"Ich verbinde mit diesem Buch die Hoffnung, dass die Worte darin ein weite­rer Schritt auf dem Weg sind, der Wahrheit die Ehre zu geben und damit die Macht zu entmachten. Hinter den Stand kann nun keiner mehr zurück. Das ist enorm wichtig. Ich bin sicher, dass der "Unheilige Berg" nun die Gespräche auf eine neue Ebene heben wird. Er ist ein Meilenstein in der Debatte."

Pater Godehard Brüntrup SJ



"Ich glaube, dass Sie ein wichtiges Buch geschrieben haben, gerade auch weil es an manchen Stellen "unbequem" ist."
Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

 

 

"Herausgekommen ist eine genaue und atemberaubende Analyse von Strukturen und „Kulturen“, die den Missbrauch ermöglicht haben. Ein wichtiges, hochaktuelles und spannend zu lesendes Buch!"

Claudia Igney, Vielfalt e. V.

 

 

„Es gibt nur wenige, so wie Ebba Hagenberg-Miliu, die sich dem Thema stellen und langfristig dran bleiben. Mögen aus solchen Büchern einmal Bestseller werden!"
Norbert Denef, Vorsitzender von netzwerkB

 

 

„Dieses Buch ist ein Baustein für das Projekt einer ge­samtgesellschaftlichen Aufarbeitung der Gewalt gegen Kinder und des Missbrauchs von Kindern."

Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tischs

 

 

"Das vorliegende Buch ist ein Meilenstein der Aufklärung über die Miss­brauchsfälle am Aloisiuskolleg. Ohne die Betroffenen, die darin sprechen, ist die weitere Aufarbeitung nicht möglich. "

Heiko Schnitzler, Geschäftsführer des Eckigen Tischs

 

 

 

"Das Buch vermittelt im Unterschied zu den wissenschaftlichen Studien über den Missbrauch am Aloisiuskolleg die Ich-Perspektive der Betroffenen. Es wird bei uns im Haus eine gewichtige Rolle spielen. Es gibt keinen Schlussstrich. Für mich ist es eine Wunde, dass sich nur der frühere AKO-Rektor Pater Theo Schneider als Autor verweigert hat."

Pater Johannes Siebner SJ, AKO-Rektor

 

 

 

"Herzlichen Glückwunsch zu der Herausgeber-Leistung und auch der Gesamtleistung der  Jahre seit 2010."

Pater Klaus Mertes SJ

 

 

 

 

“Das Buch ist die erste Tat einer wirklich gerechten Aufarbei-

tung. Erstmals werden Missbrauchsopfer, die Politik und die Institution, an der sich die Taten abspielten, an einem Ort zusammengeführt, der für jeden zugänglich ist: in einem Buch für jedermann.”

Simon Kolter, 15, Chefredakteur der Schülerzeitung des Aloisiuskollegs

 

 

 

"Der "Unheilige Berg" ist ein Pionierwerk, das detailliert  Machtmissbrauch an einer deutschen Schule beschreibt."

Anselm Neft, Schriftsteller

 

 

 

„Ich finde, dass es ein großartiges Buch geworden ist.
Besonders die "Breite" der Autorinnen und Autoren beeindruckt mich und zeigt, wie gut Sie als Interviewpartnerin angenommen worden sind und in welchem Umfang Ihre journalistische Arbeit anerkannt ist."

Professor Arnfried Bintig

 

 

 

"In "Unheiliger Berg" wird der Machtmiss-brauch am Ako aus allen Perspektiven analysiert: von Betroffenen und Angehörigen, Mitschülern, Vertretern von Schule, Internat und Orden, von Politik, Justiz und Opferschutz."

Bettina Köhl, General-Anzeiger Bonn

 

 

 

"Ein hervorragendes Buch hat die Bonner Kollegin Ebba Hagenberg-Miliu da herausgegeben: Da kann man viel darüber lernen, wie im Jesuitenorden mit dem Thema umgegangen wurde und wird."

Christoph Fleischmann, Journalist

 

 

 


"... Wie sehr die Opfer auch Jahre nach dem Missbrauch noch lei-

den, hat gerade erst ein neu erschienenes Buch mit dem Titel „Unheiliger Berg“ eindrücklich dar-

gelegt."

Walter Bau, WAZ

 

 

 

 

"Das Ergreifende auf 288 Seiten sind die Darstellungen ehemaliger Opfer und ihrer Angehörigen. Ihre Scham vor Entdeckung auf der einen Seite und die perfide Vorgehensweise insbesondere des ehemaligen Schulleiters, um sich seinen Opfern anzunähern."

Philipp Königs, Bonner Rundschau

Artikel der Herausgeberin

General-Anzeiger Bonn, 6. Dezember 2017

Orden entschuldigt sich erst nach 57 Jahren

 

06.01.2017 BONN. 1959 missbrauchten Geistliche der Redemptoristen einen elfjährigen Jungen. Das Opfer klagte vergeblich vor Gericht. Erst jetzt hat der Orden sich offiziell bei Beckmann entschuldigt.

 

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Es sind vor allem die nächtlichen Gerüche von Schweiß und Sperma, die Dieter Beckmann auch Jahrzehnte nach den Missbrauchstaten nicht mehr loslassen. Es sind diese widerwärtigen Geräusche von Männern, die ihm, dem damals Elfjährigen, Gewalt antaten. Es ist dieser Spalt Licht einer immer nur kurz geöffneten Tür, aus der nie Rettung kam. „Die haben mich als Opfer betrachtet, das sie jede Nacht aufs Neue abriefen“, sagt Beckmann tonlos.

 

„Die“ – das waren Täter aus dem Kreis des Redemptoristenordens, die in den Sommerferien 1959, als die Anlage des Collegiums Josephinum von Schülern leer war, jede Nacht über das in der Stadt fremde Kind herfielen, „Ich war denen ausgeliefert“, sagt Beckmann. „Wenn sie mich penetrierten, habe ich mich starr gestellt.“ Um danach verzweifelt Mutters Nivea-Creme auf die Wunden zu streichen. Erst jetzt hat der Orden sich offiziell bei Beckmann entschuldigt.

 

Aber wie kam ein katholischer Junge aus dem Raum Osnabrück an diesen Ort des Schreckens? Durch Jugendpater L., der habe ihn von seinen frommen, armen Eltern „im Bully“ auf kostenlose Sommerferien abgeholt, erklärt Beckmann. Er spricht von einem damals überregional bekannten „Zauberpater“, der in der Jugendhilfe sehr aktiv war und vor seinem Tod 1999 sogar noch das Bundesverdienstkreuz bekam. Pater L. habe ihn in jenen Sommer mit Zwang in Bonn gehalten.

 

„Es war so dunkel, wenn auch die anderen, noch aggressiveren kamen. Ich sah ihre Gesichter nicht“, sagt der heute 68-Jährige bitter. Über Jahrzehnte verschloss er sich. Und dann, als 2010 der Missbrauchsskandal ausbrach, nahm ihm der Orden seine Leidensgeschichte nicht ab, bis vor ein paar Wochen nicht. Denn in den Akten fand sich keine staatsanwaltschaftliche Untersuchung und keine Anklage gegen Pater L.

 

2013 hatte der GA schon einmal über den Fall berichtet. Da hatte Beckmann mit Mitgliedern des Vereins „Missbrauchsopfer Josephinum und Redemptoristen“ vor dem Landgericht Bonn dafür demonstriert, endlich gehört zu werden. „Wir sind nicht verjährt“, stand auf den Transparenten. „Ich will nicht mehr Opfer im Dunkeln sein, sondern Handelnder“, hatte der pensionierte Lehrer dem GA damals gesagt. Zuvor hatte er Strafanzeige gegen Pater L. gestellt. Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte das Verfahren wegen Verjährung eingestellt.

 

2013 klagte er auf ein Schmerzensgeld von symbolischen 5001 Euro – vergeblich. Denn im Landgericht habe der Ordensvertreter rundweg abgestritten, dass auch nur ein Junge 1959 die Sommerferien in den Räumlichkeiten des Collegiums Josephinum verbracht habe, so Beckmann. „Auch nach über 50 Jahren war ich erneut das Opfer.“

 

Drei Jahre lang hat er seither keine Ruhe gelassen. „Wer die Raubtiere loslässt, muss sich auch dafür verantworten“, war seine Devise. Dann trat Günter Niehüser, der neue Missbrauchsbeauftragte des Ordens, auf den Plan und las die Akten gegen den Strich. Und siehe da: Die Beweisdokumente waren alle da. „Die Akten legten durchaus die Glaubwürdigkeit der Erinnerungen von Herrn Beckmann nahe“, sagt Niehüser im Gespräch mit dem GA.

 

Sylvia Witte, Vorsitzende des Opfervereins, wird deutlicher: Es lasse sich beweisen, dass sich im Sommer 1959 sehr wohl von Patres eingeladene Jungen auf dem Bonner Gelände befanden. Und dass Pater L. ein auffälliges Pädophilen-Profil aufwies. Ein Gutachter habe gewarnt und geraten, ihm den Umgang mit Jungen zu untersagen. Doch im Orden habe niemand die Notbremse gezogen.

 

„Herr Niehüser hat das Schleusentor geöffnet, sodass der Ordensprovinzial mir vor Kurzem endlich glaubte und sich bei mir entschuldigte“, freut sich Beckmann. Was Ordensprovinzial Pater Johannes Römelt dem GA bestätigt. „Ich bin sehr froh über die Entwicklung und dass Herr Beckmann meine Entschuldigung angenommen hat.“ Rein juristische Aufarbeitung schlage meist fehl. „Und es tut mir leid, dass es so für Herrn Beckmann noch viel schwerer geworden ist“, so Pater Römelt. Aber es hätten sich gute Gespräche daraus entwickelt. Dafür danke er auch dem Opferverein.

 

Dieter Beckmann hat Depressionen hinter sich. Ihn quälten Bindungsangst und Sinnkrisen. Erst seine Tochter hat Licht in sein Leben gebracht. Sie hat ihm jetzt auch zur Seite gestanden. Beckmann schluckt. Und dankt auch den anderen Betroffenen. „Für uns ist es mit das Wichtigste, sowohl als glaubhafte Zeugen angesehen zu werden als auch die eigene, lange verdrängte Geschichte mit beweisbaren Fakten aus dem Leugnen zu heben“, sagt Winfried Ponsens, Absolvent des Collegiums Josephinum.

 

Sylvia Witte fordert Konsequenzen: dass die Ordenskonferenz eine unabhängige Studie zum Missbrauch in allen Einrichtungen startet. „Und es müssen eindeutige Standards für Missbrauchsbeauftragte festgeschrieben werden.“

 

Foto: Dieter Beckmann als Kind in seinem Heimatort mit Verwandten, etwa im Jahr der Taten (privat)

 

Missbrauch durch Redemptoristen

Bislang hatten die vom Redemptoristenorden in Auftrag gegebenen Aufklärungsberichte 28 Missbrauchsfälle an ehemaligen Internatsschülern hauptsächlich des Bonner Collegium Josephinum und der Ordensschule in Glanerbrück bei Gronau zu Tage gebracht. Es ging um juristisch verjährte Taten aus der Zeit von 1949 bis 1968 und vereinzelt bis in die achtziger Jahre. 16 Patres waren im Visier. Der Fall Dieter Beckmann betritt Neuland: Hier dürfte ein Junge missbrauchst worden sein, der nur in den Ferien Gast im damaligen Bonner Ordensinternat war. Der Betroffenenverein bittet mögliche weitere Opfer oder Zeugen um Kontaktaufnahme:

https://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Orden-entschuldigt-sich-erst-nach-57-Jahren-article3441271.html

Beckmann. 2017-01-06_Abendausgabe_Seite_
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Reaktionen:

 

Günter Niehüser, der Präventionsbeauftragte des Redemptoristenordens:
"Mit einem solchen Beitrag würdigen Sie nicht nur das Leiden von Herrn Beckmann und vielen anderen, sondern geben auch Orden den Mut, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

 

Angelika Oetken, Berlin: 

 

"Danke für diesen wieder einmal sehr guten Bericht . Ich bewundere die Redemptoristenopfer für ihre Nervenstärke und dass sie im passenden Moment immer die richtigen Worte finden.

Was mir persönlich sehr weh tut, ist, wenn Betroffene davon berichten, dass sie davon ausgehen, man habe ihnen nicht geglaubt. Das allein auch nur anzunehmen, kostet viel seelische Energie... Wer nicht ganz weltfremd ist, kann sich ausrechnen, dass die Tradition der beschriebenen Form der Missbrauchskriminalität, nämlich die Absprache zum gemeinschaftlichen Kindesmissbrauch, lange fortbestand... Alles, was in der Hinsicht angeschoben wurde, geschah als Reaktion auf äußeren Druck. Es waren die Opfer des Ordens und die Medien, die ihn erzeugt haben, mit einer zu Recht empörten Öffentlichkeit im Rücken. Wer es gut mit Kindern meint, sorgt für HelferInnen, die wissen, dass wirksamer Kinderschutz das Ergebnis von Erkenntnis- und Veränderungsprozessen ist."

 

 

 

 

 

 

Rezension im General-Anzeiger Bonn, 10. Dezember 2016

 

Katholische Paralleljustiz?

Die Kölner Journalistin Eva Müller dürfte mit ihrem neuen Buch „Gottes Richter“ die Diskussion um die  internen Gerichte der Katholischen Kirche befeuern

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

Ob kirchliche Kritiker wieder schäumen werden über Eva Müllers zweites Buch „Richter Gottes“? So wie beim ersten Titel „Gott hat hohe Nebenkosten. Wer wirklich für die Kirchen zahlt“ von 2013. Den hatten Rezensenten für die Katholische Kirche wie der Duisburger Professor Bruno W. Nikles in Caritas-Medien als „Rundumschlag gegen die Kirchen“ und voreingenommene ideologische „Stimmungsmache“ beschimpft. Selbst Kölns evangelischer Kirchensprecher Günter A. Menne hatte der freien Journalistin aus der Domstadt vorgeworfen, „pauschal vorgebrachte Schelte“ an den Kirchen und ihren Umgang mit ihren Arbeitnehmern zu betreiben. Das Fachbuch, das den Fall der geschiedenen Leiterin eines Bonner katholischen Kindergartens in den Fokus stellte (der GA berichtete), stand über Wochen ganz oben auf den Bestsellerlisten. Müller heimste für ihre Recherche über die Kirchen als Arbeitgeber reihenweise renommierte Journalistenpreise ein – und nervt nun bestimmte kirchliche Kreise seit einem Jahr schon wieder.

 

Denn schon im Rahmen zweier ARD-Berichterstattungen des WDR hatte sich Müller seit November 2015 unter dem Motto „Richter Gottes“ die so gut wie unbekannte Welt der katholischen Kirchengerichte vorgeknüpft, in denen auch Fälle wie der der Bonner Kindergärtnerin in neuer Beziehung geprüft wurden. Müllers nun druckfrisches Buch mit dem Untertitel „Die geheimen Prozesse der Kirche“ setzt bei diesen brisanten Sendungen an, die bundesweit viel Wirbel auslösten (der GA berichtete), und führt die Ereignisse weiter bis August 2016 aus. Und siehe da: Der, wie selbst ihre schärfsten Kritiker meinen, in Talkshows zuerst so sympathisch auftretenden 37-Jährigen ist mit „Richter Gottes“ wieder ein flott geschriebenes und gleichzeitig engagiertes Stück investigativer Journalismus gelungen.

 

Müller hat sich daran gemacht, Einblick in ein, wie sie es empfindet, paralleles Justizsystem mitten in Deutschland, aus dem kaum etwas nach außen dringe, zu finden. Sie trifft dort auf richtig sympathische Mitmenschen – und dann irgendwann aber auf ein erschreckendes Labyrinth an aufwendigen Verfahren, die Katholiken aus Angst um ihre Jobs in konfessionellen Kindergärten, Krankenhäusern oder Schulen irgendwann einmal auf sich genommen haben. An Beispielen liebender Paare führt Müller plastisch vor, wie weit, wie absurd Gläubige dort von Kirchenrichtern vernommen, Freunde, Nachbarn oder Familienmitglieder als Zeugen befragt und Psychologen und Priester um Gutachten gebeten werden, so ihre Deutung. „Denn bis heute gilt: Wer katholisch getraut ist und eine neue Beziehung eingeht, verstößt gegen Kirchenrecht – und riskiert seinen Job“, sagt Müller. Der einzige Ausweg: eben ein „Ehenichtigkeitsprozess“ vor dem Kirchengericht. Um den zu verstehen, sucht Müller auch den Bonner Professor Norbert Lüdecke auf. Und der Kirchenrechter liefert glasklare Fakten: Wer arbeitsrechtliche Konflikte vermeiden wolle, komme um diese Prozesse auch heute nicht herum.

 

So weit, so letztlich für den unbedarften Leser bizarr und für die Betroffenen schmerzhaft. Müller berichtet aber in parallelen Erzählsträngen auch hautnah über kirchliche Strafprozesse. „Der Fall des Pfarrers Peter R., des mutmaßlichen Haupttäters im Missbrauchsskandal am jesuitischen Berliner Canisius-Kolleg, zeigt, wie das Nebeneinander von zwei Rechtssystemen in Deutschland mögliche Missbrauchstäter im schlimmsten Fall sogar vor Strafen schützt“, erläutert die Journalistin. Wie berichtet, war der heute unbehelligt wieder in Berlin lebende 74-Jährige stillschweigend ins Bistum Hildesheim abgeschoben worden – wo er, wie Müller nachweist, mehrfach wieder übergriffig wurde. Die staatliche Justiz blieb wieder außen vor. Und noch nicht einmal das Opfer wurde informiert oder gar angehört, als 2012 ein internes Kirchengericht den Mann wegen sexueller Handlungen an einer einzigen minderjährigen Person zu nur 4.000 Euro Geldstrafe verurteilte.

 

Da kann Eva Müller nun in ihrem Buch Neues berichten. Erst einmal die niederschmetternde Tatsache, dass in Bischofs Trelles Bistum nicht nur die Minderjährige Opfer des Mannes geworden sei, sondern offensichtlich Jahre zuvor auch deren Mutter. Müller führt aber auch aus, dass die Katholische Kirche nun einen weiteren kirchlichen Strafprozess gegen ihren Pfarrer in Berlin vorbereite, an den auch seine Canisius-Opfer hohe Erwartungen knüpfen. „Der Täter muss endlich sichtbar und klar aus seinem Amt entfernt werden, der Schutz der Institution muss ihm entzogen werden“, kommentiert etwa der ehemalige Canisius-Schüler Matthias Katsch das angekündigte Verfahren in Müllers Buch.

 

Die Neuerscheinung „Richter Gottes“ dürfte wieder harte Kost für alle sein, die der Römisch Katholischen Kirche nahe stehen und gerade an die Strahlkraft des aktuellen Papstes glauben. Das Buch dürfte aber auf jeden Fall reichlich Stoff für kontroverse Diskussionen bieten: Eine gestandene Journalistin wie Eva Müller wird`s freuen.

 

Im Handel erhältlich: Eva Müller, Richter Gottes. Die geheimen Prozesse der Kirche, Kiepenheuer & Witsch 2016, 14,99 Euro

 

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/Katholische-Paralleljustiz-article3426441.html

 

 

Eva Müller. 2016-12-10_Boulevard__Journa
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29.01.15  Artikel im General-Anzeiger Bonn

 

28.01.15   Nachrichtenagentur epd

Die Kindheit auf einem speckigen Sofa verloren
Vor fünf Jahren wurde der Missbrauchsskandal an kirchlichen Schulen bekannt
Foto: Ebba Hagenberg-Miliu
Bonn, München (epd). Am 28. Januar 2010 wurde am Berliner Canisiuskolleg der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch an Schülern bekannt. Bundesweit müssen sich Jesuitenschulen sowie die Odenwaldschule ihrer Vergangenheit stellen. Opfergruppen sehen diesen Prozess kritisch.

Vor fünf Jahren hat der Mann sich eingestanden, an seiner Jesuitenschule missbraucht worden zu sein. "Ich habe mich, meine Kindheit und meinen Glauben auf einem speckigen Sofa eines Paters im Bonner Aloisiuskolleg verloren." Der Mann ist über 60, gut situiert, mit Familie. Noch jetzt leidet er an seinem Trauma. Er hat seine Schule seither nicht wieder betreten. Er hat seine Geschichte 2014 im Sammelband "Unheiliger Berg" aufgeschrieben. Und er fand Hilfe beim Eckigen Tisch, der Gruppe Betroffener an Jesuitenschulen.

Der Rektor des Berliner Canisiuskollegs, Pater Klaus Mertes, war es, der die bundesweite Debatte über Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an Schulen angestoßen hatte. In einem Brief an rund 500 ehemalige Schüler vom 20. Januar 2010 gab er zu, dass es zwischen 1975 und 1983 mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs an dem Jesuiten-Gymnasium gab. Am 28. Januar berichtete die "Berliner Morgenpost" über den Mertes-Brief.

Der Bonner Sprecher der Gruppe, Heiko Schnitzler, zieht fünf Jahre danach ein kritisches Fazit. "Alles musste von uns eingefordert werden. Bei Berichten und Büchern haben die Betroffenen den Löwenanteil beigetragen. Was schmerzt: Heute lebt ein Beschuldigter unbehelligt unter ausländischer Sonne." Und mindestens ein verantwortlicher Jesuit und Mitwisser des Bonner Aloisiuskollegs arbeite in gehobener Stellung, nur versetzt an einen anderen Ort, ohne Rechenschaft abzulegen, wirft er dem Jesuiten-Orden vor.

"Dazu hat der Orden Hunderte anstößiger Kinderfotos, die ein Pater schoss, vernichtet, ohne die Abgelichteten zu informieren", kritisiert Schnitzler. Vom Aloisiuskolleg gebe es immerhin Signale zum Eckigen Tisch. Inzwischen erwarteten auch heutige Schüler, Altschüler, Eltern und Geldgeber, dass sich der Orden mit Empathie und Tatkraft um die Opfer kümmern möge. "Der aber behandelt uns weiter wie Bittsteller und bewegt sich aktiv nicht auf uns zu."

Das sieht Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle anders. "Der Prozess der Aufklärung ist weit vorangekommen und mit vier Untersuchungsberichten umfassend dokumentiert." Es habe zahlreiche persönliche Kontakte zwischen Betroffenen und Verantwortlichen des Ordens gegeben. "Das Gesprächsangebot der Ordensleitung besteht auch weiterhin." Etwa die Hälfte der ihm bekanntgewordenen Opfer habe eine Zahlung von 5.000 Euro "als Zeichen der Anerkennung des Leids" angenommen. Der Orden habe Therapien finanziert. "Und unsere Kollegien in Berlin, Bonn und St. Blasien haben detaillierte Präventionsprogramme umgesetzt."

Der Jesuitenorden ernannte im vergangenen Jahr einen neuen Ansprechpartner für Missbrauchsopfer. Der Berliner Soziologe und psychotherapeutische Heilpraktiker Marek Spitczok von Brisinski trat die Nachfolge der bisherigen Beauftragten Ursula Raue an. Raue, die bereits seit 2007 als Beauftragte tätig war, hatten Opfergruppen zu spätes Handeln vorgeworfen.

Die Diskrepanz zwischen der Sicht der Institution und den Betroffenen besteht heute auch an der reformpädagogischen Odenwaldschule im hessischen Heppenheim. Deren Sprecherin Gertrud Ohling von Haken weist auf strukturelle Verbesserungen sowie die Stiftung "Brücken bauen" hin. Diese zahle den Betroffenen Beträge zwischen 4.000 und 20.000 Euro aus. Zudem habe man mit dem Betroffenenverein Glasbrechen eine unabhängige Untersuchung der Fälle in Auftrag gegeben.

Diese Zuversicht kann wiederum Adrian Koerfer, Vorsitzender von Glasbrechen, nicht teilen. Es laufe ein "zäher, manchmal aberwitziger Kampf" ab. Es habe durchaus gutmeinende Kräfte in der vormaligen Schulleitung und im Umkreis gegeben, die mit den Betroffenen zukunftsorientiert gearbeitet hätten. Doch aktuell "herrscht dort ein autoritäres Regime ohne Verwurzelung im eigenen Verein, ohne Respekt vor den Belangen und der Traumatisierung der Opfer, ohne Wahrnehmung der politischen, progressiven Kräfte um es herum, ohne Demokratieverständnis".

Norbert Denef vom Verein "netzwerk B", ein weiterer Verein für Betroffene innerhalb der katholischen Kirche, zieht auch für den unabhängigen Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Röhrig, negative Bilanz. "Es wird an Runden Tischen geredet und viel Papier erzeugt - geändert hat sich für die Betroffenen nicht wirklich etwas."

Man wage sich nicht daran, Schluss mit dem Täterschutz zu machen, Verjährungsfristen würden nicht aufgehoben. Melde- und Anzeigepflicht gebe es nicht. "Nach wie vor wird verschwiegen, verleugnet und vertuscht. Also, außer Spesen nichts gewesen", kritisiert Denef. Röhrig selbst wird sich am fünften Jahrestag, also am 28. Januar, in einer Pressekonferenz in Berlin zu Wort melden.

Von Ebba Hagenberg-Miliu


27.12.14   General-Anzeiger Bonn, Wochenend-"Journal"

Die Schlauen Jungs des Papstes

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Die Geschichte von Pater Marco Hubrig passt wunderbar ins aktuelle Jubiläumsjahr des Jesuitenordens ...


Bonn, München (epd). Am 28. Januar 2010 wurde am Berliner Canisiuskolleg der jahrzehntelange sexuelle Missbrauch an Schülern bekannt. Bundesweit müssen sich Jesuitenschulen sowie die Odenwaldschule ihrer Vergangenheit stellen. Opfergruppen sehen diesen Prozess kritisch.

Vor fünf Jahren hat der Mann sich eingestanden, an seiner Jesuitenschule missbraucht worden zu sein. "Ich habe mich, meine Kindheit und meinen Glauben auf einem speckigen Sofa eines Paters im Bonner Aloisiuskolleg verloren." Der Mann ist über 60, gut situiert, mit Familie. Noch jetzt leidet er an seinem Trauma. Er hat seine Schule seither nicht wieder betreten. Er hat seine Geschichte 2014 im Sammelband "Unheiliger Berg" aufgeschrieben. Und er fand Hilfe beim Eckigen Tisch, der Gruppe Betroffener an Jesuitenschulen.

Der Rektor des Berliner Canisiuskollegs, Pater Klaus Mertes, war es, der die bundesweite Debatte über Missbrauch von Kindern und Jugendlichen an Schulen angestoßen hatte. In einem Brief an rund 500 ehemalige Schüler vom 20. Januar 2010 gab er zu, dass es zwischen 1975 und 1983 mehrere Fälle sexuellen Missbrauchs an dem Jesuiten-Gymnasium gab. Am 28. Januar berichtete die "Berliner Morgenpost" über den Mertes-Brief.

Der Bonner Sprecher der Gruppe, Heiko Schnitzler, zieht fünf Jahre danach ein kritisches Fazit. "Alles musste von uns eingefordert werden. Bei Berichten und Büchern haben die Betroffenen den Löwenanteil beigetragen. Was schmerzt: Heute lebt ein Beschuldigter unbehelligt unter ausländischer Sonne." Und mindestens ein verantwortlicher Jesuit und Mitwisser des Bonner Aloisiuskollegs arbeite in gehobener Stellung, nur versetzt an einen anderen Ort, ohne Rechenschaft abzulegen, wirft er dem Jesuiten-Orden vor.

"Dazu hat der Orden Hunderte anstößiger Kinderfotos, die ein Pater schoss, vernichtet, ohne die Abgelichteten zu informieren", kritisiert Schnitzler. Vom Aloisiuskolleg gebe es immerhin Signale zum Eckigen Tisch. Inzwischen erwarteten auch heutige Schüler, Altschüler, Eltern und Geldgeber, dass sich der Orden mit Empathie und Tatkraft um die Opfer kümmern möge. "Der aber behandelt uns weiter wie Bittsteller und bewegt sich aktiv nicht auf uns zu."

Das sieht Jesuitenprovinzial Pater Stefan Kiechle anders. "Der Prozess der Aufklärung ist weit vorangekommen und mit vier Untersuchungsberichten umfassend dokumentiert." Es habe zahlreiche persönliche Kontakte zwischen Betroffenen und Verantwortlichen des Ordens gegeben. "Das Gesprächsangebot der Ordensleitung besteht auch weiterhin." Etwa die Hälfte der ihm bekanntgewordenen Opfer habe eine Zahlung von 5.000 Euro "als Zeichen der Anerkennung des Leids" angenommen. Der Orden habe Therapien finanziert. "Und unsere Kollegien in Berlin, Bonn und St. Blasien haben detaillierte Präventionsprogramme umgesetzt."

Der Jesuitenorden ernannte im vergangenen Jahr einen neuen Ansprechpartner für Missbrauchsopfer. Der Berliner Soziologe und psychotherapeutische Heilpraktiker Marek Spitczok von Brisinski trat die Nachfolge der bisherigen Beauftragten Ursula Raue an. Raue, die bereits seit 2007 als Beauftragte tätig war, hatten Opfergruppen zu spätes Handeln vorgeworfen.

Die Diskrepanz zwischen der Sicht der Institution und den Betroffenen besteht heute auch an der reformpädagogischen Odenwaldschule im hessischen Heppenheim. Deren Sprecherin Gertrud Ohling von Haken weist auf strukturelle Verbesserungen sowie die Stiftung "Brücken bauen" hin. Diese zahle den Betroffenen Beträge zwischen 4.000 und 20.000 Euro aus. Zudem habe man mit dem Betroffenenverein Glasbrechen eine unabhängige Untersuchung der Fälle in Auftrag gegeben.

Diese Zuversicht kann wiederum Adrian Koerfer, Vorsitzender von Glasbrechen, nicht teilen. Es laufe ein "zäher, manchmal aberwitziger Kampf" ab. Es habe durchaus gutmeinende Kräfte in der vormaligen Schulleitung und im Umkreis gegeben, die mit den Betroffenen zukunftsorientiert gearbeitet hätten. Doch aktuell "herrscht dort ein autoritäres Regime ohne Verwurzelung im eigenen Verein, ohne Respekt vor den Belangen und der Traumatisierung der Opfer, ohne Wahrnehmung der politischen, progressiven Kräfte um es herum, ohne Demokratieverständnis".

Norbert Denef vom Verein "netzwerk B", ein weiterer Verein für Betroffene innerhalb der katholischen Kirche, zieht auch für den unabhängigen Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes Wilhelm Röhrig, negative Bilanz. "Es wird an Runden Tischen geredet und viel Papier erzeugt - geändert hat sich für die Betroffenen nicht wirklich etwas."

Man wage sich nicht daran, Schluss mit dem Täterschutz zu machen, Verjährungsfristen würden nicht aufgehoben. Melde- und Anzeigepflicht gebe es nicht. "Nach wie vor wird verschwiegen, verleugnet und vertuscht. Also, außer Spesen nichts gewesen", kritisiert Denef. Röhrig selbst wird sich am fünften Jahrestag, also am 28. Januar, in einer Pressekonferenz in Berlin zu Wort melden.

Von Ebba Hagenberg-Miliu


Jesuiten 27_12_2014_vs_58_d605e5c7e7.pdf
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General-Anzeiger Bonn, 02.08.14, Portrait, Politik, S. 2

Ursula Raue
Rechtsanwältin schied aus Amt der Missbrauchsbeauftragten der Jesuiten

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Es war letztlich ein Feuerstuhl, auf dem Ursula Raue sieben Jahre saß und von dem sie am Freitag verabschiedet wurde. Die Berliner Rechtsanwältin und Mediatorin war 2007 zur "Beauftragten des Ordens für Fälle sexuellen Missbrauchs" ernannt worden.
http://www.general-anzeiger-bonn.de/img/incoming/orig381356/2300004651/710183-1.jpg
Lange unter Beschuss: Ursula Raue. Foto: Ronald Friese

Provinzial Pater Stefan Kiechle dankte ihr " für ihr ebenso sensibles wie professionelles Vorgehen in den Gesprächen sowohl mit Opfern wie auch mit dem Orden. Mit ihrem Bericht im Mai 2010 hat sie die Verbrechen an Schutzbefohlenen in Einrichtungen des Ordens dokumentiert und einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung geleistet."

Die ehemalige Frau des Kunstanwalts Peter Raue hatte sich als Vorsitzende des Juristinnenbundes und Präsidentin der Opferschutzorganisation "Innocence in Danger" für das Amt empfohlen. "Unabhängig war gut, Qualifikation war gut, und Frau war gut", beschrieb Raue, blond, klein, zierlich, 2010 dem GA ihre Eignungsmerkmale.

"Dass ich evangelisch bin, haben die Jesuiten erst später erfragt", fügte sie beim Besuch des Aloisiuskollegs (Ako) keck hinzu. Dass sie im Amt schon bald unter Beschuss geraten würde, unterschätzte sie wohl. Der Missbrauchsskandal hatte längst alle Jesuitenschulen erfasst. Bei Raue stapelten sich die Fälle strafrechtlich relevanter Handlungen an Kindern und Jugendlichen. Im Mai 2010 bestätigte sie im Abschlussbericht sämtliche Fallangaben, forderte weitere Aufklärung - und musste Kritik einstecken.

Die Betroffenengruppe Eckiger Tisch sprach ihr vielfach das Misstrauen aus: Raue stehe auf Seiten der Jesuiten, ja "sie verhöhnt die Opfer", so Sprecher Matthias Katsch. 2011 stellte die Gruppe Strafanzeige gegen sie wegen angeblichen Zugriffs auf pornografisches Fotomaterial und Strafvereitelung.

Die Staatsanwaltschaft Bonn sah freilich keine hinreichenden Anhaltspunkte, und die Jesuitenspitze sprach ihr weiterhin "uneingeschränktes Vertrauen" aus. Sie habe "furchtbare Fehler" begangen, die die Biografien von Opfern verschlimmert hätten, erklärte gestern Heiko Schnitzler vom Eckigen Tisch. "Ihr Wissen um Nacktfotos von Schutzbefohlenen am Ako hätte bereits 2007 Konsequenzen haben müssen.

Warum sie dem Täter Gelegenheit gab, die Beweisfotos zu vernichten, wird sie sich auch weiter fragen lassen müssen", so Schnitzler. Die Verabschiedung Raues sehe er als "längst überfälligen Schritt" an.

"Ja, das war ein Fehler. Ich sah damals in den Fotos keinen Straftatbestand erfüllt", hatte Raue dem GA im Mai 2010 gesagt. Beim damaligen kontroversen Gespräch mit dem Eckigen Tisch in Oberdollendorf war sie sichtbar um Fassung bemüht. Vielleicht war ja auch nie recht geklärt, wie ihre Kompetenzen in Diensten der Jesuiten aussahen.

Und sicher beruhte die Enttäuschung der Opfer auch auf einem Missverständnis: Raue war eindeutig Beauftragte des Ordens. Für ihre Nachfolger, die badische Rechtsanwältin Katja Ravat und den Berliner Diplom Soziologen Marek Spitczok von Brisinski, heißt die Amtsbezeichnung nur noch: Sie seien "Ansprechpersonen für Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch".

Artikel vom 02.08.2014

Ursula Raue: Rechtsanwältin schied aus Amt der ...

 

 

 

 


 

Texte für die Nachrichtenagentur epd, 01.08.14:

 

Jesuitenorden verabschiedet seine Missbrauchsbeauftragte Ursula Raue
Von Ebba Hagenberg-Miliu
 

Foto: Ronald Friese
 
Berlin/München/Bonn. Im Jesuitenorden hat zum 1. August ein Wechsel im Amt des Missbrauchsbeauftragten stattgefunden. Provinzial Pater Stefan Kiechle verabschiedete am Freitagmorgen die bisherige „Beauftragte des Ordens für Fälle sexuellen Missbrauchs“, die Berliner Rechtsanwältin und Mediatorin Ursula Raue. Er berief den Berliner Diplom Soziologen Marek Spitczok von Brisinski zu ihrem Nachfolger.
 
Provinzial Kiechle sprach Raue seinen Dank für ihren langjährigen Einsatz aus. "Wir sind Frau Raue sehr dankbar für ihr ebenso sensibles wie professionelles Vorgehen in den Gesprächen sowohl mit Opfern wie auch mit dem Orden. Mit ihrem Bericht im Mai 2010 hat sie die Verbrechen an Schutzbefohlenen in Einrichtungen des Ordens dokumentiert und einen entscheidenden Beitrag zur Aufklärung geleistet." Raue habe diejenigen unter den von Missbrauch Betroffenen, mit denen sie in Kontakt gestanden habe, selbst über den Wechsel informiert, so Kiechle.
 
Die Deutsche Provinz der Jesuiten habe gleichzeitig das Verfahren in Verdachtsfällen von Missbrauch aktualisiert. In Weiterführung der bis dahin geltenden Richtlinien werde die Aufgabe des "Beauftragten für Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch" neu beschrieben als "Ansprechperson für Hinweise auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen sowie an erwachsenen Schutzbefohlenen durch Ordensangehörige oder Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Ordensgemeinschaft oder in ordensgetragenen Einrichtungen". 
 
Raue habe „furchtbare Fehler“ gemacht, die die Biografien von Opfern noch verschlimmert hätten, erklärte am Freitagmorgen Heiko Schnitzler, Sprecher des Eckigen Tischs, anlässlich des Amtswechsels. „Ihr Wissen um Nacktfotos von Schutzbefohlenen am Bonner Aloisiuskolleg hätte bereits 2007 Konsequenzen haben müssen. Warum sie dem Täter und dem Mitwisser Gelegenheit gab, die Beweisfotos zu vernichten, ohne Betroffene zu informieren, wird sie sich auch weiter fragen lassen müssen“, so Schnitzler. Die Verabschiedung Raues sei also ein für den Orden „längst überfälliger Schritt“. Es bleibe ein Rätsel, warum die Jesuiten ihn nicht längst vollzogen hätten.
 
Ursula Raue, Ex-Ehefrau des prominenten Kunstanwalts Peter Raue, war von 1993 bis 1997 Vorsitzende des Juristinnenbundes und danach Präsidentin der Opferschutzorganisation "Innocence in Danger" gewesen. Als Anfang 2010 der Missbrauchsskandal auch alle deutschen Jesuitenschulen ergriff, sammelte Raue die Fälle strafrechtlich relevanter Handlungen an Kindern und Jugendlichen. Im Mai 2010 bestätigte sie in München an der Seite von Provinzial Pater Stefan Dartmann mit ihrem Aufklärungsbericht die Zahlen: Es habe über 100 Opfer und ein Dutzend Täter an den Jesuitenkollegs gegeben. In der Folge musste sie die Zahlen fortwährend erhöhen. Raue forderte an allen Schulen weitere Aufklärungsbemühungen.
 
Die Betroffenengruppe Eckige Tisch wie auch weitere Opfer sprachen Raue jedoch vielfach ihr Misstrauen aus. Die Missbrauchsbeauftragte stehe auf Seiten der Jesuiten, ja „sie verhöhnt die Opfer“, hießen 2011 Vorwürfe von Matthias Katsch von der Betroffenengruppe Eckiger Tisch. 2011 stellte die Gruppe Strafanzeige auch gegen Ursula Raue wegen angeblichen Zugriffs auf pornographisches Fotomaterial und Strafvereitelung. Die Staatsanwaltschaft Bonn sah dafür zwar keine hinreichenden Anhaltspunkte. Die Jesuitenprovinziale sprachen ihr weiter das „uneingeschränkte Vertrauen“ aus. Doch Raue blieb bis zum Amtswechsel in der öffentlichen Kritik.
 
Als neue „Ansprechperson für Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch“ – so der neue Titel – wurde am heutigen Freitag Marek Spitczok von Brisinski beauftragt. Der 46-Jährige ist Diplom Soziologe, traumazentrierter Fachberater und Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin und seit 2007 hauptberuflich in der Beratung und Unterstützung von Jungen und jungen Männern tätig, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist. Mit dieser Berufung habe der Orden in Zukunft zwei Ansprechpersonen, so Provinzial Kiechle: eine Frau und einen Mann mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund. Seit 2011 steht auch Rechtsanwältin Katja Ravat aus Gundelfingen bei Freiburg als Ansprechpartnerin zur Verfügung.


2.

 

Berlin/München/Bonn. Der Jesuitenorden hat zum 1. August als neue „Ansprechperson für Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch“ Marek Spitczok von Brisinski beauftragt. Der 46-Jährige ist Diplom-Soziologe, traumazentrierter Fachberater und Heilpraktiker für Psychotherapie in Berlin und seit 2007 hauptberuflich in der Beratung und Unterstützung von Jungen und jungen Männern tätig, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist. Mit dieser Berufung habe der Orden, wie es die neuen Leitlinien vorsähen, in Zukunft zwei Ansprechpersonen, so Provinzial Pater Stefan Kiechle: eine Frau und einen Mann mit unterschiedlichem fachlichen Hintergrund. Seit 2011 steht auch Rechtsanwältin Katja Ravat aus Gundelfingen bei Freiburg als Ansprechpartnerin zur Verfügung.

 

 

 

„Meine Aufgabe ist es, Betroffene von sexualisierter Gewalt in ihren Anliegen und Fragen zu unterstützen. In der Aufarbeitung stehen alle Menschen an unterschiedlichen Punkten, haben verschiedene Anliegen und wünschen sich eine Anlaufstelle, die sie als Individuum berücksichtigt“, sagte Spitczok von Brisinski am Freitagmorgen dem epd. Er nehme mit Rechtsanwältin Katja Ravat Anfragen an und leite die nächsten Schritte in Absprache mit den Betroffenen ein. „Wenn gewünscht, werden die Anliegen an den Orden weitergetragen, und wir unterstützen auch bei der Beantragung der Annerkennungszahlungen, die von der Bischofskonferenz vereinbart wurden.“

 


Bei der Prävention sei es wichtig, dass diese wiederholt angeboten werde und vielfältig sei. „Aus der Forschung wissen wir, dass verschiedene Anlaufstellen und vertrauensvolle Ansprechpersonen die Chancen erhöhen, dass sich jemand meldet“, so Spitczok von Brisinski. Allen Menschen stünden natürlich auch die spezialisierten Fachberatungsstellen für sexualisierte Gewalt offen. „Junge Menschen sind heutzutage vielen Herausforderungen auch im sexuellen Bereich ausgesetzt, auch durch die neuen Medien und unterschiedlichsten Formen von emotionaler Vernachlässigung. Sie haben viele Fragen und kaum Erwachsene, die mit ihnen verständnisvoll und sachlich ruhig darüber sprechen.“

 

 

Endlich "einen professionellen Umgang mit den Opfern und keine erneuten Bruch der eigenen Leitlinien“ wünscht sich Heiko Schnitzler, Sprecher der Betroffenengruppe Eckiger Tisch, vom neuen Ansprechpartner des Ordens. „Wir hoffen, dass der neue Amtsinhaber Mut hat, Entscheidungen auch gegen den bezahlenden Orden, aber zum Wohle der Betroffenen zu treffen.“ Damit nicht weiter über den Kopf der Betroffenen entschieden werde wie bei Spitczoks Vorgängerin, der Berliner Anwältin Ursula Raue. „Der Eckige Tisch Bonn steht bei Fragen und für den Dialog gerne zur Verfügung“, so Schnitzler.

 

 

 

 


 

epp, Kriminalität, Kinderpornografie, Missbrauch, Kirchen, INT (01.06.14)

"Ich arbeite heute noch daran, Nähe zuzulassen» -
Missbrauchsopfer befürwortet Verbot von Nacktbildern von Kindern - (epd-Gespräch)
epd-Gespräch: Ebba Hagenberg-Miliu



(c) Miguel Abrantes Ostrowski

 

Bonn (epd). Der Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski hat sich für ein Verbot von übergriffigen Nacktbildern von Kindern ausgesprochen. Ostrowski, der als Schüler am Bonner Aloisiuskolleg selbst Opfer von Missbrauch wurde, sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Folgen für nackt und in Posen fotografierte Kinder hielten noch Jahrzehnte später an. «Ich arbeite noch heute daran, mich endlich binden zu können und Nähe zuzulassen.»


Der Münchener Schauspieler betonte: «Es muss Staatsanwälte
neugierig machen, wenn Kinder wie wir damals splitterfasernackt durch den Park gescheucht und dabei abfotografiert werden.» Der heute 42-Jährige war eines der wenigen Opfer, die sich im Missbrauchsskandal um das Aloisiuskolleg 2010 öffentlich äußerten. In den 80er Jahren habe der damalige Leiter des von Jesuiten geführten Internats, der mittlerweile verstorben ist, Nacktfotos von ihm in der Dusche und im Park gemacht, sagte Abrantes.


Aktuell will Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) das Strafrecht bei Kinderpornografie verschärfen und bloßstellende Nacktaufnahmen verbieten. Hintergrund ist die Affäre um den ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy, der Nacktbilder von Kindern über das Internet bestellt haben soll.


Der fotografische Missbrauch am Bonner Aloisiuskolleg betraf in den 80er und 90er Jahren unzählige Schüler, wie 2011 der
Aufklärungsbericht einer unabhängigen Kommission ermittelte. Öffentlich über den Missbrauch zu sprechen, habe viel Überwindung gekostet, sei aber auch befreiend gewesen, sagte Abrantes. «Es war die beängstigendste und gleichfalls glücklichste Zeit meines Lebens.» Bereits 2004 hatte er den zunächst weitgehend unbeachteten Roman «Sacro-Pop» über seine Zeit im Internat veröffentlicht.


Bis heute habe sich kein Vertreter des Aloisiuskollegs bei ihm
entschuldigt, sagte Abrantes. Vom Jesuiten-Orden habe er die übliche Entschädigungszahlung von 5.000 Euro erhalten. «Und einen pauschalen Brief. Mehr nicht.» Es sei immer nur versucht worden, Schäden einzugrenzen, keiner habe wirklich Verantwortung übernommen, beklagte der Schauspieler des Münchener Residenztheaters. «Ziel war es, möglichst schnell zur Tagesordnung überzugehen.» Auch fast alle seiner ehemaligen Schulfreunde hätten den Kontakt zu ihm abgebrochen und ihn teils als «Nestbeschmutzer» beschimpft, berichtete Abrantes.


epd-West ham max
# epd-Service
## Info
Miguel Abrantes Ostrowski: Sacro-Pop - Ein Schuljungenreport.
Klartext-Verlag, Essen 2004. 12,80 Euro.
## Internet
www.miguelabrantes.net
www.aloisiuskolleg.de

 

"Ich arbeite noch heute daran, Nähe zuzulassen" | epd

 

Polizei deckt mehr Kinderpornografie auf - Deutsche Welle

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn, 16.05.14:

Aloisiuskolleg
Schule vernichtete alte Nacktfotos

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Die erotischen Nacktfotos von Schülern des Paters Ludger Stüper, dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter des Aloisiuskollegs (Ako), heizen auch vor dem Hintergrund der Affäre an der Odenwaldschule die Diskussion zwischen Ako und Betroffenen erneut an.
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu

Im kürzlich im Kohlhammer-Verlag erschienenen Buch "Unheiliger Berg" gibt der heutige Ako-Internatsleiter Christopher Haep zu, dass auch Ende 2011 noch weitere Nacktdias von Jungen in "eindeutig erotischen, sexualisierten Posen" aufgetaucht seien, die er an Rektor Pater Johannes Siebner weitergegeben habe. "Die meisten Gesichter auf den Bildern konnte ich persönlich nicht zuordnen, das war vor meiner Zeit", sagte Haep.

"Wir vom Eckigen Tisch wissen bis heute nichts über die Funde", sagt dessen Sprecher Heiko Schnitzler entsetzt. Die Fotos seien für die Betroffenen als Teil des erlebten Missbrauchs und für dessen Aufarbeitung sehr wichtig. "Sie sind vernichtet", sagte Pater Siebner auf Anfrage.
Weitere Links

Missbrauchsfälle: Zweiter Bericht zur Aufarbeitung offengelegt
Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

Er habe die Posing-Bilder damals in Augenschein genommen und sie, nach fachlicher Beratung, als nicht strafrechtlich relevant bewertet.

"Es war keine der abgebildeten Personen eindeutig identifizierbar. Die Bilder aber weiteren Personen zu zeigen, hätte die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten verletzt. Das ist eine höchst sensible Thematik, zu der ich mir professionellen Rat gesucht habe", sagte Siebner.

Damit es kein Missverstehen gebe: Das Ako sei im Hinblick auf diesen "Täter", der perfide vorgegangen sei, durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen. "Es gab da eine Verharmlosung, die wir heute so nicht mehr vornehmen, ja, die erneut verletzend war. Auch solche Posing-Bilder sind Missbrauch", betont der Rektor.

Pater Stüpers Nacktbilder von Schülern hätten über Jahrzehnte an mehreren Orten im Haus verteilt gehangen. "Mitbrüder, Mitarbeiter und Eltern sind sehenden Auges blind für die Übergriffigkeit dieser Bilder und für die Verletzung der Würde der Kinder gewesen."

Das Dilemma bei den erneut gefundenen Dias sei aber, "dass wir ja selbst mit dem Wissen um die Identität keine eindeutige Handlungsoption gehabt hätten. Man kann eventuell Betroffenen die Bilder nicht zeigen, ohne dass sie andere sehen, die ihrerseits nicht wollen können, dass ihre Bilder angesehen werden.

Zudem ist auch nicht sicher, dass selbst die Betroffenen diese Bilder sehen wollen." Sicher gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen über den Umgang. "Ich habe mich mit dem Provinzial, mit einem Juristen und der Missbrauchsbeauftragten des Ordens beraten und die Dias dem Orden weitergegeben", so Pater Siebner.

Dem Ako und den Jesuiten versage erneut der moralische Kompass im Umgang mit Fotos, die sexuelle Ausbeutung bedeuteten, ist Schnitzler empört. Die Praxis, Fotos erneut zu vernichten, ohne jemanden zu informieren, sei die schlimmste Form des vermeintlichen Selbstschutzes, da die Betroffenen noch einmal für das äußerlich saubere Bild des Ako herhalten müssten.

"Die Kollegs- und die Ordensleitung kennen seit langem unsere Kritik am opferverachtenden Umgang mit Stüpers Unrechtsfotos." Es sei aus Sicht des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte sehr schwierig, mit Nacktfotofunden korrekt umzugehen, hat Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Verständnis für das Dilemma. "Aber einfach vernichten: Das geht auf keinen Fall.

Jetzt ist den Betroffenen jede Möglichkeit genommen, sich damit auseinanderzusetzen." Ihrer Ansicht nach hätte das Material Ermittlungsbehörden überlassen werden müssen. "Wenn die Zeiträume identifizierbar waren, hätte man die Jahrgänge anschreiben können", sagt Schulte.

So wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, dass Betroffene mit juristischem Beistand ihre eigenen Bilder hätten sehen können. Bei solchen Anschreiben bestehe die Gefahr, dass man "retraumatisiere". Aber zumindest die Betroffenen, die auf der Suche nach ihren Nacktfotos waren, hätten in den Prozess einbezogen werden müssen.

Artikel vom 16.05.2014

Aloisiuskolleg: Schule vernichtete alte Nacktfotos | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/godesberg-zentrum/Schule-vernichtete-alte-Nacktfotos-article1350633.html#plx793629795
Aloisiuskolleg
Schule vernichtete alte Nacktfotos

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Die erotischen Nacktfotos von Schülern des Paters Ludger Stüper, dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter des Aloisiuskollegs (Ako), heizen auch vor dem Hintergrund der Affäre an der Odenwaldschule die Diskussion zwischen Ako und Betroffenen erneut an.
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu

Im kürzlich im Kohlhammer-Verlag erschienenen Buch "Unheiliger Berg" gibt der heutige Ako-Internatsleiter Christopher Haep zu, dass auch Ende 2011 noch weitere Nacktdias von Jungen in "eindeutig erotischen, sexualisierten Posen" aufgetaucht seien, die er an Rektor Pater Johannes Siebner weitergegeben habe. "Die meisten Gesichter auf den Bildern konnte ich persönlich nicht zuordnen, das war vor meiner Zeit", sagte Haep.

"Wir vom Eckigen Tisch wissen bis heute nichts über die Funde", sagt dessen Sprecher Heiko Schnitzler entsetzt. Die Fotos seien für die Betroffenen als Teil des erlebten Missbrauchs und für dessen Aufarbeitung sehr wichtig. "Sie sind vernichtet", sagte Pater Siebner auf Anfrage.
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Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

Er habe die Posing-Bilder damals in Augenschein genommen und sie, nach fachlicher Beratung, als nicht strafrechtlich relevant bewertet.

"Es war keine der abgebildeten Personen eindeutig identifizierbar. Die Bilder aber weiteren Personen zu zeigen, hätte die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten verletzt. Das ist eine höchst sensible Thematik, zu der ich mir professionellen Rat gesucht habe", sagte Siebner.

Damit es kein Missverstehen gebe: Das Ako sei im Hinblick auf diesen "Täter", der perfide vorgegangen sei, durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen. "Es gab da eine Verharmlosung, die wir heute so nicht mehr vornehmen, ja, die erneut verletzend war. Auch solche Posing-Bilder sind Missbrauch", betont der Rektor.

Pater Stüpers Nacktbilder von Schülern hätten über Jahrzehnte an mehreren Orten im Haus verteilt gehangen. "Mitbrüder, Mitarbeiter und Eltern sind sehenden Auges blind für die Übergriffigkeit dieser Bilder und für die Verletzung der Würde der Kinder gewesen."

Das Dilemma bei den erneut gefundenen Dias sei aber, "dass wir ja selbst mit dem Wissen um die Identität keine eindeutige Handlungsoption gehabt hätten. Man kann eventuell Betroffenen die Bilder nicht zeigen, ohne dass sie andere sehen, die ihrerseits nicht wollen können, dass ihre Bilder angesehen werden.

Zudem ist auch nicht sicher, dass selbst die Betroffenen diese Bilder sehen wollen." Sicher gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen über den Umgang. "Ich habe mich mit dem Provinzial, mit einem Juristen und der Missbrauchsbeauftragten des Ordens beraten und die Dias dem Orden weitergegeben", so Pater Siebner.

Dem Ako und den Jesuiten versage erneut der moralische Kompass im Umgang mit Fotos, die sexuelle Ausbeutung bedeuteten, ist Schnitzler empört. Die Praxis, Fotos erneut zu vernichten, ohne jemanden zu informieren, sei die schlimmste Form des vermeintlichen Selbstschutzes, da die Betroffenen noch einmal für das äußerlich saubere Bild des Ako herhalten müssten.

"Die Kollegs- und die Ordensleitung kennen seit langem unsere Kritik am opferverachtenden Umgang mit Stüpers Unrechtsfotos." Es sei aus Sicht des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte sehr schwierig, mit Nacktfotofunden korrekt umzugehen, hat Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Verständnis für das Dilemma. "Aber einfach vernichten: Das geht auf keinen Fall.

Jetzt ist den Betroffenen jede Möglichkeit genommen, sich damit auseinanderzusetzen." Ihrer Ansicht nach hätte das Material Ermittlungsbehörden überlassen werden müssen. "Wenn die Zeiträume identifizierbar waren, hätte man die Jahrgänge anschreiben können", sagt Schulte.

So wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, dass Betroffene mit juristischem Beistand ihre eigenen Bilder hätten sehen können. Bei solchen Anschreiben bestehe die Gefahr, dass man "retraumatisiere". Aber zumindest die Betroffenen, die auf der Suche nach ihren Nacktfotos waren, hätten in den Prozess einbezogen werden müssen.

Artikel vom 16.05.2014

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Aloisiuskolleg
Schule vernichtete alte Nacktfotos

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Die erotischen Nacktfotos von Schülern des Paters Ludger Stüper, dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter des Aloisiuskollegs (Ako), heizen auch vor dem Hintergrund der Affäre an der Odenwaldschule die Diskussion zwischen Ako und Betroffenen erneut an.
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu

Im kürzlich im Kohlhammer-Verlag erschienenen Buch "Unheiliger Berg" gibt der heutige Ako-Internatsleiter Christopher Haep zu, dass auch Ende 2011 noch weitere Nacktdias von Jungen in "eindeutig erotischen, sexualisierten Posen" aufgetaucht seien, die er an Rektor Pater Johannes Siebner weitergegeben habe. "Die meisten Gesichter auf den Bildern konnte ich persönlich nicht zuordnen, das war vor meiner Zeit", sagte Haep.

"Wir vom Eckigen Tisch wissen bis heute nichts über die Funde", sagt dessen Sprecher Heiko Schnitzler entsetzt. Die Fotos seien für die Betroffenen als Teil des erlebten Missbrauchs und für dessen Aufarbeitung sehr wichtig. "Sie sind vernichtet", sagte Pater Siebner auf Anfrage.
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Missbrauchsfälle: Zweiter Bericht zur Aufarbeitung offengelegt
Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

Er habe die Posing-Bilder damals in Augenschein genommen und sie, nach fachlicher Beratung, als nicht strafrechtlich relevant bewertet.

"Es war keine der abgebildeten Personen eindeutig identifizierbar. Die Bilder aber weiteren Personen zu zeigen, hätte die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten verletzt. Das ist eine höchst sensible Thematik, zu der ich mir professionellen Rat gesucht habe", sagte Siebner.

Damit es kein Missverstehen gebe: Das Ako sei im Hinblick auf diesen "Täter", der perfide vorgegangen sei, durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen. "Es gab da eine Verharmlosung, die wir heute so nicht mehr vornehmen, ja, die erneut verletzend war. Auch solche Posing-Bilder sind Missbrauch", betont der Rektor.

Pater Stüpers Nacktbilder von Schülern hätten über Jahrzehnte an mehreren Orten im Haus verteilt gehangen. "Mitbrüder, Mitarbeiter und Eltern sind sehenden Auges blind für die Übergriffigkeit dieser Bilder und für die Verletzung der Würde der Kinder gewesen."

Das Dilemma bei den erneut gefundenen Dias sei aber, "dass wir ja selbst mit dem Wissen um die Identität keine eindeutige Handlungsoption gehabt hätten. Man kann eventuell Betroffenen die Bilder nicht zeigen, ohne dass sie andere sehen, die ihrerseits nicht wollen können, dass ihre Bilder angesehen werden.

Zudem ist auch nicht sicher, dass selbst die Betroffenen diese Bilder sehen wollen." Sicher gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen über den Umgang. "Ich habe mich mit dem Provinzial, mit einem Juristen und der Missbrauchsbeauftragten des Ordens beraten und die Dias dem Orden weitergegeben", so Pater Siebner.

Dem Ako und den Jesuiten versage erneut der moralische Kompass im Umgang mit Fotos, die sexuelle Ausbeutung bedeuteten, ist Schnitzler empört. Die Praxis, Fotos erneut zu vernichten, ohne jemanden zu informieren, sei die schlimmste Form des vermeintlichen Selbstschutzes, da die Betroffenen noch einmal für das äußerlich saubere Bild des Ako herhalten müssten.

"Die Kollegs- und die Ordensleitung kennen seit langem unsere Kritik am opferverachtenden Umgang mit Stüpers Unrechtsfotos." Es sei aus Sicht des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte sehr schwierig, mit Nacktfotofunden korrekt umzugehen, hat Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Verständnis für das Dilemma. "Aber einfach vernichten: Das geht auf keinen Fall.

Jetzt ist den Betroffenen jede Möglichkeit genommen, sich damit auseinanderzusetzen." Ihrer Ansicht nach hätte das Material Ermittlungsbehörden überlassen werden müssen. "Wenn die Zeiträume identifizierbar waren, hätte man die Jahrgänge anschreiben können", sagt Schulte.

So wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, dass Betroffene mit juristischem Beistand ihre eigenen Bilder hätten sehen können. Bei solchen Anschreiben bestehe die Gefahr, dass man "retraumatisiere". Aber zumindest die Betroffenen, die auf der Suche nach ihren Nacktfotos waren, hätten in den Prozess einbezogen werden müssen.

Artikel vom 16.05.2014

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Schule vernichtete alte Nacktfotos

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Die erotischen Nacktfotos von Schülern des Paters Ludger Stüper, dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter des Aloisiuskollegs (Ako), heizen auch vor dem Hintergrund der Affäre an der Odenwaldschule die Diskussion zwischen Ako und Betroffenen erneut an.

 

Im kürzlich im Kohlhammer-Verlag erschienenen Buch "Unheiliger Berg" gibt der heutige Ako-Internatsleiter Christopher Haep zu, dass auch Ende 2011 noch weitere Nacktdias von Jungen in "eindeutig erotischen, sexualisierten Posen" aufgetaucht seien, die er an Rektor Pater Johannes Siebner weitergegeben habe. "Die meisten Gesichter auf den Bildern konnte ich persönlich nicht zuordnen, das war vor meiner Zeit", sagte Haep.

"Wir vom Eckigen Tisch wissen bis heute nichts über die Funde", sagt dessen Sprecher Heiko Schnitzler entsetzt. Die Fotos seien für die Betroffenen als Teil des erlebten Missbrauchs und für dessen Aufarbeitung sehr wichtig. "Sie sind vernichtet", sagte Pater Siebner auf Anfrage.
Weitere Links

Missbrauchsfälle: Zweiter Bericht zur Aufarbeitung offengelegt
Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

Er habe die Posing-Bilder damals in Augenschein genommen und sie, nach fachlicher Beratung, als nicht strafrechtlich relevant bewertet.

"Es war keine der abgebildeten Personen eindeutig identifizierbar. Die Bilder aber weiteren Personen zu zeigen, hätte die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten verletzt. Das ist eine höchst sensible Thematik, zu der ich mir professionellen Rat gesucht habe", sagte Siebner.

Damit es kein Missverstehen gebe: Das Ako sei im Hinblick auf diesen "Täter", der perfide vorgegangen sei, durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen. "Es gab da eine Verharmlosung, die wir heute so nicht mehr vornehmen, ja, die erneut verletzend war. Auch solche Posing-Bilder sind Missbrauch", betont der Rektor.

Pater Stüpers Nacktbilder von Schülern hätten über Jahrzehnte an mehreren Orten im Haus verteilt gehangen. "Mitbrüder, Mitarbeiter und Eltern sind sehenden Auges blind für die Übergriffigkeit dieser Bilder und für die Verletzung der Würde der Kinder gewesen."

Das Dilemma bei den erneut gefundenen Dias sei aber, "dass wir ja selbst mit dem Wissen um die Identität keine eindeutige Handlungsoption gehabt hätten. Man kann eventuell Betroffenen die Bilder nicht zeigen, ohne dass sie andere sehen, die ihrerseits nicht wollen können, dass ihre Bilder angesehen werden.

Zudem ist auch nicht sicher, dass selbst die Betroffenen diese Bilder sehen wollen." Sicher gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen über den Umgang. "Ich habe mich mit dem Provinzial, mit einem Juristen und der Missbrauchsbeauftragten des Ordens beraten und die Dias dem Orden weitergegeben", so Pater Siebner.

Dem Ako und den Jesuiten versage erneut der moralische Kompass im Umgang mit Fotos, die sexuelle Ausbeutung bedeuteten, ist Schnitzler empört. Die Praxis, Fotos erneut zu vernichten, ohne jemanden zu informieren, sei die schlimmste Form des vermeintlichen Selbstschutzes, da die Betroffenen noch einmal für das äußerlich saubere Bild des Ako herhalten müssten.

"Die Kollegs- und die Ordensleitung kennen seit langem unsere Kritik am opferverachtenden Umgang mit Stüpers Unrechtsfotos." Es sei aus Sicht des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte sehr schwierig, mit Nacktfotofunden korrekt umzugehen, hat Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Verständnis für das Dilemma. "Aber einfach vernichten: Das geht auf keinen Fall.

Jetzt ist den Betroffenen jede Möglichkeit genommen, sich damit auseinanderzusetzen." Ihrer Ansicht nach hätte das Material Ermittlungsbehörden überlassen werden müssen. "Wenn die Zeiträume identifizierbar waren, hätte man die Jahrgänge anschreiben können", sagt Schulte.

So wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, dass Betroffene mit juristischem Beistand ihre eigenen Bilder hätten sehen können. Bei solchen Anschreiben bestehe die Gefahr, dass man "retraumatisiere". Aber zumindest die Betroffenen, die auf der Suche nach ihren Nacktfotos waren, hätten in den Prozess einbezogen werden müssen.

Artikel vom 16.05.2014

Aloisiuskolleg
Schule vernichtete alte Nacktfotos

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. Die erotischen Nacktfotos von Schülern des Paters Ludger Stüper, dem 2010 verstorbenen Internats- und Schulleiter des Aloisiuskollegs (Ako), heizen auch vor dem Hintergrund der Affäre an der Odenwaldschule die Diskussion zwischen Ako und Betroffenen erneut an.
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu
Der Schein trügt: Die Bronzeskulpturen am Aloisiuskolleg-Haupteingang Elisabethstraße zeigen eine harmonische Szene, doch das Ako kommt in Sachen Missbrauch nicht zur Ruhe. Foto: Hagenberg-Miliu

Im kürzlich im Kohlhammer-Verlag erschienenen Buch "Unheiliger Berg" gibt der heutige Ako-Internatsleiter Christopher Haep zu, dass auch Ende 2011 noch weitere Nacktdias von Jungen in "eindeutig erotischen, sexualisierten Posen" aufgetaucht seien, die er an Rektor Pater Johannes Siebner weitergegeben habe. "Die meisten Gesichter auf den Bildern konnte ich persönlich nicht zuordnen, das war vor meiner Zeit", sagte Haep.

"Wir vom Eckigen Tisch wissen bis heute nichts über die Funde", sagt dessen Sprecher Heiko Schnitzler entsetzt. Die Fotos seien für die Betroffenen als Teil des erlebten Missbrauchs und für dessen Aufarbeitung sehr wichtig. "Sie sind vernichtet", sagte Pater Siebner auf Anfrage.
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Missbrauchsfälle: Zweiter Bericht zur Aufarbeitung offengelegt
Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

Er habe die Posing-Bilder damals in Augenschein genommen und sie, nach fachlicher Beratung, als nicht strafrechtlich relevant bewertet.

"Es war keine der abgebildeten Personen eindeutig identifizierbar. Die Bilder aber weiteren Personen zu zeigen, hätte die Persönlichkeitsrechte der Abgebildeten verletzt. Das ist eine höchst sensible Thematik, zu der ich mir professionellen Rat gesucht habe", sagte Siebner.

Damit es kein Missverstehen gebe: Das Ako sei im Hinblick auf diesen "Täter", der perfide vorgegangen sei, durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen. "Es gab da eine Verharmlosung, die wir heute so nicht mehr vornehmen, ja, die erneut verletzend war. Auch solche Posing-Bilder sind Missbrauch", betont der Rektor.

Pater Stüpers Nacktbilder von Schülern hätten über Jahrzehnte an mehreren Orten im Haus verteilt gehangen. "Mitbrüder, Mitarbeiter und Eltern sind sehenden Auges blind für die Übergriffigkeit dieser Bilder und für die Verletzung der Würde der Kinder gewesen."

Das Dilemma bei den erneut gefundenen Dias sei aber, "dass wir ja selbst mit dem Wissen um die Identität keine eindeutige Handlungsoption gehabt hätten. Man kann eventuell Betroffenen die Bilder nicht zeigen, ohne dass sie andere sehen, die ihrerseits nicht wollen können, dass ihre Bilder angesehen werden.

Zudem ist auch nicht sicher, dass selbst die Betroffenen diese Bilder sehen wollen." Sicher gebe es unterschiedliche Wahrnehmungen über den Umgang. "Ich habe mich mit dem Provinzial, mit einem Juristen und der Missbrauchsbeauftragten des Ordens beraten und die Dias dem Orden weitergegeben", so Pater Siebner.

Dem Ako und den Jesuiten versage erneut der moralische Kompass im Umgang mit Fotos, die sexuelle Ausbeutung bedeuteten, ist Schnitzler empört. Die Praxis, Fotos erneut zu vernichten, ohne jemanden zu informieren, sei die schlimmste Form des vermeintlichen Selbstschutzes, da die Betroffenen noch einmal für das äußerlich saubere Bild des Ako herhalten müssten.

"Die Kollegs- und die Ordensleitung kennen seit langem unsere Kritik am opferverachtenden Umgang mit Stüpers Unrechtsfotos." Es sei aus Sicht des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte sehr schwierig, mit Nacktfotofunden korrekt umzugehen, hat Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Verständnis für das Dilemma. "Aber einfach vernichten: Das geht auf keinen Fall.

Jetzt ist den Betroffenen jede Möglichkeit genommen, sich damit auseinanderzusetzen." Ihrer Ansicht nach hätte das Material Ermittlungsbehörden überlassen werden müssen. "Wenn die Zeiträume identifizierbar waren, hätte man die Jahrgänge anschreiben können", sagt Schulte.

So wäre die Möglichkeit gegeben gewesen, dass Betroffene mit juristischem Beistand ihre eigenen Bilder hätten sehen können. Bei solchen Anschreiben bestehe die Gefahr, dass man "retraumatisiere". Aber zumindest die Betroffenen, die auf der Suche nach ihren Nacktfotos waren, hätten in den Prozess einbezogen werden müssen.

Artikel vom 16.05.2014

Aloisiuskolleg: Schule vernichtete alte Nacktfotos | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
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Schule vernichtete alte Nacktfotos

 

 http://gruene-bonn.de/detail/nachricht/akoschulausschussvorsitzende-kritisiert-die-vernichtung-von-fotos.html

 

Schulausschussvorsitzende kritisiert Vernichtung von Kindernac

Missbrauchs-Skandal - Kritik an Aloisius-Kolleg: Nacktfotos ...

 

 

 

 

 


 

Meldung der Nachrichtenagentur epd am 22.04.14:

 

epd-WEST/Bundesregierung/Kriminalität/Missbrauch

 

Betroffenengruppe begrüßt Agenda des Missbrauchsbeauftragten

 

Bonn, Berlin (epd). Die in Berlin vorgestellte «Agenda 2014 bis 2018» des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, findet das Lob des «Eckigen Tischs Bonn». Der Sprecher der Vertretung Betroffener am jesuitischen Aloisiuskolleg in Bonn, Heiko Schnitzler, sagte am Dienstag dem epd: «Wir begrüßen,dass Rörig schon in diesem Jahr die Mitarbeit der Betroffenen durcheinen 'Betroffenenrat' institutionalisieren will.» Die heutige Agenda sei ein Signal in die richtige Richtung.

 

Der Missbrauchsbeauftragte fordert die Bundesländer auf, ihren Anteil an einem Hilfsfonds für Opfer sexuellen Missbrauchs zu leisten. Die angestrebten 100 Millionen Euro seien bis heute nicht zusammengekommen, sagte Rörig am Dienstag in Berlin. Der Bund sei mit 50 Millionen Euro dabei. Bei den Ländern hätten sich nur wenige bereiterklärt, ihren Beitrag einzuzahlen.

 

 «Dass der Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung den Betroffenen auf Augenhöhe begegnet und sie als Experten in eigener Sache wahrnimmt, ist ein guter gesellschaftlicher Schritt und zum Beispiel bei den Kirchen nicht üblich», sagte Schnitzler. Ohne die Mitarbeit der Betroffenen könne es ohnehin keine Fortschritte geben.

 

Rörig fordere einen höheren Grad der Verbindlichkeit von der

Zivilgesellschaft gegenüber den Betroffenen, begrüßte Schnitzler. «Unseres Erachtens drücken sich nämlich die Orden und die Bistümer in Bezug auf Missbrauchsfälle in ihren Einrichtungen immer noch vor ihrer Verantwortung.»

 

Rörig zufolge hat Mecklenburg-Vorpommern einen Beitrag für den Hilfsfonds geleistet, Bayern hat verbindliche Zusagen gemacht. Die anderen 14 Bundesländer müssten noch für den Hilfsfonds gewonnen werden. Der 100-Millionen-Euro-Fonds soll zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert werden. Er startete am 1. Mai 2013 aber zunächst allein mit Mitteln des Bundes.

 

Rörig ist seit 2011 Beauftragter für Fragen des sexuellen

Kindesmissbrauchs. Die Stelle wurde nach Bekanntwerden des Ausmaßes sexuellen Kindesmissbrauchs, unter anderem in katholischen Einrichtungen, geschaffen. Der Missbrauchsbeauftragte hatte zuletzt eine Aufwertung der Stelle gefordert und seinen Verbleib im Amt daran geknüpft. Rörig wurde Ende März für fünf weitere Jahre im Amt bestätigt.

 

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General-Anzeiger Bonn, 30.04.14, S. 2, Politik, Das Portrait

 

Der Marathon-Mann
Gestern legte der Missbrauchsbeauftragte des Bundes, Johannes-Wilhelm Rörig, seine Agenda bis 2019 vor
Von Ebba Hagenberg-Miliu
 
 
 
BERLIN. Johannes-Wilhelm Rörig hat den langen Atem des Marathonläufers. Und den braucht der 55-jährige Jurist auch, um im schwierigen Amt des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs nicht auf der Strecke zu bleiben. Vor ein paar Wochen wurde seine Amtszeit auf weitere fünf Jahre verlängert. Gestern konnte der Ministerialdirigent in Berlin seine Agenda bis 2019 vorstellen. „Es braucht Tempo und Ausdauer zugleich, wenn wir den zig-tausendfachen Missbrauch besser verhindern und den Betroffenen schneller helfen wollen“, kündigte Rörig an. Noch 2014 werde er einen „Betroffenenrat“ einrichten. Das Netz aus Prävention und Hilfen müsse ausgebaut, das „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ weiterentwickelt werden. „Und Schulen sollten das Aktionsfeld Nr. 1 der Prävention sein“, so Rörig, „denn nur dort können alle Kinder erreicht werden.“ 
 
2011, in der Hoch-Zeit des Missbrauchsskandals, war der vormalige Richter in der Nachfolge von Christine Bergmann erstmals auf den heißen Stuhl gehoben worden. Er hatte seine prominente Büroleiterin am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ begleitet und sich zäh auch das Vertrauen der Betroffenen erarbeitet. Dann sahen nach der Bundestagswahl 2013 die Pläne der Union plötzlich die Abschaffung der Stelle vor. Konnte das leidige Schmuddelthema Missbrauch nicht endlich von der Bildfläche verschwinden? Rörig konterte mit erschlagenden Zahlen: Jährlich gebe es mehr als 12 000 Ermittlungs- und Strafverfahren. Die Dunkelziffer sei erheblich höher. Streiche die Politik die Stelle, signalisiere sie, dass sich für das Leid der Opfer nicht weiter interessiere.
 
Die Vertragsverlängerung war ein Signal in die richtige Richtung“, betont Heiko Schnitzler vom Eckigen Tisch der Betroffenen am Bonner Aloisiuskolleg (Ako). Und Rörig sei für die wichtigen Aufgabenfelder genau der richtige Mann. Als ehemaliger Richter sei der 55-Jährige sehr um Ausgleich bemüht, setze sich mit Leib und Seele und einem guten Team für die Sache ein. „Er vermittelt den vermeintlich Schwächeren, den Betroffenen, das Gefühl, auf Augenhöhe anerkannt zu sein. Das ist für sie neu“, lobt Schnitzler. Der Eckige Tisch hoffe nun, dass Rörig die Forderungen nach einer staatlichen Untersuchung aller Missbrauchsfälle unterstütze. „Denn wenn die Katholische Kirche Untersuchungen veranlasst, ist das doch genauso, als wenn Marlboro untersuchen lässt, ob Rauchen schädlich ist.“
 
Gerade aktuell ist Rörig wieder ein vielgefragter Mann. Die von Bundesjustizminister Heiko Maas geplanten Gesetzesverschärfungen zur Kinderpornografie begrüßt er als "wichtigen Schritt zur weiteren Verbesserung des strafrechtlichen Schutzes von Kindern". Der Odenwaldschule stellt er im Fall des wegen Konsums pornographischer Bilder entlassenen Lehrers ein schlechtes Zeugnis aus. Sie sei viel zu zögerlich vorgegangen. Das Jugendamt hätte unbedingt informiert werden müssen. Dem Marathon-Mann gehen die Einsatzfelder nicht aus.
 
 
 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn und

Kölnische Rundschau 25.03.2014

 

Aufarbeitung, zweiter Versuch

Eine neue Studie soll Klarheit über sexuellen Missbrauch im kirchlichen Bereich herstellen

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

BONN. Ein Professorenteam aus Heidelberg, Mannheim und Gießen soll`s richten. Bei seinem zweiten Anlauf, ein bundesweites Forschungsprojekt über Missbrauch durch katholische Priester auf die Beine zu stellen, hatte sich Bischof Stephan Ackermann gestern im Bonner Uniclub ein Team aus Soziologen, forensischen Psychiatern, Kriminologen und Gerontologen an die Seite gestellt. Mit einem Budget von knapp einer Million Euro sollen die sieben Wissenschaftler in dreieinhalb Jahren den „Missbrauchsskandal der Kirche“ wissenschaftlich aufarbeiten, so Ackermann. Man wolle endlich die Wahrheit aufdecken.

 

„Nein, wir werden mit diesem interdisziplinären Forschungsverbundprojekt nicht auf ein ähnliches Desaster zugehen wie beim ersten Mal“, gab Ackermann, Beauftragter für Fälle sexuellen Missbrauchs, auf Nachfrage zu Protokoll. Wie berichtet, war das erste Projekt mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer 2013 an die Wand gefahren. Man hatte sich wechselseitig fehlenden Datenschutz beziehungsweise Zensur vorgeworfen. „Nicht der Wille zum Projekt, sondern die Form der Umsetzung musste überdacht werden“, schilderte Ackermann die Lehren, die er aus dem Schiffbruch gezogen habe. Man habe das Projektpaket nun mit bewusst unterschiedlichen Disziplinen neu geschnürt.

 

„Es geht um eine Erhebung quantitativer Daten zur Auftretenshäufigkeit und zum Umgang mit Missbrauchshandlungen an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“, erläuterte Ackermann. Dass damit entgegen den Erwartungen von Betroffenen an Ordensschulen oder –heimen deren Fälle ausgeklammert blieben, gab der Bischof auf Nachfrage des GA dann zu. In Ordensakten werde die Kommission keinen Einblick nehmen können. „Das überschreitet unsere Kompetenz. Zudem ist die wissenschaftliche Aufarbeitung etwa zum Aloisiuskolleg ja schon geleistet worden.“

 

Als zweiter Schritt solle im neuen Projekt eine qualitative Aufarbeitung institutioneller Einflüsse im Sinne einer „Täter-Opfer-Institutionen-Dynamik“ folgen, so Ackermann. Man wolle Einblicke in das Vorgehen der Täter und über das Verhalten von Kirchenverantwortlichen erhalten. Im dritten Schritt solle eine Zusammenführung empirischer Studienergebnisse mit den im Projekt gewonnenen Erkenntnissen erfolgen. „Neu ist also der zusätzliche Vergleich mit außerkirchlichen Strafakten und die Einbeziehung vergleichbarer Studien“, so Ackermann. Mit einem Seitenhieb auf Pfeiffer betonte er, dass die Einhaltung der Datenschutzgrundsätze ebenso elementar sein werde wie das Respektieren von staatlichen und kirchlichen Rechten.

 

„Wir wollen die Erfahrung der Opfer in den Mittelpunkt stellen. Die Opfer sind die eigentlichen Experten“, betonte der Mannheimer Psychiatrie-Professor Harald Dreßler als Projektkoordinator. Betroffene würden in einem Beirat mitarbeiten. Man werde nach strengen wissenschaftlichen Methoden vorbehaltlos transparent und unter hohen ethischen Anforderungen unabhängig zum Thema forschen. Und ja, man werde bei der Veröffentlichung wissenschaftlicher Daten frei bleiben, antwortete Dreßler auf Nachfrage. „Die Projektstudie wird keine Veröffentlichung der Katholischen Kirche. Wir sind nur der Drittmittelgeber“, ergänzte Bischof Ackermann.

 

Ob er denn die fast eine Million Euro nicht besser für Entschädigungen gegeben hätte, wurde er gefragt. „Die Opfer wollen anerkannt werden. Sie wollen, dass wir sie anhören“, antwortete Ackermann. Die Betroffenen erwarteten selbst eine wissenschaftliche Aufarbeitung. Geld könne nicht wirklich entschädigen, sondern nur eine Wiedergutmachung versuchen. Bei der Kirche seien bislang 1380 Anträge auf finanzielle Hilfe eingegangen. „Die Studie kann sicher keine Wiedergutmachung leisten. Aber sie kann ein Meilenstein auf dem Weg der Aufarbeitung werden“, meinten die Professoren Dreßler, Dieter Dölling und Andreas Kruse.

 

Verhaltenes Echo, aber auch schroffe Ablehnung erntete das neue Projekt bei den Opfergruppen. „Ein Narr ist, wer daran glaubt, dass nach vier Jahren Akten-Aufräumzeit wissenschaftliche Forschungsarbeit noch möglich ist", erklärte Norbert Denef, Sprecher des netzwerks Betroffener von sexualisierter Gewalt, dem GA. So lange die Verantwortlochen nicht zur Rechenschaft gezogen würden, sei das neue Projekt auch nichts weiter als „Lügentheater.“ „Die Kirche sollte die Opfer endlich entsprechend entschädigen und die Priester schon beim ersten Hinweis eines sexuellen Missbrauchs entlassen“, sagte auch Wilfried Fesselmann, Sprecher der Gruppe SNAP Deutschland.

 

Sechs weitere Opfergruppen gewinnen dem Projekt auch positive Seiten ab. Es sei erfreulich, dass es in der Sache endlich weitergehe, erklärten Matthias Katsch, Dieter Grah und Winfried Ponsens unter anderem für die Gruppen Eckiger Tisch, Glasbrechen, Schafsbriefe und Missbrauchsopfer Collegium Josephinum.  „Wir mahnen aber an, dass generell alle sich außerhalb einer diözesanen Anstellung befindenden Ordensangehörigen zum Bestandteil dieses Forschungsauftrages zählen müssen.“

 

Zweiter Anlauf: Bischöfe lassen Missbrauch erneut aufarbeiten

 

 

 

General-Anzeiger Bonn: Kommentar vom 25.03.2014
Katholische Kirche und Missbrauch
Kein Schlussstrich
Von Ebba Hagenberg-Miliu
Ein zweites Debakel kann sich die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer seit 2011 geplanten Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in den Diözesen nicht erlauben. 2013 ging man mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer im Streit auseinander. Nun hat sich Bischof Stephan Ackermann gleich ein ganzes Team renommierter Professoren an Bord geholt. Mit einer Million Euro Fördergeldern sollen in der interdisziplinären neuen Studie dreieinhalb Jahre lang Betroffenenberichte im Fokus stehen, um endlich „die Wahrheit aufzudecken.“

 

Was löblich ist. Denn allzu oft gingen öffentliche Aufklärungs- und Schambekundungen von Kirchenvertretern immer haarscharf genau an den Betroffenen vorbei. Das neue Forschungsprojekt kann ihnen nun hoffentlich einen Teil ihrer Würde wiedergeben. Und die Katholische Kirche damit vielleicht auch ein wenig aus ihrer Glaubwürdigkeitskrise hieven. Ob vier Jahre nach Ausbruch des Skandals aber wirklich noch die Akten zu finden sein werden, die „die Wahrheit aufdecken“ könnten, das sei natürlich dahingestellt.

Ohnehin kann mit dem neuen Projekt nicht einfach ein Schlussstrich gezogen werden. Es warten weitere Baustellen auf Ackermann: die laufende Diskussion um die Verjährungsfristen bei Missbrauch genauso wie die über die Legalität von Priestern erzwungener Kindernacktbilder. Und auch die Entschädigungsfrage ist noch lange nicht beantwortet: Allein die Therapien, die Opfer durchlaufen mussten, haben viele von ihnen arm gemacht. Für geknickte Seelen kann man nicht einfach mal nur 5000 Euro auf den Tisch legen

 

Katholische Kirche und Missbrauch - Kein Schlussstrich

 

General-Anzeiger Bonn

 

 

 

 

 

 

Christ & Welt

 

Am 27. Februar erscheint in der Zeitschrift "Christ & Welt", Seite 4, "Großaufnahme", ein großer Artikel von Ebba Hagenberg-Miliu. Inklusive Hinweis auf das Buch "Unheiliger Berg". 

Thema: "Die nackte Ohnmacht. Am Bonner Aloisiuskolleg mussten sich Schüler entblößen. Ein Pater fotografierte sie. Die Bilder gelten nicht als pornografisch, doch sie schmerzen noch nach Jahrzehnten."

 



 

 

 

www.christundwelt.de - Christ und Welt

 

 

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn

26.02.14


Ako in Bad Godesberg
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu
Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

BONN. In der Diskussion um Kindernacktfotografien nimmt Pater Johannes Siebner, Rektor des Aloisiuskollegs (Ako), zu den in den 80er und 90er Jahren ermittelten Fällen am jesuitischen Kolleg Stellung. Der damalige Internats- und Schulleiter hatte Hunderte anstößiger Fotos von Unterstufenschülern geschossen.

Betroffene leiden bis heute darunter. "Wir sind durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen", sagte Siebner. Es habe bislang eine Verharmlosung als Abgrenzung von "richtigem" Missbrauch gegeben, die das Kolleg heute nicht mehr so vornehmen würde.

"Auch solche Posingbilder sind Missbrauch", sagt Siebner zu dem, was der 2010 verstorbene Ordensbruder wehrlosen Kindern antat. Die Unterscheidung von Kategorien bis zu pornografischem Material möge strafrechtlich geboten sein. "Aus Sicht der Kinder muss jedoch klar sein, dass es sich um Missbrauch und erhebliche Grenzüberschreitungen handelt."

Artikel vom 26.02.2014

 

Ako in Bad Godesberg Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

 

Ako in Bad Godesberg
Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu

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BONN. In der Diskussion um Kindernacktfotografien nimmt Pater Johannes Siebner, Rektor des Aloisiuskollegs (Ako), zu den in den 80er und 90er Jahren ermittelten Fällen am jesuitischen Kolleg Stellung. Der damalige Internats- und Schulleiter hatte Hunderte anstößiger Fotos von Unterstufenschülern geschossen.
Weitere Links

Missbrauchsfälle am Aloisiuskolleg: Zweiter Bericht zur Aufarbeitung offengelegt
Ako-pro-Seminar: Letztes Missbrauchsverfahren eingestellt

Betroffene leiden bis heute darunter. "Wir sind durch einen schmerzhaften Lernprozess gegangen", sagte Siebner. Es habe bislang eine Verharmlosung als Abgrenzung von "richtigem" Missbrauch gegeben, die das Kolleg heute nicht mehr so vornehmen würde.

"Auch solche Posingbilder sind Missbrauch", sagt Siebner zu dem, was der 2010 verstorbene Ordensbruder wehrlosen Kindern antat. Die Unterscheidung von Kategorien bis zu pornografischem Material möge strafrechtlich geboten sein. "Aus Sicht der Kinder muss jedoch klar sein, dass es sich um Missbrauch und erhebliche Grenzüberschreitungen handelt."

Ako in Bad Godesberg: Aloisiuskolleg bewertet Affäre um Ex-Leiter neu | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Aloisiuskolleg-bewertet-Affaere-um-Ex-Leiter-neu-article1278041.html#plx1026984495

 

 

 

 

19. Februar 2014

Interview im General-Anzeiger Bonn, S. 3

 

Netzwerk Eckiger Tisch
Heiko Schnitzler über Nacktfotos und den Fall Edathy

Von Ebba Hagenberg-Miliu
BONN. In der Debatte über die Edathy-Affäre fordern Betroffenengruppen einen besseren Schutz für Kinder. Mit Heiko Schnitzler, dem Sprecher des Eckigen Tisches Bonn, sprach Ebba Hagenberg-Miliu.


Sie sagen, hinter jedem Nacktfoto im Fall Edathy steht das Schicksal eines Kindes?
Heiko Schnitzler: Ja, kein Kind hat gegen Erwachsene, die es zwingen, sich nackt fotografieren zu lassen, eine Chance. Und jedes Kind bezahlt psychisch dafür, so erniedrigt worden zu sein, wenn es das Erlebnis nicht aufarbeiten kann. Und trotzdem sollen sich Kindernacktfotos weiterhin im legalen Rahmen bewegen können? Es gibt für unser Netzwerk Eckiger Tisch keinen Grund, warum sich ein Erwachsener Nacktfotos fremder Kinder besorgt oder, wie im Fall des Bonner Aloisiuskollegs (Ako), sie in den 1980er und 1990er Jahren sogar von Schutzbefohlenen selbst gemacht hat, als dass er sich da selbst befriedigt. Und das auf Kosten der Kinder, die ja gar keine Worte dafür haben.


Die Konsequenz wäre für Sie also eine Gesetzesverschärfung?
Schnitzler: Es hat tagelang gedauert, bis die Öffentlichkeit überhaupt die betroffenen Kinder in den Blick genommen hat. Ja, wir sind der Meinung, dass der Besitz des Nacktfotomaterials, das sich Herr Edathy wohl über einen längeren Zeitraum besorgte, künftig unter Strafe gestellt werden sollte, auch wenn es nicht als pornographisch angesehen wird. Legal oder illegal? Unrechtsfotos sind allemal illegal, und das darf uns nicht egal sein.


Wenn Sie davon sprechen, dass am Bonner Ako vor Jahrzehnten Hunderte Fotos von Unterstufenschülern gemacht worden sind. Wie geht es diesen Kindern, den inzwischen erwachsenen Fotografierten?
Schnitzler: Wir vom Eckigen Tisch hören von vielen, die die aktuelle Diskussion sehr schmerzt, weil sie sich in die aktuell fotografierten Kinder hineinversetzt fühlen. Auch nach Jahrzehnten ist die Ohnmacht darüber da, weil sie sich bisher von keinem dafür ernst genommen fühlen, dass sie damals für einen Erwachsenen posen mussten. Dass sie sich schämten, obwohl der Erwachsene der Schuldige war.


Wohin sollte die Debatte von Betroffenenseite her jetzt gehen?
Schnitzler: Es ist unsere Pflicht, dafür zu sorgen, dass es zu erzwungenen Nacktfotos mit Kindern international nicht mehr kommt. Und wenn Bilder entstanden, dann müssen die Betroffenen hier in Deutschland wenigstens später die Rechte daran bekommen. Im Bonner Fall haben die damals fotografierten Schüler ja die Hunderte von gefundenen Fotos nie gesehen, weil sie nicht benachrichtigt wurden. Das ist mangelnde Aufarbeitung der Verantwortlichen. Betroffene fühlen sich immer noch fremdbestimmt, wenn es keinen würdigen Umgang mit zu Unrecht entstandenen Bildern gibt. Dazu gehört für uns die faire Einbindung der abgelichteten Betroffenen.

Kritiker einer Gesetzesänderung befürchten, dass dann auch keine Strandbilder der eigenen Kinder möglich sein würden...
Schnitzler: Das ist natürlich Quatsch. Privatfotos sollten immer gemacht werden können. Man darf sie nur nicht verkaufen dürfen. Es geht grundsätzlich halt darum, dass die Würde und die Rechte der Kinder nicht angetastet werden.


Zur Person
Heiko Schnitzler war Internatsschüler im Bonner Aloisiuskolleg (Ako) und arbeitet heute als Verleger in Berlin. Der 42-Jährige spricht für den Eckigen Tisch Bonn, das Netzwerk von Missbrauch Betroffener und ihrer Unterstützer, und arbeitet zudem im Betroffenenbeirat des Fonds sexueller Missbrauch mit.

Netzwerk Eckiger Tisch: Heiko Schnitzler über Nacktfotos und den Fall Edathy | GA-Bonn - Lesen Sie mehr auf:
http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/Heiko-Schnitzler-ueber-Nacktfotos-und-den-Fall-Edathy-article1270761.html#plx381776662

 

 

Heiko Schnitzler über Nacktfotos und den Fall Edathy

General-Anzeiger Bonn

 

 

 

 

 

 

 

 

19. Februar 2014

Evangelischer Pressedienst (epd)

 

"Wir mussten uns nackt an Bäume lehnen" - Internatsschüler musste für den Schulleiter posieren

Von Ebba Hagenberg-Miliu (epd)

 

Ohnmacht, Scham, Wut - die Gefühle sind selbst nach Jahrzehnten noch da. Als Kind musste sich ein heute 41-Jähriger im Internat nackt fotografieren lassen. In der Debatte über die Edathy-Affäre fordert er einen besseren Schutz für Kinder.

 

Bonn (epd). Noch heute spürt Herbert Schmidt (Name geändert) die kitzelnden Grashalme der Wiese, auf die er sich mit einem Mitschüler nackt legen musste. Der Internatsleiter schoss begeistert Fotos. Zuvor hatte der Mann die Jungen in die Schul-Dusche geschickt und auch da von allen Seiten geknipst. Instinktiv habe er damals gewusst, dass es falsch war, was der Erwachsene tat, sagt der ehemalige Schüler des jesuitischen Aloisiuskollegs in Bonn heute. Aber als Kinder hätten sie sich nicht wehren können.

 

Die Unterstufenschüler mussten für den Mann posieren. "Draußen mussten wir uns auf irgendwelche Steine setzen und an Bäume lehnen", erinnert sich der heute 41-jährige Schmidt mit Grauen. Der Erwachsene habe fotografiert, bis mehrere Filme voll gewesen seien. Als sie Wochen später danach gefragt hätten, habe es geheißen: Die Fotos seien nichts geworden. Schmidt schweigt. "Wir wurden benutzt", sagt er dann. "Wir wurden missbraucht, egal ob diese Fotos strafrechtlich als Pornografie beurteilt worden wären oder nicht."

 

Der aktuelle Fall des SPD-Politikers Sebastian Edathy hat Schmidt aufgewühlt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hannover, die gegen den früheren Bundestagsabgeordneten wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt, hat Edathy Bilder nackter Jungen erworben, auf denen aber keine sexuellen Handlungen gezeigt werden. Schmidt will niemanden vorverurteilen. Aber auch wenn die bei Edathy gefundenen Bilder keine strafrechtliche Relevanz hätten, könne er die Rechtslage nicht gutheißen.

 

"Kein Erwachsener hat einen anderen Grund, sich Fotos von fremden nackten Kindern zu besorgen, als zur Selbstbefriedigung", sagt Schmidt, der vor 30 Jahren selbst nackt posieren musste. "Es sind und bleiben Unrechtsfotos." Deshalb appelliert er an die Politik, international für die Rechte der fotografierten Kinder einzutreten und sich nicht nur auf die innenpolitischen Folgen zu konzentrieren.

 

Für die Erstellung des offensichtlich auch von Edathy gekauften "Materials" seien Kinder in ihrer Menschenwürde verletzt oder missbraucht worden, betont der 41-Jährige. Er wisse, wie wichtig umgehende therapeutische Hilfe gerade für die kindlichen Opfer solcher Übergriffe sei. "Außerdem müssen wir eine nachhaltige Debatte darüber führen, wie hier in Deutschland für die Opfer solcher Darstellungen das Recht am eigenen Bild gestärkt und strafrechtlich bewehrt werden kann."

 

Der ehemalige Internatsschüler hat sich schon vor Jahren auf die Suche nach seinen möglicherweise doch erhaltenen Kindernacktfotos gemacht - und eine wahre Odyssee hinter sich. Als 2010 der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche öffentlich wurde, kamen auch zahlreiche Fälle am Bonner Aloisiuskolleg ans Licht. Insgesamt wurden 18 Ordensmitglieder und fünf weltliche Mitarbeiter beschuldigt, Schüler missbraucht und misshandelt zu haben. Auch gegen den ehemaligen Internats- und Schulleiter ermittelte die Staatsanwaltschaft, bis der Mann Mitte 2010 starb.

 

Hunderte von vielfach erotischen Kinderfotos seien im Nachlass des Mannes gefunden worden, berichtet Schmidt. Strafrechtliche Relevanz hätten die damals von einer Aufklärungskommission gefundenen Akte und Halbakte zwar nicht gehabt. Doch wer wisse, wie viele Bilder aussortiert worden seien?

 

Schmidt hat sich inzwischen auch den Weg ins Archiv des Jesuitenordens erkämpft. Plötzlich hielt er eines der Nacktbilder von damals in den Händen. "Da gab es ganze Bilderserien meiner Schulkameraden", berichtet er. Aus ihnen seien einzelne Fotos nachträglich entfernt worden. "Wer sagt mir, dass sie nicht pornografisch waren?", fragt Schmidt. "Wer sagt mir, wo diese Bilder heute sind? Wer sagt mir, dass ich nicht drauf war?"

 

Wenn er an den Tag denkt, an dem er sich mit seinem Freund für den Internatsleiter ausziehen musste, dann kocht die Wut in Herbert Schmidt immer noch hoch. Der Schulkamerad von damals habe seither nie eine wirkliche Beziehung aufbauen können, sagt er. "Ich fühle mit den heute nackt fotografierten Kindern. Weil ich ihre Ohnmacht kenne und sie selbst noch heute fühlen kann."

 

epd - ham/es igl

 

 

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