öffentlich werden. ê

 

Buchhinweis: Ebba Hagenberg-Miliu (Hg.): Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der
Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Kohlhammer. 288 Seiten. 29,90 €

 

»Er zwingt mich unter sich, seine Handgriffe tun weh, ich weiß überhaupt nicht, wie mir geschieht   Ein Missbrauchsopfer

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Publik-Forum . Hagenberg-Miliu_Präventio
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8. Februar 2015

Teilnahme an Berliner Forschungsprojekt

Dieses Projekt von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V., Berlin - geht der Frage nach, was Jungen dabei hilft, sexualisierte Gewalt aufzudecken, die ihnen widerfahren ist. Ich bin interviewt worden. Die Studie ist Ende des Jahres zu erwarten.





 

7. Februar 2015: Post an mich / die Redaktion des General-Anzeigers Bonn (Auszüge):

"GA klärt auf!"   

"Wahrheitsfindung durch Pressearbeit!"

 

 

General-Anzeiger Bonn, 7. Februar 2015:

Missbrauchsfälle im Aloisiuskolleg
Konfrontation mit der Wahrheit

Von Rüdiger Franz und Katrin Puvogel
BAD GODESBERG. "Wir erfuhren Dinge, die wir nie gedacht hätten". Die einleitenden Worte, die einer der Moderatoren für die Podiumsdiskussion zum Bekanntwerden der Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg fand, schienen die Atmosphäre der gut zweieinhalbstündigen Diskussion ungeahnt vorweg zu nehmen.

 

Auf Einladung der Schülerzeitung diskutierten am Donnerstagabend (v.links) Ebba Hagenberg-Miliu, Wilma Wirtz-Weinrich, Stephan Kiechle, die Moderatoren Simon Kolter und Jennifer Haunhorst, Johannes Siebner und Johannes Hensle über Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg . Foto: Ronald Friese


Sie wurde zu einem ernsten und zuweilen bewegenden Austausch zwischen heutigen und ehemaligen Schülern. Mit dabei: Jesuitenprovinzial Stephan Kiechle. Organisiert hatte die Veranstaltung die Redaktion der Schülerzeitung "Ako kompakt". Drei Aspekte rückten am Abend in den Mittelpunkt: Wurden die Straftaten am Ako, die sich über Jahrzehnte verteilen, in gebotener Weise aufgeklärt? Wie konsequent sind die Missbrauchsfälle aufgearbeitet worden? Und wie sieht der Beitrag der Schule dazu aus, dass sich derlei nie wiederholt?

l Aufklärung: Rund 200 Betroffene, so berichtete Provinzial Stephan Kiechle als Leiter der Jesuiten in Deutschland, hätten sich in den vergangenen Jahren beim Orden gemeldet. Rund 60 Fälle davon seien am Aloisiuskolleg zu verorten gewesen, ergänzte Journalistin Ebba Hagenberg-Miliu, deren Veröffentlichungen im General-Anzeiger exakt fünf Jahre zuvor die Vorfälle bekannt gemacht hatten.

"Alle Betroffenen sind seinerzeit selbst auf uns zugekommen, nachdem von anderen Schulen Ähnliches publik wurde", berichtete sie. Man habe "versucht, Klarheit zu bekommen und aufzuklären", sagte Stephan Kiechle und ergänzte: "Wir haben noch viel mehr gehört, als die Öffentlichkeit weiß". Der Orden habe "versucht", sich zu stellen und Hilfe zu leisten, sagte Kiechle, ohne dabei ins Detail zu gehen.

Ebenfalls werde "versucht, um Entschuldigung zu bitten, soweit das möglich ist". Offen ließ er die Frage, ob der Orden generell damals Verantwortliche zur Rechenschaft ziehe. Schwere Vorwürfe gegen den Orden erhob Johannes Heibel von der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern.

Er konfrontierte den Provinzial mit den mutmaßlichen Fällen im Ako-Pro-Seminar. Der Orden habe die Betroffenen und die Initiative alleingelassen, sagte Heibel. Einblicke in das Innenleben eines ehemaligen Internatserziehers gab der heutige Lehrer Johannes Hensle: Auf die Frage, ob sich ihm damals Schüler anvertraut hätten, antwortete er betont vorsichtig: "Ich habe es nicht mitbekommen. Aber Kinder brauchen oftmals eine Reihe von Anläufen, bis sie gehört werden".

l Aufarbeitung: Wie präsent ist das Thema heute in der Schule? Hierüber gehen die Wahrnehmungen auseinander, wie Wortbeiträge aus den Reihen heutiger Schüler und von Rektor Johannes Siebner zeigten. Erst bei der Lektüre von Hagenberg-Milius Buch "Unheiliger Berg" habe man erkannt, wie wenig man über die Vorfälle informiert worden sei, sagte ein Schüler.

"Wir haben immer das Gefühl, über nichts anderes zu reden", entgegnete indes Siebner und setzte hinzu: "Wir haben nicht hinreichend informiert und müssen das in Zukunft ändern." Doch Simon Kolter, der den Abend mit Jennifer Haunhorst moderierte, reichte das nicht.

"Wir bleiben nicht ein Leben lang hier. Wann soll diese Arbeit beginnen?", hakte er unter Applaus seine Mitschüler nach. Siebner versprach, dass Maßnahmen "jetzt greifen" müssten, etwa in Form von Projekttagen oder direkten Gesprächen mit den Klassen. "Ich muss ehrlich zugeben, dass ich Scheu habe, das Thema von selbst anzusprechen", erklärte Siebner, und betonte: "Der Wunsch nach einem Schlussstrich darf nicht übermächtig werden."

Er ging damit auch darauf ein, dass Schüler beobachtet hatten, wie eine Lehrerin die Einladung zur Podiumsdiskussion mit den Worten quittiert habe: "Die kann ja wohl in den Müll". "Das ist sehr ärgerlich, untypisch und sicher auch unreif. Es ist unsere Verantwortung, das Thema zu einem Thema des Kollegs zu machen", so Siebner. Eine Schülerin wollte von Johannes Hensle wissen, wie er sich nach Bekanntwerden der Vorfälle gefühlt habe.

"Man funktionierte. Alles um uns stürzte ein, und jeder agierte, aber man kam nicht dazu, darüber nachzudenken", sagte Hensle. Etwas gewusst haben - einige Schüler reagierten merklich verwundert darauf, als verschiedene Ehemalige sich meldeten, und teilweise sehr emotional berichteten, seinerzeit etwas geahnt zu haben.

"Warum haben Sie dann nichts gesagt?", fragte ein Jugendlicher. "Es war ein Fehler", so der Abiturient der späten 80er Jahre, und verteidigte sich: "Es gab gar keine Möglichkeit zu sprechen." Ihm schloss sich ein ehemaliger Mitschüler an: "Inzwischen ist eine Freiheit in die Schule gekommen, die wir früher so nicht kannten", sagte er.

"Wenn wir damals so sensibel gewesen wären wie die Schüler von heute, wäre es vielleicht anders gekommen." Während auch andere Ehemalige "das Gefühl, dass irgendetwas nicht stimmte" bestätigten, konnte sich ein Teil dem wiederum nicht anschließen und ließ erkennen, von den Enthüllungen völlig überrascht worden zu sein.
Prävention

Die Forderung eines Betroffenen nach einer generellen Entkonfessionalisierung von Schulen blieb am Donnerstagabend eine Einzelmeinung. "Es ist nicht fair, solche Vorfälle allein auf die katholische Kirche zu schieben", sagte eine Schülerin.

Im Sinne einer wirksamen Prävention hätten Institutionen "die Pflicht, sich Leute ins Haus zu holen, die genau hinschauen", sagte Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. Ob das Aloisiuskolleg heutzutage über die Sensibilität verfüge, derer es bedürfe, wurde Johannes Hensle gefragt: "Keine Institution bekommt jemals ausreichend Sensibilität", sagte er und ergänzte: "Dass sich etwas geändert hat, glaube ich schon".

Konfrontation mit der Wahrheit

 

 

Podiumsdiskussion der AKO-Schülerzeitung am 05. Februar 2015 in der AKO-Kollegskirche

Diese Veranstaltung über fünf Jahre Missbrauchsaufarbeitung war von AKO-Seite her eine erste Einladung zum öffentlichen Dialog, den ich sehr begrüße. Und Einlader waren erstaunlicherweise die Jungen, die Redakteure der AKO-Schülerzeitung. Sie schlugen sich prächtig und konfrontierten ihren Rektor und ihren Schulträger sogar mit kecken Fragen. Auf diese jungen Leute, die sich diesem heißen Thema stellen und Initiative ergreifen, können AKO und Orden stolz sein. Herzlich danke, Simon Kolter, Jenny Haunhorst, Johannes Kurscheidt, Paul Münch und Kai Pietrusziak!

Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Meike Böschemeier

 

Jedoch: Da konnte man noch so lang in der gut gefüllten AKO-Kollegs-kirche über Missbrauch diskutieren: Ohne Betroffenenvertreter auf dem Podium konnte eine Debatte darüber, wo man genau fünf Jahre nach Ausbruch des Skandals am AKO steht, nur die halbe Miete sein. Die Schüler hatten den Betroffenen verständlicherweise nicht die für deren Schutz nötigen Zusicherungen machen können. Der Eckige Tisch zog seine Beteiligung folgerichtig zurück. Es wird also in Zukunft am AKO ein professionelleres Format geben müssen, das die Betroffenen öffentlich mit einbezieht.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Ein paar Ergebnisse dieser Veranstaltung:

-          AKO-Rektor Pater Siebner sah das Kolleg auf einem guten, aber noch langen Weg in der Aufarbeitung der Fälle. Gab aber durchaus zu, dass in Zusammenarbeitung mit den Betroffenen noch viel Luft nach oben ist.

-          Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle wiech auch auf Nachfragen keinen Millimeter von den mir zuvor im GA-Interview gegebenen Antworten zu den strittigen Fragen ab. Ex-Rektor Pater Theo Schneider attestierte er neben großen Verdiensten zwar auch „klares deutliches Versagen“. Er als Provinzial setze ihn aber „aus meiner Verantwortung“ weiterhin als Superior in Göttingen ein, „das muss man respektieren“. Auf die Frage, ob der Orden generell damals Verantwortliche zur Rechenschaft ziehe, antwortete er nicht.

-          Lehrer Johannes Hensle gab authentisch Einblick ins Innenleben eines ehemaligen Internatserziehers, der noch mit dem mutmaßlichen Täterpater  arbeitete, der aber seit 2010 Verantwortung für seine eigene Rolle übernimmt. Nach der Veranstaltung entspannen sich sofort Gespräche mit Vertretern des Eckigen Tischs: eine höchst erfreuliche Entwicklung!  

-          Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt agierte sehr hilfreich als Themenexpertin auf dem Podium.

-          Und ich versuchte (genau am 5. Jahrestag der ersten GA-Berichterstattung) neben der Position journalistischer Arbeit und meines Buches die heutige Sichtweise der Betroffenen (wenigstens in Vertretung) einzubringen: die ihrer bis heute währenden Einsamkeit nach dem Seelenmord, die ihrer bleibenden Gefährdung. Es sei also auch fünf Jahre danach unbedingt Aufgabe von AKO und Orden, sich diesem Leid zu stellen. Gerade weil etwa eine Lehrerin zuvor die Schülereinladung offen provozierend als „Müll“ entsorgt hatte, wie die Schüler klagten.

-          Im Publikum konnte ein Betroffener seine Wut, ja seine Verzweiflung über das, was ihm von Patres zugefügt wurde, nicht mehr zurückhalten. Seiner Ansicht nach dürfe es überhaupt keine kirchlichen Schulen mehr geben, argumentierte er. Was sofort heutige Schüler auf den Plan rief. Die Veranstaltung drohte zu kippen. Der Betroffene verließ den Raum. Ich rief dazu auf, den Respekt gegenüber der Meinung und dem Leben anderer zu wahren. Der Schreck über die Tiefe des Leids, das an ihrer Schule begonnen hatte und das jetzt so plötzlich aufblitzte, stand einer Reihe von Jungschülern in den Augen. Ich hoffe, sie haben begriffen, was hier vor sich ging.

-          Altschüler Anselm Neft vertrat die Positionen des Eckigen Tischs. Sein Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Provinzial zeigte, dass es zwischen dem Betroffenenverein und der Ordensspitze derzeit keinen Konsens gibt.

-          Johannes Heibel von der Initiative gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch an Kindern konfrontierte den Provinzial mit den mutmaßlichen Fällen im Ako-pro-Seminar. Der Orden habe die mutmaßlichen Betroffenen und die Initiative allein gelassen. Auch hier sei die Rolle Pater Schneiders als verantwortlicher Kollegsrektor ungeklärt.

 

Was aus meiner Sicht das Erfreulichste dieser Veranstaltung war:

-          Heutige Schüler beteiligten sich rege, versuchten, sich in Betroffene einzufühlen, strichen vehement die Verdienste ihrer Schule heraus, hinterfragten aber auch, warum sie über die Missbrauchsfälle im Kolleg bisher so wenig informiert würden. 

-          Eine ganze Reihe Altschüler stieg in einen erregten Disput darüber ein, was sie in ihrer Schulzeit von möglichem Missbrauch gesehen, geahnt, gespürt hatten bzw. wie sie jetzt mit diesem Wissen umgingen. Eine immense Spannung lag in der Luft. Emotionen platzten heraus. Allein dieser engagierte Austausch kontroverser Sichtweisen der Alumnis, dieses Suchen nach der eigenen Rolle, war die Veranstaltung wert. Sichtbar wurde, wie wichtig weitere Gespräche gerade auch der Altschüler über ihre Vergangenheit und die ihrer von Missbrauch betroffenen Mitschüler sein werden.

-          Nach der Diskussion sprachen mich Schülereltern, aber auch Angehörige von ehemaligen Lehrern an und dankten mir für mein Engagement. Es habe in der Vergangenheit so viel Leid am Kolleg gegeben, das nicht nur die Betroffenen, sondern auch die damals Mitarbeitenden noch mit sich herumtrügen, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema unbedingt weitergehen müsse. Es seien viel mehr dunkle Familienschicksale in die Missbrauchsgeschichte des AKO verwoben, als in den Aufklärungsberichten dokumentiert worden seien.

 

P. S. Der Betroffene erhielt hernach eine sehr erfreuliche E-mail:

"Ich bin ein momentaner Schüler des Aloisiuskolleg und habe an der heutigen Diskussionsrunde in der Oberkirche des Kollegs teilgenommen. Ich schreibe Ihnen diese E-mail, weil ich von Ihnen stark beeindruckt bin. Ich bestreite nicht, dass ich mich nicht annähernd in Ihre Lage reinversetzen kann. Jedoch möchte ich Ihnen sagen, dass ich es bemerkenswert finde, dass Sie heute anwesend waren und teilgenommen haben. Dies verdient großen Respekt! Obwohl ich Ihre Meinung nicht teilen kann, muss man betonen, dass vor allem dank Leuten wie Ihnen dieser schreckliche Vorfall gründlich ausdiskutiert wird und weitere Verbesserungen angestrebt werden. Nur kontroverse Diskussionen bringen uns alle weiter. Ich finde es schade, dass Sie den Raum verlassen mussten, muss das jedoch nachvollziehen und akzeptieren. Es hat mich gefreut, Sie gehört zu haben, und machen Sie bitte weiter so!"

 

 

 

 

 

04. Februar 2015: General-Anzeiger Bonn

Missbrauchsfälle im Aloisiuskolleg

Orden vertraut Pater Schneider

BONN.  Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle steht weiter fest zu Pater Theo Schneider, dem mit Ausbruch des Missbrauchsskandals vor genau fünf Jahren zurückgetretenen Rektor des Aloisiuskollegs (Ako).

 

"Ich weiß, dass es ihm gegenüber unterschiedliche Haltungen gibt. Pater Schneider hat aber nach wie vor mein Vertrauen, und deshalb habe ich ihn für Aufgaben in der Seelsorge und in unserer Jesuitenkommunität in Göttingen eingesetzt", antwortete Pater Kiechle auf GA-Anfrage.

Er wird am Donnerstag, 05. Januar bei einer von der Schülerzeitung organisierten öffentlichen Podiumsdiskussion auftreten. Wie berichtet, fordert der Betroffenenverein Eckiger Tisch Bonn, dass Pater Schneider über seine Verantwortung Auskunft gibt und mit den Betroffenen über die Vorfälle spricht.

Das Interview mit Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle führte Ebba Hagenberg-Miliu.

 

Was werden Sie morgen im Ako den heutigen Schülern sagen?
Pater Stefan Kiechle: Ich bin gespannt, was die Schüler von mir als Provinzial über die schmerzhafte Geschichte des Ako erfahren wollen. Ihnen möchte ich zuhören und auf ihre Fragen eingehen.

 

Es werden auch Lehrer und Erzieher dabei sein, die noch mit Beschuldigten in Ako und Ako-pro-Seminar arbeiteten. Was sagen Sie denen?
Pater Kiechle: In erster Linie komme ich auf Einladung der Schüler. Darüber hinaus werde ich mich natürlich mit allen angesprochenen Fragen und Problemen auseinandersetzen.

 

Welche Konsequenzen hat der Orden als Ako-Träger gezogen?
Pater Kiechle: Er hat, ergänzend zu den Präventionsmaßnahmen des Ako, die Richtlinien der Deutschen Ordensoberenkonferenz übernommen und hat provinzübergreifend zwei kompetente Ansprechpartner für mögliche Verdachtsfälle von Missbrauch benannt. Darüber hinaus steht jetzt auch ein Mitbruder bereit für Menschen, die ausdrücklich ein Gespräch mit einem Jesuiten wünschen.

 

Zum Fünfjährigen der Debatte fordern die Betroffenen, dass der Orden die damals Verantwortlichen namentlich nennt und zur Rechenschaft zieht. Was antworten Sie ihnen?
Pater Kiechle: Die vom Orden in Auftrag gegebenen und veröffentlichten Untersuchungsberichte haben Täter und die Strukturen von Verantwortung klar benannt. Da, wo es möglich war, wurden Schuldige zur Rechenschaft gezogen.

 

Betroffene, die sich von sich aus geoutet haben, warten seit Jahren darauf, dass der Orden direkt auf sie zugeht. Werden Sie diese einladen?
Pater Kiechle: Wir haben uns von Fachleuten sagen lassen, dass bei einem aktiven Zugehen auf Betroffene immer auch die Gefahr einer Retraumatisierung gegeben wäre. Aber wann immer von Betroffenen das Gespräch gesucht wurde - ob am Runden Tisch oder in anderer Form - waren und sind wir offen für Gespräche.

 

Ihr Mitbruder, Pater Klaus Mertes, hat kürzlich die Höhe der jesuitischen Anerkennungszahlungen von 5000 Euro als "ärmliches Zeichen" bezeichnet. Wie stehen Sie dazu?
Pater Kiechle: Für mich war von Anfang an völlig klar, dass ein materielles Auf- und Gegenrechnen von Schuld und Verletzung zu keinem wirklichen Ausgleich führen kann. Was wir angeboten haben, war eine symbolische Anerkennung von Leid. Diese muss in gewisser Weise immer unzureichend bleiben.

 

Mir schildern Betroffene ihre Ängste, dass die Last des Geschehenen auch heute noch ihr Leben und das ihrer Familien bedroht. Was würden Sie ihnen antworten?
Pater Kiechle: Ich kann das sehr gut nachvollziehen, das ist und bleibt auch für uns eine offene Wunde, und ich bitte die Betroffenen um Verzeihung für das, was ihnen angetan wurde.

 

Zur Person

Pater Stefan Kiechle, 54, ist seit September 2010 Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten. Er promovierte über ein Thema der ignatianischen Spiritualität. Kiechle war Hochschulseelsorger in München, Novizenmeister in Nürnberg und Leiter der Beratungsstelle "Offene Tür" in Mannheim.

 

Podiumsdiskussion

Die Schülerzeitung "Ako Kompakt" lädt unter dem Motto "Fünf Jahre seit der Aufdeckung der Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg - was ist passiert?" für morgen zu einer Podiumsdiskussion ein. In der Kollegskirche, Elisabethstraße, diskutieren ab 19 Uhr Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle, Ako-Rektor Pater Johannes Siebner, Ako-Lehrer Johannes Hensle, Wilma Wirtz-Weinrich von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und die Journalistin und Buchautorin ("Unheiliger Berg") Ebba Hagenberg-Miliu. Es ist keine Anmeldung nötig.

 

Orden vertraut Pater Schneider

 

 

 

 

 

 

03. Februar 2015:  General-Anzeiger Bonn

  1. Aloisiuskolleg in Bad Godesberg Opfer klagen über Blockade ...

    General-Anzeiger-vor 3 Stunden
    Opfer klagen über Blockade, Verschleierung, Ignoranz. Von Ebba Hagenberg-Miliu. BONN. 2010 zog ihm die Vergangenheit den Boden unter ...
  2. Sexueller Missbrauch: Nicht auf Augenhöhe

    General-Anzeiger-vor 3 Stunden
    Sexueller Missbrauch: Nicht auf Augenhöhe. Von Ebba Hagenberg-Miliu. Der Fall des Erftstädter Pfarrers lässt die Alarmglocken läuten: Wir ...
  3. Kommentar
    Sexueller Missbrauch: Nicht auf Augenhöhe

    Von Ebba Hagenberg-Miliu
    Der Fall des Erftstädter Pfarrers lässt die Alarmglocken läuten: Wir müssen unsere Kinder im Alltag konsequent vor sexueller Gewalt schützen. Und wenn Betroffene wie die Frau aus Erftstadt glaubhaft sexuelle Grenzverletzungen schildern können, müssen die Verantwortlichen sofort reagieren.

    Auch wenn aus Verjährungsgründen strafrechtlich nichts mehr zu ahnden sein dürfte. Das Erzbistum Köln hat jedenfalls umgehend Fakten geschaffen. Es hat den beschuldigten Pfarrer für die Dauer des Verfahrens entpflichtet. Das ist gut so.

    Bis vor fünf Jahren wäre eine derart konsequente Haltung der Kirchen oder ihrer Institutionen wohl kaum denkbar gewesen. Verharmlosung und Vertuschung herrschten vor, wenn Betroffene sich überhaupt einmal getraut hatten, ihrem Schmerz Luft zu machen. Wer sich meldete, wurde als Nestbeschmutzer beschimpft. In den Kirchen herrschte die Devise: Der Täter wird eben einfach versetzt, ohne dass sein Umfeld von den Beschuldigungen weiß - und er kann am neuen Ort gleich wieder übergriffig werden. Wer wollte sich überhaupt vorstellen, in welchem Ausmaß Erwachsene fähig waren und sind, Kinder zu missbrauchen?

    Seit Bekanntwerden des Skandals in Berlin 2010 schaut man genauer hin in Kindertagesstätten und Schulen, in Kirchengemeinden und Sportvereinen. Und nicht zuletzt in Familien, in denen ja nach wie vor die meisten Täter zu finden sind. Schulen wie das Aloisiuskolleg (Ako) und das Collegium Josephinum in Bonn gaben Aufklärungsberichte in Auftrag.

    Verjährungsfristen wurden verlängert und das Strafrecht verschärft. Einrichtungen wie das Ako arbeiteten Präventionskonzepte aus. Der Bund entsandte einen unabhängigen Beauftragten. Gerade erst debattierte der Bundestag über die Einrichtung einer unabhängigen Kommission zur systematischen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Seit fünf Jahren ist das Thema kein Tabu mehr. Ein Befreiungsprozess ist in Gang gesetzt.

    Und doch: Viele beklagen zu Recht, dass sich das Machtgefälle zwischen Opfern und "Täterorganisationen" bis heute fortsetzt. Es ist nicht hinzunehmen, dass auch nach fünf Jahren schmerzhafter Aufklärung vielerorts noch immer nicht auf Augenhöhe verhandelt wird. Die Höhe fairer Anerkennungszahlungen bleibt strittig. Auch bei jahrzehntelang nachgewiesenem Missbrauch wird in einigen Einrichtungen immer noch von Einzeltätern und nicht von systemischen Mängeln gesprochen. Kaum einer will etwas gesehen haben. Das ist der Skandal dieser Tage. Dabei geht es den Betroffenenverbänden längst nicht mehr um einzelne Beschuldigte, sondern um diejenigen, die für den Machtmissbrauch verantwortlich waren. Und damit haben sie recht. Solange "die Täter hinter den Tätern" nicht genannt und zur Rechenschaft gezogen werden, kann es keine Versöhnung geben.

    3.

 

GA 03_02_2015_vs_2_1b999ee7d2.pdf
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28.01.15  WDR Lokalzeit Bonn, mit Aufnahmen in der Parkbuchhandlung Bad Godesberg


26. Januar 2015

Teilnahme an Berliner Forschungsprojekt

Dieses Projekt von Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V., Berlin - geht der Frage nach, was Jungen dabei hilft, sexualisierte Gewalt aufzudecken, die ihnen widerfahren ist. Ich bin zum Interview eingeladen.





In Mails / sozialen Medien zur Diskussionsveranstaltung am 23. Januar 2015 und zu den GA- und WDR-Beiträgen : 

- "Klasse. Ihr seid super!"

- "Das Thema souverän, sachlich und erstklassig auf den Punkt gebracht."

- "Ich mag den WDR-Beitrag nicht, weil die nur auf der „Arme Opfer- Schiene“ waren und wichtige Inhalte rausgelassen haben."

- "Weiter so. Wenn jemand ein Problem erkannt hat und nichts zur Lösung beiträgt, ist er selbst Teil des Problems."

- "Sprachlos!"

- "So viel Mut! Alle Achtung!"

- "Es war eine sehr berührende Veranstaltung.  Ich hätte gerne nochmal persönlich 'Hallo' gesagt, aber die Menschentraube bei euch war zu groß. Ich ziehe den Hut vor eurem Engagement."

- "Respekt!"

- "So traurig!"

- "Wir haben nicht nur den Mißbrauch ertragen müssen, sondern auch die Mißbrauchsdebatte…

- "Sie bleiben auch nach 5 Jahren hartnäckig! Allein das wird für die Betroffenen schon "Balsam" sein, dass sie nicht nach einem enormen Hype wieder in der Versenkung verschwinden und das berühmte Gras darüber wächst... Nach wie vor sehr unbefriedigend finde ich, dass Pater Theo Schneider sich dem Ganzen entzieht bzw.entziehen darf (und zur Belohnung noch einen Superposten in Göttingen vom Provinzial zugewiesen bekommt). Mich läßt das Thema nicht los. Ich wünsche allen an dem Projekt Beteiligten den Mut und die Kraft, weiter zu machen und mehr und mehr "Mauern" einzureißen, was ja auch eine Gratwanderung ist, wie in dem Interview mit Ihnen klar wurde. Das hat mich ja schon beim Lesen des Buches sehr berührt."

- "Gute Arbeit. Gratulation!"

- "Und so bestimmen die Täter und ihre Mitwisser und Vertuscher bis heute die Gedanken und Gefühle der Opfer. Man beginnt immer wieder von vorne. Weil man selber es braucht? Damit die Betonköpfe es begreifen? Regelmäßiges Achtsamkeitstraining für die Geweihten, sonst ist auch diese Lesung für den Orkus. Ich habe nach über 4 Jahren in der Tat den Satz gehört: Man weiß ja nicht, wie man mit den Opfern umgehen soll. Aha!"

- "Wie sagte schon Moliere? Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun."

- "Auch Sie wird das wohl ein Leben lang begleiten, bewunderns- wert, dass Sie all die negativen Seiten auf sich nehmen."

- "Toller Beitrag, vielen Dank auch für Ihren Einsatz drum herum!" - "Gernot Lucas geht einem doch sehr an die Nieren. Wenn es Sie mit all Ihrer Kraft nicht gäbe, hätten die Betroffenen nicht ein so gutes Sprachrohr."

- "Liebe Frau Hagenberg-Miliu, Lieber Heiko, Sehr geehrter Herr Pater Siebner, wieder einmal genau die richtigen Fragen zum geeigneten Zeitpunkt. Jetzt in diesem Moment werden überall in unserem Land Kinder und Jugendliche auf verschiedene Weise an unterschiedlichen Tatorten sexuell ausgebeutet. Weil es uns Allen nicht gelungen ist, diese Heranwachsenden zu schützen. Das heißt: die bisherigen Bemühungen reichen noch nicht und sollten optimiert werden. Die Lesung eröffnete bestimmt eine spannende Diskussion, die hoffentlich dazu beiträgt, noch mehr Licht in die Sache zu bringen. Am Anfang aller zweckmäßigen Maßnahmen steht die Aufarbeitung. Unterbleibt sie, gelingen weder die Prävention, noch irgendwelche Wiedergutmachungsversuche. Eure/Ihre Buchlesung und die Diskussion ist ein Teil davon."


 

 

 

 

 

26. Januar 2015.    General-Anzeiger Bonn

Missbrauchsfälle am Kolleg
Ako-Rektor diskutiert mit Betroffenen über die Aufarbeitung
Von Andreas Baumann


BAD GODESBERG. Es brodelt in ihm. Mit versteinerter Miene sitzt Gernot Lucas (76) in der Godesberger Parkbuchhandlung im Publikum. Der weißhaarige Kölner sieht mit Vollbart und Pferdeschwanz nicht wie der emeritierte Architekturprofessor aus, der er ist.

Missbrauchsfälle am Kolleg
Ako-Rektor diskutiert mit Betroffenen über die Aufarbeitung

Von Andreas Baumann
BAD GODESBERG. Es brodelt in ihm. Mit versteinerter Miene sitzt Gernot Lucas (76) in der Godesberger Parkbuchhandlung im Publikum. Der weißhaarige Kölner sieht mit Vollbart und Pferdeschwanz nicht wie der emeritierte Architekturprofessor aus, der er ist.
Johannes Siebner (mit Mikro) traf erstmals öffentlich auf einen Betroffenen: Heiko Schnitzler (rechts). In der Mitte: Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Horst Müller Zoom
Johannes Siebner (mit Mikro) traf erstmals öffentlich auf einen Betroffenen: Heiko Schnitzler (rechts). In der Mitte: Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Horst Müller

Gemeinsam mit 60 weiteren Gästen verfolgt Lucas, wie Ebba Hagenberg-Miliu aus dem Buch "Unheiliger Berg" liest, das die Journalistin über Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) herausgegeben hat. Ein Buch über Nacktfotos von Jungen im Park, über sexuelle Grenzverletzungen und körperliche Übergriffe. Vor fünf Jahren kam der Skandal ans Licht.

"Ich kann ihn heute noch riechen", zitiert die Journalistin einen Opferbericht. "Zwischen 1950 und 1953 will mich der große schwarze Mann in seinem Zimmer haben. Mal heute, mal nächste Woche. Genau weiß ich es nie. Das macht es am schlimmsten." Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Missbrauch durch einen Jesuitenpater offenbarte der Mann seiner Frau, woher sein Trauma kommt.
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Schule vernichtete alte Nacktfotos
"Das ist ein Sieg"

"Das bin ich", sagt Gernot Lucas vernehmlich in die Runde. Später, als Ako-Rektor Pater Johannes Siebner spricht, knurrt er: "Der quatscht nur drum herum."

An diesem Freitagabend tritt Siebner erstmals öffentlich mit einem Ako-Opfer auf: Es ist ein Zusammentreffen mit Heiko Schnitzler, einem Mitglied des Betroffenenvereins "Eckiger Tisch". Es solle ausloten, wie weit man bei Aufarbeitung, Dialog und Prävention gekommen sei, sagt Hagenberg-Miliu, die auch für den General-Anzeiger immer wieder über die Ako-Fälle berichtet hat.

Das Interesse ist groß. Unter den Gästen der Parkbuchhandlung sind junge Ako-Schüler, Lehrer aus dem Kolleg, Jugendamtsleiter Udo Stein, zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und Arnfried Bintig, der einen Aufklärungsbericht über das Ako-Pro-Seminar verfasst hat.

Der Betroffene Heiko Schnitzler, der in Berlin lebt, macht klar, dass er den Jesuiten noch lange nicht vergeben kann. "Am Ako hat es einen breiten Machtmissbrauch gegeben, und es hat jegliches Korrektiv gefehlt", sagt er. Ein Dialog, der Aufarbeitung ermöglichen könnte, sei mit dem Orden derzeit nicht möglich. Mit dem Kolleg selbst dagegen finden seit einigen Monaten Gesprächsrunden statt. "Da sind wir auf dem Weg, wissen aber nicht, ob er zum Ziel führt."

Das Aloisiuskolleg sei dabei, sich zu verändern, entgegnet Pater Siebner. Es gebe heute einen Präventionsleitfaden und ein Interventionskonzept, man kooperiere mit der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. "Die Geschichten der Betroffenen und die Geschichte einer versagenden Institution müssen wir als Teil der Kollegsgeschichte anerkennen", sagt der seit 2011 amtierende Rektor. Das Ako müsse der Versuchung widerstehen, einen Schlussstrich ziehen zu wollen.

Schon einmal habe die "Angst vor dem Skandal" zu einem "skandalösen" Nichtwahrnehmen der Verantwortung geführt. Er meint die Ordensleitung, die von Missbrauch am Ako wusste und lange nicht reagierte. "Das Wohl und Wehe der Schule wurde höher gewertet als das der anvertrauten Kinder", konstatiert Siebner. "Das ist furchtbar." Deshalb müsse das Bemühen um Aufarbeitung und Anerkennung weitergehen.

Kontrovers wird es, als Heiko Schnitzler fragt, warum der frühere Ako-Rektor Pater Theo Schneider heute die Jesuiten-Kommunität in Göttingen leiten dürfe. "Er wusste von Mitarbeitern und Mitbrüdern, die sich an Kindern vergangen hatten", stellt der Berliner fest. "Warum muss er sich nicht verantworten?" Ein Mann aus dem Publikum äußert Zweifel an der Fähigkeit der Kirche, Täter in den eigenen Reihen zu sanktionieren.

Norbert Lüdecke, Kirchenrechtler an der Bonner Universität, ergänzt: "Man muss sich mit den Tätern hinter den Tätern befassen und dabei auch Namen nennen. Rücktrittskultur ist aber nicht einmal als kirchlicher Begriff etabliert." Und aus dem Architekten Gernot Lucas bricht es heraus: "Alle Institutionen, die katholisch betrieben werden, muss man schließen. Die kommen mit ihrer Sexualität nicht klar. Kinder, die Opfer werden, leiden bis an ihr Lebensende."

Bei der Frage nach der Rolle seines Amtsvorgängers Schneider muss Ako-Rektor Siebner lange nachdenken. Er könne den Zorn verstehen, betont er dann. Die Meinungen im Orden dazu gingen auseinander, aber Jesuiten-Provinzial Kiechle vertraue dem Pater. Und dann sagt er den schlichten Satz: "Es tut mir sehr leid."
Info

Das Buch: Ebba Hagenberg-Miliu (Herausgeberin), "Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals", Kohlhammer-Verlag, 29,90 Euro

Artikel vom 26.01.2015

Missbrauchsfälle am Kolleg: Ako-Rektor diskutiert mit Betroffenen über die Aufarbeitung | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Ako-Rektor-diskutiert-mit-Betroffenen-ueber-die-Aufarbeitung-article1546588.html#plx1376175115
Missbrauchsfälle am Kolleg
Ako-Rektor diskutiert mit Betroffenen über die Aufarbeitung

Von Andreas Baumann
BAD GODESBERG. Es brodelt in ihm. Mit versteinerter Miene sitzt Gernot Lucas (76) in der Godesberger Parkbuchhandlung im Publikum. Der weißhaarige Kölner sieht mit Vollbart und Pferdeschwanz nicht wie der emeritierte Architekturprofessor aus, der er ist.
Johannes Siebner (mit Mikro) traf erstmals öffentlich auf einen Betroffenen: Heiko Schnitzler (rechts). In der Mitte: Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Horst Müller Zoom
Johannes Siebner (mit Mikro) traf erstmals öffentlich auf einen Betroffenen: Heiko Schnitzler (rechts). In der Mitte: Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Horst Müller

Gemeinsam mit 60 weiteren Gästen verfolgt Lucas, wie Ebba Hagenberg-Miliu aus dem Buch "Unheiliger Berg" liest, das die Journalistin über Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) herausgegeben hat. Ein Buch über Nacktfotos von Jungen im Park, über sexuelle Grenzverletzungen und körperliche Übergriffe. Vor fünf Jahren kam der Skandal ans Licht.

"Ich kann ihn heute noch riechen", zitiert die Journalistin einen Opferbericht. "Zwischen 1950 und 1953 will mich der große schwarze Mann in seinem Zimmer haben. Mal heute, mal nächste Woche. Genau weiß ich es nie. Das macht es am schlimmsten." Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Missbrauch durch einen Jesuitenpater offenbarte der Mann seiner Frau, woher sein Trauma kommt.
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"Das ist ein Sieg"

"Das bin ich", sagt Gernot Lucas vernehmlich in die Runde. Später, als Ako-Rektor Pater Johannes Siebner spricht, knurrt er: "Der quatscht nur drum herum."

An diesem Freitagabend tritt Siebner erstmals öffentlich mit einem Ako-Opfer auf: Es ist ein Zusammentreffen mit Heiko Schnitzler, einem Mitglied des Betroffenenvereins "Eckiger Tisch". Es solle ausloten, wie weit man bei Aufarbeitung, Dialog und Prävention gekommen sei, sagt Hagenberg-Miliu, die auch für den General-Anzeiger immer wieder über die Ako-Fälle berichtet hat.

Das Interesse ist groß. Unter den Gästen der Parkbuchhandlung sind junge Ako-Schüler, Lehrer aus dem Kolleg, Jugendamtsleiter Udo Stein, zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und Arnfried Bintig, der einen Aufklärungsbericht über das Ako-Pro-Seminar verfasst hat.

Der Betroffene Heiko Schnitzler, der in Berlin lebt, macht klar, dass er den Jesuiten noch lange nicht vergeben kann. "Am Ako hat es einen breiten Machtmissbrauch gegeben, und es hat jegliches Korrektiv gefehlt", sagt er. Ein Dialog, der Aufarbeitung ermöglichen könnte, sei mit dem Orden derzeit nicht möglich. Mit dem Kolleg selbst dagegen finden seit einigen Monaten Gesprächsrunden statt. "Da sind wir auf dem Weg, wissen aber nicht, ob er zum Ziel führt."

Das Aloisiuskolleg sei dabei, sich zu verändern, entgegnet Pater Siebner. Es gebe heute einen Präventionsleitfaden und ein Interventionskonzept, man kooperiere mit der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. "Die Geschichten der Betroffenen und die Geschichte einer versagenden Institution müssen wir als Teil der Kollegsgeschichte anerkennen", sagt der seit 2011 amtierende Rektor. Das Ako müsse der Versuchung widerstehen, einen Schlussstrich ziehen zu wollen.

Schon einmal habe die "Angst vor dem Skandal" zu einem "skandalösen" Nichtwahrnehmen der Verantwortung geführt. Er meint die Ordensleitung, die von Missbrauch am Ako wusste und lange nicht reagierte. "Das Wohl und Wehe der Schule wurde höher gewertet als das der anvertrauten Kinder", konstatiert Siebner. "Das ist furchtbar." Deshalb müsse das Bemühen um Aufarbeitung und Anerkennung weitergehen.

Kontrovers wird es, als Heiko Schnitzler fragt, warum der frühere Ako-Rektor Pater Theo Schneider heute die Jesuiten-Kommunität in Göttingen leiten dürfe. "Er wusste von Mitarbeitern und Mitbrüdern, die sich an Kindern vergangen hatten", stellt der Berliner fest. "Warum muss er sich nicht verantworten?" Ein Mann aus dem Publikum äußert Zweifel an der Fähigkeit der Kirche, Täter in den eigenen Reihen zu sanktionieren.

Norbert Lüdecke, Kirchenrechtler an der Bonner Universität, ergänzt: "Man muss sich mit den Tätern hinter den Tätern befassen und dabei auch Namen nennen. Rücktrittskultur ist aber nicht einmal als kirchlicher Begriff etabliert." Und aus dem Architekten Gernot Lucas bricht es heraus: "Alle Institutionen, die katholisch betrieben werden, muss man schließen. Die kommen mit ihrer Sexualität nicht klar. Kinder, die Opfer werden, leiden bis an ihr Lebensende."

Bei der Frage nach der Rolle seines Amtsvorgängers Schneider muss Ako-Rektor Siebner lange nachdenken. Er könne den Zorn verstehen, betont er dann. Die Meinungen im Orden dazu gingen auseinander, aber Jesuiten-Provinzial Kiechle vertraue dem Pater. Und dann sagt er den schlichten Satz: "Es tut mir sehr leid."
Info

Das Buch: Ebba Hagenberg-Miliu (Herausgeberin), "Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals", Kohlhammer-Verlag, 29,90 Euro

Artikel vom 26.01.2015

Missbrauchsfälle am Kolleg: Ako-Rektor diskutiert mit Betroffenen über die Aufarbeitung | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
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 Johannes Siebner (mit Mikro) traf erstmals öffentlich auf einen Betroffenen: Heiko Schnitzler (rechts). In der Mitte: Ebba Hagenberg-Miliu. Foto: Horst Müller


Gemeinsam mit 60 weiteren Gästen verfolgt Lucas, wie Ebba Hagenberg-Miliu aus dem Buch "Unheiliger Berg" liest, das die Journalistin über Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg (Ako) herausgegeben hat. Ein Buch über Nacktfotos von Jungen im Park, über sexuelle Grenzverletzungen und körperliche Übergriffe. Vor fünf Jahren kam der Skandal ans Licht.

"Ich kann ihn heute noch riechen", zitiert die Journalistin einen Opferbericht. "Zwischen 1950 und 1953 will mich der große schwarze Mann in seinem Zimmer haben. Mal heute, mal nächste Woche. Genau weiß ich es nie. Das macht es am schlimmsten." Erst ein halbes Jahrhundert nach dem Missbrauch durch einen Jesuitenpater offenbarte der Mann seiner Frau, woher sein Trauma kommt.

"Das bin ich", sagt Gernot Lucas vernehmlich in die Runde. Später, als Ako-Rektor Pater Johannes Siebner spricht, knurrt er: "Der quatscht nur drum herum."

An diesem Freitagabend tritt Siebner erstmals öffentlich mit einem Ako-Opfer auf: Es ist ein Zusammentreffen mit Heiko Schnitzler, einem Mitglied des Betroffenenvereins "Eckiger Tisch". Es solle ausloten, wie weit man bei Aufarbeitung, Dialog und Prävention gekommen sei, sagt Hagenberg-Miliu, die auch für den General-Anzeiger immer wieder über die Ako-Fälle berichtet hat.

Das Interesse ist groß. Unter den Gästen der Parkbuchhandlung sind junge Ako-Schüler, Lehrer aus dem Kolleg, Jugendamtsleiter Udo Stein, zwei Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt und Arnfried Bintig, der einen Aufklärungsbericht über das Ako-Pro-Seminar verfasst hat.

Der Betroffene Heiko Schnitzler, der in Berlin lebt, macht klar, dass er den Jesuiten noch lange nicht vergeben kann. "Am Ako hat es einen breiten Machtmissbrauch gegeben, und es hat jegliches Korrektiv gefehlt", sagt er. Ein Dialog, der Aufarbeitung ermöglichen könnte, sei mit dem Orden derzeit nicht möglich. Mit dem Kolleg selbst dagegen finden seit einigen Monaten Gesprächsrunden statt. "Da sind wir auf dem Weg, wissen aber nicht, ob er zum Ziel führt."

Das Aloisiuskolleg sei dabei, sich zu verändern, entgegnet Pater Siebner. Es gebe heute einen Präventionsleitfaden und ein Interventionskonzept, man kooperiere mit der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt. "Die Geschichten der Betroffenen und die Geschichte einer versagenden Institution müssen wir als Teil der Kollegsgeschichte anerkennen", sagt der seit 2011 amtierende Rektor. Das Ako müsse der Versuchung widerstehen, einen Schlussstrich ziehen zu wollen.

Schon einmal habe die "Angst vor dem Skandal" zu einem "skandalösen" Nichtwahrnehmen der Verantwortung geführt. Er meint die Ordensleitung, die von Missbrauch am Ako wusste und lange nicht reagierte. "Das Wohl und Wehe der Schule wurde höher gewertet als das der anvertrauten Kinder", konstatiert Siebner. "Das ist furchtbar." Deshalb müsse das Bemühen um Aufarbeitung und Anerkennung weitergehen.

Kontrovers wird es, als Heiko Schnitzler fragt, warum der frühere Ako-Rektor Pater Theo Schneider heute die Jesuiten-Kommunität in Göttingen leiten dürfe. "Er wusste von Mitarbeitern und Mitbrüdern, die sich an Kindern vergangen hatten", stellt der Berliner fest. "Warum muss er sich nicht verantworten?" Ein Mann aus dem Publikum äußert Zweifel an der Fähigkeit der Kirche, Täter in den eigenen Reihen zu sanktionieren.

Norbert Lüdecke, Kirchenrechtler an der Bonner Universität, ergänzt: "Man muss sich mit den Tätern hinter den Tätern befassen und dabei auch Namen nennen. Rücktrittskultur ist aber nicht einmal als kirchlicher Begriff etabliert." Und aus dem Architekten Gernot Lucas bricht es heraus: "Alle Institutionen, die katholisch betrieben werden, muss man schließen. Die kommen mit ihrer Sexualität nicht klar. Kinder, die Opfer werden, leiden bis an ihr Lebensende."

Bei der Frage nach der Rolle seines Amtsvorgängers Schneider muss Ako-Rektor Siebner lange nachdenken. Er könne den Zorn verstehen, betont er dann. Die Meinungen im Orden dazu gingen auseinander, aber Jesuiten-Provinzial Kiechle vertraue dem Pater. Und dann sagt er den schlichten Satz: "Es tut mir sehr leid."
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Das Buch: Ebba Hagenberg-Miliu (Herausgeberin), "Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals", Kohlhammer-Verlag, 29,90 Euro




23. Januar 2015: Lesung in der Parkbuchhandlung Bad Godesberg zum Fünfjährigen des Skandalbeginns

Foto: Felix Ter-Nedden

 

Es war, wie ich finde, ein denkwürdiger Abend. Kein Stuhl war mehr frei in der Parkbuchhandlung, als sich hier, ein paar Hundert Meter vom Ort des Geschehens entfernt, Aloisiuskollegs-Rektor Pater Johannes Siebner und Betroffenensprecher Heiko Schnitzler (Eckiger Tisch) erstmals öffentlich gemeinsam der Diskussion stellten. Ich denke, wir sind an diesem Abend in der Aufarbeitung des Geschehenen einen Schritt weiter gekommen: Es war eine in einer ganzen Reihe von Punkten einvernehmliche, in anderen aber auch weiterhin kontroverse Debatte.

 

Die Beteiligten werden noch einen weiten Weg gemeinsam gehen müssen, bis der Eckige zum Runden Tisch geworden ist. Fragen, ob und wie gerade der Orden Verantwortung wahrnahm und -nimmt oder wie die (aktuelle) Rolle des ehemaligen Rektors zu bewerten ist, blieben ungelöst. In Beiträgen Betroffener waren zudem immer wieder die Wut und der Schmerz über das Erlebte spürbar. AKO und Eckiger Tisch berichteten aber immerhin, inzwischen miteinander im Dialog zu sein. Ein Betroffenenvertreter lud die noch am AKO tätigen Lehrer und Erzieher der untersuchten Zeiten zu einem für beide Seiten heilsamen Gedankenaustausch ein.

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Eine ganze Reihe von Missbrauch Betroffene hatte den Mut zu kommen, dafür danke ich ihnen von Herzen. Dazu diskutierten auch andere Mitautoren mit: Professor Gernot Lucas, Rudolf Jekel, Anselm Neft, Christopher Haep, Conny Schulte und Wilma Wirtz-Weinrich. Das Publikum stellte rege Fragen. Da saßen auch der Bonner Jugendamtsleiter, eine Vertreterin des Erzbistums Köln, ein Bonner Katholischer Theologieprofessor, der Verfasser eines der Aufklärungsberichte von Missbrauch an Ako-Einrichtungen, Ako-Lehrer und -Erzieher, die Elternpflegschaftsvorsitzende - und vor allem viele viele Ako-Schüler. Genau für diese jungen Leute ist das Buch erschienen!

 

Es gab natürlich auch schmerzliche Momente, als ich Passagen aus Betroffenentexten verlas. Genau das hatte ich mit den Betroffenen vorher so vereinbart: Und doch, als die schrecklichen Erlebnisse an diesem Abend plötzlich wieder im Raum standen, hatten die Männer Tränen in den Augen, waren wie benommen. Ich danke ihnen nochmals, dass sie all das zuließen.

 

Und mein Dank geht natürlich an Barbara Ter-Nedden, die ihre Buchhandlung für dieses gerade für Bad Godesberg so wichtige Thema zur Verfügung stellte. Am Montag, 26. Januar, dürfte ein Bericht im General-Anzeiger Bonn, am Mittwoch, 28. Januar, ein TV-Beitrag in WDR-Lokalzeit Bonn zu erwarten sein.

 

 

Die Parkbuchhandlung schrieb auf facebook

Großer Andrang von Presse und Publikum in der Parkbuchhandlung. Trotz des schwierigen Themas Mißbrauch gab es eine differenzierte und vielseitge Diskussion. Vielen Dank an alle Beteiligten, insbesondere an die Initiatorin und Moderatorin Frau Hagenberg-Miliu. Die Aufnahmen des WDR sind voraussichtlich am Mittwoch Abend zu sehen.

https://www.facebook.com/parkbuchhandlung

 

 

 

 

 

 

 

Fünf Jahre danach...

Buchlesung und Diskussion am 23. Januar 2015, 19.30 Uhr

 

Mit Ebba Hagenberg-Miliu, Herausgeberin

Pater Johannes Sieber, Rektor des Aloisiuskollegs

Heiko Schnitzler, Eckiger Tisch Bonn


Parkbuchhandlung Bonn- Bad Godesberg

Koblenzer Str. 57, 53173 Bonn

Kontakt: Barbara Ter-Nedden, Tel. 0228/35 21 91

 

Der Mann ist über 60. Gutsituiert. Mit Familie. Und doch kann er nicht anders, als sich nach vielen Jahrzehnten endlich seinen Gespenstern zu stellen. „Immer wieder will mich der große schwarze Pater in seinem Zimmer haben. Es liegt irgendwo am Ende eines Flures im Aloisiuskolleg“, schreibt der Mann für den 2014 erschienenen Sammelband „Unheiliger Berg“ nieder. Wenn der Mann daraus liest, bricht ihm die Stimme. „Auf dem Schreibtisch liegen Klassenarbeits-hefte. An der Wand hängt ein Bild des Gekreuzigten. Nach endlosen Minuten muss ich mich zu dem Pater auf die Bettkante setzen.“ Jetzt also, Jahrzehnte später, legt der Mann den Missbrauch endlich offen. „Und jetzt hat meine Frau unter Tränen erkennen müssen, warum die ganze Familie in der zurückliegenden Zeit so unter mir hat leiden müssen.“

 

Der Mann ist einer der 13 Betroffenen aus mehreren Generationen, die sich im Buch „Unheiliger Berg“ von Ebba Hagenberg-Miliu mit ihrem Schmerz erstmals in die Öffentlichkeit wenden. Der bundesweite Missbrauchsskandal hat auch das Bonner Aloisiuskolleg 2010 in eine tiefe Krise gerissen. Am AKO wurde für über sechs Jahrzehnte strafrechtlich relevanter  Machtmissbrauch nachgewiesen. Das Buch spiegelt in Beiträgen von Betroffenen und ihrer Angehörigen, des Kollegs und des Ordens, der Stadt, der Politik, Justiz und des Journalismus, erstmals, wo genau die an der Aufklärung Beteiligten inzwischen stehen. Und das vor dem Hintergrund der Debatte um pornographische Kinderfotos im Fall Sebastian Edathy. Denn auch am AKO wurden von einem Ex-Schulleiter kistenweise Posing-Fotos von kleinen Schülern geschossen, was die noch Jahrzehnte danach unsäglich quält.

 

Wo steht die Aufarbeitung am Aloisiuskolleg also heute Anfang 2015, fünf Jahre nach Ausbruch des Skandals,

fünf Jahre nach dem Rücktritt von AKO-Rektor Pater Theo Schneider?

Woran leiden die Betroffenen noch immer?

Welche Konsequenzen wurden am AKO gezogen?

Wie kann Machtmissbrauch in Schulen die Stirn geboten werden?

 

Mit der Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu und dem Publikum diskutieren:

Heiko Schnitzler, Sprecher Betroffenengruppe Eckiger Tisch Bonn

Pater Johannes Siebner, Rektor des Aloisiuskollegs seit 2011

Mehrere Betroffene werden anwesend sein.

 

Ort: Parkbuchhandlung, Koblenzer Straße 57, 53177 Bonn
Termin: Freitag 23. Januar 2015, 19.30 Uhr
Reservierung: Tel. 0228 352191

 

 

Parkbuchhandlung

 

http://www.aloisiuskolleg.de/start/meldung/96


http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/veranstaltungskalender/detail/?vid=13499


 

 


 

 http://handbuch-psychotraumatologie.de/wp-content/uploads/2011/08/TG_Header.jpg

 

Rezension 06.11.2014:

Fachzeitschrift Trauma & Gewalt, 8. Jahrgang, Heft 4, Nov. 2014, S. 330.


Ebba Hagenberg-Miliu (Hrsg.), Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals, Kohlhammer, Stuttgart 2014, 288 Seiten, 29,90 Euro.

 

Das Aloisiuskolleg (AKO), der im Volksmund so genannte Heilige Berg in Bonn-Bad Godesberg, war als Internatsschule eine Kaderschmiede der Nation. Viele Politikerlnnen, alteingesessene Familien und Diplomaten schickten (und schicken) ihre Kinder in diese Eliteschule. Viele dieser Kinder wiederum sind heute Teil der deutschen Führungselite. Gleichzeitig gab es in dieser Schule eine jahrzehntelange Tradition von Gewalt und Missbrauch, von 1946 bis 2005 reichen die von zwei Aufarbeitungskommissionen gesammelten Vorwürfe zu körperlichen Züchtigungen, sexuelIen Übergriffen und entwürdigenden Erziehungsmaßnahmen. Ein Teil dieser Vorfälle waren auch nach damaliger Rechtslage Straftaten. Sie waren eingebettet in alltägliche Entgrenzungen, Grenzverletzungen und Verschiebung der Normen.

 

Einer der Hauptbeschuldigten, der frühere langjährige Schul- und Internatsleiter, fertigte über Jahrzehnte viele Hunderte Fotos von nackten oder halbnackten Schülern an. Es waren bewusst gestellte Szenen und sexualisierte Posen. Solche Fotos hingen - für alle sichtbar - in den öffentlich zugänglichen Räumen, auch neben dem Büro des ehemaligen Schulleiters. „Das Bild habe ich 2006 dort abgehängt. Eigentlich muss dass doch ein Skandal sein, Fotografien nackter Schüler in einer pädagogischen Institution! Warum scherte sich 10 Jahre lang niemand um das Bild?“ (so Christopher Haep, ehemaliger Schüler und seit 2006 Internatsleiter, S. 226).

 

Viele Hunderte Schüler, Eltern, Betreuungspersonen, Vorgesetzte waren in unterschiedlichem Grad „Mit-Wisser“. Es gab welche, die die Übergriffe gedeckt haben, andere, deren Überlebensstrategie es war, sich anzupassen, und „solche, die etwas übersehen haben; die etwas nicht begriffen haben; die Ahnungen, mulmige  Gefühle zurückgewiesen und Signale überhört haben,“ (Pater Klaus Mertes, S. 202). Das System hat jahrzehntelang funktioniert und nie wurde jemand zur Rechenschaft gezogen. Wie ist so etwas möglich? –

 

Dieser Frage wird sich im Buch von verschiedenen Seiten genähert: Betroffene, ehemalige (nicht direkt betroffene) Schüler, Ordensvertreter, Stadt, Politik, Justiz, Medien. Die Zusammenschau der verschiedenen Perspektiven ist bisher einmalig und sehr lehrreich. Herausgekommen ist eine genaue und atemberaubende Analyse von Strukturen und „Kulturen“, die den Missbrauch begünstigt/ermöglicht haben, und „elitäre Inseln der Macht“ hervorbrachten. Es geht um Machtmissbrauch, Manipulation, Verdrängung/ Verleugnung, blinde Flecken, persönliche Verstrickungen und die Folgen. Berichtet wird auch über den 2010 begonnenen Prozess der Aufarbeitung, die gemachten Fehler und wie schwierig es ist, alle mitzunehmen, nichts zu beschönigen, aber gleichzeitig auch der Organisation eine Chance zu einer präventiven Neuausrichtung zu geben. Dass dies mehr sein muss als in Papier gegossene Präventionsleitlinien, zeigen die Beiträge sehr deutlich. Nur mit ehrlicher Aufarbeitung, klarer Verantwortungsübernahme, Dialogfähigkeit und grundlegender Umstrukturierung der „Organisationskultur“ kann dies gelingen.

 

Das Buch ist anregend und aufklärend für alle Institutionen und Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, und für alle, die in unserer Gesellschaft Gewalt und Machtmissbrauch verhindern wollen. Es zeigt nebenbei auf, welche gesellschaftliche Sprengkraft genaues und ehrliches Hinsehen mit sich bringt. Möglich wurde dies durch einige mutige Menschen, die in den letzten Jahren als Betroffene ihre Erfahrungen öffentlich machten und gegen alle Widerstände Aufklärung einforderten. Ihnen vor allem gebührt Respekt und Dank.

 

Fazit: Ein wichtiges, hochaktuelles und spannend zu lesendes Buch!


Claudia lgney, Bremen

Rezension_UnheiligerBerg_Trauma_und_Gewa
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14. Oktober 2014

Mir schickt ein ehemaliger Schüler-Redakteur (und dankbarer Leser des Buchs „Unheiliger Berg“) eine Ausgabe der Aloisiuskollegs-Schülerzeitung „Schwarzbuch“ von 1977,

 

Auszüge aus dem „Schwarzbuch-Interview mit Pater Stüper“,

vollständige redigierte und autorisierte Ausgabe, Sonderdruck Januar 1977.

Motto-Zitat: “Der letzte Mensch, dem ich begegnen möchte, wäre ich selbst.“

 

"…

Frage: Sie wollen nicht zugeben, dass Sie heute immer noch Ihr Negativimage als Buhmann der Schule haben?... Dass Sie eine Furcht und Schrecken einflössende Persönlichkeit sind. Man wirft Ihnen vor, dass Sie cholerisch wären und sehr auf sich bezogen.

Pater Stüper: Ich glaube, dass das Image bei denen nicht mehr vorhanden ist, die mich näher kennen. Ich will allerdings nicht sagen, dass ich von diesen Dingen, die da genannt wurden, ganz frei bin. Ich halte mich selbst zwar nicht für einen Choleriker, eher für einen Sanguiniker, und dass eine gewisse Ich-Bezogenheit da ist, ist ja auch nicht zu leugnen. Und ich… (Die Hrgs.: Originalpunkte des Befragten). Na gut, lassen wie das mal.

Frage: Gestehen Sie auch anderen zu, sich durchzusetzen wie Sie?

Pater Stüper: Das ist im Grunde genommen, wenn man die Frage mal wirklich beantworten will, eine ganz gefährliche Frage. Ich würde fast sagen, das läuft darauf hinaus, ob man sich dann, wenn man sich selbst gegenübersteht, ob man sich dann auch selbst gelten lassen würde? Darauf läuft das hinaus, ja? Dazu kann ich nur Folgendes sagen: Der letzte Mensch, dem ich konkret begegnen möchte, das wäre ich selbst. Ich käme mit mir selbst nicht mehr zu Rande.

...

Frage: Viele sind der Meinung, dass Sie am Zustand der Angst vor allem und jedem am Kolleg nicht ganz unschuldig sind…

Pater Stüper: Es ist leider nicht ganz zu vermeiden, weil gewisse disziplinarische Sachen einfach an mir hängenbleiben, ob ich will oder nicht. Ich muss gewissen Dingen nachgehen. Sagen wir so: Für mich steht die Ordnung bei Gott nicht an erster Stelle, aber eine gewisse Ordnung muss da sein und muss garantiert sein. Und sie wird letztlich – im Internat etwa – von mir garantiert.

Frage: Aber Sie nehmen die Angst in Kauf?

Pater Stüper: Angst . Das Wort Angst!...

Frage: Angst und Duckmäusertum nicht nur bei den Schülern, sondern auch bei Teilen des Lehrerkollegiums.

Pater Stüper: Das Wort Angst hasse ich wie die Pest, Ich kann es nicht ausstehen! … Aber ich kann sie nicht verhindern…

Frage: Sie nehmen sie in Kauf!

Pater Stüper: Ja, ich kann es nicht verhindern. Ich muss sie in Kauf nehmen. …

Frage: Können Sie sich als Internatsleiter hier am Kolleg Ihr erträumtes Land aufbauen?

Pater Stüper: Das ist eine sehr interessante Frage. Als ich vor acht Jahren hier anfing, da schwebte mir ein ganz bestimmtes Kolleg vor … wir haben von diesem damals entwickelten Bild jetzt etwa drei Viertel erreicht, in die Tat umgesetzt.

Frage: Das Paradies auf Erden?

Pater Stüper: Nicht das Paradies auf Erden, sondern ein Kolleg, das sich sehen lassen kann…"

 

 

 

 

wann kommt der film zum ako -bonn / kath.kirche ?
“Tragödie der Kindheit : Es kommt vielleicht nicht selten von, dass edel und hochstrebende Menschen ihren härtesten Kampf in der Kindheit zu bestehen haben ….
Hat man so etwas erlebt, so wird man sein Leben lang es nicht verschmerzen, wer Einem eigentlich der größte, der gefährlichste Feind gewesen ist.” die Kirche ! nietzsche : Aphorismus aus “Menschliches, Allzumenschliches”
es ändert sich nie, amen !
prof.dr.gernot lucas

 

  1. Bizarre Diskussion danach: Der Vertreter der Katholischen Kirche wird nur gefragt, was die Odenwaldschule hätte besser machen müssen. Die Fälle Aloisiuskolleg u. a. lassen grüßen. http://unheiliger-berg.jimdo.com/

     

     
  2. Prospero schreibt am :

    Genau, Frau Ebba Hagenberg-Miliu

    Andernorts schrieb ich:
    Schade, dass gestern bei Will eine große Chance vertan worden ist, obgleich doch ein Vertreter der RKK sowie der OSO-Betroffenen anwesend waren:
    Es hätte sich doch bestimmt eine interessante Diskussion im Vergleich der Systeme Odenwaldschule zu Aloisiuskolleg Bonn ergeben.

    Im AKO der Schulleiter + Jesuitenpater St., charismatisch, Aktfotograf, Analzäpfchen-verabreicher, mit Jungen duschen, Schüler auf Segeltörns im Mittelmeer mitnehmend und leidenschaftlicher Vertreter der ignatianischen Pädagogik.Und muma auch aktiv in den von Frau Oetken angesprochenen Bereichen.Und andere mumaTäter am AKO deckend…..Auch im Freizeitbereich der Schule.

    Und in der OSO eine doch sehr ähnlich/ teils noch schlimmer agierende Person: Schulleiter/ Ex-Pfarrer Becker.

    Da wäre dann das Herausarbeiten systemischer Faktoren spannend geworden…….. aber genau das wollte man wahrscheinlich vermeiden – und der RKK-Vertreter („Bischof Lehmann.. hatte mich vorher nicht darüber informiert“) hatte genau diese Aufgabe, imho

 

http://netzwerkb.org/2014/10/01/ard-film-die-auserwahlten/

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn, 26.09.14, Leserbriefe:

 

Die Zustände treffend geschildert

 

Zum Interview mit Miguel Abrantes Ostrowski, Schauspieler und Missbrauchsopfer als Schüler im Aloisius-Kolleg, erschienen am 20./21. September

Miguel Abrantes Ostrowski (Foto: privat)

 

 

Danke für dieses interessante Interview. Herr Abrantes sagt: „So ziemlich jeder meiner damaligen Schulfreunde brach den Kontakt zu mir ab. Jeder war besorgt, dass ich ihnen ihre so wertvolle und beneidenswerte jesuitische Vergangenheit zerstören würde, die ja schließlich die Eintrittskarte zu einem erfolgreichen Leben ist.“

Fast identische Erfahrungen machten Opfer eines ähnlich prominenten Tatortes wie es das Ako ist. Nämlich solche, die die sexuelle Ausbeutung an der Odenwaldschule öffentlich gemacht haben. Offiziell zwar ein Gefüge mit einer ganz anderen gesellschaftlichen Gesinnung als das konservative Aloisius-Kolleg, aber was den Missbrauchskontext angeht mit mehr Parallelen als Unterschieden.

Auch am OSO wurden über Jahrzehnte systematisch Schüler sexuell ausgebeutet. Auch dort profitierte ein ganzes Netzwerk von diesen Verbrechen an Kindern und Jugendlichen. Zwar nicht immer direkt, aber über Umwege. Missbraucher pflegen ihre Tatorte. Sie engagieren sich sehr. Manipulativ, wie sie meistens sind, erkennen sie die Schwächen, Bedürfnisse und Eitelkeiten ihrer Bündnispartner sehr schnell. Und nutzen dieses Wissen für ihre Zwecke aus. Eine besonders ordinäre Form der Symbiose zwischen Täterinnen und Tätern und den Mitwissern und Verantwortungsträgern entsteht.

Deshalb wird keiner der institutionell Verantwortlichen das tun, was Miguel Abrantes genauso wie die meisten Menschen mit einem normalen ethischen Empfinden täten vorschlägt: „Als Jesuitenprovinzial hätte ich sämtliche Täter und Mitwisser hochkant aus dem Orden geschmissen. Aber ich weiß, dass so etwas bei den Jesuiten nicht möglich ist.“ Nur Heilige wickeln sich selbst ab. Alle Opfer, die 2010 und schon davor mutig an die Öffentlichkeit gegangen sind, haben Enormes geleistet. Was weit darüber hinaus geht, „nur“ auf die Verbreitung von Kindesmissbrauch aufmerksam gemacht zu haben. Durch diese erwachsenen Betroffenen wurden ganz wichtige Schwachpunkte in unserer Gesellschaft offenbar.

Umso wichtiger, dass Medien wie Ihres dafür sorgen, dass die Öffentlichkeit davon auch erfährt. Nur so können die notwendigen Veränderungen in Gang gesetzt werden.

Angelika Oetken,

Berlin-Köpenick

 

 

Der Beitrag von Miguel Abrantes Ostrowski schildert treffend die Zustände des Missbrauchs durch Patres am Aloisius-Kolleg Bonn Bad Godesberg. Ich war in den ersten drei Schuljahren – wie viele andere – ebenfalls Opfer eines Paters, der zudem für die Neuaufnahme von Schülern zuständig war und reichlich Nachschub durch die Aufnahmeprüfung hatte, was mir als Kind wenigstens zeitweise Erleichterung verschaffte.

In den 1860er Jahren schon forderte der berühmte Arzt und Naturwissenschaftler Rudolf Virchow im preußischen Landtag die Aufhebung der katholischen Klosterschulen als allein wirksame Lösung, Kinder vor diesem Missbrauch zu schützen. Ich schließe mich dieser Auffassung an: Zölibatäre Geistliche müssen aus den Einrichtungen für Kindererziehung, so auch aus dem AloisiusKolleg, grundsätzlich heraus.

Prof. Dr. Gernot Lucas,

Köln

Bonner Stadtanzeiger vom Freitag, 26. September 2014, Seite 36 (4 Views)

 

 

 

 

 

 

Aloisiuskollegs (Ako)
"Das ist ein Sieg"

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski begrüßt die Verschärfung des Sexualstrafrechts. Der GA sprach mit dem ehemaligen Schüler des Aloisiuskollegs (Ako), der als erster öffentlich zum Missbrauch an dem Kolleg Stellung bezog.
Miguel Abrantes Ostrowski hat aufgeschrieben, was er am Jesuiten-Kolleg erlebte. Foto: privat
Miguel Abrantes Ostrowski hat aufgeschrieben, was er am Jesuiten-Kolleg erlebte. Foto: privat

Er war 2004 und 2010 der erste Schüler des Aloisiuskollegs (Ako), der öffentlich zum Missbrauch Stellung bezog: der Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski, der momentan in Goethes "Faust" im Münchener Residenztheater spielt. Ebba Hagenberg-Miliu sprach mit ihm über die am Mittwoch im Bundestag beschlossene Reform des Sexualstrafrechts.

Wie bewerten Sie, dass auch das Fotografieren fremder nackter Kinder unter Strafe gestellt wird? Und dass die Verjährungsfrist bei Missbrauch verlängert wird, bis das Opfer 50 Jahre als ist?

Miguel Abrantes Ostrowski: Das ist ein Sieg. Wäre diese Gesetzeslücke früher geschlossen worden, wären einige unserer geliebten Godesberger Patres und Erzieher schon vor Jahren ins Gefängnis gekommen.

Sie haben 2004 in Ihrem Buch "Sacro-Pop" geschrieben: Die erotischen Phantasien Ihres damaligen Internatsleiters schrien nach nackten Knabenkörpern. Er knipste von Ihnen und Ihrem Freund in der Ako-Dusche und im Park viele Filme voll. Wie war das in den 80er Jahren möglich?

Abrantes: Man muss sich das Kolleg von damals wie ein kleines Königreich vorstellen. Dort herrschten zwei Tyrannen, fadenscheinig im Auftrag der Gesellschaft Jesu unterwegs, aber im Grunde nur darauf erpicht, die Situation zum eignen Vorteil zu nutzen. Viele im Orden wussten davon, aber keiner hatte den Mut, es mit diesen beiden Patres aufzunehmen.

Warum trauten Sie 2004 sich mit ihrem Schlüsselroman zum Ako-Missbrauch heraus?

Abrantes: Wenn ich belustigt Außenstehenden von meiner Internatszeit erzählte, kippte die Stimmung, weil nicht Eingeweihte fassungslos vor diesen gewöhnungsbedürftigen Anekdoten standen. Da wusste ich, dass ich das aufschreiben sollte. Die wirklichen Missbrauchsgeschichten machten sich beim Schreiben Luft.

Wie waren 2004 die Reaktionen? Sie wurden als Nestbeschmutzer beschimpft...

Abrantes: Oh ja. So ziemlich jeder meiner damaligen Schulfreunde brach den Kontakt zu mir ab. Jeder war besorgt, dass ich ihnen ihre so wertvolle und beneidenswerte jesuitische Vergangenheit zerstören würde, die ja schließlich die Eintrittskarte zu einem erfolgreichen Leben ist.

Wie bewerten Sie die Übergriffe heute, Stichwort Edathy-Affaire?

Abrantes: Splitterfasernackt durch den Park gescheucht und dabei abfotografiert zu werden - manchmal gewürzt mit jähzornigen Ohrfeigen oder Kopfnüssen: Das waren schon sehr eigenwillige Erziehungsmethoden, die eigentlich auch die Neugier von Staatsanwälten geweckt haben müssten. Eine Hausdurchsuchung gab es aber auch 2010, als der Missbrauchsskandal aufflog, nicht.

Vor vier Jahren waren Sie der erste Ako-Betroffene, der bundesweit öffentlich Stellung bezog. Wie sehen Sie diese Monate im Rückblick?

Abrantes: Es war die beängstigendste und glücklichste Zeit meines Lebens. Zuerst hatte ich die Hosen voll, mit nächtlichen Schweißausbrüchen. Keiner wusste ja, wie die Geschichte enden würde - niemand hatte sich mit diesen Despoten angelegt. Aber ich habe gewonnen, und das machte mich sehr glücklich!

Noch 2005 soll es einen Missbrauchsfall durch den damals immer noch im Internat tätigen Pater gegeben haben. Ein Schüler erstattete 2010 Anzeige. Die Ermittlungen wurden mit dem Tod des Paters eingestellt. Wie kommentieren Sie das?

Abrantes: Ich deute es als vollkommenes Versagen der Staatsanwaltschaft.

Sie haben 2010 mit anderen die Betroffenengruppe Eckiger Tisch gegründet...

Abrantes: Wir haben die Könige entthront. Das war mein Ziel.

Ist das Ako, ist der Orden auf Sie zugekommen?

Abrantes: Vom Orden habe ich 5000 Euro erhalten. Und einen pauschalen Brief. Mehr nicht. Bis heute hat sich bei mir keiner vom Internat entschuldigt. Stattdessen weichen sie mir lieber aus.

Wie beurteilen Sie die Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen?

Abrantes: Als Jesuitenprovinzial hätte ich sämtliche Täter und Mitwisser hochkant aus dem Orden geschmissen. Aber ich weiß, dass so etwas bei den Jesuiten nicht möglich ist.

2010 sagten Sie, viele Ihrer damals nackt fotografierten Internatskollegen litten darunter, anderen nicht vertrauen zu können. Wie beurteilen Sie die Folgen heute?

Abrantes: Da kann ich heute nur von mir sprechen. Ich arbeite daran, mich endlich zu binden und Nähe zuzulassen. Bisher gelingt es kaum. Leider.
Zur Person

Miguel Abrantes Ostrowski, 42, machte 1993 am Aloisiuskolleg (Ako) Abitur, studierte Schauspiel und ist am Münchener Residenztheater engagiert. Aktuell steht er in einer vielgepriesenen Inszenierung von Goethes "Faust" auf der Bühne. Er ist Mitautor des 2014 herausgegebenen Buchs "Unheiliger Berg" über die Missbrauchsaufarbeitung am Ako.

Artikel vom 20.09.2014

Aloisiuskollegs (Ako): "Das ist ein Sieg" | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Das-ist-ein-Sieg-article1455738.html#plx1712362522

General-Anzeiger Bonn, 20.09.14, Interview

Miguel Abrantes Ostrowski (Foto: privat)
Miguel Abrantes Ostrowski (Foto: privat)

Miguel Abrantes Ostrowski hat aufgeschrieben, was er am Jesuiten-Kolleg erlebte. Foto: privat
 

 

Aloisiuskollegs (Ako)
"Das ist ein Sieg"

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski begrüßt die Verschärfung des Sexualstrafrechts. Der GA sprach mit dem ehemaligen Schüler des Aloisiuskollegs (Ako), der als erster öffentlich zum Missbrauch an dem Kolleg Stellung bezog.


Er war 2004 und 2010 der erste Schüler des Aloisiuskollegs (Ako), der öffentlich zum Missbrauch Stellung bezog: der Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski, der momentan in Goethes "Faust" im Münchener Residenztheater spielt. Ebba Hagenberg-Miliu sprach mit ihm über die am Mittwoch im Kabinett beschlossene Reform des Sexualstrafrechts.

Wie bewerten Sie, dass auch das Fotografieren fremder nackter Kinder unter Strafe gestellt wird? Und dass die Verjährungsfrist bei Missbrauch verlängert wird, bis das Opfer 50 Jahre als ist?

Miguel Abrantes Ostrowski: Das ist ein Sieg. Wäre diese Gesetzeslücke früher geschlossen worden, wären einige unserer geliebten Godesberger Patres und Erzieher schon vor Jahren ins Gefängnis gekommen.

Sie haben 2004 in Ihrem Buch "Sacro-Pop" geschrieben: Die erotischen Phantasien Ihres damaligen Internatsleiters schrien nach nackten Knabenkörpern. Er knipste von Ihnen und Ihrem Freund in der Ako-Dusche und im Park viele Filme voll. Wie war das in den 80er Jahren möglich?

Abrantes: Man muss sich das Kolleg von damals wie ein kleines Königreich vorstellen. Dort herrschten zwei Tyrannen, fadenscheinig im Auftrag der Gesellschaft Jesu unterwegs, aber im Grunde nur darauf erpicht, die Situation zum eignen Vorteil zu nutzen. Viele im Orden wussten davon, aber keiner hatte den Mut, es mit diesen beiden Patres aufzunehmen.

Warum trauten Sie 2004 sich mit ihrem Schlüsselroman zum Ako-Missbrauch heraus?

Abrantes: Wenn ich belustigt Außenstehenden von meiner Internatszeit erzählte, kippte die Stimmung, weil nicht Eingeweihte fassungslos vor diesen gewöhnungsbedürftigen Anekdoten standen. Da wusste ich, dass ich das aufschreiben sollte. Die wirklichen Missbrauchsgeschichten machten sich beim Schreiben Luft.

Wie waren 2004 die Reaktionen? Sie wurden als Nestbeschmutzer beschimpft...

Abrantes: Oh ja. So ziemlich jeder meiner damaligen Schulfreunde brach den Kontakt zu mir ab. Jeder war besorgt, dass ich ihnen ihre so wertvolle und beneidenswerte jesuitische Vergangenheit zerstören würde, die ja schließlich die Eintrittskarte zu einem erfolgreichen Leben ist.

Wie bewerten Sie die Übergriffe heute, Stichwort Edathy-Affaire?

Abrantes: Splitterfasernackt durch den Park gescheucht und dabei abfotografiert zu werden - manchmal gewürzt mit jähzornigen Ohrfeigen oder Kopfnüssen: Das waren schon sehr eigenwillige Erziehungsmethoden, die eigentlich auch die Neugier von Staatsanwälten geweckt haben müssten. Eine Hausdurchsuchung gab es aber auch 2010, als der Missbrauchsskandal aufflog, nicht.

Vor vier Jahren waren Sie der erste Ako-Betroffene, der bundesweit öffentlich Stellung bezog. Wie sehen Sie diese Monate im Rückblick?

Abrantes: Es war die beängstigendste und glücklichste Zeit meines Lebens. Zuerst hatte ich die Hosen voll, mit nächtlichen Schweißausbrüchen. Keiner wusste ja, wie die Geschichte enden würde - niemand hatte sich mit diesen Despoten angelegt. Aber ich habe gewonnen, und das machte mich sehr glücklich!

Noch 2005 soll es einen Missbrauchsfall durch den damals immer noch im Internat tätigen Pater gegeben haben. Ein Schüler erstattete 2010 Anzeige. Die Ermittlungen wurden mit dem Tod des Paters eingestellt. Wie kommentieren Sie das?

Abrantes: Ich deute es als vollkommenes Versagen der Staatsanwaltschaft.

Sie haben 2010 mit anderen die Betroffenengruppe Eckiger Tisch gegründet...

Abrantes: Wir haben die Könige entthront. Das war mein Ziel.

Ist das Ako, ist der Orden auf Sie zugekommen?

Abrantes: Vom Orden habe ich 5000 Euro erhalten. Und einen pauschalen Brief. Mehr nicht. Bis heute hat sich bei mir keiner vom Internat entschuldigt. Stattdessen weichen sie mir lieber aus.

Wie beurteilen Sie die Aufklärungs- und Aufarbeitungsbemühungen?

Abrantes: Als Jesuitenprovinzial hätte ich sämtliche Täter und Mitwisser hochkant aus dem Orden geschmissen. Aber ich weiß, dass so etwas bei den Jesuiten nicht möglich ist.

2010 sagten Sie, viele Ihrer damals nackt fotografierten Internatskollegen litten darunter, anderen nicht vertrauen zu können. Wie beurteilen Sie die Folgen heute?

Abrantes: Da kann ich heute nur von mir sprechen. Ich arbeite daran, mich endlich zu binden und Nähe zuzulassen. Bisher gelingt es kaum. Leider.

 

Zur Person
Miguel Abrantes Ostrowski, 42, machte 1993 am Aloisiuskolleg (Ako) Abitur, studierte Schauspiel und ist am Münchener Residenztheater engagiert. Aktuell steht er in einer vielgepriesenen Inszenierung von Goethes "Faust" auf der Bühne. Er ist Mitautor des 2014 herausgegebenen Buchs "Unheiliger Berg" über die Missbrauchsaufarbeitung am Ako.

 

Der Gesetzentwurf

Die Verschärfung des Sexualstrafrechts, die das Kabinett am Mittwoch billigte, enthält eine Verlängerung der Verjährungsfrist für Sexualdelikte an Kindern, bis die Opfer 50 Jahre alt sind. Laut Justizminister Heiko Maas brauchten viele traumatisierte Menschen Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und sich zu einer Anzeige zu entschließen. Künftig soll auch strafbar sein, unerlaubt Fotos von anderen zu machen und zu verbreiten, die deren Ansehen schaden können. Das können Fotos fremder nackter Kinder oder auch Betrunkener und Gewaltopfer sein. ham



Artikel vom 20.09.2014

 

 

Aloisiuskollegs (Ako) "Das ist ein Sieg"

 

 

 

 

 .

 

 

 

Politikseiten, 18.09.14

Sexualstrafrechts-Änderung ist wichtiger Meilenstein
Betroffenengruppe am Aloisiuskolleg zufrieden mit der kommenden Verschärfung der Gesetzeslage
Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Bonn/Berlin. Zufrieden mit dem am Mittwoch vom Kabinettgebilligten Gesetzentwurf zum Sexualstrafrecht von Justizminister Heiko Maas reagiert der Eckige Tisch, die Gruppe von Missbrauch Betroffener am Bonner Aloisiuskolleg. „Dieses Gesetz ist ein wichtiger Meilenstein. Es wird höchste Zeit, dass die Verjährungsfrist für sexuelle Übergriffe auf Kinder verlängert und das Strafmaß für den Besitz von kinderpornographischem Material erhöht wird“, sagte Heiko Schnitzler, Sprecher des Eckigen Tischs Bonn.

 

Die Gruppe begrüße vor allem auch, dass Justizminister Maas nun auch Aufnahmen in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung, so genannte Posingbilder, zu kinderpornographischen Fotos zählt. „Wer solche Bilder aufnimmt und besitzt, macht sich nun also auch schon strafbar. Es geht hier also nicht mehr nur noch um Bilder, auf denen Kinder sexuelle Handlungen ausführen“, sagte Schnitzler. "Das Fotografieren von fremden nackten Kindern ist nun also endlich verboten."

 

Wie die unabhängige Untersuchungskommision der Kölner Professorin Julia Zinsmeister 2011 feststellte, wurden am  jesuitischen Aloisiuskolleg insbesondere in den 1980er und 1990er Jahren vom inzwischen verstorbenen Internats- und Schulleiter Hunderte Fotos von nackten Unterstufenschülern aufgenommen, von denen die gefundenen aber bislang als nicht eindeutig pornographisch beurteilt wurden.

 

Nun brauchten die Missbrauchsbetroffenen also von staatlicher Seite Unterstützung bei der weiteren Aufarbeitung , sagte Schnitzler zu den Fällen möglichen Missbrauchs. Die Institutionen, die Verantwortung getragen hätten, müssten zur Rechenschaft gezwungen werden. „Wenn die von Missbrauch Betroffenen 2010 am Bonner Aloisiuskolleg dieses Gesetz schon gehabt hätten, hätte es meiner Meinung nach längst strafrechtliche Verfolgung und entsprechende Urteile für Täter auch im Ausland und die verantwortlichen Mitwisser in Orden und Schule gegeben.“

(In der Nachrichtenagentur epd ist am 17.09.14 eine ähnliche Fassung erschienen).

 

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn, 30.08.14


Hagenberg-Miliu nominiert 


BONN. Die Bonner Journalistin Ebba Hagenberg-Miliu ist für den Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert. Das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von Organisationen des sogenannten Dritten Sektors, würdigt damit ihren Einsatz für Missbrauchsopfer am Bad Godesberger Aloisiuskolleg. Die freie Autorin hat zu diesem Thema zahlreiche Artikel für den General-Anzeiger verfasst sowie das Buch „Unheiliger Berg“ veröffentlicht. Eine Jury wählt im September die Preisträger aus, wie das Bündnis mitteilte. Über den Gewinner des mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreises können die Bürger im Oktober abstimmen: www.deutscher-engagementpreis.de bau



General-Anzeiger, Bonn,vom Samstag, dem 30.08.2014

Artikel in E-Paper anzeigen

 

 

 

PRESSEMITTEILUNG 

 

Ebba Hagenberg-Miliu  für Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert

 

 

Berlin, 27.06.14. Dr. Ebba Hagenberg-Miliu ist für den Deutschen Engagementpreis 2014 nominiert. Ihr Einsatz für Missbrauchsbetroffene am Bonner Aloisiuskolleg erfährt durch diese Nominierung eine besondere Anerkennung. Ebba Hagenberg-Miliu wurde aufgrund „ihres jahrelangen Engagements für missbrauchte Kinder und wegen ihrer Buchveröffentlichung „Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals“, Kohlhammer Verlag 2014“  für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen.

 

Der Deutsche Engagementpreis stärkt die Aufmerksamkeit und die Anerkennung für freiwilliges Engagement in Deutschland. Träger des Preises ist das Bündnis für Gemeinnützigkeit, ein Zusammenschluss von großen Dachverbänden und unabhängigen Organisationen des Dritten Sektors. Förderer sind das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Generali Zukunftsfonds.

 

Seit 2009 wird der Deutsche Engagementpreis jährlich in den Kategorien Gemeinnütziger Dritter Sektor, Einzelperson, Wirtschaft sowie Politik & Verwaltung ausgelobt. Mit der Schwerpunktkategorie „Miteinander der Generationen“ würdigt der Deutsche Engagementpreis in diesem Jahr insbesondere Personen, Initiativen und Organisationen, die sich für den Zusammenhalt der Generationen engagieren und damit vorbildlich für die Zukunft des Gemeinwohls einsetzen.  

 

Eine Experten-Jury wählt im September die Preisträgerinnen und Preisträger sowie die 15 Finalistinnen und Finalisten für den Publikumspreis. Den Gewinner des mit 10 000 Euro dotierten Publikumspreises wählen die Bürgerinnen und Bürger im Oktober unter www.deutscher-engagementpreis.de. Alle Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen Engagementpreises werden im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung am 5. Dezember 2014, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, in Berlin bekanntgegeben und ausgezeichnet.

 

 

Kontakt zur Nominierten:

Dr. Ebba Hagenberg-Miliu

Journalistin-DJV - Buchautorin

Telefon 0228/33 60 925

hagenberg_miliu@yahoo.de

http://unheiliger-berg.jimdo.com/

 

 

PM_Nominierte_2014.doc
Microsoft Word Dokument 292.5 KB

 

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn

 

Ako-Schülerzeitung traut sich erstmals ans Thema Missbrauch heran.

 

Aloisiuskolleg
Wahrheiten aussprechen

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Sie wissen genau, dass sie Neuland betreten. Diese vier 15-Jährigen sind sich bewusst, dass sich hier erstmals Schüler des Aloisiuskollegs (Ako) von sich aus öffentlich zu einem Thema äußern, das seit gut vier Jahren bleischwer auf dem Jesuitenkolleg liegt.

 

Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA


Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA

Doch Simon Kolter, Johannes Kurscheidt, Kai Pietrusziak und Jenny Haunhorst haben sich entschieden, sich in ihrer Schülerzeitung "Ako kompakt" mutig der Missbrauchsvergangenheit ihres Kollegs zu stellen.

Mit dem Idealismus und dem frischen Mut von Neuntklässlern. Das Blatt wird erstmals am Sonntag, 29. Juni, auf dem Schulfest für zwei Euro verkauft. "Journalismus steht nicht für Bonbons verteilen, sondern für das Aussprechen von Wahrheiten und Fakten. Unsere Aufgabe ist es, auf Fehler und Fakten hinzuweisen, die bisher noch nicht bekannt waren", sagt Simon.

Er meint Fakten, die er unter seinen Mitschülern offensichtlich als nicht genug bekannt einstuft. "Aufarbeitung am Ako? Sorry, ich höre nichts", betitelt er seinen Artikel sogar keck. Das Kleeblatt, das hiermit erstmals eine eigene, nicht im Klassenverband entstandene Ausgabe erstellt, hat mehrere Brain-Stormings hinter sich.

Zuerst schälten sich als Themen Interviews mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen und dem neuen Kollegs-Seelsorger und Burnout bei Schülern heraus. Lektorats- und Anzeigenchefin Jenny holte fleißig die nötigen Spenden und Anzeigen herein.

Chef vom Dienst Kai zog die organisatorischen Fäden. Das Heft "stand". Und dann stießen die Chefredakteure Simon und Johannes plötzlich noch auf ein Thema, das sie nicht mehr losließ: In der Zeitung fiel ihnen die Ankündigung einer Lesung des Buches "Der Unheilige Berg. Das Ako und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals" in der Pauluskirche ins Auge. Seither haben sie mit Kai auch eine weitere Lesung mit Betroffenen besucht, haben dort aktiv mitdiskutiert und den Standpunkt ihrer Schule vertreten.

Wie waren diese neuen Erfahrungen aber in der Zeitung zu verarbeiten? Das Team beschloss, die Arbeit und bewusst auch die Sichtweisen aufzuteilen. Johannes befragte Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Kai und Simon trauten sich über die Betroffenengruppe Eckiger Tisch an ein Opfer heran. Das Interview mit diesem Mann, der sich über das Interesse der 15-Jährigen ungeheuer dankbar zeigte, gelingt den beiden sensibel und überzeugend.

Es geht unter die Haut. Kai präsentiert daraufhin den Standpunkt sicher vieler Mitschüler: "Aufklärarbeiten: Irgendwann muss Schluss sein." Und wiederum Simon bietet den Kontrapunkt: Das weitere Aufarbeiten am Ako sei ein sehr wichtiger Schritt, da sexuelle Nötigung, Nacktfotografieren und sexueller Missbrauch von Minderjährigen stattgefunden habe.

Ja, sie hätten, so Simon, viel Rückhalt von Kollegrektor Pater Johannes Siebner bekommen. Der selbst sagt dem GA: "Ich finde es gut und richtig, dass wir eine selbstbewusste, selbstständige und sehr engagierte Schülerzeitungsredaktion haben, und bin sehr gespannt auf die Lektüre."

Mit Vertrauenslehrer Robert Wittbrodt hat das Kleeblatt die ethischen und inhaltlichen Fragen geklärt. Doch die Spannung, mit diesem heiklen Thema erstmals in der Schülerzeitung aufzumachen, sei jetzt vor dem Schulfest, das ja auch viele Ehemalige besuchten, riesig.

"Natürlich habe ich Kritik geäußert und Fehler angesprochen", denkt Simon über seine Rolle nach. Aber Schüler hätten eben selbst Vorstellungen und Wünsche, was die Aufarbeitung und das Gespräch im Kolleg, aber auch das mit den Betroffenen betreffe. "Denn die Möglichkeit für Gespräche besteht immer."

Kontakt zur Redaktion: schuelerzeitung-aloisiuskolleg@web.de

Artikel vom 26.06.2014

 

Wahrheiten aussprechen

 

Aloisiuskolleg
Wahrheiten aussprechen

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Sie wissen genau, dass sie Neuland betreten. Diese vier 15-Jährigen sind sich bewusst, dass sich hier erstmals Schüler des Aloisiuskollegs (Ako) von sich aus öffentlich zu einem Thema äußern, das seit gut vier Jahren bleischwer auf dem Jesuitenkolleg liegt.
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA

Doch Simon Kolter, Johannes Kurscheidt, Kai Pietrusziak und Jenny Haunhorst haben sich entschieden, sich in ihrer Schülerzeitung "Ako kompakt" mutig der Missbrauchsvergangenheit ihres Kollegs zu stellen.

Mit dem Idealismus und dem frischen Mut von Neuntklässlern. Das Blatt wird erstmals am Sonntag, 29. Juni, auf dem Schulfest für zwei Euro verkauft. "Journalismus steht nicht für Bonbons verteilen, sondern für das Aussprechen von Wahrheiten und Fakten. Unsere Aufgabe ist es, auf Fehler und Fakten hinzuweisen, die bisher noch nicht bekannt waren", sagt Simon.

Er meint Fakten, die er unter seinen Mitschülern offensichtlich als nicht genug bekannt einstuft. "Aufarbeitung am Ako? Sorry, ich höre nichts", betitelt er seinen Artikel sogar keck. Das Kleeblatt, das hiermit erstmals eine eigene, nicht im Klassenverband entstandene Ausgabe erstellt, hat mehrere Brain-Stormings hinter sich.

Zuerst schälten sich als Themen Interviews mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen und dem neuen Kollegs-Seelsorger und Burnout bei Schülern heraus. Lektorats- und Anzeigenchefin Jenny holte fleißig die nötigen Spenden und Anzeigen herein.

Chef vom Dienst Kai zog die organisatorischen Fäden. Das Heft "stand". Und dann stießen die Chefredakteure Simon und Johannes plötzlich noch auf ein Thema, das sie nicht mehr losließ: In der Zeitung fiel ihnen die Ankündigung einer Lesung des Buches "Der Unheilige Berg. Das Ako und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals" in der Pauluskirche ins Auge. Seither haben sie mit Kai auch eine weitere Lesung mit Betroffenen besucht, haben dort aktiv mitdiskutiert und den Standpunkt ihrer Schule vertreten.

Wie waren diese neuen Erfahrungen aber in der Zeitung zu verarbeiten? Das Team beschloss, die Arbeit und bewusst auch die Sichtweisen aufzuteilen. Johannes befragte Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Kai und Simon trauten sich über die Betroffenengruppe Eckiger Tisch an ein Opfer heran. Das Interview mit diesem Mann, der sich über das Interesse der 15-Jährigen ungeheuer dankbar zeigte, gelingt den beiden sensibel und überzeugend.

Es geht unter die Haut. Kai präsentiert daraufhin den Standpunkt sicher vieler Mitschüler: "Aufklärarbeiten: Irgendwann muss Schluss sein." Und wiederum Simon bietet den Kontrapunkt: Das weitere Aufarbeiten am Ako sei ein sehr wichtiger Schritt, da sexuelle Nötigung, Nacktfotografieren und sexueller Missbrauch von Minderjährigen stattgefunden habe.

Ja, sie hätten, so Simon, viel Rückhalt von Kollegrektor Pater Johannes Siebner bekommen. Der selbst sagt dem GA: "Ich finde es gut und richtig, dass wir eine selbstbewusste, selbstständige und sehr engagierte Schülerzeitungsredaktion haben, und bin sehr gespannt auf die Lektüre."

Mit Vertrauenslehrer Robert Wittbrodt hat das Kleeblatt die ethischen und inhaltlichen Fragen geklärt. Doch die Spannung, mit diesem heiklen Thema erstmals in der Schülerzeitung aufzumachen, sei jetzt vor dem Schulfest, das ja auch viele Ehemalige besuchten, riesig.

"Natürlich habe ich Kritik geäußert und Fehler angesprochen", denkt Simon über seine Rolle nach. Aber Schüler hätten eben selbst Vorstellungen und Wünsche, was die Aufarbeitung und das Gespräch im Kolleg, aber auch das mit den Betroffenen betreffe. "Denn die Möglichkeit für Gespräche besteht immer."

Kontakt zur Redaktion: schuelerzeitung-aloisiuskolleg@web.de

Artikel vom 26.06.2014
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Aloisiuskolleg
Wahrheiten aussprechen

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Sie wissen genau, dass sie Neuland betreten. Diese vier 15-Jährigen sind sich bewusst, dass sich hier erstmals Schüler des Aloisiuskollegs (Ako) von sich aus öffentlich zu einem Thema äußern, das seit gut vier Jahren bleischwer auf dem Jesuitenkolleg liegt.
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA

Doch Simon Kolter, Johannes Kurscheidt, Kai Pietrusziak und Jenny Haunhorst haben sich entschieden, sich in ihrer Schülerzeitung "Ako kompakt" mutig der Missbrauchsvergangenheit ihres Kollegs zu stellen.

Mit dem Idealismus und dem frischen Mut von Neuntklässlern. Das Blatt wird erstmals am Sonntag, 29. Juni, auf dem Schulfest für zwei Euro verkauft. "Journalismus steht nicht für Bonbons verteilen, sondern für das Aussprechen von Wahrheiten und Fakten. Unsere Aufgabe ist es, auf Fehler und Fakten hinzuweisen, die bisher noch nicht bekannt waren", sagt Simon.

Er meint Fakten, die er unter seinen Mitschülern offensichtlich als nicht genug bekannt einstuft. "Aufarbeitung am Ako? Sorry, ich höre nichts", betitelt er seinen Artikel sogar keck. Das Kleeblatt, das hiermit erstmals eine eigene, nicht im Klassenverband entstandene Ausgabe erstellt, hat mehrere Brain-Stormings hinter sich.

Zuerst schälten sich als Themen Interviews mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen und dem neuen Kollegs-Seelsorger und Burnout bei Schülern heraus. Lektorats- und Anzeigenchefin Jenny holte fleißig die nötigen Spenden und Anzeigen herein.

Chef vom Dienst Kai zog die organisatorischen Fäden. Das Heft "stand". Und dann stießen die Chefredakteure Simon und Johannes plötzlich noch auf ein Thema, das sie nicht mehr losließ: In der Zeitung fiel ihnen die Ankündigung einer Lesung des Buches "Der Unheilige Berg. Das Ako und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals" in der Pauluskirche ins Auge. Seither haben sie mit Kai auch eine weitere Lesung mit Betroffenen besucht, haben dort aktiv mitdiskutiert und den Standpunkt ihrer Schule vertreten.

Wie waren diese neuen Erfahrungen aber in der Zeitung zu verarbeiten? Das Team beschloss, die Arbeit und bewusst auch die Sichtweisen aufzuteilen. Johannes befragte Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Kai und Simon trauten sich über die Betroffenengruppe Eckiger Tisch an ein Opfer heran. Das Interview mit diesem Mann, der sich über das Interesse der 15-Jährigen ungeheuer dankbar zeigte, gelingt den beiden sensibel und überzeugend.

Es geht unter die Haut. Kai präsentiert daraufhin den Standpunkt sicher vieler Mitschüler: "Aufklärarbeiten: Irgendwann muss Schluss sein." Und wiederum Simon bietet den Kontrapunkt: Das weitere Aufarbeiten am Ako sei ein sehr wichtiger Schritt, da sexuelle Nötigung, Nacktfotografieren und sexueller Missbrauch von Minderjährigen stattgefunden habe.

Ja, sie hätten, so Simon, viel Rückhalt von Kollegrektor Pater Johannes Siebner bekommen. Der selbst sagt dem GA: "Ich finde es gut und richtig, dass wir eine selbstbewusste, selbstständige und sehr engagierte Schülerzeitungsredaktion haben, und bin sehr gespannt auf die Lektüre."

Mit Vertrauenslehrer Robert Wittbrodt hat das Kleeblatt die ethischen und inhaltlichen Fragen geklärt. Doch die Spannung, mit diesem heiklen Thema erstmals in der Schülerzeitung aufzumachen, sei jetzt vor dem Schulfest, das ja auch viele Ehemalige besuchten, riesig.

"Natürlich habe ich Kritik geäußert und Fehler angesprochen", denkt Simon über seine Rolle nach. Aber Schüler hätten eben selbst Vorstellungen und Wünsche, was die Aufarbeitung und das Gespräch im Kolleg, aber auch das mit den Betroffenen betreffe. "Denn die Möglichkeit für Gespräche besteht immer."

Kontakt zur Redaktion: schuelerzeitung-aloisiuskolleg@web.de

Artikel vom 26.06.2014
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Aloisiuskolleg: Wahrheiten aussprechen | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/Wahrheiten-aussprechen-article1387242.html#plx1618742632
Aloisiuskolleg
Wahrheiten aussprechen

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Sie wissen genau, dass sie Neuland betreten. Diese vier 15-Jährigen sind sich bewusst, dass sich hier erstmals Schüler des Aloisiuskollegs (Ako) von sich aus öffentlich zu einem Thema äußern, das seit gut vier Jahren bleischwer auf dem Jesuitenkolleg liegt.
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA
Wagen sich auch an heikle Themen: 'Kompakt'-Redakteure (von links) Johannes, Jenny, Kai, Simon. Foto: GA

Doch Simon Kolter, Johannes Kurscheidt, Kai Pietrusziak und Jenny Haunhorst haben sich entschieden, sich in ihrer Schülerzeitung "Ako kompakt" mutig der Missbrauchsvergangenheit ihres Kollegs zu stellen.

Mit dem Idealismus und dem frischen Mut von Neuntklässlern. Das Blatt wird erstmals am Sonntag, 29. Juni, auf dem Schulfest für zwei Euro verkauft. "Journalismus steht nicht für Bonbons verteilen, sondern für das Aussprechen von Wahrheiten und Fakten. Unsere Aufgabe ist es, auf Fehler und Fakten hinzuweisen, die bisher noch nicht bekannt waren", sagt Simon.

Er meint Fakten, die er unter seinen Mitschülern offensichtlich als nicht genug bekannt einstuft. "Aufarbeitung am Ako? Sorry, ich höre nichts", betitelt er seinen Artikel sogar keck. Das Kleeblatt, das hiermit erstmals eine eigene, nicht im Klassenverband entstandene Ausgabe erstellt, hat mehrere Brain-Stormings hinter sich.

Zuerst schälten sich als Themen Interviews mit dem CDU-Politiker Norbert Röttgen und dem neuen Kollegs-Seelsorger und Burnout bei Schülern heraus. Lektorats- und Anzeigenchefin Jenny holte fleißig die nötigen Spenden und Anzeigen herein.

Chef vom Dienst Kai zog die organisatorischen Fäden. Das Heft "stand". Und dann stießen die Chefredakteure Simon und Johannes plötzlich noch auf ein Thema, das sie nicht mehr losließ: In der Zeitung fiel ihnen die Ankündigung einer Lesung des Buches "Der Unheilige Berg. Das Ako und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals" in der Pauluskirche ins Auge. Seither haben sie mit Kai auch eine weitere Lesung mit Betroffenen besucht, haben dort aktiv mitdiskutiert und den Standpunkt ihrer Schule vertreten.

Wie waren diese neuen Erfahrungen aber in der Zeitung zu verarbeiten? Das Team beschloss, die Arbeit und bewusst auch die Sichtweisen aufzuteilen. Johannes befragte Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt.

Kai und Simon trauten sich über die Betroffenengruppe Eckiger Tisch an ein Opfer heran. Das Interview mit diesem Mann, der sich über das Interesse der 15-Jährigen ungeheuer dankbar zeigte, gelingt den beiden sensibel und überzeugend.

Es geht unter die Haut. Kai präsentiert daraufhin den Standpunkt sicher vieler Mitschüler: "Aufklärarbeiten: Irgendwann muss Schluss sein." Und wiederum Simon bietet den Kontrapunkt: Das weitere Aufarbeiten am Ako sei ein sehr wichtiger Schritt, da sexuelle Nötigung, Nacktfotografieren und sexueller Missbrauch von Minderjährigen stattgefunden habe.

Ja, sie hätten, so Simon, viel Rückhalt von Kollegrektor Pater Johannes Siebner bekommen. Der selbst sagt dem GA: "Ich finde es gut und richtig, dass wir eine selbstbewusste, selbstständige und sehr engagierte Schülerzeitungsredaktion haben, und bin sehr gespannt auf die Lektüre."

Mit Vertrauenslehrer Robert Wittbrodt hat das Kleeblatt die ethischen und inhaltlichen Fragen geklärt. Doch die Spannung, mit diesem heiklen Thema erstmals in der Schülerzeitung aufzumachen, sei jetzt vor dem Schulfest, das ja auch viele Ehemalige besuchten, riesig.

"Natürlich habe ich Kritik geäußert und Fehler angesprochen", denkt Simon über seine Rolle nach. Aber Schüler hätten eben selbst Vorstellungen und Wünsche, was die Aufarbeitung und das Gespräch im Kolleg, aber auch das mit den Betroffenen betreffe. "Denn die Möglichkeit für Gespräche besteht immer."

Kontakt zur Redaktion: schuelerzeitung-aloisiuskolleg@web.de

Artikel vom 26.06.2014
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Missbrauch: Der Wunsch nach Aufklärung

In Regensburg diskutierten Experten, darunter Forensiker Osterheider und Kriminologe Pfeiffer, über fatale Strukturen und „zerstörerische Lust“.

http://img.mittelbayerische.de/bdb/2399100/2399180/818x400.jpg

Prominentes Podium (von links): Ebba Hagenberg-Miliu, Prof. Michael Osterheider, Barbara Tambour, Prof. Christian Pfeiffer und Janina Neutze diskutierten über sexualisierte Gewalt. Foto: pd

von Pascal Durain, MZ

Regensburg. Es ist eine Geschichte, die erschüttert, bei der sich der Magen umdreht, bei der ihre Zuhörer in der Dreieinigkeitskirche fast ungläubig mit dem Kopf schütteln – aber es ist eine wahre Geschichte, die Dr. Ebba Hagenberg-Miliu vom Podium in Regensburg aus vorliest, und die klarmacht, warum über den Missbrauchsskandal weiter gesprochen werden muss.

Hagenberg-Miliu liest die Geschichte eines Mannes aus der Ich-Perspektive vor, der sich an seine Schulzeit am Bonner Aloisiuskolleg erinnert und wie er und seine zwei Brüder dort ihrer Kindheit beraubt wurden. Die Details der Vergewaltigung spart die Vorleserin aus, sie zitiert nur nur: „Abends Sperma, morgens der Leib Christi.“ Viele der knapp 80 Besucher zucken zusammen. Die Journalistin Hagenberg-Miliu könnte noch andere solcher Geschichten erzählen, die gebe es auch aus Regensburg, stattdessen aber mahnt sie an, dass jeder dieser Fälle restlos aufgeklärt werden müsse.

Zu dieser Veranstaltung, die nicht zum offiziellem Programm des 99. Katholikentags gehört, hat die Initiative „Wir sind Kirche“ in das evangelische Gotteshaus geladen. Das Thema: „Zerstörerische Lust – Was tun gegen sexualisierte Gewalt in Kirche und Gesellschaft?“. Für die Moderatorin, Dr.Barbara Tambour, ist das hier kein kontroverses Podium, sondern eine „Suchbewegung“, die darstellen soll, was noch aufgeklärt und welche Strukturen noch aufgebrochen werden müssen, damit Kinder nicht zu Opfern von sexuellen Missbrauch werden.

„Pädophilie sucht man sich nicht aus“

Dr. Janina Neutze, die das Forschungsprojekt Mikado, das sich mit den Hintergründen von sexuellem Missbrauch befasst, am Regensburger Bezirksklinikum leitet, beklagte teils massiven Gegenwind, der ihn von Institutionen, Schulen und Eltern entgegenweht. Das Geld für ihr Projekt sei schnell bereitgestellt gewesen, doch über Missbrauch und Sexualität reden, wolle kaum jemand. Ihr Appell: „Bitte lassen Sie uns darüber sprechen.“ Immer wieder mahnte sie dazu, Kinder ernst zu nehmen, wenn sie sich schon anvertrauen. Das passiere selten genug, das dürfe man nicht vorschnell bagatellisieren.

Professor Dr. Michael Osterheider, der am Bezirksklinikum die forensische Psychiatrie leitet und zum Präventionsnetzwerk „Kein Täter werden“ gehört, will Vorurteile abbauen: „Pädophilie ist eine Neigung, die man sich nicht ausgesucht hat. Aber diese Männer können Verantwortung übernehmen, damit Kinder nicht zu Opfern werden.“ Und dabei hilft er ihnen; auch Kirchenmänner hätten sich bereits an ihn gewandt.

Der Forensiker wurde vor Jahren heftig dafür kritisiert, als er die katholische Kirche als „Biotop“ und „Schutzraum“ für Pädophile umschrieb. Am Samstag erneuerte er dieses Statement. Strukturen, die intransparent seien, in denen man einen Korpsgeist pflege und die nicht-öffentlich seien, würden Übergriffe begleiten bis unterstützen. Dieser Katholikentag sei der richtige Ort, über diese Strukturen kritisch nachzudenken.

Pfeiffer bleibt „unkontrollierbar“

Professor Dr. Christian Pfeiffer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen ging nicht weniger kritisch mit der Institution Kirche um. Der ehemalige Justizminister Niedersachsens geriet zuletzt in die Schlagzeilen, als er sich 2012 mit den deutschen Bischöfen überwarf. Darum wurde die Studie über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche mittendrin abgebrochen. Pfeiffer sprach damals von Versuchen, seine Arbeit zu zensieren – und er tat es auch am Samstag.

Heute, so glaubt Pfeiffer, sei die Kirche aber eine andere. Respektable Kollegen hätten jetzt den Forschungsauftrag für das wichtigste Gutachten zur Missbrauchskrise. „Ich bin mir sicher, dass sich das kein zweites Mal wiederholt.“ Doch bis heute wisse man nicht, wie viele Akten (Forschungsgrundlage für die Studie) in den Diözesen zerstört worden seien. Jetzt könnten es noch viele mehr sein – und die Ergebnisse am Ende umso verfälschter.

Nach 90 Minuten endet die „Suchbewegung“ des Podiums. Die Moderatorin fasst es so zusammen: „Ich wünsche, dass wir hinschauen im Interesse unserer Kinder. (...) Und das ahnden, was zu ahnden ist.“

 

Missbrauch: Der Wunsch nach Aufklärung

 

 

 

 

 

 

 

31.05.14:  Podiumsdiskussion von "Wir sind Kirche" und "Publik-Forum" zum Katholikentag 2014 in Regensburg:

 

15 – 17 Uhr, Dreieinigkeitskirche
 
Zerstörerische Lust
Was tun gegen sexualisierte Gewalt in Kirche und Gesellschaft?
 
Podium mit:
 
Janina Neutze, Projektleitung Mikado, Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Bezirksklinikum Regensburg – Universität Regensburg;
 
Michael Osterheider, Kein Täter werden, Bayern, Leiter der Abteilung für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie der Universität am Bezirksklinikum Regensburg;
 
Christian Pfeiffer,Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. (KFN);
 
Ebba Hagenberg-Miliu, Herausgeberin des Buchs »Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals«
 
Moderation:
Barbara Tambour, Redakteurin von Publik-Forum
 
 
 

 

Katholikentag Regensburg 2014 - Wir sind Kirche ...

 

 

Publik-Forum.de - christlich, kritisch, unabhängig ...

 

 

Mein Beitrag in der Podiumsdiskussion:

"Sexualisierte Gewalt in Kirche und Gesellschaft: Was können wir dagegen tun?

 

"Facebook-User sprechen Klartext. „Hören Sie doch endlich auf mit diesem leidigen Thema. Die Missbrauchs-Geschichte ist längst abgefrühstückt. Die Täter sind tot“. So werden mir in aktuellen Kommentaren die Leviten gelesen. Ich habe als Journalistin, als Frau, die Frechheit besessen, ein Buch über den jahrzehntelangen  Machtmissbrauch an einer deutschen Jungen-Eliteschule, dem jesuitischen Aloisiuskolleg in Bonn, herauszugeben.

Ich habe diese Kaderschmiede der Nation, die die Thomas de Maizieres, die Till Brönners, die Florian Henckell-von-Donnersmarcks hervorbrachte, ich habe also den sogenannten Heiligen Berg von Bonn in einem Sammelband von 30 Autoren zum „Unheiligen Berg“ umbenannt.

Am Bonner AKO wurde von Kommissionen für sechs Jahrzehnte strukturell bedingter Machtmissbrauch dokumentiert. Aufklärungsberichte listeten mindestens 60 Betroffene und 23 Beschuldigte auf. Die Dunkelziffer der möglichen Opfer dürfte vielfach höher sein. Es ging und geht um die Spielarten sexueller Missbrauch, Nacktfotografieren sowie körperliche und psychische Gewalt. Es geht um damals wie heute strafrechtlich relevante Handlungen an Kindern und Jugendlichen

Das Buch zieht nun exemplarisch auch für andere Institutionen Bilanz. Es spiegelt in Beiträgen der Betroffenen und ihrer Angehörigen, des Kollegs und des Ordens, der Stadt, der Politik und Justiz, es spiegelt also, wo genau die am Aufklärungsprozess Beteiligten heute stehen. Und das vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um pornographische Kinderfotos im Fall Edathy. Das Buch zeigt Perspektiven auf, wohin der Aufarbeitungsprozess noch gehen muss.

Ich habe also einmal nicht die Till Brönners und Alexander Graf Lambsdorffs in den Fokus gestellt. Sonders die etwas anderen Absolventen, die Missbrauchs-Betroffenen. Gestandene Männer, die noch Mitte 2010 von einem ehemaligen Lehrer als „Lebensversager“, ja als „Ungeziefer“ geschmäht wurden, das man zertreten müsse. 13 von ihnen haben sich in meinem Buch ihren Gespenstern gestellt.

Die Missbrauchs-Geschichte an katholischen Institutionen ist eben noch längst nicht abgefrühstückt. Die mutmaßlichen Täter sind längst nicht alle tot, wie in Facebook behauptet wird. Abgesehen davon, dass auch noch damalige Verantwortungsträger unbelangt herumlaufen, ist die Saat, die sie säten, längst aufgegangen. Sie wächst und gedeiht. Wie destruktiv erlebte Gewalt an Kindern heute noch wirkt, wurde mir nicht zuletzt während der Buchproduktion schmerzhaft klar: als einer der 13 Betroffenen, die mitschrieben, sich das Leben zu nehmen versuchte.

Die Podiumsdiskussion fragt also: Was können wir gegen sexualisierte Gewalt in Kirche und Gesellschaft tun?

Das Buch "Unheiliger Berg" macht jede Menge Vorschläge. Hier eine Auswahl. Sie betreffen vor allem sexualisierte Gewalt in Institutionen. Einige decken sich mit den Forderungen, die Matthias Katsch im Namen zahlreicher Betroffenengruppen gestern hier auf dem Katholikentag Bischof Ackermann übergeben hat.

-          Stichwort Augenhöhe: Opfer sexuellen Missbrauchs leiden darunter, nicht hinreichend angehört zu werden. Sie vermissen vielerorts auch vier Jahre nach Ausbruch des Skandals den wirklichen Dialog mit Verantwortlichen. Solange etwa der Jesuitenorden abwartet, dass gesprächsbereite Betroffene erst auf ihn zugehen (mit dem Argument, nicht retraumatisieren zu wollen), solange werden sich beide Seiten in ängstlichem Schweigen und Wut weiter hochschaukeln. Am Aloisiuskolleg ist jetzt immerhin der Dialog in Bewegung gebracht. Die Betroffenengruppen schlugen gestern die Einrichtung sogenannter Eckiger Tische und die Berufung von Betroffenen-Beiräten, die Einrichtung von Clearingstellen in den einzelnen Bistümern vor.
-          Stichwort Glaubwürdigkeit: Das Perfide von Kindesmissbrauch durch Geistliche ist zweifellos die besondere Fallhöhe. Ich wende mich gegen die gestern auf den Katholikentag geäußerte Relativierung, die Kirche sei beim Missbrauchsphänomen "normaler als manche denken" . Der kirchliche Täter ist nämlich genau der Gottesmann, der die Hostie verteilt und gleichzeitig die Kinder schützen und erziehen sollte. Papst Franziskus verurteilte Missbrauch in Kirche diese Woche  als abscheuliche satanische Messe. Satanisch sind dabei m. E. jedoch nicht nur die Verbrechen der Täter, sondern auch der nachmalige Umgang einiger damaliger Verantwortlicher, Beteiligter und vieler Zeugen damit: Satanisch sind das Verschweigen, das Verdrängen, das Abhaken. Solange sich nicht alle gemeinsam mit den Betroffenen dem schmerzhaften Aufarbeitungsprozess stellen, wird es keinen reinigenden Neuaufbruch geben. Solange nicht gilt: Null Toleranz mit den Taten und den Tätern, sind, siehe Katholikentags-Motto, keine Brücken gebaut.
-          Stichwort strukturelle Änderungen: Gerade Institutionen mit elitären, ja mit pathogenen Strukturen wie das Aloisiuskolleg brauchen systematische Kontrollmechanismen, Risikoanalysen und Präventionskonzepte, verbindliche Fortbildungen und Supervisionen, Evaluationen und Feedbacksysteme. Das AKO hat inzwischen schon vieles verwirklicht. Der Blick von außen muss gewahrt sein. Schule darf sich nicht einigeln dürfen. Die Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben, Nähe und Distanz müssen immer gewahrt bleiben (siehe aktuell auch Odenwaldschule). Die Betroffenen sagen, dass man auch hier die Kirche letztlich zum Handeln tragen musste.
-          Stichwort Gerechtigkeit: Für viele Betroffene ist es ein großes Problem, dass die Taten meist nicht mehr juristisch aufgearbeitet werden können. Hier ist der Gesetzgeber gefragt, die Verjährungsfristen bei Missbrauch endlich abzuschaffen und die gesetzliche Regelung für das Nacktfotografieren von Kindern zu verschärfen. Die Entschädigungsfrage liegt ebenfalls noch im Argen. Es werden derzeit nach einem für die Betroffenen schmerzhaften Entblößungsprozess jeweils 5.000 Euro ausgezahlt. Nach Meinung der Betroffenen muss die kirchliche „Anerkennung des Leids“ taktvoller, auf jeden Fall individuell und in anderen Kategorien stattfinden.
-          Stichwort Solidarität: Es geht den betroffenen ehemaligen Aloisiuskolleg-Schülern darum, neben den vielen prominenten Absolventen ebenfalls als Teil der Kollegsgeschichte anerkannt zu werden. Sie wünschen sich, als Diskussionspartner in ihr Kolleg zurückgeladen zu werden. Ebenso fordern sie symbolische Zeichen, etwa eine Art Mahnmal auf dem Kollegsgelände. Das Kolleg arbeitet aktuell daran. Und auch den Promis unter den ehemaligen Mitschülern stände es meines Erachtens gut an, endlich Stellung zum Schicksal ihrer Klassenkameraden zu beziehen. In meinem Buch hat das immerhin schon Innenminister Thomas de Maiziere getan.
-          Stichwort Verantwortung: Die Missbrauchsskandale werfen grundsätzliche Fragen nach der Aufsicht auf. Die Betroffenen fragen sich etwa im Fall des Aloisiuskollegs, warum der Jesuitenorden als Träger sechs Jahrzehnte Machtmissbrauch an seiner Einrichtung zuließ. Außer, dass ab und an einmal ein Pater in eine andere Einrichtung versetzt wurde. Die Betroffenen fragen aber auch, warum die staatliche und kommunale Schulaufsicht nach Skandalen wie dem am Aloisiuskolleg und der Odenwaldschule keinerlei Interesse an Privatschulen zeigt. Auch hier müsste meiner Meinung nach der Gesetzgeber handeln.
-          Und nicht zuletzt: Stichwort Achtsamkeit: Wie schützen wir Schüler vor Missbrauch? Ich denke, dass wir unsere Kinder schon in der Familie stark machen können, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und Nein zu sagen. Mehr sexualpädagogische Projekte können an Schulen und in Internaten helfen. Aber wie das Kind sich schützt, ist die eine Sache. Die andere, viel wichtigere Aufgabe der Erwachsenen ist es, immer wieder Dinge zu hinterfragen. Nicht einfach zu sagen: ‚Das ist aber eine wunderbare Schule, dafür bezahle ich sehr viel Geld, also muss sie super sein.‘  Egal, was es für eine Schule ist, egal, was für ein Turnverein, auch wir Eltern müssen darauf ein Auge haben, wir sollten im Gespäch, wir sollen dranbleiben. Und letztlich nicht die Verantwortung nur an die Institution abgeben. Hören wir also nie mit diesem leidigen Thema auf. Lassen wir die Facebook-User ruhig lästern. Die Missbrauchs-Geschichte ist noch lange nicht abgefrühstückt"

 

 

 

Als Fazit der Lesung in der Fabrik 45 schreibt Mitautor Anselm Neft für den Eckigen Tisch am 25.04.14:


 

"Ich fand den Abend bewegend und sehr informativ und denke, dass viele wichtige Facetten des Themenkomplexes zur Sprache gekommen sind.
Folgende Ansichten finden bei uns zunehmend einen Konsens:
1. Die Verjährungsfristen für sexualisierte Gewalt müssen im deutschen Strafrecht dringend verändert werden.
2. Das Aloisiuskolleg (genauso wie der Jesuitenorden) ist noch zu maßgeblichen Teilen von einer Kultur geprägt, die auf Abschottung setzt (eigene Schulpsychologin, Prävention ohne Betroffene erarbeiten, sehr wenig Kommunikationsangebote intern wie nach außen usw.) Für den Kulturwandel sind aber Öffnung, Öffentlichkeit und Transparenz dringend nötig. Und wie AKO-Internatsleiter Christopher Haep es auf dem Podium formulierte: Ohne die Betroffenen und ohne die Außenperspektive kann es am AKO nicht zu den notwendigen Veränderungen kommen.
3. Es gibt noch etliche offene Fragen (wie die nach einer finanziellen Entschädigung von AKO-Seite und die nach einer einheitlichen, nachvollziehbaren AKO-internen Kommunikation der Vergangenheit an Lehrer- und Schüler- und Eltern- und Altschülerschaft), die nicht ewig verschleppt werden sollten."

 

 

 

 

 

 

Der Weiße Ring hat das Buch auf seine Homepage gesetzt. Die Bonner Gruppe schreibt dazu (25.04.14):

 

"Die Außenstelle Bonn des WEISSEN RINGS hat mehrere betroffene Opfer betreut. Wir begrüßen das Buch sehr!"

https://www.weisser-ring.de/internet/landesverbaende/nrwrheinland/bonn/news/details/article/26940/index.html

 

WEISSER RING e. V. :: Bonn ::

 

 

 

 

 

 

Reaktion nach der Buchlesung in der Bonner Fabrik 45 am 24.04.14:

 

 

"Ich möchte mich für den heutigen Abend bedanken. Und dafür, dass Sie sich des Themas "AKO" angenommen haben. Ich wünsche mir sehr, dass Bonn das Buch zum Anlass nimmt, sich endlich mit diesem unrühmlichen Teil der Stadtgeschichte auseinander zu setzen. Und dafür Verantwortung übernimmt.

Herzliche Grüße, Katharina Niehus."

 

 

 

 

 

Die Künstlerin Heike Vennemann-Bundschuh stellt für diese Buch-Homepage eine ihrer Zeichungen zur Verfügung (24.04.14):

Heike Vennemann-Bundschuh, Missbrauch, 2011
Heike Vennemann-Bundschuh, Missbrauch, 2011
Heike Vennemann-Bundschuh
Malerei&Druckgrafik

 

 

 

 

 

 

 

Zweite Lesung des Buchs "Unheiliger Berg" am 14.04.14 im Euro Theater Central in Bonn:

 

Unsere Lese-Reise durch Bonn ging weiter. Einen langen und intensiven Abend diskutierten sieben Mit-Autoren mit dem Publikum im Euro Theater Central. Darunter stellten sich auch drei mutige Betroffene den Fragen entsetzter Zuhörer. Dieses Mal war auch das AKO mit Internatsleiter Christopher Haep mit im Boot.

Wir danken Theaterchefin Gisela Pflugradt-Marteau für ihre Gastfreundschaft und ihr persönliches Interesse.

Nun also auf zur dritten Lesung: am 24.04.14 um 19.30 Uhr im Kulturtreff Fabrik 45 im Hochstadenring 45. Es sind auf jeden Fall dabei: Ebba Hagenberg-Miliu. Anselm Neft, Rudolf Jekel, Engelbert Decker, Jürgen Repschläger, Christopher Haep, Andi Wolharn, Wilma Wirtz-Weinrich und Dorothee Paß-Weingartz.

 

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn (08.04.14)

Gespräch über das Buch "Unheiliger Berg"

Einblick in geknickte Seelen

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

 


Gespräch über das Buch "Unheiliger Berg"
Einblick in geknickte Seelen

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

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Einblick in geknickte Seelen

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

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Gespräch über das Buch "Unheiliger Berg"
Einblick in geknickte Seelen

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

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Gespräch über das Buch "Unheiliger Berg"
Einblick in geknickte Seelen

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

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Bei der Lesung in der Pauluskirche spricht Pfarrer Siegfried Eckert (links) mit Anselm Neft, Rudolf Jekel, Ebba Hagenberg-Miliu und Conny Schulte. Foto: Ronald Friese

Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

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Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.

Gespräch über das Buch "Unheiliger Berg": Einblick in geknickte Seelen | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
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Sie hatte dabei die Mitautoren Anselm Neft, Rudolf Jekel und Conny Schulte an ihrer Seite, die auch Passagen aus den Texten nicht namentlich genannter Betroffener lasen. "Was, wenn meine Seele nicht so früh geknickt worden wäre?", fragt sich einer.

Ingesamt haben sich 13 ehemalige Schüler "in einem aufreibenden Schreibprozess ihren Gespenstern gestellt", berichtete die Herausgeberin. Sie hätte an diesem Abend gerne einen Vertreter des Kollegs zu Wort kommen lassen. Internatsleiter Christopher Haep, der auch einen wichtigen Teil zum Buch beigetragen habe, musste jedoch kurzfristig aus dringenden privaten Gründen absagen. Schulleiter Pater Johannes Siebner hatte einen auswärtigen Termin.

In Texten, aber auch in den Fragen des Publikums ging es oft um Wissen und Mitwissen sowie um das Problem, Unaussprechliches in Worte zu fassen. Der ehemalige Ako-Schüler Anselm Neft analysierte, warum eine "geschlossene Machtinsel" wie das Aloisiuskolleg zu einem "Biotop für Missbrauchstäter" werden konnte. Selbst als der Skandal öffentlich wurde, sei bagatellisiert worden. Der Kampf der Betroffenen sei außerdem als geldgieriges Gewinnstreben hingestellt worden. Erst die klare Aussage von Pater Siebner "Ich glaube den Betroffenen" brachte eine Wende.

"Das Buch ist wirklich ein Meilenstein, weil es in den Berichten der Betroffenen sehr deutlich aufzeigt, wie Missbrauch und seine Täterstruktur funktioniert", sagte Conny Schulte, die seit 22 Jahren in der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn arbeitet. Die Täter seien keine "Monster", sondern Personen, die große Anerkennung genießen. Zwei aktuelle Ako-Schüler berichteten an dem Abend in der Pauluskirche, dass sie bedauernde Abschiedsbriefe an Pater Theo Schneider schreiben sollten, als der im Zuge des Skandals zurücktrat. "Wir wurden aufgefordert, keine Kommentare abzugeben, aber wir wussten nicht, was los ist."

Das Kollegium des Aloisiuskollegs setzt unterdessen die Aufarbeitung fort. Es hat bei Fortbildungstagen Ende März mit ehemaligen Schülern gesprochen, die von Missbrauch betroffen waren. Außerdem ging es um mögliche Erinnerungsorte, den Verhaltenskodex und die Aktualisierung des Präventionsleitfadens.

Sammelband "Unheiliger Berg" vorgestellt: Missbrauchsskandal am Ako Thema in der Pauluskirche | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/friesdorf/Missbrauchsskandal-am-Ako-Thema-in-der-Pauluskirche-article1322018.html#plx945971086

 

Einblick in geknickte Seelen

 

Sammelband "Unheiliger Berg" vorgestellt
Missbrauchsskandal am Ako Thema in der Pauluskirche

Von Bettina Köhl
BAD GODESBERG. Pfarrer Siegfried Eckert begrüßte die Zuhörer in der Friesdorfer Pauluskirche zu einem "sicher nicht einfachen Abend". Herausgeberin Ebba Hagenberg-Miliu stellt den Sammelband "Unheiliger Berg" über das Aloisiuskolleg (Ako) und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals vor.
Bei der Lesung in der Pauluskirche spricht Pfarrer Siegfried Eckert (links) mit Anselm Neft, Rudolf Jekel, Ebba Hagenberg-Miliu und Conny Schulte. Foto: Ronald Friese
Bei der Lesung in der Pauluskirche spricht Pfarrer Siegfried Eckert (links) mit Anselm Neft, Rudolf Jekel, Ebba Hagenberg-Miliu und Conny Schulte. Foto: Ronald Friese

Sie hatte dabei die Mitautoren Anselm Neft, Rudolf Jekel und Conny Schulte an ihrer Seite, die auch Passagen aus den Texten nicht namentlich genannter Betroffener lasen. "Was, wenn meine Seele nicht so früh geknickt worden wäre?", fragt sich einer.

Ingesamt haben sich 13 ehemalige Schüler "in einem aufreibenden Schreibprozess ihren Gespenstern gestellt", berichtete die Herausgeberin. Sie hätte an diesem Abend gerne einen Vertreter des Kollegs zu Wort kommen lassen. Internatsleiter Christopher Haep, der auch einen wichtigen Teil zum Buch beigetragen habe, musste jedoch kurzfristig aus dringenden privaten Gründen absagen. Schulleiter Pater Johannes Siebner hatte einen auswärtigen Termin.

In Texten, aber auch in den Fragen des Publikums ging es oft um Wissen und Mitwissen sowie um das Problem, Unaussprechliches in Worte zu fassen. Der ehemalige Ako-Schüler Anselm Neft analysierte, warum eine "geschlossene Machtinsel" wie das Aloisiuskolleg zu einem "Biotop für Missbrauchstäter" werden konnte. Selbst als der Skandal öffentlich wurde, sei bagatellisiert worden. Der Kampf der Betroffenen sei außerdem als geldgieriges Gewinnstreben hingestellt worden. Erst die klare Aussage von Pater Siebner "Ich glaube den Betroffenen" brachte eine Wende.

"Das Buch ist wirklich ein Meilenstein, weil es in den Berichten der Betroffenen sehr deutlich aufzeigt, wie Missbrauch und seine Täterstruktur funktioniert", sagte Conny Schulte, die seit 22 Jahren in der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn arbeitet. Die Täter seien keine "Monster", sondern Personen, die große Anerkennung genießen. Zwei aktuelle Ako-Schüler berichteten an dem Abend in der Pauluskirche, dass sie bedauernde Abschiedsbriefe an Pater Theo Schneider schreiben sollten, als der im Zuge des Skandals zurücktrat. "Wir wurden aufgefordert, keine Kommentare abzugeben, aber wir wussten nicht, was los ist."

Das Kollegium des Aloisiuskollegs setzt unterdessen die Aufarbeitung fort. Es hat bei Fortbildungstagen Ende März mit ehemaligen Schülern gesprochen, die von Missbrauch betroffen waren. Außerdem ging es um mögliche Erinnerungsorte, den Verhaltenskodex und die Aktualisierung des Präventionsleitfadens.

Artikel vom 08.04.2014

Sammelband "Unheiliger Berg" vorgestellt: Missbrauchsskandal am Ako Thema in der Pauluskirche | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/friesdorf/Missbrauchsskandal-am-Ako-Thema-in-der-Pauluskirche-article1322018.html#plx1924292781

 

 

 

 

04.04.14  Erste Buch-Lesung

Ein großer Moment für die Betroffenen einer konfessionellen Bad Godesberger Schule: Das Buch konnte in einer hiesigen Kirche vorgestellt werden: unter großem Publikumsinteresse in der mit Kerzen beleuchteten evangelischen Pauluskirche. Nicht nur ich als Herausgeberin war sehr berührt. Zweieinhalb Stunden standen in der Passionszeit also am Altar die Betroffenen und ihre Leidensgeschichten im Mittelpunkt. Und die Präventivmaßnahmen, die seither eingeleitet wurden. Und zum Schluss meldeten sich auch zwei Jungen zu Wort, die für die Schülerzeitung des Aloisiuskollegs schreiben. Toll!

Danke, Pfarrer Eckert.


Pauluskirche

 

 

 


 

 

25.03.2014

Übergabe des Buches an Johannes-Wilhelm Rörig

 

Unheiliger Berg. Das Bonner Aloisiuskolleg der Jesuiten und die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals“ an
Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs durch Heiko Schnitzler, Geschäftsführer ECKIGER TISCH (re.)

Ort: Geschäftsstelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Foto: Eckiger Tisch
Foto: Eckiger Tisch

 

 

20.03.14 Interne Buchvorstellung im Aloisiuskolleg

 

Buchpräsentation am AKO - Unheiliger Berg

Buchpräsentation "Unheiliger Berg" am AKO

 

Am gestrigen Mittwoch erschien das Buch „Unheiliger Berg“, herausgegeben von der Journalistin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu. Bevor das Buch am Abend im Bonner Rathaus der Öffentlichkeit vorgestellt hat, war Frau Dr. Hagenberg-Miliu im Kolleg und hat das Werk vor Mitarbeiterinnen und MItarbeitern aus allen Bereichen des Kollegs präsentiert.

Das Buch versucht „eine Art Kassensturz“ (Vorwort) nach vier harten Jahren der Auseinandersetzung mit den Missbrauchsfällen am AKO. Das Buch knüpft an das von den Patres Brüntrup SJ, Herwartz SJ und Kügler SJ Ende 2012 heraus gegebene Buch „Unheilige Macht“ an, einer Art jesuitischer Selbstreflexion im Blick auf alle Institutionen des Ordens. In diesem Band kommen nun ausführlich und ausdrücklich auch die Betroffenen zu Wort. Insgesamt haben 30 Autoren mitgewirkt, einige anonym oder unter Pseudonym - verschiedenen Sichtweisen und Perspektiven bekommen Raum. Einige der Autoren: Ebba Hagenberg Miliu (Hrsg), Matthias Katsch, Godehard Brüntrup SJ, Miguel Abrantes Ostrowski, Werner Permanent, Georg Maria Roers SJ, Johannes Heibel, Alex Igel, Winfried Ponsens, Rudolf Jekel, Anselm Neft, Jürgen Repschläger, Heiko Schnitzler, Johannes Siebner SJ, Klaus Mertes SJ, Christopher Haep, Christian Herwartz SJ, Thomas de Maizière, Conny Schulte, Wilma Wirtz-Weinrich, Angelika Maria Wahrheit, Dorothee Paß-Weingartz, Angelika Oetken, Rudolf von Bracken. Das Buch ist im Kohlhammer Verlag erschienen.

Buchpräsentation am AKO - Unheiliger Berg | Aktuell | Aloisiuskoll

 

 

 

 

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19.03.14  Offizielle Buchvorstellung Unheiliger Berg im Bonner Rathaus
Von Petra Merz, Grünen Franktion Bonn
 
 
Buchvorstellung Unheiliger Berg
 
Premiere im Alten Rathaus – die Bonner Autorin Dr. Ebba Hagenberg-Miliu hat ihr Buch „Unheiliger Berg“ im Sitzungssaal der GRÜNEN Ratsfraktion im Alten Rathaus vorgestellt. Mit ihr auf dem Podium MitautorInnen, Vertreter des Eckigen Tisches, sowie der Rektor des Aloisius Kollegs Pater Siebner und der Leiter des Internats Herr Haep.
Die Begrüßung leitete die Schulausschussvorsitzende Doro Paß-Weingartz mit den Worten ein, das eine solche Veranstaltung an einen wichtigen Ort wie das Alte Rathaus gehört.
Frau Dr. Hagenberg-Miliu las bewegende Passagen aus ihrem Buch vor, die allen im Saale sehr nahe gingen. In ihrem Buch kommen 30 Menschen zu Wort, der Orden, Eltern, Opfer und andere Menschen, die ihren Blick auf die Verbrechen im Aloisius Kolleg hier öffentlich machen, viele das erste Mal. Es wurde berichtet von Mittätern, die wie die drei Affen Augen, Ohren und Mund verschlossen, über den Mantel des Schweigens und über die Hilflosigkeit der betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Ein Buch über sechs Jahrzehnte Machtmissbrauch, über die vielen Opfer, über 23 Täter, über körperliche und psychische Gewalt.
In der anschließenden Diskussion meldeten sich auch die Zuschauer zu Wort, stellten Fragen, die der derzeitige Rektor nicht beantworten konnte – so die Frage nach sexueller Gewalt und den Jugendlichen.
Auch die Opfersicht diskutierte – abfällige Worte wie: „Die wollen nur Geld, die spielen sich auf, Heulsusen“ diskreditieren die Opfer und stellen sie in die Ecke.
Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt wies deutlich darauf hin, dass die Debatte und eine Aufarbeitung nur möglich sind, weil die Betroffenen sich geäußert haben. Sie beschreibt die Mechanismen, die in der Folge eintreten: Abwehr, Verleugnung, Zweifel an den Opfern, das Unvorstellbare nicht annehmen können.
Die Betroffenen selbst kritisierten den Umgang des Ordens mit den Opfern und auch den Tätern, dass es bis heute keine Klarnamen gibt, sondern Decknamen, dass die Opfer bis heute nicht in den Aufklärungsprozess eingebunden würden, das die ehemaligen Schüler bis heute nicht angeschrieben worden seien.
Das Buch von Dr. Hagenberg-Miliu wird von allen auf dem Podium als ein großer Schritt in Richtung Aufarbeitung gewertet, in dieser Form einmalig, aber kein Schlussstrich, sondern ein wichtiger Teil in diesem Prozess.
Die nächste Lesung findet am Freitag, 4. April, 19.30 Uhr im Gemeindezentrum Pauluskirche, In der Maar 7, 53175 Bonn mit Ebba Hagenberg-Miliu, Anselm Neft und Mitautoren statt.
Homepage zum Buch
http://gruene-bonn.de/detail/nachricht/buchvorstellung-unheiliger-berg.html

 

 

 

 

 

 

Internat

Die nackte Ohnmacht

Aus: Christ & Welt Ausgabe 10/2014

 

Am Bonner Aloisiuskolleg mussten sich Schüler entblößen, ein Pater fotografierte sie. Die Bilder gelten nicht als pornografisch, doch sie schmerzen noch nach Jahrzehnten.

Foto: istock photo

Die Scham bleibt. „Ich fühle mit den heute im Fall Edathy nackt fotografierten Kindern, weil ich ihre Ohnmacht selbst noch spüren kann.“ Der Mann, der so sein Mitgefühl äußert, hat diese Ohnmacht als Junge selber erlebt. Damals, Mitte der Achtzigerjahre, war er Schüler des Bonner Aloisiuskollegs. Der Internatsleiter hat ihn und andere Jungen fotografiert. Nackt. Wer verstehen will, was erzwungenes Posieren auch Jahrzehnte danach noch bedeutet, muss nicht nur nach Rumänien blicken. Das Gefühl der Ohnmacht vergeht nicht. „Auch in unseren Fällen hieß es ja immer: Die Bilder waren doch nicht pornografisch.“

Nicht pornografisch? Auf der Wiese des Aloisiuskollegs hören sie das Klicken der Kamera. Die beiden nackten Sechstklässler räkeln sich im Gras; ihr Internatsleiter knipst ganze Filme voll. „Wir mussten uns auf irgendwelche Steine setzen und an Baumstämmen lehnen, Gott sei Dank nicht reiben“, schrieb einer der damals Elfjährigen später nieder. Die Fantasien des Erwachsenen schrien nach nackten Knabenkörpern, so sieht er es heute. Der Erwachsene, der Jesuitenpater, habe sich als Alleinherrscher des Kollegs seiner „Aufmerksamkeit für den Genitalbereich“ der Jungen ungehindert widmen können. Keiner griff ein. Keiner half. Auf dem, wie der Volksmund ihn nennt, „Heiligen Berg“ des Jesuitenkollegs wurden Kinder zu Opfern.

Der Internatsleiter sei an jenem Tag „von unserem Aussehen ganz begeistert“ gewesen, zumal den Jungen noch Shampoo aus den Haaren tropfte, berichtet der ehemalige Schüler. Zuvor hatte der Mann sie in die Dusche beordert – und schon beim Entkleiden und Waschen Filme verschossen. Das andere Opfer von damals sagt heute, ihn habe an diesem schwarzen Tag hauptsächlich das peinliche Gefühl gequält: „Ich nackt im Park, die anderen angezogen.“ Noch heute spürt er die Grashalme der Wiese, auf der sie sich immer wieder der Linse des Mannes ausliefern mussten.

Während er da entblößt fotografiert wurde, war ihm klar: Falsch ist nicht, was er, der Junge, tat, sondern was der Erwachsene befahl. Und doch: Auch Jahrzehnte später quälen den Ex-Schüler immer noch „Scham und Makel“. Dazu Wut und das Bewusstsein, dass der Internatsleiter auch noch für die jetzigen Gefühle seines Opfers verantwortlich sei. Das gibt der heute 41-Jährige in einem Buch zu Protokoll, das Mitte März erscheinen wird. Der Titel „Unheiliger Berg“ bietet die Bilanz der bisherigen Missbrauchsaufarbeitung am jesuitischen Bonner Aloisiuskolleg. Die Berichte der damals fotografierten Jungen bilden einen wichtigen Teil dieser Textsammlung.

Die Diskussion um die anstößigen Schülerfotos des 2010 verstorbenen Paters gehört bis heute zwischen Orden, Schule und Betroffenen zum unbewältigten Teil der Aufarbeitung. Als nicht pornografisch, also als strafrechtlich nicht relevant, hatte die vom Orden eingesetzte Untersuchungskommission 2011 die bis dahin wiedergefundenen Hunderte an Schülerfotos eingeschätzt. Obwohl sich auch Bilder darunter befunden hatten, auf denen vorpubertäre Knaben „auffällig“ mit gespreizten Beinen posierten. Obwohl möglichst weit entblößte Gesäßspalten und Genitalien zu sehen waren. Den Betroffenen, auch den beiden von der Kollegswiese, wurden diese Bilder nie gezeigt.

Der Ex-Internatsleiter habe über viele Jahre haufenweise Halbakt- und Aktfotos von Schülern aufgenommen, sagt einer der beiden Schüler, die für diese Bilder posieren mussten. Die Kollegsgemeinschaft habe zugesehen, wie er die harmloseren Bilder sogar im Internat aufhängte oder in den Jahresheften postierte. Gegen den beschuldigten Bonner Pater wurde zwar noch bis zu seinem Tod ermittelt. Aber nicht wegen der Fotos, sondern wegen mutmaßlicher Missbrauchstaten, die bis zu erzwungenem Oralverkehr reichten. Die Causa Nacktfotos wurde als unangenehm, aber nicht verwerflich angesehen. „Dabei war auch sie ein Verbrechen“, sagt der Ex-Schüler leise.

Die Jungen von damals hätten sich nun als erwachsene Männer endlich von der Seele geschrieben, was sie nicht mehr losließe, bewertet Pater Georg Maria Roers SJ, ebenfalls in dem Buch „Unheiliger Berg“, Fälle wie diesen. Der Jesuit ist Erzbischöflicher Kunstbeauftragter in Berlin. Ende der 1980er-Jahre war er als Erzieher ans Aloisiuskolleg geschickt worden – und mit dem damaligen Leiter aneinandergeraten. Dessen „voyeuristisches Auge der Pädophilie“ offen zu enttarnen, dazu habe er als junger Frater damals weder die Erfahrung noch die Macht gehabt. Erst heute habe er den Mut, die Skandalbilder mit ihrer „kinderpornografischen Funktion“ als Produkte „monströser Unkeuschheit“ zu bewerten. „Die Kinder wurden zum Objekt degradiert.“ Ihnen seien alle Rechte genommen worden.

Die Jungen auf den zahllosen Fotos seien immer arrangiert gewesen, oft in einer schwülen, dunklen Stimmung, analysiert Pater Roers im Nachhinein sogar nur anhand von Bildern, die damals in den Kollegsheften landeten. Die Posen, das erzwungene spitzbübische Lächeln, der nach vorn geneigte Kopf, seien durchweg die gleichen gewesen. „Das Lächeln der Jungen wirkt zuweilen gedrückt. Hauptsache, das Hinterteil des Kindes kommt in den erotisch aufgeladenen Blick des Fotografen“, so Pater Roers. Keine Mutter der Welt würde ihr Kind so fotografieren. Pädosexuelle Täter genössen es, wehrlose Wesen zu unterwerfen. „Schon der Akt der Ablichtung ist in diesem Fall ein Missbrauch klerikaler Macht.“

Das sehen auch die Sprecher des Eckigen Tischs, der Gruppe der an Jesuitenschulen von Missbrauch Geschädigten, so. „Es gibt keinen Grund, warum sich ein Erwachsener Nacktfotos fremder Kinder besorgt oder sie selbst macht, als dass er sich dabei befriedigt. Und das auf Kosten der Kinder, die ja gar keine Worte dafür haben“, sagt Heiko Schnitzler. Jedes Kind bezahle psychisch dafür, so erniedrigt worden zu sein, wenn es das Erlebte nicht aufarbeiten könne. Ob diese Bilder dann legal oder illegal seien? „Unrechtsfotos sind allemal illegal, und das darf uns nicht egal sein“, betont Schnitzler.

Leider würden derzeit immer noch die Rechte der Produzenten und Nutzer von Nacktbildern höher geschätzt als das Rechtsgut, das verletzt werde, nämlich die Menschenwürde der dargestellten Kinder, ergänzt Matthias Katsch ebenfalls für den Eckigen Tisch. „Auch das Material, das von Sebastian Edathy mit einer gewissen zynischen Frechheit als legal bezeichnet wird, ist grenzverletzend, es ist bereits ein Missbrauch der Scham- und Selbstwertgefühle, der Würde dieser Kinder und Jugendlichen.“

Nicht nur bei heute so eingeschätzter Kinderpornografie, sondern auch beim gezielten Fotografieren von nackten Kindern handle es sich um massive Übergriffe und seelische Verletzungen, bestätigt Psychotherapeutin Wilma Wirtz-Weinrich von der Bonner Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt, mit der das Aloisiuskolleg seit 2010 kooperiert. „Die Kinder erleben Gefühle wie Scham, Ohnmacht und Kontrollverlust.“ Und für all das müssten sie sich danach eine Überlebensstrategie zusammenbasteln.

Die beiden Jungen von der Kollegswiese wissen nur zu gut, was das bedeutet. „Was bleibt, ist Misstrauen und eine Unfähigkeit zur Nähe. Nicht nur bei mir“, sagt der eine. Dem anderen hat das Ganze keine Ruhe mehr gelassen. Zumal ihm der damalige Internatsleiter, als der Skandal aufflog, unter Druck einen, wie er es wertet, scheinheiligen Entschuldigungsbrief über „die unselige Geschichte“ schrieb. Überhaupt nur zwei der damaligen Fotos seien „durch den Stellungswechsel im Park“ gut geworden, habe darin auch noch zweideutig gestanden. Nach dem Tod des Mannes erkämpfte der Ex-Schüler sich dann mit einem anderen Betroffenen den Weg ins Archiv der Jesuiten. Er wollte unbedingt sehen, ob „seine“ Nacktbilder noch existierten. Und ob sie nicht doch pornografisch waren. Es ging ihm um den würdigen Umgang mit Unrechtsbildern, ja gegebenenfalls auch um die Möglichkeit, das Ganze therapeutisch aufarbeiten zu können.

Und dann saß er, der immer noch die Grashalme spürte, auf denen er als Elfjähriger posieren musste, vor Kisten voller Bilder und schweren Alben, aus denen offensichtlich Fotos entfernt waren. Und er blickte in die Gesichter bestimmter „Lieblinge“ des damaligen Internatsleiters. „Nichts Explizites oder Genitales – wohl keine Pornografie, aber dennoch meines Erachtens alles schwere Übergriffe, zu oft freizeitlich getarnt.“ Einfach nicht mehr vergessen könne er die Fotoserien von Kindern im Bademäntelchen, abends im herbstlichen Park. Kinder, die nicht glücklich aussahen, wehrlos und frierend. Was machten diese Kinder dort? Was war vor und nach dem Fotografieren passiert? Warum mussten die Kleinen dort allein sein? Wie kam dieser kranke Mann dazu, sie so abzulichten?

Er habe einen Großteil seiner Internatsfreunde auf diesen Bildern erkannt, schreibt der ehemalige Schüler. „Wenn ich an diese Bilder denke, kocht die Wut in mir hoch, und ich muss gegen Tränen kämpfen. Ich fühle mit diesen Kindern, weil ich ihre Ohnmacht kenne und sie selbst noch heute spüren kann.“ Schließlich hielt er dann ein Bild der Serie von der Kollegswiese in Händen. Die Knie wurden ihm weich. „Es zeigte unsere Gesichter, wir lagen auf dem Bauch und lächelten in die Kamera. Zwei nette, hübsche, freundliche, aber vor allem unschuldige Kinder.“ Das Perfide, das alle, die die Bilder geprüft hatten, nicht wussten, war: „Wir lagen ja damals zu diesem Zweck nackt auf der Wiese hinter dem Internat.“ Wo waren also die anderen Bilder dieser schwarzen Serie? Wer sagte ihm, dem Betroffenen, dass sie nicht pornografisch waren? Wer ließ sich überhaupt auf eine Diskussion darüber ein?

Auf Anfrage von Christ&Welt gibt Pater Johannes Siebner, der heutige Rektor des Aloisiuskollegs, sichtlich beeindruckt von der aktuellen Debatte über Kindernacktfotos, bereitwillig Antwort. „Wir sind selber durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen.“ Ja doch, es habe eine Verharmlosung als Abgrenzung von „richtigem“ Missbrauch gegeben, die das Kolleg heute nicht mehr so vornehmen würde. „Auch solche Posing-Bilder sind eindeutig Missbrauch“, sagt Pater Siebner zu dem, was der Ordensbruder in den 1980er-Jahren wehrlosen Kindern antat. Die Unterscheidung verschiedener Kategorien möge zwar strafrechtlich geboten sein. „Aus Sicht der betroffenen Kinder muss jedoch klar sein, dass es sich in all diesen Fällen um Missbrauch und um erhebliche Grenzüberschreitungen handelt.“

Dann gibt der heutige Rektor zu bedenken, dass, wenn der Fokus in der laufenden Diskussion um Gesetzesverschärfungen nur auf die kommerzielle Verwertung gelegt werde, Fälle wie die damals am Aloisiuskolleg ja auch weiterhin außen vor bleiben müssten. Das sei doch sicher nicht im Sinne der Kinder. Was bestimmt auch die beiden ehemaligen Schüler von der Kollegswiese nicht gutheißen würden. Wie entfuhr es einem der beiden, als er sich und den Kameraden nach Jahrzehnten plötzlich doch noch auf einem der Bilder im Archiv entdeckte? „Nie waren Kinder nackter als wir beide damals auf diesen Fotos.“

Erschienen in:
Ausgabe 10/2014
Redakteur:
Ebba Hagenberg-Miliu ()
Thema:
Großaufnahme
Stichworte:
Katholisch, Sexualität

 

 

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