"Ich verbinde mit diesem Buch die Hoffnung, dass die Worte darin ein weite­rer Schritt auf dem Weg sind, der Wahrheit die Ehre zu geben und damit die Macht zu entmachten. Hinter den Stand kann nun keiner mehr zurück. Das ist enorm wichtig. Ich bin sicher, dass der "Unheilige Berg" nun die Gespräche auf eine neue Ebene heben wird. Er ist ein Meilenstein in der Debatte."

Pater Godehard Brüntrup SJ



"Ich glaube, dass Sie ein wichtiges Buch geschrieben haben, gerade auch weil es an manchen Stellen "unbequem" ist."
Stefan Vesper, Generalsekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholiken

 

 

"Herausgekommen ist eine genaue und atemberaubende Analyse von Strukturen und „Kulturen“, die den Missbrauch ermöglicht haben. Ein wichtiges, hochaktuelles und spannend zu lesendes Buch!"

Claudia Igney, Vielfalt e. V.

 

 

„Es gibt nur wenige, so wie Ebba Hagenberg-Miliu, die sich dem Thema stellen und langfristig dran bleiben. Mögen aus solchen Büchern einmal Bestseller werden!"
Norbert Denef, Vorsitzender von netzwerkB

 

 

„Dieses Buch ist ein Baustein für das Projekt einer ge­samtgesellschaftlichen Aufarbeitung der Gewalt gegen Kinder und des Missbrauchs von Kindern."

Matthias Katsch, Sprecher des Eckigen Tischs

 

 

"Das vorliegende Buch ist ein Meilenstein der Aufklärung über die Miss­brauchsfälle am Aloisiuskolleg. Ohne die Betroffenen, die darin sprechen, ist die weitere Aufarbeitung nicht möglich. "

Heiko Schnitzler, Geschäftsführer des Eckigen Tischs

 

 

 

"Das Buch vermittelt im Unterschied zu den wissenschaftlichen Studien über den Missbrauch am Aloisiuskolleg die Ich-Perspektive der Betroffenen. Es wird bei uns im Haus eine gewichtige Rolle spielen. Es gibt keinen Schlussstrich. Für mich ist es eine Wunde, dass sich nur der frühere AKO-Rektor Pater Theo Schneider als Autor verweigert hat."

Pater Johannes Siebner SJ, AKO-Rektor

 

 

 

"Herzlichen Glückwunsch zu der Herausgeber-Leistung und auch der Gesamtleistung der  Jahre seit 2010."

Pater Klaus Mertes SJ

 

 

 

 

“Das Buch ist die erste Tat einer wirklich gerechten Aufarbei-

tung. Erstmals werden Missbrauchsopfer, die Politik und die Institution, an der sich die Taten abspielten, an einem Ort zusammengeführt, der für jeden zugänglich ist: in einem Buch für jedermann.”

Simon Kolter, 15, Chefredakteur der Schülerzeitung des Aloisiuskollegs

 

 

 

"Der "Unheilige Berg" ist ein Pionierwerk, das detailliert  Machtmissbrauch an einer deutschen Schule beschreibt."

Anselm Neft, Schriftsteller

 

 

 

„Ich finde, dass es ein großartiges Buch geworden ist.
Besonders die "Breite" der Autorinnen und Autoren beeindruckt mich und zeigt, wie gut Sie als Interviewpartnerin angenommen worden sind und in welchem Umfang Ihre journalistische Arbeit anerkannt ist."

Professor Arnfried Bintig

 

 

 

"In "Unheiliger Berg" wird der Machtmiss-brauch am Ako aus allen Perspektiven analysiert: von Betroffenen und Angehörigen, Mitschülern, Vertretern von Schule, Internat und Orden, von Politik, Justiz und Opferschutz."

Bettina Köhl, General-Anzeiger Bonn

 

 

 

"Ein hervorragendes Buch hat die Bonner Kollegin Ebba Hagenberg-Miliu da herausgegeben: Da kann man viel darüber lernen, wie im Jesuitenorden mit dem Thema umgegangen wurde und wird."

Christoph Fleischmann, Journalist

 

 

 


"... Wie sehr die Opfer auch Jahre nach dem Missbrauch noch lei-

den, hat gerade erst ein neu erschienenes Buch mit dem Titel „Unheiliger Berg“ eindrücklich dar-

gelegt."

Walter Bau, WAZ

 

 

 

 

"Das Ergreifende auf 288 Seiten sind die Darstellungen ehemaliger Opfer und ihrer Angehörigen. Ihre Scham vor Entdeckung auf der einen Seite und die perfide Vorgehensweise insbesondere des ehemaligen Schulleiters, um sich seinen Opfern anzunähern."

Philipp Königs, Bonner Rundschau

Aktuell: Ako und Ako-Pro-Seminar

Dezember 2016

School of Film and Television, Los Angeles,

und Akademie für Internationale Bildung, Bonn

 

 Kurzfilm "Fall From Grace"

 ("Der Sündenfall")

 von Morgan Hinshaw

 Studentin der jesuitischen Loyola Marymount University Los Angeles

 

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Bildergebnis für bonnywood akademie bildung bonn

 

Dezember 2016

School of Film and Television, Los Angeles,

und Akademie für Internationale Bildung, Bonn

 

 Kurzfilm "Fall From Grace"

 ("Der Sündenfall")

 von Morgan Hinshaw

 Studentin der jesuitischen Loyola Marymount University Los Angeles

 

Bildergebnis für morgan hinshawDie US-amerkanische Filmstudentin Morgan Hinshaw hat im November 2016 vor Ort in Bonn einen Kurzfilm über meine journalistische Arbeit zum Thema Missbrauch am Bonner Aloisiuskolleg gedreht. Er heißt  "Fall From Grace" ("Sündenfall") und lehnt sich, wie Morgan sagt, an den Oscar-Film "Spolight" an.  Sie habe hier in Bonn bei ihrem Auslandssemester für ihre Abschlussarbeit ein Pendant zur Journalistenarbeit des Boston Globe in Deutschland gesucht - und sie habe dieses Pendant in meiner Arbeit gefunden. Unter anderem über diese Homepage.

 

Bei der Uraufführung am 8. Dezember in Bonn lobte die Jury des "Bonnywood"-Filmfestivals 2017 Morgan Hinshaws Film als erstaunlich ausgereift und sehr gut strukturiert, als, was wichtig gerade bei diesem schweren Thema sei, sehr ausgewogen mit den unterschiedlichen Perspektiven, als auf keinen Fall sentimental, sondern sachlich und genau auf den Punkt kommend. Den Film zeichne zudem eine sensible Bild- und Tonsprache aus. Er sei genau das, was man von einem ausgezeichneten Dokumentarfilm erwarte.

 

Im ansonsten sehr lebhaften Publikum gab es die erwartete Reaktion: Schockstarre nach der ersten Nennung des Wortes „abuse“. Mucksmäuschen-Stille und dann einen  starken Beifall, aber letztlich dann doch das übliche Befremden übers Thema Missbrauch.

 

Im Film gebe ich vor der Kulisse des Bonner Aloisiuskollegs und dann in der nahen Rigal`schen Kapelle Auskunft über meine journalistische Arbeit seit Januar 2010. Ich wählte diese ruhige Kirche, die mir viel bedeutet, bewusst als Rückzugsort.  Und ich danke der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde, dass sie uns die Kirchentür öffnete.

 

Denn als Reporterin lokal über ein so polarisierendes Thema wie Missbrauch zu schreiben, hat mir genau dort, wo ich mit meiner Familie lebe, viel Lob, aber eben auch jede Menge Diffamierungen und Drohungen eingebracht. Ich werde selbst heute noch im Alltag  beschuldigt, ich hätte nichts als Lügen verbreitet. Andererseits suchen immer noch Betroffene, Familien Betroffener, Zeugen etc. den Kontakt zu mir, um sich endlich ihren Erinnerungen zu stellen. In dieser Kapelle kann ich genau davon sprechen, ohne der Wut bestimmter Mitmenschen ausgesetzt zu sein.

 

Als Betroffener kommt im Film Heiko Schnitzler, Sprecher des Eckigen Tischs, zu Wort. Und als weiterer Absolvent, als Kontrapunkt, ein Ex-Schüler, der von den Vorfällen am Kolleg weiß, aber seine neun Jahre Internatszeit nicht  durch Veröffentlichungen darüber beschmutzt sehen will. Das Ako sei doch sein Zuhause gewesen.

 

Ich stelle den Film mit der Erlaubnis der Regisseurin hier in der Privatversion auf meine Homepage. Morgan hat ihn bei Wettbewerben angemeldet. Nach den Ausscheidungen geht er auf verschiedenen US-Portalen online.

 

Bei der Uraufführung erklärte die junge Filmerin, sie sei glücklich, mit mir zusammengearbeitet zu haben. Sie habe den US-amerikanischen Oscar-Film „Spotlight“ über die Missbrauchsaufklärung der Bostoner Journalisten durch die Aufklärung hier in Bonn noch besser verstanden. Sie sei mir sehr dankbar.

 

Augenblicklich stand im Publikum ein älterer Herr auf und behauptete, in Deutschland habe es keines journalistischen „Spotlights“ bedurft, weil hier die Jesuiten selbst von sich aus den Missbrauch in ihren Einrichtungen aufgeklärt hätten.

 

Ich widersprach und sagte, dass ohne den Aufschrei und den anhaltenden Druck der Opfer, ohne, dass wie in Boston die Presse ihre journalistische Verantwortung übernommen hätte, der Missbrauch in Deutschland nicht aufgedeckt und bis auf weiteres aufgearbeitet worden wäre.

 

Die Universität:

http://www.lmu.edu/

 

Weitere Filme von Morgan Hinshaw:

https://www.youtube.com/user/dancing9595

https://www.youtube.com/watch?v=xi47uw0yhhs

 

 

 

 

 

 

Rezension General-Anzeiger Bonn, 10.12.16

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/Katholische-Paralleljustiz-article3426441.html

 

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn, 8. 12.16

Stadt weist Vorwurf des Gerichts zurück

Im Prozess gegen Ex-Ako-pro-Chef und Jugendpfleger hatte Richter Streitereien und Uneinigkeit in Verwaltung bemängelt

Von Ebba Hagenberg-Miliu

 

 BONN. Im Strafprozess gegen den früheren Ako-pro-Chef und einen städtischen Jugendpfleger im Zusammenhang mit der Vergabe von Fördergeldern hatte das Bonner Landgericht kürzlich „Uneinigkeit“ und „Streitereien“ in der Verwaltung bemängelt. Und die Angeklagten freigesprochen. Doch von der Stadtverwaltung und den Ratsfraktionen ist keine klare Stellungnahme zu den Konsequenzen des Falles zu erhalten.

 

In dem Fall ging es um 165 475 Euro, die an den Verein, der dem Bad Godesberger Aloisiuskolleg (Ako) nahestand, für eine Offene Tür (OT) geflossen waren. Zu Unrecht, wie das städtische Rechnungsprüfungsamt 2011 festgestellt hatte. Der Vorwurf: Der Verein habe den OT-Betrieb nur vorgetäuscht. Doch auch Zeugen aus den Ratsfraktionen, welche die Fördergelder für die Jahre 2005 bis 2009 genehmigten, hätten „unterschiedliche Kriterien“ an eine OT angelegt, stellten die Richter fest.

 

Das Ako und sein Angestellter, der damalige Vereinschef, hatten sich Ende 2010 getrennt. Für das danach stark abgespeckte Ako-pro-Programm wurden bis zur Insolvenz 2013 keine Fördergeldermehr beantragt. Das gilt seit 2014 auch für das Nachfolge-Bildungsprojekt des Ako, das Ako-Forum.

 

Im Prozess stand damit letztlich zur Diskussion, wie im schon 2007 und dann 2016 von Jugendgewalt erschütterten Bad Godesberg über Jahre Mittel der Jugendhilfe verteilt wurden. Laut Presseamt zahlte die Stadt neben Fördergeldern für Ako-pro-Kurse von 1972 bis 2010 auch Gelder für eine Ako-pro-OT. In ganz Bonn habe nur noch der Oberkasseler Verein Logo bis 2013 Zuschüsse zu Freizeit- und Bildungsangeboten erhalten.

 

Im Gericht wurde die Höhe der Zahlungen für Ako-pro genannt: knapp 1,12 Millionen Euro in fünf Jahren für die Kurse, dazu 33 000 Euro pro Jahr für eine OT. Über die Nutzerzahlen gingen die Aussagen stark auseinander: Der Ex-Vereinschef nannte für sein Programm bis zu 6000 Schüler im Jahr. Seine drei früheren Mitarbeiter sagten aus, sie hätten zur OT „nicht mal Schätzwerte“ aufzeichnen müssen.

 

„Eine vom Gericht wahrgenommene Uneinigkeit in der Verwaltung hat aus Sicht der Verwaltung selbst nicht bestanden“, sagte nun Marc Hoffmann, Vizesprecher der Stadt, dem GA. Auch für die Jahre 2005 bis 2009 hätten zwischen Stadt und Träger Fördervereinbarungen gegolten, über die der Rat entschieden habe. Die Träger garantierten die Richtigkeit ihrer Daten, so Hoffmann. Ako-pro habe der Stadt OT-Nutzer aus Gymnasien, Haupt- und Realschulen beziffert.

 

Der Ex- Ako-pro-Chef hatte dagegen im Prozess argumentiert, seine OT im Einvernehmen mit der Verwaltung im Sozialraum Bad Godesberg an Gymnasiasten ausgerichtet und die Bereiche Scouting sowie Theater, Chor und Orchester am Ako bedient  zu haben. Ob das dem OT-Gedanken entspreche, hatte Richter Klaus Reinhoff gefragt: Das seien doch nur verbindliche, kostenpflichtige Angebote für eine einzige Nutzergruppe gewesen. Stadtsprecher Hoffmann wiederum legt als Prinzipien offener Jugendarbeit Freiwilligkeit, Partizipation, Offenheit und Integration zugrunde, ohne auf den Widerspruch zum im Prozess Gesagten einzugehen.

 

Ausweichend antworten auch die jugendpolitischen Sprecher der Fraktionen, die im Prozess als Zeugen gehört wurden. Dörthe Ewald betont, dass für die SPD Inklusion in Zeiten einer auseinanderdriftenden Gesellschaft sehr wichtig sei. Eine OT müsse Berührungspunkte zwischen Menschen verschiedener Religionen, Bildungsschichten, Geschlechter und Weltanschauungen schaffen. Laut Verena Lautz (CDU)sei es für Ako-pro nicht gewünscht gewesen, ein OTAngebot zu konzipieren, das bewusst Schüler anderer Schulformen ausschließe. Andererseits sagt sie: „Da der Anteil von Schülern in Bad Godesberg, die ein Gymnasium besuchen, hoch war und ist, war davon auszugehen, dass überproportional viele Gymnasiasten die Ako-pro-OT besuchen.“

 

„Wir haben immer die sehr gute Subventionierung des Ako-pro kritisiert“, sagte die ehemalige jugendpolitische Sprecherin der Grünen, Dorothee Paß-Weingartz. Ihre Fraktion habe sich genau an den OT-Kriterien der Richtlinien orientiert. Alle Kritikpunkte am Ako-pro seien detailliert im Rechnungsprüfungsberichtbelegt.„ Aus diesem Grund ist die Entscheidung des Gerichts umso unverständlicher und schwerer nachzuvollziehen.“

 

Jugendgewalt in Bad Godesberg

 

2007 war im Kurpark eine Schlägerei zwischen Jugendlichen aus Medinghoven und dem Aloisiuskolleg eskaliert. Über Jahre lief daraufhin eine Jugendgewalt-Debatte. 2009 brachte das Theater Bonn das Thema im Doku-Stück „Zwei Welten“ in die Kammerspiele. Autorin Ingrid Müller-Münch interpretierte die Ereignisse von 2007 darin als Provokationen einer selbsternannten Godesberger Gymnasiastenelite und gewaltbereite Antwort von Migrantenjungen. Im Mai 2016 starb der 17-jährige Niklas P. nach Schlägen an der Rheinallee. Beschuldigt werden Godesberger Jugendliche mit Migrationshintergrund. ham

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Stadt-weist-Vorwurf-des-Gerichts-zur%C3%BCck-article3422400.html

 

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

 

 

 

6. 12. 2016

Kurzfilm "Fall From Grace"

("Der Sündenfall")

von Morgan Hinshaw

Mit im Rennen um den Filmpreis 2016 der School of Film and Television, Los Angeles, und der Akadamie für Internationale Bildung, Bonn:
"Fall From Grace" ("Der Sündenfall") von Morgan Hinshaw
über meine journalistische Arbeit zu den Missbrauchsfällen am Bonner Aloisiuskolleg.

Ich drücke Morgan die Daumen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

18.11.16, General-Anzeiger Bonn

Unterstützung für  Missbrauchsopfer

Ako-Dialogrunde verschickt Rundbriefe an Altschüler und Ako-pro-Scouter

 

BONN. Professor Arnfried Bintig, der 2013 seinen Aufklärungsbericht über „Grenzverletzungen im Ako-pro-Scouting am Aloisiuskolleg“ (Ako) veröffentlichte, steht für die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, Berlin, lokal als Ansprechpartner zur Verfügung. „Niemand muss also nach Berlin fahren“, sagt Bintig. Er erhoffe sich von der Kommissionsarbeit besonders eine Unterstützung von Menschen, deren Fälle vor Gericht "verjährt" seien. So könnten zudem die „Folgen der unsäglich kurzen Verjährungsfristen verdeutlicht und damit mittelfristig mehr Wucht bei der politischen Durchsetzung einer Verlängerung erzielt werden“. Kontakt unter: Tel. 0800 40 300 40 (kostenfrei und anonym).

 

Die vor kurzem vom Dialogkreis Betroffener mit dem Ako initiierte briefliche Umfrage bei den ehemaligen Ako-Schülern und Ako-pro-Pfadfindern verzeichnet die ersten Rückläufe. „Es gibt kein Abhaken, keinen Schlussstrich, der Prozess der Aufarbeitung ist im Gange, und die Missbrauchsfälle sind Teil der Kollegsgeschichte“, schreibt die Dialogrunde an die Altschüler. Man wisse, dass die Beschäftigung mit der Vergangenheit belastend sein könne. Aber jede Einschätzung sei wichtig.  Kontakt unter dialogrunde@aloisiuskolleg.de. ham

 

(Foto: Demonstration gegen Missbrauch in Köln, 2013.  Ebba Hagenberg-Miliu)

 

Der Bintig-Bericht über "Grenzverletzungen im Ako-pro-Scouting am Aloisiuskolleg" von 2013 ist hier nachzulesen:

https://www.jesuiten.org/fileadmin/Redaktion/Downloads/0_B-Bericht_final_2013-06-03_nach_Vgl.pdf

 

 

 

 

 

 

Ako-pro-Prozess in Bonn

 

Freispruch für die beiden Angeklagten

 

12.11.2016 Bonn. Im Prozess um den 57-jährigen ehemaligen Leiter des Ako-pro-Seminars und einen 68-jährigen Ex-Jugendpfleger der Stadt sind am Freitag beide vom Vorwurf des Betrugs in schweren Fällen freigesprochen worden.

 

Wie berichtet, hatte die Anklage, gestützt auf einen Rechnungsprüfungsbericht der Stadt von 2011, dem Ako-pro-Chef vorgeworfen, über Jahre 165.475 Euro an städtischen Fördergeldern für den Betrieb einer Offenen Tür (OT) zweckentfremdet verwendet haben. Der Jugendpfleger wiederum habe es unterlassen, seinen Arbeitgeber davon zu unterrichten.

 

Oberstaatsanwalt Peter van der Linden hatte argumentiert, bei Ako-pro habe es nicht die in den städtischen Richtlinien der Kinder- und Jugendhilfe erwartete unverbindliche, integrative und kostenlose Zugänglichkeit über eine feste Stundenzahl gegeben.

 

Der 57-Jährige hatte dagegen ausgesagt, in dem dem Aloisiuskolleg (Ako) nahestehenden Verein habe sich seine OT am Sozialraum Bad Godesberg, sprich an Gymnasiasten ausgerichtet und die Bereiche Scouting sowie Theater, Chor und Orchester am Ako bedient. Alles das sei im Einvernehmen mit der Verwaltung geschehen.

 

Seine OT sei in Bad Godesberg so bekannt gewesen, dass er nicht für sie habe öffentlich werben müssen. Der strafrechtliche Tatbestand des Betrugs sei Nichtjuristen schwer verständlich zu machen, schickte nun Richter Klaus Reinhoff der Urteilsbegründung voraus. Bei Betrug müsse ein Schaden, der sich in Geldwerten ausdrücke, entstanden sein. Die betreffenden Fördergelder seien aber bei Ako-pro auf jeden Fall schon einmal in Kinder- und Jugendarbeit gesteckt worden.

 

Um einen Schaden festzustellen, müsse zudem der erforderliche Zweck eindeutig definiert werden können. Aber genau diese Definition der Kriterien, die in Bonn eine OT erfüllen müsse, sei dem Gericht auch nach zahlreichen Vernehmungen von Zeugen aus Verwaltung und Politik nicht ersichtlich. „Es herrschte selbst in der Stadtverwaltung Uneinigkeit darüber“, betonte Reinhoff.

 

Seit 2004 sei auch der Stadtrat in die Entscheidung über die Förderwürdigkeit einbezogen gewesen. Die jeweiligen Spezialisten der Fraktionen hätten nun als Zeugen ebenfalls berichtet, in den Jahren 2005, 2007 und 2009 für eine OT „unterschiedliche Kriterien“ angelegt zu haben.

 

Oberstaatsanwalt Peter van der Linden hatte aus diesem Grund schon am Mittwoch selbst auf Freispruch der beiden Angeklagten plädiert. Dem schlossen sich die Richter am Freitag an. Einen Betrugs- oder Täuschungsvorsatz könne man aufgrund der selbst in der Verwaltung herrschenden Streitigkeiten weder bei dem 57-Jährigen noch bei dem 68-Jährigen erkennen. (Ebba Hagenberg-Miliu)

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Freispruch-f%C3%BCr-die-beiden-Angeklagten-article3403673.html

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

 

 

 

General-Anzeiger Bonn, 12.11.16:

Demo gegen Missbrauch. Landgericht Köln. Foto: Hagenberg-Miliu

Verstümmelungen der Seele

 

Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bonn. Sechs Jahre sind vergangen, seit der Missbrauchs-Skandal in Schulen und Internaten bundesweit bekannt wurde. Wo stehen die einstigen Protagonisten der Aufklärung heute? Die Opfer: Kämpfen jene, die das Unfassbare laut und deutlich aussprachen, die den Mut fanden, sich vor die laufenden Kameras zu stellen, immer noch um Anerkennung?

Jene Opfer, die nicht im Schutz der Anonymität verharrten wie die meisten Betroffenen: Sind sie endlich von ihren Gespenstern befreit?

Und was ist mit den Tätern? Sie sind inzwischen größtenteils verstorben. Und die Mitwisser, Mitverantwortlichen und Erklärer? Stehen sie zu dem, was geschah? Einige Beispiele.

 

Der Unbelehrbare

Es ist ein Monster von Buch. Fast 1400 Seiten dick. Es hat sich auf dem Markt breit gemacht, um all das zu überdecken, was je über den Missbrauchsskandal, vor allem über den an der Odenwaldschule, dieser einst heiligen Schmiede der Reformpädagogik, geschrieben wurde. Oder, wie der Autor Hartmut von Hentig wohl urteilen würde: was je unberechtigt an Jauche über deutsche Eliteschulen gegossen wurde.

Mit 90 Jahren hat der einst gefeierte Pädagoge den Faden der Rechtfertigung für die kriminellen Taten seines Lebensgefährten Gerold Becker noch einmal aufgenommen. Unter dem Titel „Noch immer. Mein Leben“ ist dabei ein, wie Kritiker urteilen, Wust eitler Verdrängungskunst herausgekommen. Man wirft dem inzwischen verstorbenen Becker hundertfachen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vor – verübt in den Jahren von 1969 bis 1985.

Noch immer schützt Hartmut von Hentig seinen verstorbenen Lebenspartner Gerold Becker – vielleicht auch, um sein eigenes Lebenswerk nicht zu gefährden. Die Aufklärer des Skandals werden in von Hentigs Augen zu Jägern, er selbst der unschuldig Gejagte, der sich „Gehässigkeit einerseits und grober journalistischer Ungenauigkeit“ erwehren müsse: „Missbrauchte Arglosigkeit – ich gehe in die Falle“, heißt ein Kapitel seines Buches.

Damit degradiert der alte Mann die missbrauchten Schüler zu perfiden Verführern und macht sie so ein weiteres Mal zu Opfern. Wie Hohngelächter muss dieses Buch auf Betroffene wie Adrian Koerfer wirken – oder auf Andreas Huckele, der unter dem Pseudonym Jürgen Dehmers sein Leid im Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ niederschrieb.

 

Der Enttäuschte

„Wir widersprechen Hartmut von Hentig in aller Deutlichkeit und Schärfe“, sagt Adrian Koerfer im Gespräch mit dem General-Anzeiger. Der heute 60-Jährige ist selbst vielfaches Becker-Opfer und gibt den Fällen seit 2010 öffentlich ein Gesicht. Man habe das Buch vergeblich zu verhindern versucht, erklärt Koerfer im Namen der IG Frostschutz – Interessengemeinschaft zur Aufarbeitung der Verbrechen.

Über Jahre hinweg hatte Koerfer als Vorsitzender des Vereins Glasbrechen jeglichen Vertuschungsbemühungen unnachgiebig Paroli geboten. Nach dem Aufflammen des Skandals vor sechs Jahren hatte der an sich scheue Kunsthändler klirrend das dicke Glas der Verdrängung zerbrochen, das um die Gewalt-taten entstanden war. 2016 stehen die Zeichen offenbar auf Frostschutz, also darauf, zu verhindern, dass schon Erreichtes wieder erstarrt, das Rad gar zurückgedreht werden könnte.

„Wir sind noch nicht weit gekommen. Die Sprachlosigkeit der Verantwortlichen macht uns Opfer sprachlos“, hat Koerfer im vergangenen Jahr in die Mikrofone der Fernsehreporter gesagt. Da war er gerade in den Betroffenenrat beim unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs geholt worden. Nun entfacht der neue Wälzer des alten Unbelehrbaren die Wut neu.

Dabei sei doch alles bewiesen: „Die Mitarbeiter um Gerold Becker haben Hunderte von Kindern und Jugendlichen aus der jeweils möglichen Lebensbahn gerissen, teilweise mörderisch vernichtet, teilweise seelisch verstümmelt, teilweise lebensuntauglich gemacht“, so Koerfer. Und jetzt komme dieser „greise alleinstehende Rechthaber“, verkläre Missbrauchsverhältnisse zu Liebes-beziehungen und leugne die pathologische Kinderschändung. Gut sechs Jahre nach Skandalbeginn finde die Strategie der Täter-Opfer-Schuld-Umkehrung also wieder statt. Die Enttäuschung sitzt tief bei Adrian Koerfer.

 

Die Kämpferin

Die Berlinerin Angelika Oetken tritt auch noch gegenwärtig auf Internetplattformen oder im Fernsehen zum Thema Missbrauch für die Betroffenenrechte ein: unbeirrt und kompromisslos, fast ohne Deckung und damit verwundbar. Schonungslos outet sich die 52-jährige Angelika Oetken: Sie wurde als Kind in der Familie sexuell missbraucht.

Die Ergotherapeutin engagiert sich ehrenamtlich als Sprecherin des Betroffenenbeirates sexueller Missbrauch und auch beim Ergänzenden Hilfesystem für Missbrauchsopfer des Fonds Sexueller Missbrauch. „Ich beschäftige mich mit der Frage, welche sozial stabilisierenden Zwecke das bislang übliche Verdrängen und Vertuschen der sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen hat“. Denn sonst, so schlussfolgert Angelika Oetken, hätte sich die Kultur der Tabuisierung und der Opferbeschämung doch nicht über einen so langen Zeitraum halten können.

Die Kämpfernatur lässt einfach nicht locker. „Ab und an müssen wir energisch intervenieren; zum Beispiel, wenn täternahe Kreise versuchen, jegliche wirksame Initiative zu unterlaufen, zu okkupieren oder zu sabotieren“, so Oetken im Gespräch mit dem General-Anzeiger.

Dagegen könne sie als Einzelperson wenig ausrichten. Aber gemeinsam mit Betroffenen aller Gruppierungen fühlt sie sich stark. „Wir müssen doch unseren Mitmenschen und den politisch Verantwortlichen Wege aufzuzeigen, wie man Kinderschutz und Opferorientierung auf unkomplizierte Weise in den gesellschaftlichen Alltag integrieren kann.“ Oft sei dazu nur ein Wechsel der Perspektive notwendig.

 

Die neue Koalition

Es ist die wohl erstaunlichste Achse der Versöhnung, die die schier endlose Geschichte der deutschen Missbrauchsaufklärung Anfang 2016 plötzlich völlig neu sortiert hat: Norbert Denef, Vorsitzender des Vereins netzwerkB, und Jesuitenpater Klaus Mertes standen lachend zusammen vor dem Dom von Sankt Blasien.

„Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagte Denef. Der 67-Jährige, der als Messdiener und in der Familie sexuellen Missbrauch erlebte, gilt hierzulande als unerbittlicher Verfechter der Betroffenenrechte. Und jetzt gründete er eine Opferstiftung – gemeinsam mit einem Jesuitenvertreter. „Es ist wichtig, dass die Initiative für Versöhnung von der Opferseite kommt“, erwiderte Mertes, inzwischen in Sankt Blasien Kollegsrektor. 2010 war er am Canisius-Kolleg, wo der Skandal entflammte, in den medialen Fokus gelangt. Der 61-Jährige fehlt seither auf keinem Podium zum Thema.

Die Wochenzeitung Die Zeit überlässt ihm, dem Vertreter einer sogenannten Täterorganisation, zu allen Jahrestagen und Ereignissen gleich vollständig die Berichterstattung. Mehr Ruhm geht kaum. Da können Opferverbände noch so murren: Ein Jesuit ist in Deutschland zum Gesicht der Aufarbeitung geworden. Und sah dieser Jesuit plötzlich dort vor dem Dom seinem einst ärgsten Kritiker nicht sogar täuschend ähnlich?

Dabei hatte Denef 2010 auf dem Evangelischen Kirchentag für einen Eklat gesorgt, als er den Podiumssprecher Mertes anblaffte: „Hören Sie auf mit diesem Affentheater. Nicht Sie haben das Schweigen über den Missbrauch gebrochen; es waren die Opfer selbst.“ Nun also, O-Ton Denef, „Versöhnungsakt in Sankt Blasien“. Die Opfer kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Zwei Persönlichkeiten, die neue Wege gehen und Außergewöhnliches leisten“, jubelten die einen. Andere schimpften: „Was für eine peinliche Aktion.“

 

Der erste Mutige

Der Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski war 2004 und 2010 der erste Schüler des Bonner Aloisiuskollegs, der öffentlich zum Missbrauch Stellung bezog. Der heute 44-Jährige führt momentan im Münchener Akademietheater Regie in Feydeaus abstruser Komödie „Klotz am Bein“: 1000 Einfälle pro Sekunde, zweieinhalb Stunden Tempo, lobt die Kritik.

Zum Lachen ist es Abrantes aber wahrlich nicht immer: In Alumni-Foren ist der Exzentriker als Netzbeschmutzer verrufen. Ja, er stehe zu seinem Schlüsselroman „Sacro Pop“, der schon 2004 beschrieb, wie der vormalige Internatsleiter seine Sucht nach nackten Jungenkörpern befriedigte. „So ziemlich jeder meiner damaligen Schulfreunde brach den Kontakt zu mir ab. Jeder war besorgt, dass ich ihnen ihre so beneidenswerte jesuitische Vergangenheit zerstören würde, die ja schließlich die Eintrittskarte zu einem erfolgreichen Leben ist“, sagt Abrantes. Zu einer angesetzten Lesung wurde er damals aus den Godesberger Kammerspielen wieder ausgeladen.

2010 wurde der Skandal offenbar – und Miguel Abrantes Ostrowski war sofort wieder mittendrin. Weil er sich outete. Weil er in Fernseh-Talkshows und Zeitschriften sein Gesicht zeigte. Das sei die beängstigendste und gleichfalls glücklichste Zeit seines Lebens gewesen. „Zuerst hatte ich die Hosen voll, mit nächtlichen Schweißausbrüchen und dem ganzen Programm. Keiner wusste ja, wie die Geschichte enden würde – niemand hatte sich bisher mit diesen Despoten angelegt. Aber ich habe gewonnen.“

 

Doch der Preis ist bis heute hoch

Zum einen der Preis für den Vertrauensverlust in der Jugend, als er Opfer wurde, und zum anderen für den Tabubruch, als das einstige Opfer auspackte. Der Preis ist vor allem die Bindungsangst, die Unfähigkeit, Nähe zuzulassen. Abrantes: „Bis heute gelingt es kaum.“

 

Abrantes, Mertes und Oetken schrieben Beiträge im Buch von GA-Autorin Ebba Hagenberg-Miliu: Unheiliger Berg. Kohlhammer, 288 S., 29,90 Euro

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/kultur-und-medien/Verst%C3%BCmmelungen-der-Seele-article3400749.html

 

 

 

Ako-pro-Mitarbeiter sagen gegen Leiter aus

Der Ex-Vereinschef und ein ehemaliger Jugendpfleger sind des Betrugs angeklagt. Es geht um 165.000 Euro Fördergelder

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bonn. Der Prozess um den 57-jährigen ehemaligen Leiter des Ako-pro-Seminars und einen 68-jährigen Ex-Jugendpfleger der Stadt wegen Betrugs vor dem Landgericht spitzt sich zu. Am dritten Verhandlungstag bezeugten alle drei hauptamtlichen Mitarbeiter der letzten Ako-pro-Vereinsjahre bis 2010, dass es eine Offene Tür-Einrichtung (OT) für Jugendliche an der dem Aloisiuskolleg (Ako) nahestehenden Bildungsstätte nicht gegeben habe. „Es gab nur kostenpflichtige Kursangebote. Andere Kinder wären nicht aufs Gelände gekommen“, sagte etwa ein Sozialpädagoge, der zuvor eine andere OT in Bonn geleitet hatte. Wie berichtet, soll der Ako-pro-Chef mit Hilfe des Jugendpflegers über Jahre 165.475 Euro an städtischen Fördergeldern für den Betrieb einer OT zweckentfremdet verwendet haben.

Der Angeklagte habe von der Stadt innerhalb von fünf Jahren ja auch über eine Million Euro Fördergelder für die Ako-pro-Kurse erhalten, da habe er es doch gar nicht nötig gehabt, „diese Summe durch Betrug noch um 165.000 Euro zu erhöhen“, sagte Oberstaatsanwalt Peter van der Linden. Auch der nachmalige Ako-pro-Vorsitzende Dirk Stueber, bis 2016 Ako-Lehrer und jetzt Schulleiter in der Region, wurde gehört. Man habe die Sparte, um die es gehe, seit Ausscheiden des Angeklagten ab 2011 nicht bedient, „weil wir selbst nicht überzeugt waren, dass das überhaupt eine OT-Einrichtung war“, sagte Stueber. Er hatte nach der Trennung des Kollegs und seines 57-jährigen Mitarbeiters die Aufarbeitung übernommen.

Der 57-Jährige und seine Anwältin konterten, dass OT-Arbeit eben offene Jugendarbeit in den Bereichen Pfadfinder sowie Theater, Chor und Orchester am Ako bedeutet habe. Woraufhin Richter Klaus Reinhoff folgerte, man stehe hier offensichtlich vor einem „Problem der Verquickung von OT, Seminar- und Schulbereich.“ Der 57-Jährige habe für die städtischen Förderzahlungen „nicht mal Schätzwerte“ an hohen OT-Nutzerzahlen angegeben, bezeugte nun seine Mitarbeiterschaft. Eine Zeitschaltuhr habe bis abends einen OT-Betrieb vorgetäuscht. Und für einen angemeldeten Prüftermin des Jugendamts seien extra Scouter zusammengetrommelt worden. Der 57-Jährige ließ alles abstreiten. Die Stadt habe doch selbst die OT-Ausgestaltung und alle seine Förderanträge vielfach abgesegnet.

Hier halfen auch die beiden geladenen Mitarbeiter des Jugendamts nicht weiter. Ihre Aufgabe sei allein die Zuteilung der Zuschüsse und keine Sachprüfung gewesen, antworteten sie dem Richter auf dessen Hinweis auf „massive Abrechnungsprobleme“ bei Ako-pro. Es soll unter anderem noch der Jugendamtsleiter als Zeuge aussagen.

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Ako-pro-Mitarbeiter-sagen-gegen-Ex-Leiter-aus-article3398119.html

 

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

 

 

27.10.16  General-Anzeiger

 

Landgericht Bonn

 

Ex-Leiter des Ako-pro weist Vorwürfe zurück

 

 Von Rita Klein und Ebba Hagenberg-Miliu

27.10.2016 Bonn. Der 57-jährige ehemalige Leiter des Ako-pro-Seminars steht zusammen mit einem städtischen Jugendpfleger wegen Betrugs vor dem Bonner Landgericht.

 

Ich bin froh, dass Sie da sind“, begrüßt der Vorsitzende der 3. Großen Bonner Strafkammer, Klaus Reinhoff, den früheren Leiter des Ako-pro. Der 57-Jährige muss sich seit Mittwoch zusammen mit einem ehemaligen Jugendpfleger der Stadt wegen Betruges vor Gericht verantworten. Dass der Richter froh ist, hat einen Grund: „Es bestand die Befürchtung, dass Sie nicht zum Prozess kommen.“ Denn 2013 hatte der 57-Jährige nach massiven Vorwürfen und dem Verlassen des Ako-pro Deutschland verlassen. Er habe sich in Ägypten ein neues Leben aufgebaut, erklärt er nun. Er führe dort ein kleines Hotel und kümmere sich um Kamele, wisse aber wegen der Lage in Ägypten nicht, ob er dort bleibe. Zurzeit sei er hier in seinem Haus.

Den Vorwürfen, die Oberstaatsanwalt Peter van der Linden verliest, will er sich nun stellen: Mit Hilfe des mitangeklagten 68-jährigen Jugendpflegers soll sich der 57-Jährige über Jahre hinweg insgesamt 165.475 Euro an städtischen Fördergeldern, die für den Betrieb einer beim Ako-pro-Seminar angesiedelten Offenen Tür bestimmt waren, erschlichen und zweckentfremdet für Freizeiten und andere kostenpflichtige Aktivitäten des Ako-pro-Seminars verwendet haben. Das soll der damalige Jugendpfleger für Bad Godesberg mit engem Kontakt zum Ako-pro-Chef, gewusst und ihn gedeckt haben. Im Prozess ist von Verbundenheit nichts zu sehen.

 

Der 68-Jährige schweigt erst mal. Sein Anwalt Jörg Ziegler hat Aussetzung des Verfahrens wegen Benachteiligung seines Mandanten beantragt. Grund: Das Gericht habe auf die Terminlage der anderen Prozessbeteiligten Rücksicht genommen, aber ignoriert, dass er als Wahlverteidiger an sechs von acht Terminen verhindert sei. Deshalb wurde kürzlich noch eine Verteidigerin für den 68-Jährigen engagiert.

 

Der Ex-Ako-pro-Leiter aber redet. Der Sozialpädagoge bestreitet die Vorwürfe und erklärt: Sein Engagement für das Ako-pro, mit dem er schon als Schüler begonnen habe, sei sein Leben gewesen. Das habe man ihm genauso zerstört wie seine Reputation – mit Vorwürfen und einer Hetzkampagne. Im Zuschauerraum lässt ihn der Vorsitzende eines Missbrauchsopfervereins nicht aus den Augen.

 

Der Angeklagte beteuert: Der Vorwurf, es habe am Ako-pro überhaupt keine Offene Tür (OT) gegeben, die allen Jugendlichen unentgeltlich zur Verfügung gestanden habe, sei falsch. Seine OT habe keinen Kickertisch gebraucht, weil sie eben ganz am „Sozialraum“ der Godesberger Gymnasialschüler ausgerichtet gewesen sei. Ob denn ohne OT-Beschilderung „ein Kevin aus Tannenbusch oder eine Chantal aus Dransdorf“ gekommen sei, fragt der Richter. Der Angeklagte: Die seien sowieso nicht gekommen. Als er benennen soll, was denn in der OT als freie Maßnahme angeboten worden sei, fällt ihm nur der Basketballplatz draußen ein. „Und für den wurden jährlich 33.000 Euro Fördergeld verwendet?“, fragt Reinhoff.

 

Der Richter hält ihm auch Zeugenaussagen vor, wonach Ausgabekosten völlig beliebig in die Rechenschaftsberichte gesetzt oder bei städtischen Kontrollbesuchen eigens Jugendliche für die angebliche OT bestellt worden seien, um einen Betrieb zu simulieren. Der Angeklagte hat für alles eine Erklärung und versichert: Politiker, Stadtspitze und Jugendamtsleitung seien über die Arbeit des Ako-pro stets informiert gewesen. Demnächst sollen Zeugen bei der Aufklärung helfen.

 

Ako-pro-Seminar

 

Der aus dem Aloisiuskolleg (Ako) heraus

gegründete Verein bot seit den

1980er Jahren bis zu seiner Insolvenz

2013 auf dem Ako-Gelände und auf

Fahrten ein freizeitpädagogisches

Programm für Bonner Schüler an.

Dazu sollte auch eine Offene-Tür-Einrichtung

(OT) gehören, die von der

Stadt über viele Jahre extra gefördert

wurde und um die es in der jetzigen

Verhandlung geht.

 

Der Angeklagte bestimmte seit

1992 den Ako-pro-Kurs. Er war

gleichzeitig Ako-Mitarbeiter und saß

über Jahre imstädtischen Jugendhilfeausschuss.

2010 belasteten ihn Missbrauchsanzeigen.

Diese Verfahren

wurden später eingestellt, weil

„strafbare Handlungen in nicht rechtsverjährter

Zeit nicht feststellbar gewesen“

seien.

 

Ende 2010 trennte sich das Ako

von ihm. Der vom Ako beauftragte

„Bintig-Aufklärungsbericht“ warf dem

Mann 2013 vor, ein „autoritäres

Machtsystem“ auf Kosten Abhängiger

errichtet zu haben. Ende 2011 hatte

das Rechnungsprüfungsamt moniert,

die sehr hohen OT-Fördergelder

für Ako-pro seien unberechtigt gezahlt

worden. Der Verein überwies der

Stadt 38000 Euro für Einzelmaßnahmen

zurück. Als die Stadt auch die

OT-Fördergelder zurückforderte, ging

der Verein in Insolvenz.

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Ex-Leiter-des-Ako-pro-weist-Vorw%C3%BCrfe-zur%C3%BCck-article3390866.html

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Fr%C3%BCherer-Ako-Pro-Leiter-weist-Betrugsvorw%C3%BCrfe-zur%C3%BCck-article3390610.html

 

http://www.rundschau-online.de/region/bonn/stadtbonn/betrugsprozess-in-bonn-viel-stress-mit-der-abrechnung-24984248?originalReferrer=https://www.facebook.com/&originalReferrer

 

http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/ako-jugendamt-100.html

 

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

 

 

 

14. 10. 16 General-Anzeiger Bonn:

 Aloisiuskolleg in Bad Godesberg

Ehemaliger Ako-pro-Leiter und Jugendpfleger angeklagt

 

Foto: Ebba Hagenberg-Miliu

Die ehemalige Ako-pro-Verwaltung

 

BAD GODESBERG. Ab 26. Oktober müssen sich zwei ehemalige Mitarbeiter des Aloisiuskollegs und der Stadt vor dem Bonner Landgericht verantworten. Es geht um Betrug in drei besonders schweren Fällen.

 

Fast fünf Jahre, nachdem der General-Anzeiger den brisanten Bericht des Rechnungsprüfungsamts über eine Finanzaffäre um das Bad Godesberger Ako-pro-Seminar öffentlich machte, kommt es vor dem Bonner Landgericht zum Prozess gegen die beiden Angeklagten. Ab 26. Oktober müssen sich die Männer wegen mutmaßlichen Betrugs in drei besonders schweren Fällen verantworten, bestätigt Landgerichtssprecher Bastian Sczech auf Anfrage. Es seien eine ganze Reihe Zeugenaussagen geplant.

 

Die Anklage gehe davon aus, dass die Stadt dem Ako-pro-Verein, der inzwischen insolventen, vormaligen Nachmittagseinrichtung des Aloisiuskollegs (Ako), für eine nicht bestehende Einrichtung Fördergelder der Kinder- und Jugendhilfe von gut 160 000 Euro gezahlt habe. Wie berichtet, handelt es sich bei einem der Beschuldigten um den ehemaligen Ako-pro-Leiter und Ako-Mitarbeiter im Externat. Das Ako hatte sich Ende 2010 von dem langjährig Beschäftigten getrennt, weil ihn Missbrauchsanzeigen belasteten. Diese Verfahren wurden eingestellt, weil „strafbare Handlungen in nicht rechtsverjährter Zeit nicht feststellbar gewesen“ seien, so der damalige Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

 

Der zweite Angeklagte ist ein inzwischen in Ruhestand befindlicher städtischer Jugendpfleger. Er war von 1991 bis 2012 zuständig für den Stadtbezirk Bad Godesberg und damit auch für Ako-pro. Er habe seine Stellung missbraucht und sich des Betrugs durch Unterlassen strafbar gemacht, weil er es unterlassen habe, seinen Dienstherrn über das betrügerische Handeln bei Ako-pro zu unterrichten, sagte Apostel 2012. Beide Beschuldigte hatten in der Jugendhilfe über Jahre auch auf überkommunaler Ebene zusammengearbeitet.

 

2011 hatte das Rechnungsprüfungsamt dem Vereinsleiter für 2008 bis 2010 systematische Täuschung bei der Beantragung von hohen Zuschüssen vorgeworfen. Er habe Jugendliche des Ako-pro instrumentalisiert, Fördervoraussetzungen für ihn zu fingieren und anlässlich eines Besuchs von städtischen Kontrolleuren den Betrieb einer Offenen Tür (OT) zu simulieren.

 

Ab 2011 kontrollierte die Stadt die Zuschüsse rückwirkend. Sie entzog dem Verein 2012 die Trägerschaft der freien Jugendhilfe und klagte auf Rückerstattung von 165 495 Euro. Der Verein wiederum positionierte sich nach der Trennung von seinem Mitarbeiter deutlich gegen ihn: Der Beschuldigte sei „seiner Verantwortung in keinster Weise gerecht“ geworden, sagte der neue Vorsitzende, Ako-Lehrer Dirk Stueber, dem GA.

 

Folglich musste Ako-pro Insolvenz anmelden, verbuchte aber vor dem Landgericht noch einen Erfolg: Der ehemalige Leiter sollte Ako-pro 23 500 Euro als „Schadensersatz und Rückgabe von Vereinseigentum“ zurückzahlen. Intern zog die Stadt die Konsequenz, ihre Jugendpfleger ab sofort in sämtlichen Stadtteilen rotieren zu lassen. 2013 erhob dann auch die Staatsanwaltschaft Bonn Anklage gegen den langjährigen Ako-pro-Leiter, aber auch gegen den ehemaligen Jugendpfleger der Stadt: und zwar wegen mutmaßlichen Betrugs in besonders schweren Fällen sowie mutmaßlichen Betrugs durch Unterlassen.

 

Es ging ihrer Ansicht nach bis 2010 um mindestens 165 000 Euro unrechtmäßig erworbene Fördermittel für eine, wie die Staatsanwaltschaft angab, auf dem Ako-Gelände nie betriebene OT-Einrichtung. In dieser Sache kommt es nun also zur Hauptverhandlung vor dem Landgericht. Laut vorläufiger Planung der zuständigen Strafkammer wird der Prozess bis 22. November dauern. (Ebba Hagenberg-Miliu)

 

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bad-godesberg/Ehemaliger-Ako-pro-Leiter-und-Jugendpfleger-angeklagt-article3380868.html